Die letzten österreichischen Butterhändler
Am 23.6.1866 wurde eine Meldung über Generalfeldmarschall Graf Wrangel, genannt Papa Wrangel veröffentlicht:
„Neisse, 20.6.1866. Gestern traf der Feldmarschall Graf von Wrangel hier ein und hat in Liebig`s Hotel Quartier genommen. Auch der Fürst von Pleß ist hier eingetroffen.“
„Tannhausen, 21.6.1866. Bis heute haben wir in unseren friedlichen Bergen – trotzdem wir von der österreichischen Grenze kaum eine Meile entfernt sind – von kriegerischen Operationen, Aür Truppendurchzügen, fast noch nichts bemerkt. Erst gestern waren noch eine Menge Butterhändler aus Österreich hier, die aber erklärten, dass sie wohl nicht mehr kommen würden, in dem die Grenze geschlossen würde. Am vergangenen Sonnabend ging einer dieser Leute erst des Nachts nach Hause und wurde von der diesseitigen Patrouille anfänglich für einen Spion gehalten, nach erfolgter Legitimation aber wieder entlassen.
Wie sehr sich die Österreicher vor ihren eigenen Landsleuten fürchten, beweist folgender Fall: Gestern kam ein Baür aus Merkelsdorf in Österreich nach Friedland in preussisch Schlesien und erzählte, es seien in der dortigen Gegend 40000 Mann Kroaten Einquartierung angemeldet, was unter der dortigen ( also österreichischen ) Bevölkerung einen weit größeren Schrecken verbreitet habe, als wenn sie den Anmarsch ebenso vieler Preussen benachrichtigt worden seien. Denn es sei bekannt, dass die Kroaten alles mit sich nehmen, was nicht niet- und nagelfest sei. Die Baürn suchen daher ihr Vieh usw. nach Preussen zu verkaufen. – Zwischen Neurode und Braunau ist die Pest aufgehoben:“
Kronprinz in Ottmachau
Die Familie des Freiherrn von Humboldt besaß ein Schloss in Ottmachau. Dieses Schloss besuchte der Kronprinz, hierüber wurde am 24.6.1866 berichtet:
„Neisse, 21.6.1866. Seine königliche Hoheit der Kronprinz begab sich heute mit dem Stab nach Ottmachau und beobachte vom Turme des dem Herrn Humboldt gehörigen Schlosses das Vorrücken unserer Kolonnen gegen die österreichische Grenze.“
Eine weitere Meldung vom 21.6.1866 aus Neisse besagte:
„Heute 4 Uhr morgens sind die bei Oppersdorf und Patschkau lagernden Truppen gegen die österreichische Grenze vorgerückt und dürften bereits die Grenze überschritten haben. Gegen achtzig Wagen mit Stroh, Holz und Mundvorrat passierten heute vor 7 Uhr die Stadt, um den vorrückenden Truppen zu folgen. Seine königliche Hoheit der Kronprinz ritt mit seinem Stab um 7 ½ Uhr nach Ottmachau zurück.“
„Neisse, 21.6.1866. Ein österreichisches Detachement überschritt die preussische Grenze und drang über Nacht bis Patschkau vor. Dort kam es zu einem Zusammentreffen mit unseren Vorposten und flogen die Kugeln bis in die Stadt. Die Österreicher zogen sich zurück. Kurz vor dieser Aktion kam in Patschkau die Glatzer Post an. Damit sie nicht gefährdet würde, wurde dieselbe – statt Ottmachau – über Münsterberg nach Neisse geleitet, wo sie fünf Stunden später wie sonst ankam. Die Personen blieben vorerst in Patschkau zurück und wurden, als alles vorbei war, auf direkten Weg nach Neisse weiterbefördert.“
Hierbei handelte es sich um schlesische Postkutschen, die damals noch zwischen Glatz, Patschkau und Neisse verkehrten.
Jüdische Bürger sind auch von nationaler Welle erfasst
Hierzu eine Zeitungsmeldung vom 24.6.1866:
„Breslau, 22.6.1866. Patriotisches – Ein Kaufmann jüdischer Religion hat eine Prämie von 50 Friedrichsdorf für den ersten Soldaten ausgesetzt, der eine feindliche Fahne erbeuten würde, und ausserdem eine weitere Prämie von 50 Friedrichsdorf für den ersten Soldaten israelitischen Glaubens, der durch eine Heldentat sich den Offiziersrang erwirbt.“
Eine weitere Meldung jedoch fettgedruckt:
„Hauptquartier Neisse, Sonnabend 23.6.1866. Das schlesische Armeekorps hat den Kriegsreigen eröffnet. Gestern früh rückten Detachements zur Recognoscierungs – Abteilung gegen Freiwaldau stieß zwischen Breitenfurth und Sandhübel auf ein österreichisches Husaren Regiment. Die Zündnadelgewehre bewährten ihre Vortrefflichkeit. Die Füsiliere des 1. Schlesischen Grenadier Regimentes Nr. 10 warfen eine Husaren – Attacke mit großer Ruhe zurück. Der Feind verlor acht Tote und fünf Verletzte. Unsererseits ist kein Verlust zu beklagen.
