Truppen in Breslau
Da sich das Kriegsgeschehen vornehmlich gegen Österreich und seine Verbündeten richten sollte, ist es nicht verwunderlich, dass gerade Schlesien in jenen Tagen des Sommers 1866 ein unfriedliches, ein kriegerisches Bild darbot. Die „Neü Preußische Zeitung“ vom 4.5.1866 berichtet hierüber in einer kurzen Notiz:
„Breslau, 1.5.1866. Militärisches. Gestern sah man Soldaten verschiedener schlesischer Regimenter auf unseren Straßen. Dieselben sind von sämtlichen Truppenteilen des 6. Armeekorps hierher zu einer mehrwöchigen Übung im Krankenträgerdienst kommandiert und zu einer Kompagnie zusammengezogen.
Glatz, 8.5.1866. Der Grenzverkehr hat beinahe aufgehört; Preußen gehen nicht hinüber, weil sie sich Insulten der Gewalttätigkeiten ausgesetzt sehen. Interessant dürfte es sein zu erfahren, dass sie sonst um diese Zeit von Mähren und Böhmen stattfindenden Prozessionen nach  Albendorf und Wartha bis jetzt ausgeblieben sind, und wie jetzt verlautet – von der jenseitigen Grenzbehörden nicht nach Preußen herübergelassen werden.“
D.h. die Grenze war schon zu diesen Zeitpunkt ein feindseliger Raum. Für die Bewohner der Grenzgemeinden war es ein Jammer, denn auf beiden Seiten der Grenze lebten Deutsche, und wurden aufgrund der hohen Politik zu Feinden gemacht.

Österreich rüstet auch
Immer mehr wurde es zur Gewissheit, das 1866 auf den Schlachtfeldern Böhmens viel Blut auf beiden Seiten fließen würde. Die Zeitungsausgabe vom 9.5.1866 berichtete aus Österreich:
„Innsbruck, 30.4.1866. Überall begegnet man hier Rekruten, Reservisten und Urlaubern, die sämtlich bis auf den letzten Mann einberufen sind.“
Aber in Preußen stand man mit den Rüstungen Österreichs in nichts nach, in der Ausgabe vom 10.5.1866 wird berichtet:
„Breslau, 8.5.1866. Männlich und ernst in die Stimmung, mit welcher sich Preußen für den schweren Kampf, welcher ihm jetzt bevor steht, rüstet. Nirgends zeigt sich eine Exaltation, welche einen Rausche gleicht, Verblendung erzeugt, nur zu häufig die nötige Vor- und Umsicht verhindert und der erste Schritt zum Verderben wird. Aber auch nirgends eine Spur von Kleinmut oder Besorgnis. Voll Vertraün blicken alle Preußen auf des Königs Majestät und dessen Regierung, und so viel wie möglich arbeitet jeder, dafür zu sorgen, dass uns der Sieg zu Teil werde.
Schlesien ist die Provinz, welche von den Drangsalen de Krieges zunächst bedroht ist, aber sie wird sich bewähren als schönste Perle der Krone Preußens. Mit unseren Freunden wetteifern unsere politischen Gegner, für die Größe des Vaterlandes einzustehen. Der Abschied von Weib und Kind, von Haus und Hof ist nicht leicht; denn zweifelshaft bleibt, ob man sie bald, ob man sie jemals wiedersehen wird. Aber der große Grundbesitzer wie der kleinste Mann eilen gleich freudig zur Fahne. Wach ist wieder geworden der alte preußische Geist, welcher den Tod auf dem Schlachtfeld für den schönsten Tod ansieht und das ehrenvolle Andenken für das beste Erbteil der Kinder.“
Man befindet sich durch diese Zeitungsnotiz schon mitten im Kriegsgeschehen, ohne das dieser schon ausgebrochen ist.
Eine Zeitungsnotiz aus Glatz, welche sich mit den Prozessionen in Österreich befasst:, berichtete am 8.5.1866:
„Berichtigung – Die Nachricht mehrerer Blätter, dass die stets um diese Zeit herkommenden Prozessionen aus Österreich dieses Jahr aus Wartha und Albendorf ausblieben, ist falsch. Die erste Prozession aus Ungarn und der Walachei traf am 3. dieses Monats in Wartha ein, die sogenannten Weißmänteler. Hierauf folgten böhmische Prozessionen, die stärkste gestern aus Politz. Auch morgen sind Prozessionen angekündigt.“
Die frommen Katholiken sind trotz Kriegstreiberei aus Böhmen und Ungarn zu ihren Wallfahrten in die Grafschaft Glatz aufgebrochen.

