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Versuch einer Erklärung

Eine sehr wechselhafte Geschichte:

(zu den Karten)

 

Während noch im 13. Jahrhundert Schlesier und Polen gemeinsam die Mongolen aus ihrem Land gedrängt und die schlesisch-polnischen Fürsten die Einwanderung von Deutschen kräftig gefördert hatten, gehörte Schlesien seit 1526 dem österreichischen Staatenverband an, ehe es 1740 von Preussen annektiert wurde. Polen griff in die drei schlesischen Kriege nicht ein, denn längst war es zum Spielball der Großmachtinteressen von Russland, Österreich und Preussen geworden. Bereits Friedrich II. machte sich Gedanken über eine mögliche Teilung Polens, das für ihn einerseits strategisch gefährlich war (denn es bedrohte die ostpreussische Flanke), das anderseits aber einen Anreiz für eigene Annexionspläne darstellte. Der polnische Staat ist in drei demütigenden Teilungen (1772, 1793 und 1795) zwischen Russland (80 Gebiets-%), Preussen (8%) und Österreich (12%) aufgeteilt und damit ausgelöscht worden, der 800jährige Staat wurde von der europäischen Landkarte getilgt.

Immer wieder kam die Frage der Wiederherstellung der politischen Unabhängigkeit Polens ins Gespräch. Aber die 1850 von Preussen aufgezwungene Verfassung enthielt keinerlei nationalrechtliche Bestimmungen. Spätestens seit der deutsche Reichsgründung 1871 war für die national gesinnten Polen ein Verbleiben im nunmehr deutschen Reich nicht mehr möglich, im “polnischen Preussen†war dies immerhin denkbar gewesen. Die Abschaffung der polnischen Unterrichtssprache (1873) und die Einführung des Deutschen als alleinige Amtssprache (1876) in den deutschen Ostgebieten führte zu immer mehr Unruhe, ebenso die Förderung der massiven Förderung der Ansiedlung von Deutschen. Allein 1885 wurden 26.000 Polen und Juden willkürlich als “Unruhestifter†ausgewiesen.  Das Deutsche Reich versuchte das eigenständige polnische Leben zum Erlahmen zu bringen.

Die polnische Frage drängte also am Vorabend des ersten Weltkriegs nach einer Lösung. Zunächst befolgten noch  1914 die polnischen Wehrpflichtigen in Preussen, Österreich und Russland ihren Gestellungsbefehlen. Erst als die polnischen Patrioten aus allen drei Ländern gegeneinander gekämpft und für fremde Nationen ihr Leben liessen, sollte es zum Widerstand und zur Wiederherstellung des unabhängigen Polens.

Der deutsche und österreichische Kaiser erwogen die Einrichtung eines Königreichs Polen, doch kam die Niederlage Deutschlands und der Vertrag von Versailles dem zu vor. Die Pariser Vorortverträge lösten die Donaumonarchie auf, entrissen Deutschland erhebliche Gebiete und liessen unter anderem die Tschechoslowakei und Polen als souveräne Staaten neu entstehen. So ergab sich die politische Gliederung, wie in den Karten zu sehen, nach dem ersten Weltkrieg und von 1923.Zur Abgrenzung Polens nach Osten schlug der britische Aussenminister Curzon 1920 eine Demarkationslinie vor, die s. g. Curzonlinie (Karte von 1923). Im polnisch-russischen Krieg von 1920/21 erzwang Polen jedoch unter Ausnutzung der innerrussischen politischen Wirren im Friedensvertrag von Riga am 15.3.1921 das russische Gebiet östlich dieser Curzonlinie mit 184.000 qkm, obwohl es nur zu 15 % mit Polen besetzt war.

1925 setzte ein für Polen ruinöser Zollkrieg ein, der von der deutschen Regierung vom Zaun gebrochen wurde, um politische Zugeständnisse von Polen zu erhalten. Der zu dieser Zeit in der deutschen Öffentlichkeit erhobene Vorwurf , Polen unterdrücke die deutsche Minderheit, war sicher nicht aus der Luft gegriffen. Die polnische Boden- und Siedlungspolitik in Polen entzog den deutschen die wirtschaftliche Basis. Die Zahl der deutschen Schulen z.B. verringerte sich zwangsweise auf ein siebtel.

Unter ebensolchen Schwierigkeiten hatten natürlich auch die Sudetendeutschen zu leiden.