Kampfhandlungen im böhmischen Isergebirge
In der Zeitungsausgabe vom 26.6.1866 überstürzten sich die Meldungen:
„Aus dem Isergebirge, den 23.6.1866. Schlag 5 ¾ Uhr, durchschritt das Füsilier – Bataillon des 60. Regimentes im Aufblick zu Gott dem Herrn in frohen Siegesmut den Pass nach Neustädtel auf Friedland in Böhmen zu, unter dem Gesange eines vom tapferen, edlen Obersten von Hartmann gedichteten Soldatenliedes. Ziethensche Husaren, 2. Garde Dragoner, 11. Ulanen, Artillerie, alle Truppen in begeisteter Stimmung und vom prächtigen Aussehen. Man glaubte einer Parade beizuwohnen. Bis jetzt – 5 Uhr nachmittags – haben wir Geschützfeür nicht vernommen, ein Zeichen, das Friedland im Besitz unserer Truppen ist und das Clam`sche Korps ( Österreicher ) noch nahe an Reichenberg steht oder jenseits Reichenberg. Die schwierigen dortigen Pässe sind hier wohl bekannt. Die übrigen Abteilungen der Division von Mannschaften gingen gleichzeitig über die Pässe bei Schwerta und Marklissa auf Friedland vor.“
„Vom Isergebirge, 24.6.1866. Wie unsere Truppen hier nur Heide Segenswünsche und die höchste Bewunderung zurückgelassen, so haben sie schon beim Tagesmarsch durch die Grenzortschaften in Böhmen den preussischen Ruf der rücksichtsvollen Haltung bewährt. Die Behörden jenseits rühmen offen gegen alle hier hinüber gegangenen Bewohner das Benehmen der dort auf die Nacht einquartierten Truppen. Nicht ein verletzendes Wort sei gefallen, was entnommen wurde, sei bar bezahlt. Als unsere Roten (Ziethensche ) Husaren wie aus der Pistole geschossen plötzlich in alle Gassen des ersten Städtchens hineingesprengt, fiel manches zu Tode erschrockene böhmisches Weiblein in Ohnmacht. Sie riefen: ‚Huh, was san das für rote Kerls !‘ Leute flohen mit Betten und anderen Habseligkeiten in den Wald. Heute kommen sie in alle Läden hier, um für die guten preussischen Soldaten Zigarren und Lebensmittel aller Art zu holen.“
„Lauban, Sonntag 24.6.1866 früh. Unsere Truppen standen gestern in Böhmen über Reichenberg hinaus. Die Eisenbahnzüge wurden von Zittau bereits dahin gefördert. Prinz Friedrich Carl ist bei der Armee.
Nach Reichenberg geht die Eisenbahn von Zittau aus. Weiter östlich führt eine Chaussee von Görlitz über Seidenberg (Preussen) und Friedland (Böhmen) nach Reichenberg. Es scheint, dass beide Wege von Preussen gleichzeitig benutzt wurden und das ausserdem noch von Lauban bzw. Greiffenberg her Truppen über Marklissa und Schwerta nach Friedland gegangen sind.“
„Görlitz, 23.6.1866. Prinz Friedrich Carl hatte gestern sein Hauptquartier nach Hirschfelde (Sachsen) verlegt und ließ im Laufe des Tages die sämtlichen, zum Einrücken bestimmten Truppen sich der Grenze entlang konzentrieren, wo sie Teils enge Cantonnements bezogen, teils biwakierten. Der Übergang erfolgte auf allen praktischen Punkten der Grenze gleichzeitig heute um 6 Uhr morgens. Die Truppen rückten sämtlich mit klingenden Spiel und in gehobener Stimmung über die Grenze. Die wenigen an der Grenze aufgestellten Beobachtungsposten der Österreicher zogen sich zurück.
Von dem Übergang an erhalten die Mannschaften Aür der gewöhnlichen Feldverpflegung täglich Zigarren, und zwar jeder 3 Stück. Die Regimenter, welche von Zittau aus die Grenze zunächst überschritten, gehören – so weit sie uns bekannt sind – zum 4. Armeekorps. Wir nennen unter anderen das 27., 31., 67., und 71. Infanterie Regiment.
In der Zittaür Gegend ist ein Mann auf Vorposten erschossen worden, es wird vermutet, dass derselbe durch Meuchel mörderische Hand gefallen ist, indem nirgends feindliche Vorposten gesehen wurden. In Böhmisch Friedland wurde die Telegraphen – Verbindung mit Görlitz durch preussische Beamte wieder hergestellt.“
„Görlitz, Sonntag 24.6.1866, Aus Reichenberg in Böhmen wird heute morgen gemeldet, dass der Prinz Friedrich Carl daselbst eingetroffen ist.“
In den Grenzbergen Schlesiens
Folgendes wurde am 26.6.1866 veröffentlicht, welches ein Bild auf die damaligen Verhältnisse wirft:
„Von der schlesischen Grenze, 21.6.1866. Unweit der Grenze bot sich uns vor einigen Tagen ein Bild kriegerischen Treibens und ächten Soldatenlebens dar:
Auf den grünen Kuppen der schlesischen Berge, inmitten einer schönen, bis in die blaün Berge des Kaiserreichs hinein von dem Auge umfassten Landschaft hatte die 11. Infanterie – Division des schlesischen Armeekorps ein Biwak bezogen, nicht ein Biwak nach simplen Friedensbegriffen für höchstens eine Nacht bestimmt, nicht ein solches zum Amusement manövrierender Truppen und dessen primitive Windschützen bei der nächsten aufgehenden Sonne wieder zur Zerstörung bestimmt sind, sondern eine richtige wehrhafte Soldatenstadt haben sich die Lagernden erbaut. Schon seit vier Nächten kampieren 14000 der Division in Bauwerken aus Erde, Stroh und Zweigen, voran ihr verehrter Chef, General Leutnant von Zastrow. Wind und Wetter trotzend bewohnt der General den höchsten Punkt, den ‚Kommandoberg‘, wie ihm die Füsiliere rasch bezeichneten, nur gebettet auf ein Bund Stroh, nicht größer als das der Soldaten, unter einem Zelt, - nein, einem winzigen Leinwanddach als einzigem Schutze, und gibt somit ein anfeürndes Beispiel für die Truppen. Diese bestehen die durch häufig stattgehabte Regengüsse noch erhöhten Strapazen denn auch mit Glück und Leichtigkeit.