Kriegsstimmung in Preußen
In jener Zeit, wurden in den Tageszeitungen immer wieder Gedichte veröffentlicht, in der Ausgabe vom 10.5.1866 erschien folgendes:

„Preußen.
Vertau auf Gott, vertraut auf euch,
Vertraut dem König, unserm Herrn.
Das Andere sei uns alles gleich,
und wenn’s der Feinde noch mehr wär’n,
die unseres teures Vaterland
in Knechtschaft wollen bringen.
Die Fahne hoch, das Schwert zur Hand !
Wer will uns den Bezwingen ?
Kein Feind ! – und da Gott mit uns ist,
des Rechtes teure Wache,
so siegen wir, ob Blut auch fließt;
Gerecht ist unsere Sache.“

Der König wird dieser Kriegsstimmung gerecht, als er die Mobilmachung anordnete. In der „Neün Preußischen Zeitung“, vom 12.5.1866 wird auf der ersten Seite als wichtigste Mitteilung berichtet:
„Die ganze Armee ist mobil gemacht auf Befehl ihres Kriegsherrn und zieht aus, die Grenzen des Vaterlandes zu decken. Alle Welt – auch die es  bestreiten – Vereidigung es, dass dieses militärischen Maßnahmen lediglich Maßregeln der Verteidigung sind. Schritt für Schritt nur ist Preußen allmählich seinen Gegnern, denen sich neürlichst auch Hannover noch angeschlossen, nachgefolgt mit den Rüstungen.“
Dieses kriegerische Bild, das die preußischen – aber auch die schlesischen Städte – zu dieser Zeit boten, wurde in den Zeitungen berichtet:
„Görlitz, 7.5.1866. Heute vormittags 10 Uhr traten die im Batallionsbezirk des 1. Bataillon 1. Niederschlesisches Landwehrregiment Nr. 6 einberufen Infanterie – Reserven und Landwehrmänner zusammen. Es hatten sich auf der Elisabethstr. gegen 2000 Mann eingefunden. Da hier jedoch der Andrang des Publikums zu groß war, als das sich eine Ordnung hätte ermöglichen lassen, so wurden die Mannschaften nach dem kleinen Exerzierplatz berufen. Da jedoch auch hier noch ein bedeutender Andrang teils von Angehörigen des Militärs, teils der Neugierigen – stattfand, so ergriff man die Maßregel, ein Detachement Jäger zur Säuberung des Platzes zu requirieren. Schon das Erscheinen des Detachements erregte bei einem großen Teil der Einberufenen Unzufriedenheit, die sich noch steigerte, als ein Jäger aus Versehen den Sohn eines Wehrmannes, der seinen Vater auf dem Platz begleitet hatte, etwas unsanft zur Seite schob. Sogleich nahm eine große Anzahl der Anwesenden für den Knaben und gegen den Jäger Partei, und die teilweise begonnene Aufstellung ging im Augenblick in einem Tumult unter. Als das Jäger – Detachement den Platz verlassen hatte, kehrte die Ruhe wieder ein. Da jedoch die große Anzahl und die aufgeregte Stimmung das Verlesen der Mannschaften erschwerten, so wurden die Landwehrmannschaften bis um 1 Uhr beurlaubt. Inzwischen war jedoch auf die Meldung des Vorfall des Jäger – Bataillon alarmiert worden und rückte eben, als die Landwehrmannschaften auseinander gingen, compagnieweise von drei verschiedenen Seiten auf den Platz. Dies war das Signal zu neün Tumult, der sich erst legte, als die anwesenden Landwehr- und Linien – Infanterie – Offiziere die Reservisten aus dem wirren Haufen truppweise formierten und nach dem Neumarkt dirigierten, um das Verlassen fortzusetzen.
Gänzlich wurde die Ruhe wieder hergestellt, nachdem die Jäger ihre Hirschfänger von den Büschen abgenommen und Oberstleutnant von Weiler eine begütigende Ansprache an die Tumultanten gehalten hatte. Gegen 1 Uhr zogen die letzten 2 Kompagnien des Jäger – Batallions ( die ersten 2 Compagnien waren bald nach dem Eintreffen entlassen worden ) ab, wonach das Ordnen der Mannschaften ohne weiteren Anstand vor sich ging. Von der Renitenz war selbst während des größten Tumultes nicht die Rede, die Infanterie – Offiziere fanden stets überall Gehorsam. Die Aufregung war – wie gesagt – lediglich dadurch hervorgerufen, daß die Mannschaften glaubten, das Jäger – Detachement sei ihretwegen, nicht wegen des Publikum wegen, da.“
Weiter wird aus Görlitz berichtet: „Heute Abend kam es hier zu einen großen Exzeß, der wohl im Zusammenhang mit dem unruhigen Vorgang am Morgen stand. Vor einer Weinstu-be, in der das Offizierkorp versammelt war, sammelten sich Menschenmassen und demolierten mit Steinwürfen die Fenster. Später wurde die Straße durch Militär gesäubert und die Tumultanten zur Ruhe gebracht.“
Die gereizte Stimmung wurde ausgelöst durch das Herausreißen aus dem normalen Leben hervor. Die Trennung von Frau, Kindern, eignen Hof und Arbeitsplatz für einen bevor-stehenden Krieg machte, den meisten Einberufenen schwer zu schaffen.