Unter diesen und anderen Hintergründen erfolgte die Machtübernahme Hitlers. Im Namen “der völkischen Flurbereinigung†überfielen die deutschen Truppen Polen; die vierte polnische Teilung während des 2. Weltkriegs war vorher schon beschlossene Sache. Am 17. September 1939 marschierten Stalins Truppen im östlichen Polen ein. Hitlers geheimer Ausspruch am 23. 05.1939 “Ziel: Vernichtung Polens. Beseitigung seiner lebendigen Kraft, Mittel gleichgültig. Es handelt sich nicht darum, das Recht auf seiner Seite zu haben sondern ausschliesslich um den Sieg...â€.

Die befohlenen Aktionen zur Vernichtung der polnische Existenz führten dazu, dass Hass und Terror sich verselbständigten. Denunziationen waren an der Tagesordnung. Es fanden in allen grösseren Orten öffentliche Erschiessungen von polnischen “Deutschfeinden†statt. Es erfolgte die Ausrottung ganzer Geschlechter. Die Polen versuchten sich zu wehren, dies forderte wieder die nationalsozialistische Propaganda heraus. Wie diese Erschiessungen und viele Greültaten eine berechtigte Empörung hervorriefen, so führten die organisierten Morde, die im Namen der “völkischen Flurbereinigung†nicht nur an Juden, sondern auch an Polen und später an Russen begangen wurden, zu stärksten Hass- und Rachegefühlen. Es folgten Deportationen von etwa 1,125 Mio. Polen in das Deutsche Reich. Die Baürn und Siedler in den Grenzprovinzen des deutschen Ostens haben das brutale Vorgehen der Einsatztruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes beim Einmarsch der Roten Armee 1944/45 bezahlen müssen. Es kam zu Racheakten, Raub, Plünderungen, Misshandlungen, Vergewaltigung; vor dem Hintergrund der Nachlassenschaften der deutschen Truppen aus der Taktik “der verbrannten Erde†mit dem Ausrottungswahn des überhasteten deutschen Rückzugs.

Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 erfolgte die Grenzverschiebung Polens aus dem Gebiet von 1921-1939 nach Westen. In den Potsdamer Beschlüssen wurden “bis zu einem Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland†die Ostgebiete unter polnische bzw. der nördlichen Teil Ostpreussens unter russische Verwaltung gestellt. Die Ostgrenze Polens wurde zugunsten Russlands zur Curzonlinie, im südlichen Teil bis hinter Lemberg verschoben. Die deutsche Teilung sollte bis zur Oder-Neisse-Linie erfolgen. Die Westmächte dachten erst an die Glatzer-Neiße und wurden von Stalin mit der Lausitzer-Neisse überrumpelt. Die polnische Bevölkerung wurde in die deutschen Gebiete umgesiedelt.  Es folgten die Vertreibungen der Deutschen.

Aus der Karte der Grenzverschiebung zeigt sich das Verhältnis an umgesiedelten Polen zur Zahl der vertriebenen Deutschen. Die Zahl der Polen in den deutschen Ostgebieten und die zurückgebliebenen Deutschen (freiwillig oder gezwungener Massen) reichte nicht, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Dazu kam, dass die polnische Bevölkerung nichts um die Zukunft ihres Bleibens und der endgültigen Gebietsverteilung  wusste

Auf Grundlage dieser Historie und den Verträgen der vier Siegermächte, an deren Verhandlungen die Deutschen nie beteiligt wurden, entstanden die heutigen Grenzen.

 

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Hinter den Dias verbergen sich die Karten in vergrößertem Maßstab.

(die Karten sind teilweise etwas unscharf, aber die Aussage der Karten lässt sich erkennen)

Polen-Deutschland

Polen 1. Teilung

Polen 2. Teilung

Polen 3. Teilung

Polen-Deutschland

Polen 1. Teilung

Polen 2. Teilung

Polen 3. Teilung

Polen 4. Teilung

Polen 1914

Polen 1923

Polen nach dem 1. Weltkrieg

Polen 4. Teilung

Polen 1914

Polen 1923

Polen nach dem

1. Weltkrieg

Polen im 2. Weltkrieg

Gebietsverschiebungn nach 1945

Polen im 2. Weltkrieg

Gebietsverschiebungn

nach 1945

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Publikationsstand dieser Seite:07/04/08

 

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