Den Humor ist übrigens ein stehender Gast in den preussischen Reihen, überall leuchtet dieser Schalk hervor und erzeugt einen lebendigen Geist. Die Straßen und Hütten haben ihren Namen ersten Ranges: ‚Wilhelmstr.‘, ‚Königsstr.‘, ‚Bismarckstr.‘ oder ihr Emblem:
Hier ein künstliches, durch einen Aufguss von Tinte halb geschwärztes ehemaliges Taschentuch als preussische Fahne, dort eine lustige klappernde Windmühle oder ein schäumendes – aber bildliches – Seidel Bier und dergleichen. Auch an launigen Inschriften fehlt es nicht ! Dem Herrn Feldwebel hat sich ein einschmeichelnder Geselle die Laubhütte verziert mit dem stolzen Prädikat: ‚Generalstab der .... Kompagnie‘. Dort lesen die erstaunten Besucher, wie sich der Bataillons Schuster unter der Firma ‚königliche Hofschuh – Macherei‘ ankündigte. Wieder anderwärts, dicht neben dem Pseudo – Eiskeller des Marketenders, prangt die stattliche Firma ‚Zur silbernen Trichine‘ und dergleichen mehr.“
Neisse im Belagerungszustand
Am 26.6.1866 erschien eine Zeitungsmeldung, welche für die Bewohner der oberschlesischen Stadt Neisse Folgen gehabt haben dürfte:
„Neisse, 23.6.1866. Heute Morgen 9 ½ Uhr ist der Belagerungszustand unter Trommelschlag durch einen Offizier verkündet worden. Zugleich treten die Kriegsgesetze in Kraft.“
„Neisse, 23.6.1866. Heute wurde im Hauptquartier eine Verhandlung über den folgenden Vorfall aufgenommen: In dem 2 ½ Meilen von hier an der Grenze auf preussischen Gebiet liegenden Dorf Dürrkunzendorf diente bei einem Baürn ein junger aus Böhmen gebürtiger Knecht. Da derselbe von preussischen Patrouillen mehrfach beobachtet wurde, wie er mit den österreichischen Vorposten verkehrte, wurde er arretiert und als Spion abgeliefert. Die drüben an der Grenze stehende Escadron Palfy Husaren hatten davon gehört und in der Voraussetzung, dass der junge Bursche von dem preussischen Baürn verraten sei, überschritten sie – 30 Mann stark – die Grenze. Das Gehöft des Baürn wurde umzingelt und Pechkränze und so weiter herbei geschafft, um es nieder zu brennen. Dem Baürn glückte es, durch ein Fenster zu entspringen und die nächste preussische Patrouille, bestehend aus wenigen Mann des 1. Schlesischen Grenadier Regiments Nr. 10 zu erreichen. Die Frau des Baürn, die mit einem kleinen Kinde auf dem Arm das Haus verlassen wollte, wurde durch Vorhalten von Karabinern in Haus zurück getrieben, ihrem Flehen und Weinen wurde als einzige Antwort ein rohes Hohnlachen. Gleich darauf stieg die Flamme von allen Seiten auf. In diesem Augenblick kam die preussische Patrouille heran, bei deren Anblick die Husaren verschwanden. Den vereinten Anstrengungen der Baürn und Soldaten gelang es, die Baürsfrau, die sich mit dem Kinde in den Keller geflüchtet hatte, zu retten, Das Gehöft wurde aber Raub der Flammen.
Seine königliche Hoheit der Kronprinz hat befohlen, dass der Schaden des Baürn reichlich abgeschätzt und die veranschlagte Summe von den nächsten österreichischen Ortschaften durch Contribution einzuziehen ist, indem den Ortschaften von dem Benehmen der österreichischen Soldaten Mitteilung gemacht wird.“
Beisetzung des Prinzen Sigismund
Die Beisetzung des Kronprinzensohnes fand ohne dessen Vaters statt, da dieser im Felde stand, hierzu wurde folgendes von der preussischen königlichen Familie berichtet:
„Potsdam, 22.6.1866. Die Beisetzung des Prinzen Sigismund. Gestern Abend 7 Uhr fand die Beisetzung der Leiche, des am 18. dieses Monats verstorbenen Prinzen Sigismund, dritten Sohnes ihrer königlichen Hoheit des Kronprinzen und der Kronprinzessin statt. Da ein besonderes Zeremoniell für die Beerdigung für die Mitglieder des königlichen Hauses unter zwölf Jahren nicht besteht, so hatten seine Majestät der König allergnädigst genehmigt, dass die Beisetzung den Wünschen der durchlauchtigsten Eltern gemäß in aller Stille erfolgte.
Um 6 ½ Uhr setzte der Traürzug vom neün Palast durch die große Allee nach der Friedenskirche in Bewegung. Der Stallmeister seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen eröffnete den Zug zu Pferde. Ihm folgte der Traürwagen mit ihrer königlichen Hoheit der traürnden Mutter neben dem Sarg des früh verklärten Kindes. In einem zweiten Wagen befanden sich ihre königlichen Hoheiten die Kinder des Kronprinzen. Das sonstige Traürgefolge schloss sich zu Fuß den Wagen in nachstehender Ordnung an: Voran die beiden zur Abhaltung der kirchlichen Feier berufenen Prediger, der Feldmarschall von Wrangel als Pate des verstorbenen Prinzen mit dem königlich großbritanischen Botschafter Lord Augustus Loftus und dem Minister des königlichen Hauses, Freiherrn von Schleinitz, die Beamten, das gesamte männliche und weibliche Dienstpersonal des Kronprinzen, die in den Gärten und Anlagen des neün Palastes beschäftigten Gärtner und Arbeiter.
In lautloser, feierlicher Stille bewegte sich der Zug durch den völlig menschenleeren Park. An der Friedenskirche von ihren Majestäten dem König und der Königin empfangen, verließ ihre königliche Hoheit die Kronprinzessin den Wagen, während der Sarg herab gehoben und auf die Bahre gesetzt wurde.
Langsam, der von einer weissen Decke verhüllte Sarg voran, schritt der Zug durch die von einer traürnden Menge dicht gefüllte Kirche. Vier Herren vom kronprinzlichen Hofe – Graf Fürstenstein, Major von Normann, Hauptmann von Schroetter, Hauptmann von Jasmund – trugen die Zipfel der Sargdecke. Dem Sarg folgte unmittelbar ihre königliche Hoheit die Kronprinzessin am Arm seiner Majestät des Königs, während ihre Majestät die Königin, die kronprinzlichen Kinder und das Traürgefolge anreihten.
