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Kartoffeln im Eigenbau und etwas Futter für die Ziege Karg war der Verdienst, er blieb auch dann noch gering, wenn die ganze Familie mit arbeitete. Wie mögen die Menschen dann aber das Leben gefristet haben? Auch hierüber gibt uns ein Chronist Auskunft:
„Daß mit solchem geringen Verdienst nur eine Lebensführung von einer uns heute unvollstellbaren Bedürfnislosigkeit möglich war, leuchtet ein. Durchführbar wohl nur dann, wenn jede Familie ein paar Morgen Feld – und wenn es nur zwei oder drei waren – ihr Eigen nannte, um ein paar Kartoffeln anzubaün und etwas Futter für die Ziege oder, wenn es schon sehr hoch kam, eine Kuh zu gewinnen. Die Kartoffel war die fast ausschließliche Nahrung. Etwas Fett dazu, nur in bescheidensten Ausmaße, konnte schon ein ausgesprochener Luxus gelten.
Und wie stand es denn mit Fleisch, fragte ich meinen Gewährsmann, den langjährigen Kunzendorfer Gemeindevorsteher, der hoch in den Siebziger und über vieles aus eigenen Erleben heraus berichtet.
´Jou, doas goabs wull`, aber, wie sich gleich herausstellt, selten genug mal und wenn, dann viertelpfundweise! Was wir nach heutigen Ernährungsprinzipien als für die Ernährung unentbehrlich erachten, war vielleicht gar nicht vorhanden – wenn überhaupt – dann in heute uns durchaus unzureichend erscheinenden Mengen. Bezeichnend ist, daß eine Fleischerei im Dorf gar nicht bestand. Bei dem geringen Bedarf wäre sie unlohnend gewesen. Fleisch wurde im vorigen Jahrhundert nur im Hausierhandel von einem der Nachbardörfer aus in Viertel- oder Halbpfund Stücken feilgeboten. Auch Zucker war etwas Rares und wurde ebenfalls nur in viertel pfundweise eingekauft. Kaffee vielleicht bei besonderem Anlaß mal ein Lot.
`Die Kließa` oder `Kellern`, die heute auch im einfacheren schlesischen Haushalte als allsonntägliche Selbstverständlichkeit gelten dürfen, waren eine durchaus festtägliche Seltenheit.“
Armut und bescheidene Lebensführung auch in anderer Hinsicht
Die Weber haben also nicht in Überfluß gelebt. Das ist uns bei diesen Schilderungen gewiß sehr deutlich geworden. Und alle Armut offenbart sich auch in der übrigen Lebensführung und –haltung, worüber der Chronist berichtet:
„Wie mit der Ernährung stand es auch mit anderen, der heutigen Generation als selbstverständliche und unentbehrlich erscheinenden Dingen des täglichen Bedarfs. Schuhe und Strümpfe wurden als ausgesprochener Luxus angesehen. Es wurde fast immer barfuß gegangen, im Hause ebenso wie draußen, vom beginnenden Frühjahr, wenn morgens das Eis noch auf den Pfützen stand, bis in den wieder einfallenden Winter hinein. Beim Hüten an taufeuchten Morgen, wenn die Füße vor Kälte erstarren wollten, wurde manchmal das, was eine Kuh eben auf dem natürlichen Stoffwechsel auf die Wege hat fallen gelassen, schon im nächsten Augenblick als hoch willkommenes, wärmendes Fußkissen betrachtet und benutzt. Und erstaunlich: Man war größtenteils gesund dabei, ausdaürnd und zäh. Gesünder durchschnittlich als die heutige Generation und erreichte hohe Lebensalter.
Wie anspruchslos – rein physiologisch – der menschliche Organismus doch ist! Anpassungsfähig in einem Ausmaß, daß es Wunder nehmen muß.“![]()
Man beachte, was alles zu tun ist und vergesse keinen der Arbeitsschritte. Die Wäsche ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.
1. Mache im Hof ein tüchtiges Feür, mit dem Du einen Kessel Regenwasser erhitzt.
2. Stelle die Waschzuber so auf, dass Dir der Wind nicht den Rauch in die Augen bläst.
3. Raspele ein großes Stück Kernseife in das kochende Wasser hinein.
4. Sortiere die Wäsche in drei Haufen: weiße Wäsche – Buntwäsche – Arbeitshosen und Lumpen.
5. Rühre Mehl glatt in kaltes Wasser ein; anschließend mit kochendem Wasser verdünnen.
6. Schmutzflecken kräftig auf dem Waschbrett reiben, dann kochen. Die farbigen Wäschestücke auch reiben, aber nicht kochen, sondern nur spülen und stärken.
7. Hole die fertige weiße Wäsche mit dem Besenstiel aus dem Kessel heraus; dann spülen und stärken.
8. Hänge die Lumpen zum trocknen auf den Zaun.
9. Handtücher und Laken auf dem Gras zum Trocknen ausbreiten.
10. Gieße das gebrauchte Spülwasser auf die Blumenbeete.
11. Schrubbe mit dem noch heißen Seifenwasser den Vorplatz vor der Haustür.
12. Die leeren Zuber umstülpen.
Publikationsstand dieser Seite:02/04/08