Nachdem der Sarg in der zu seiner vorläufigen Aufnahme bestimmten kleinen Kapelle niedergesetzt war – derselben, welche längere Zeit hindurch auch die sterblichen Überreste König Friedrich Wilhelm IV. beherbergt hatte – begaben sich die Anwesenden Mitglieder der königlichen Familie, welche sich bereits zuvor in der Kirche versammelt hatten, in die Kapelle, in welche eine kurze Feier durch den Hofprediger Heym unter der Assistenz das auf besonderen Wunsch der traürnden Eltern aus Stettin erschienen Predigers Schiffmann abgehalten ward. Nach dem Schluss der Feier begab sich ihre königliche Hoheit die Kronprinzessin in Begleitung ihrer Majestät der Königin in den neün Palast zurück.
Wie ein herbes Schicksal seiner königlichen Hoheit dem Kronprinzen nicht gestattet hatte, an dem Sterbelager des geliebten Kindes zu weilen, so hielten heilige Pflichten gegen das Vaterland ihn fern fern von der Bestattung des heimgegangenen Sohnes.“
Vorpostengefechte im Landkreis Landeshut
Vom Kriegsgeschehen an der schlesisch böhmischen Grenze:
„Aus Landeshut, 24.6.1866, Der schlesischen Zeitung wird berichtet: Ein Vorpostengefecht hat bei Schömberg stattgefunden. 14 preussische Ulanen standen gegen 40 Windischgrätzer Dragoner. Drei Gefangene wurden in Landeshut eingebracht, ein österreichischer Offizier tot, drei Verwundete. Die Unserigen hatten keine Verluste.
Gestern hat bei Liebau ein Vorpostengefecht stattgefunden, wobei sechs Infanteristen gegen 14 Windischgrätzer standen. Ein österreichischer Offizier und zwei Mann wurden verwundet, ohne Verluste für uns.“
Des weiteren eine Meldung aus Tannhausen Kreis Waldenburg:
„Tannhausen, 22.6.1866. Gestern wurde von einem Rittmeister, einen Fähnrich, einem Trompeter und zwei Gemeinen des ostpreussischen Ulanen Regiments Nr. 8 die Erklärung über den eingetretenen Kriegszustand nach Braunau in Böhmen überbracht. Dieselbe wurde von Windischgrätzer Dragonern entgegen genommen.“
Preussen als Spione verhaftet
Preussen sollen für Österreich spioniert haben, hierzu ein Zeitungsbericht vom 27.6.1866:
„Aus dem Eulengebirge, 24.6.1866. Der Oberförster Zeidler aus Steinseifersdorf und der Förster Wegscheider aus Kaschbach sind als Spione verhaftet, beide stehen im Diensten des böhmischen Grafen Nostiz, und ihre Verräterei datiert schon von Anbeginn der Feindseligkeiten mit Österreich. Eine arme, alte Frau, welche täglich nach dem Wald ging, um dürres Holz zu sammeln, leitete zürst die Spur eines Verbrechens. Sie hatte gesehen, wie Förster Wegscheider mitten im Wald mit zwei Männern, welche österreichische Mützen trugen, zusammentraf, ihnen Briefe einhändigte und dafür andere in Empfang nahm. Als sie zu Hause von dieser Szene erzählte, glaubte man ihr nicht recht, behielt aber dennoch die beiden Verdächtigen im Auge. Bald darauf – am 22.6.1866 – bemerkte eine preussische Patrouille dicht an der Grenze ebenfalls zwei Männer mit österreichischen Mützen, welche – da sie keine genügende Auskunft über ihre Absichten geben konnten – sofort verhaftet wurden. Bei ihrer Durchsuchung fand man Briefe vor, deren Inhalt als bald zur Haussuchung bei Zeidler und Wegscheider Veranlassung gab. Auch hier fand man Briefe, und es ergab sich bald, dass zwischen beiden Parteien bereits darüber unterhandelt wurde, wann ‚die gelegenste Zeit zum Einbrechen‘ wäre, als wenn der Förster Wegscheider in einem bezüglichen Brief die gegenwärtige bezeichnete. Da bis Breslau kein Militär vorhanden sei, so sollte der Einmarsch durch das Weistritztal bereits gestern stattfinden. Eiligst ist Militär und Artillerie – in Bewegung gesetzt.“
Aus Neisse wird ferner am 23.6.1866 berichtet, das der Kronprinz die Stadt und Festung verlassen hatte. In einer Rede an den Magistrat, welcher sich zum Abschied des Kronprinzen versammelt hatte, erklärte der preussische Kronprinz:
„Es wird Ihnen nicht erspart werden, noch manche Härte zu tragen; doch das glaube ich sie versichern zu können, dass dieser Teil der Provinz nicht unmittelbar der Schauplatz des Krieges, der Aktion, werden wird. Haben Sie Wünsche, so wenden Sie sich an meinen Vater, er wird gern bereit sein, Ihnen zu helfen, um das Harte, was die Stadt trifft, zu erleichtern.“
Und dieser Rede fügte der Kronprinz hinzu, dass ihm keine lauten Zeichen der Teilnahme für den Verlust geworden seien, der ihn in dieser Zeit getroffen habe, dass er aber sehr wohl erkennen konnte, dass man nicht ohne Anteilnahme an seinem Schmerz gewesen sei, und gerade das habe ihm sehr wohlgetan. Er werde immer gerne an Neisse zurückdenken, deren Bewohner er nun so gut kennengelernt habe.
Bei sehr schlechten Wetter über die Iser
Hierzu folgende Zeitungsnotiz, welche am 27.6.1866 erschien:
„Warmbrunn, Montag den 25. Juni 1866. Vergangene Nacht rückte die hier stehende Escadron unter Rittmeister Graf Häseler des 2. Brandenburgischen Dragonerregimentes, welche den Übergang über Schreiberhau und Josephienhütte deckte, über die Iser nach Böhmen ein. Die einzelnen Abteilungen auf der Straße sammelten sich an der Glashütte. Mannschaften waren mit Hacken und Schaufeln versehen, um die Verhaü auf der böhmischen Seite zu beseitigen. Das Wetter im Gebirge war sehr schlecht, starker Regen, unsere wackeren Dragoner aber unter ihrem energischen Führer der besten Mutes.
Die Escadron ist bis Morgenstern und Gablonz gerückt, westlicher zwischen Reichenberg und Liebenau, wo jetzt unsere Truppen stehen müssen.“
Nachrichten aus Landeshut
Diese Nachrichten aus dem Landkreis Landeshut erschienen am 29.6.1866:
„Landeshut, 26.6.1866. Die Kreise Landeshut kommandierenden bedeutenden Truppenmassen haben heute die böhmische Grenze bei Liebau und Schömberg überschritten. Braunau in Böhmen wurde gleichzeitig von Truppen eines anderen Armeekorps besetzt. Der königliche Kommissar Graf Stollberg und der Landrat Klützow begleiteten die Truppen, um die Einrichtungen der Lazarette zu fördern, Gefangene der Fürst Windischgrätz Dragoner wurden in ihren weissen Mänteln durch Landeshut transportiert.“
Eine weitere Nachricht, die am 29.6.1866 veröffentlicht wurde:
„Breslau, Mittwoch 27.6.1866, Abends. Das ganze erste Armeekorps hat gestern die Grenze über Liebau – ohne Widerstand zu finden – überschritten und ist auf Trautenau in Böhmen marschiert. Die Truppen stießen hier heute Vormittag auf den Feind und drängten denselben auf Josephstadt zu zurück. Das Gefecht daürt noch fort.“
Kronprinz in Böhmen bei den vorrückenden Truppen
Zwei Nachrichten, beide aus Reinerz stammend am 29.6.1866 veröffentlicht:
„Reinerz, 27.6.1866. Hinter Nachod hat heute ein bedeutendes Kavalleriegefecht stattgefunden. Die mit engagierte preussische Artillerie arbeitete bis 3 Uhr Nachmittags. Die Preussen haben die Österreicher bis Jaromierz zurückgeworfen, drei Fahnen erobert. Über Verluste auf beiden Seiten ist nichts Näheres bekannt anzugeben.“
„Reinerz, Mittwoch 27.6.1866 Abend 9 Uhr 55 (Amtlich). Die Armee seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen ist bei ihrem weiteren Vormarsch in Böhmen heute früh auf stärkere Streitkräfte des Feindes gestoßen. Ein preussisches Truppenkorps traf bei Nachod in Böhmen mit dem österreichischen Korps Ramming und der Reserve Kavallerie Division des Prinzen von Schleswig Holstein zusammen. Nach heftigem Kampfe, der von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags währte, wurden die Österreicher zum Rückzug gezwungen. Unsere Kavallerie ist noch in der Verfolgung begriffen. Der Verlust der Österreicher ist bedeutend, der des preussischen Korps gering. Unter den Augen seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen, der sich beim Korps befand, wurden fünf Geschütze, drei Standarten und eine Fahne erbeutet. Die Kavallerie hat viele Gefangene gemacht.“
Nachrichten aus Liebau Kreis Landeshut
Folgende Mitteilung wurde am 29.6.1866 veröffentlicht:
„Liebau, 28.6.1866, früh 4 Uhr. Ein Korps des Kronprinzen, welches gegen Trautenau vorging, stieß auf überlegene Kräfte und behauptete sich in der Stellung östlich von Goldenöse – so wird uns berichtet – liegt 1 ½ Stunden nördlich von Trautenau auf dem Wege Liebau. Von Schatzlar ist es etwa 1 Stunde in südöstlicher Richtung entfernt.“
„Liebau (Schlesien südöstlich von Landeshut), 24.6.1866. Täglich wiederholen sich an der böhmischen Grenze Patrouillen Gefechte, bei denen bisher die österreichischen Windischgrätz Dragonern im Nachteil geblieben sind. Unweit Dittersbach, eine halbe Stunde von hier, wurde eine Patrouille des 6. Ostpreussischen Infanterie Regiments Nr. 43, von Dragonern der genannten österreichischen Regimentes angegriffen. Nachdem die Letzteren ihre Büchsen abgeschossen, ohne einen der preussischen Soldaten zu treffen, feürte die preussische Patrouille auf die sich zurück ziehenden Österreicher, wobei drei Dragoner getötet und zwei schwer verwundet wurden.“
Zusätzlich eine Nachricht aus Warmbrunn:
„Warmbrunn, 25.6.1866. Der Landrat des Hirschberger Kreises hat alle darin wohnenden Österreicher, deren Zahl an Dienstboten und Fabrikarbeiter nicht unbedeutend ist, ausgewiesen.“
Schulen in Waldenburg geschlossen, Gefangene nach Landeshut gebracht
Nachrichten aus Landeshut und Waldenburg:
„Landeshut, 24.6.1866. Heute wurden hier 3 Windischgrätz Dragoner eingebracht, welche Leutnant Dalmer vom 8. Ulanen Regiment gestern Nachmittag bei Schömberg südöstlich von Landeshut gefangen genommen hatte.“
„Waldenburg, 25.6.1866. Heute gegen 9 Uhr wurde der erste schwer verwundete Preusse hier im Knappschafts – Lazarett untergebracht. Gestern Abend gegen 10 Uhr wurde eine preussische Infanterievorstoß zu Göhlenau – von 15 Mann feindlicher Kavallerie überfallen. Vier Preussen sind leicht verwundet. Der hier eingelieferte Verwundete wehrte sich tapfer und obwohl schon hart mitgenommen tötete er einen feindlichen Offizier und erbeutete dessen Pferd. Die übrigen Feindlichen ergriffen darauf die Flucht.
Unsere Schulen sind heute geschlossen worden, um Militärzwecken zu dienen. Das Albertische Haus auf der Freiburger Straße wurde zum Lazarett eingerichtet.
Gestern sind hier 4 der Spionage verdächtigte Personen verhaftet worden.“
Verspätete Nachricht über die Durchfahrt des Kronprinzen in Wartha
Mit 15 Tagen Verspätung erschien folgende Nachricht in der Neün Preussischen Zeitung, diese löste damals bei vielen Schlesiern Erleichterung aus:
„Wartha, 14.6.1866. Als unlängst seine königliche Hoheit der Kronprinz hier durchfuhr, rief er den aus dem nahen Dorf Giersdorf gerade hier anwesenden evangelischen Pastor Dr. Johannes Richers an den Wagen und erwiderte auf dessen, mit den ehrerbietigsten Wünschen für seine königliche Hoheit Wohl und glücklichen Ausgang dieser schweren Zeit verknüpfenden Worte etwas Folgendes: ‚Sie haben wohl Recht und ich kann Sie und alle Diener der Kirche ohne Unterschied nicht angelegentlich ersuchen, unsere Sache ihrem vereinigten Gebet zu empfehlen.‘ Im Übrigen sagte der Prinz, würde er nachdem seine Majestät ihm mit dem gewaltigen Kommando zu betraün geruht, alles aufbieten, um diese aus früherem, längeren Aufenthalt ihm so lieb gewordene Provinz auf das Äusserste zu verteidigen. Nur müsse man nicht das Vertraün verlieren, wenn zeitweise kleinere Landstriche vom Feind occupiert werden sollten, denn Hilfe werde dann nicht ausbleiben.
Auf alle, welche diese laut gesprochenen Worte vernahmen, machten diese einen tiefen Eindruck:“
Starke Truppenbewegungen durch den Landkreis Landeshut
Am 30.6.1866 wurde folgendes veröffentlicht:
„Landeshut, 26.6.1866. Nachdem von gestern früh 5 Uhr ab fast sämtliche Infanterie und Kavallerie Regimenter vom 1. Armeekorps nebst der ostpreussischen Artillerie – Brigade Nr. 1, des ostpreussischen Jäger Bataillons Nr. 1, der Pionier Abteilung Nr. 1 mit den Schanz- und Brückenwerkzeugen und Utensilien, den leichten Feldlazaretten, dem Krankenträger Korps und der Fuß- und reitenden Gendarmerie hier durch Liebau und Schömberg nach der Grenze vorgerückt waren hat das Gros - noch ohne Widerstand zu finden – überschritten und ist bis Schatzlar und Bernsdorf vorgerückt.
Soeben geht uns die Nachricht zu, dass unsere Truppen in Trautenau eingerückt sind. Die zur Beobachtung aufgestellten Windischgrätzer haben sich zurückgezogen. An keinem Ort ist der Feind jetzt sichtbar gewesen. Die hier durchziehenden Truppen waren trotz des heftigen Regens lustig und frohen Mutes und machten durchweg einen guten Eindruck. Die Pickelhauben der Infanterie und Artillerie sind geschwärzt, um den hellen Schein zu unterdrücken. Die Offiziere haben die Epauletten abgelegt. Die Gendarmerie trägt am rechten Arm eine weisse Binde mit einem schwarzen Adler, die Lazarett Beamte eine Weibe Binde mit einem roten Kreuz. Heute Mittag rücken die hier noch zurückgebliebenen Truppen nach und morgen wird das ganze 1. Armeekorps in Böhmen stehen.“
Nun eine Nachricht aus Breslau:
„Breslau, Freitag 29.6.1866, morgens. Der Breslaür Zeitung wird aus Landeshut telegraphisch mitgeteilt, dass gestern Nachmittag ein Transport gefangener Österreicher eingebracht worden sei. Unter den Gefangenen befanden sich auch der Bürgermeister von Trautenau, der Vorsteher des dortigen Bezirks und dessen Sohn. Nach weiteren hier eintreffenden Nachrichten sind die Bewohner Trautenaus den einrückenden Preussen friedlich entgegengetreten.“
....haben wir von den Siegen unserer Truppen zu berichten !“
Auf der Titelseite der Zeitung vom 30.6.1866 erschien in Fettdruck:
„Berlin, 29.6.1866. Durch Gottes Barmherzigkeit haben wir vom Siegen unserer Truppen zu berichten:
Wir fassen alle hier eingegangenen Nachrichten hier zusammen: Armee seiner königlichen Hoheit der Kronprinz ist im siegreichen Vorrücken geblieben, Das 5. Preussische Armeekorps unter General von Steinmetz, welches am 27. dieses Monats nach hartem Kampf das österreichische Korps Ramming auf Josephstadt zurück geworfen hat, ist gestern von neün gegen den Feind losgegangen. Es hat ihm nach heissem blutigen Kampf zum Rückzug gezwungen und neü Trophäen erbeutet. Das 5. Armeekorps hat mit heldenmütiger Tapferkeit gefochten, seine Verluste sind nicht gering. –
Das Gardekorps hat das Österreichische 10. Korps Gablenz, welches am 27. einem preussischen Korps bei Trautenau gegenüberstand, gestern mit großer Energie angegriffen und nach hartnäckigen Gefecht total geschlagen. Mehrere tausend Gefangene, Geschütze, Gewehre, Tornister, Bagage, Munitionswagen und anderes Kriegsmaterial sind in unsere Hände gefallen, Die Ermattung der Truppen durch die große Hitze, die mit unübertrefflicher Bravour gefochten, rettete den Feind vor Vernichtung.
Die Armee des Prinzen Friedrich Carl hat ebenfalls am 28. Juni ein glückliches Gefecht bestanden. Vereint mit den Truppen des Generals Herwarth ist gestern Münchengrätz genommen, es wurden 600 bis 800 Gefangene gemacht. Der Feind zog sich auf Fürsten-bruck zurück, seine Verluste betrugen 2000 Mann, der unserige ist erheblich geringer.“
Nun eine Nachricht aus Greiffenberg im Kreis Löwenberg:
„Greiffenberg, Schlesien 25.6.1866. Heute traf ein verwundeter Dragoner von Böhmen her in Greiffenberg ein. An der Spitze einer Patrouille, von welcher er sich ziemlich weit voraus entfernt hatte, war er auf fünf feindliche Husaren gestoßen, die ihm sofort angriffen und zunächst auf sein Pferd schossen. Im Begriff, über den Graben zu setzen, bricht er mit dem verwundeten Pferd zusammen und verteidigt sich nun von zu Fuß gegen die Angreifenden. Er schießt mit dem Karabiner einen Husaren, beseitigt schnell dessen Pferd und entkommt glücklich. Mehrere Hiebe drangen durch den Helm und verwundeten ihm am Kopf, einer an der Hand, doch sind diese Verwundungen nur leicht.“
Blutiges Gefecht von Liebau
Hier noch mal, aber ausführlicher eine Meldung aus Liebau wiedergegeben:
„Liebau, 29.6.1866, früh 5 Uhr. Das Gardekorps hat das Österreichische Korps Gablenz, welches am 27. Juni einem preussischen Lager bei Liebau gegenübergestanden, gestern mit Entschiedenheit angegriffen und nach hartnäckigen Gefecht zwischen Eipel und Trautenau total geschlagen. Mehrere tausend Gefangene, Geschütze, Gewehre und Bagage, Munitionswagen sind in unsere Hände gefallen. Die Ermattung der Truppen, die mit unübertrefflicher Bravour gekämpft, rettete den Feind vor gänzlicher Vernichtung.“
Meldung aus Landeshut’
Am 1.7.1866 wurde aus Landeshut über das Kriegsgeschehen berichtet:
„Landeshut, 28.6.1866. Das erste Armeekorps unter Befehl des Generals von Bonin ist über Liebau in Böhmen eingerückt. Die Avantgarde fand gestern Morgen 10 Uhr Trautenau unbesetzt, stieß aber jenseits auf stärkere österreichische Truppenmassen, vor denen sie langsam durch die Stadt zurückging. Plötzlich öffneten sich die Fenster der oberen Stockwerke in den verschlossenen Häusern, und verborgen gehaltene Soldaten, wie die Einwohner – und selbst Kinder – begannen ein lebhaftes Feür auf unsere Leute. Die Avantgarde wurde darauf verstärkt und Trautenau von uns im Sturm genommen. Die Österreicher zogen sich auf Josephstadt zurück. General von Bonin soll der Stadt zur Strafe eine Konstribution auferlegt haben und sie mit Granaten beschießen lassen.
Für das schöne litauische Dragoner Regiment soll der Tag besonders ungünstig gewesen sein. Dasselbe macht auf ein Windischgrätz Dragoner Regiment einen Angriff, bemerkte aber im Korne, durch welches vorgegangen werden sollte, nicht, dass die Österreicher hinter einem tiefen Graben standen. In diesem stürzte ein großer Teil unserer Leute und wurde während des Versuches, sich heraus zu arbeiten, angegriffen und auch vielfach verwundet. Es kam ihnen aber bald Hilfe, Die Verwundungen sollen zwar zahlreich sein, man spricht mehr als zweihundert, aber es sollen fast ohne Ausnahme nur leichte Wunden sein. Der Kampf soll sehr erbittert gewesen sein und kann, da die Österreicher alles daran zu setzen scheinen, das Eindringen des 1. Armeekorps nach Böhmen über Trautenau zu hindern, noch nicht als beendet betrachtet werden. Übrigens dürften die Österreicher, wenn sie Trautenau noch kurze Zeit festhalten lassen, von Gardekorps von Braunau aus angegriffen werden.“
Ein Verwundeter berichtet
Am 1.7.1866 wurde ein Bericht eines Verwundeten, welcher am Gefecht in Trautenau teilnahm, veröffentlicht:
„Wir gaben auf 800 Schritt Feür auf eine österreichische Kolonne, das eine verheerende Wirkung auf dieselben ausübte, der Boden war weiss übersät von österreichischen Uniformen. Die Österreicher rangierten sich und griffen von der von Benedeck ihnen so warm ans Herz gelegte Bajonett Attacke. Wir ließen sie auf 150 Schritt herankommen und gaben – dem Regiment zuwider – statt mit zwei Gliedern mit dreien Feür, indem das erste Glied – wie zur Zeit Friedrichs des Großen – aufs Knie warf. Die Österreicher zerstoben vor Feür und was nicht gefallen war, ging schleunigst zurück. Wir lagerten, zum Tode ermüdet, im Korne und alles gab sich, mit Ausnahme der Vorposten, dem Schlafe hin. Da sprengten Kavalleristen der Vorposten heran und meldeten, das der Feind mit vieler Artillerie wieder vorrückte. Kaum hatten wir uns erhoben, unsere Gewehre genommen und uns rangiert, als uns ein mörderischer Kartätschenhagel begrüßte, mich niederwarf und verwundete. Mein treür Bursche warf sich über mich, konnte aber nicht verhindern, das die Feinde, die uns auf den Leib gekommen waren, mich ausplünderten. Die Freude der Österreicher daürte indes nicht lange, die Unsrigen gingen rasch vor, warfen den Feind zurück und ich wurde aufgenommen und verbunden.“
Nachrichten vom Kriegsgeschehen in Liebau Landkreis Landeshut
Am 1.7.1866 erschienen folgende Meldungen aus Liebau:
„Liebau, 27.6.1866. Seit heute morgen 6 Uhr bei Trautenau harter Kampf bis Mittag, um welche Zeit die Preussen die Vorteile errungen hatten. Es sind bereits viele Opfer gefallen, von denen mehrere – unter andern ein Major und mehrere Leutnants – hier eingebracht worden sind. Österreicher sollen in Massen das Schlachtfeld bedecken. Unsere Truppen sind tief entrüstet über den Empfang, der ihnen in Trautenau bereitet wurde. Aus den Fenstern und vom Turm herab wurden sie mit Schüssen empfangen, und zwar trugen diese Schützen bürgerliche Kleidung. Man erzählt dem Bürgermeister sei die Pistole auf die Brust gesetzt worden, worauf er die Erklärung abgegeben habe, die Schützen seien verkleidete Soldaten gewesen, ein Märchen woran niemand glaubt.
Nachschrift: Gewaltiger Kampf bei Trautenau. Noch ist nichts entschieden. Unsere Truppen sind ¼ Meile vorangegangen. Das Gefecht steht. Allgemein heisst es: Gablenz kommandiere und Benedeck sein in unmittelbarer Nähe.“
Die Libaür erlebten was sich abspielte, sie sahen die Leichen, und so mancher hat um seinen Angehörigen gebangt, welcher im Militärdienst stand.
„Liebau, 27.6.1866, Abends 9 Uhr. Heute früh um 3 Uhr rückten unsere Truppen aus ihren Biwaks bei Liebau und Königshan über Goldenöse, ferner die aus der Gegend bei Schömberg über Liebenau, Adersbach, Qualisch, Petersdorf, Paschnitz; diejenigen, die um Neurode usw. gestanden haben, müssen über Braunau, Politz, Weckelsdorf, ein Teil von hier über Bischofstein, Dreiborn, Wernersdorf, Radowenz, Qualisch, ein anderer Teil über Weckelsdorf, Adersbach, Qualisch und Trautenau marschiert sein. Faktum ist, dass ein unausgesetztes Kanonenfeür von früh 10 ½ Uhr bis Abends 5 ½ Uhr in der Richtung Trautenau gehört ist, dass ich – der Schreiber dieser Zeilen – dasselbe anhaltend gehört habe.
Erzählt wird ferner, dass zwei Schwadronen der litauischen Dragoner durch die Stadt Trautenau geritten sind, ohne das ein österreichischer Soldat sichtbar gewesen ist. In Trautenau selbst sei den preussischen Dragoner mitgeteilt worden sein, dass die Umgebung kein Militär stehe. Als darauf diese zwei Schwadronen preussische Dragoner in der Richtung nach Pilnikau weiter vorrückten, wurden sie von 6 Schwadronen österreichischer Kavallerie umzingelt und mussten sich durch Trautenau zurückziehen. Während dieses Rückzugs durch die Stadt soll von den Bürgern aus den Fenstern der Häuser auf sie geschossen wurden sein und als Folge dessen wurde die Stadt von der preussischen Artillerie beschossen und der Kampf drehte sich um die Stadt Trautenau.
Von anderer Seite wird erzählt, dass die Preussen ruhig durch Trautenau durchmarschiert seien und erst in der Gegend von Pilnikau angegriffen wurden. Aus zuverlässiger Qülle habe ich gehört, dass die Verluste auf beiden Seiten doch bedeutend sind, dass sie jedoch auf österreichischer Seite um das Doppelte mehr betragen, als auf preussischer Seite, dass sich aber unsere Truppen musterhaft geschlagen und einen Mut und eine Ruhe bewahren, die bewunderungswürdig sind.“
Nun eine etwas andere Sichtweise aus Freiburg in Schlesien:
„Freiburg in Schlesien, 28.6.1866. Abends 10 Uhr. Preussische Verwundete und Verbrühte treffen aus Trautenau hier ein. Die Pflege ist sorgfältig, die Privatmildtätigkeiten sehr reichlich. Der Provinzial Zeitung für Schlesien schreibt man: Es laufen schaudererregende Nachrichten von dem Vandalismus der Bürger Trautenaus gegen unsere Truppen ein. Als diese die preussische Fahne auf dem Turm bringen wollten, wurde von oben heisses Wasser gegossen und Steine geworfen. Auf dem Turm befand sich unter Andern der Bürgermeister von Trautenau, welcher die Übeltaten leitete. Ebenso ist aus den Straßenhäuser kochendes Wasser und Pech auf unsere Truppen gegossen worden. Der Bürgermeister und viele hervorragende Persönlichkeiten, welche sich an dem Greül beteiligten wurden gefangen genommen, gebunden und nach Preussen geschickt. Der gerechten Strafe werden sie nicht entgehen.“
Des weiteren wird au s Neurode berichtet:
„Neurode, 28.6.1866. Morgens 7 Uhr. Die Preussen haben sich bei Liebau hervorragend geschlagen und den an Zahl überlegenden Feind überall zurückgeschlagen. Engagiert waren von unseren Truppen dem Vernehmen nach das 1. und 47. Infanterie Regiment. Jäger Ulanen, sowie eine Batterie vom ersten Armeekorps.“
Die Distanz zwischen Liebau und dem böhmischen Trautenau, ist und war damals nur ein kurzer Katzensprung. Des weiteren hieß es in der Meldung:
„Man kann aus den vorstehenden Berichten kein klares Bild über die Vorgänge von Trautenau am Mittwoch den 27. Juni, gewinnen. Nach den offiziellen Mitteilungen stand das österreichische Gablenz’sche Korps an diesem Tag einem preussischen Lager bei Liebau gegenüber, und weiter wurde gemeldet, das preussische Korps, welches gegen Trautenau vorgegangen, wäre auf überlegene feindliche Kräfte gestoßen und hätte sich in der Stellung – östlich von Goldenölse, also nördlich von Trautenau – behauptet. Verstehen wir dies richtig, so hätte Gablenz sich dem Korps, welches in der Senkung zwischen den Riesen- und den Überschaargebirge, auf dem Bober- nach dem Aupathale zu, den Einmarsch nach Böhmen zu beabsichtigen schien, mit gesamter Kraft entgegen geworfen, und an diesem Tag wäre es noch nicht gelungen, seinen Widerstand zu brechen und den weiteren Vormarsch zu bewerkstelligen. Tags darauf – also am Donnerstag, dem 28. Juni – griff nun das Gardekorps, welches links neben dem von Liebau aus Böhmen einmarschierenden Korps das Braunaür Gebiet schon besetzt hatte, zwischen Trautenau und Eypel, also südöstlich von Trautenau, das Korps des Feldmarschall Leutnant Gablenz an und schlug es, wie schon bekannt, vollständig.“
Publikationsstand dieser Seite:02/04/08