Österreichische Kriegsvorbereitungen
Das Bild der Stadt Prag, wird in einer Zeitungsmeldung vom 13.5.1866 wieder gespiegelt:
„Prag, 8.5.1866. Am Vorabend des Krieges. Prag hat jetzt ein ungleich kriegerisches Aussehen als vor drei Wochen, da ich zuletzt hier weilte. Alle Straßen wimmeln von Soldaten, eingezogenen Urlaubern, Remonten, Militärwagen usw. Es wird schonungslos eingezogen; selbst Alte, verheiratete Leute, die nach zehnjähriger Dienstzeit schon am 1. Mai ihre Entlassung erhalten, zufällig aber ihren gesetzmäßigen Abschied noch nicht gefördert hatten, hat man ohne weiteres zwangsweise wieder in Uniform gesteckt.
Hier stehen jetzt ein Artillerie – Regiment und 12000 Mann Infanterie , völlig zum Ausmarsch gegen Italien oder gegen die Preußische Grenze bereit. Die Stimmung ist unbeschreiblich; fanatische Wut gegen Preußen und wieder die größte finanzielle Niedergeschlagenheit, die das Ärgste befürchten läßt, wechseln miteinander ab. An neün Befestigungsanlagen um die Stadt ist schon seit Wochen eifrigst gearbeitet worden. Alles – ohne Ausnahme – wünscht sich eifrig den Krieg her, damit diese Spannung endlich aufhöre. An den Straßenecken sind Plakate voller Haß gegen Preußen, die auffordern, gegen die Berliner loszuschlagen und vorerst keine preußischen Waren zu beziehen, in böhmischer Sprache angeschlagen. Die Tschechen wollen Freikorps bilden. Die Zeitungen verlangen, Preußen muß kein zweites Ölmütz, sondern ein zweites Jena bereitet werden. Es werden auch fortwährend neü Truppen gegen die sächische Grenze gesandt. Ungefähr 30000 Mann sind jetzt der Art konvertiert, das sich in der nächsten Stunde nach Sachsen befördert werden können. Der vielen Militärzüge wegen stockt der Verkehr auf der Eisenbahn schon beträchtlich; Güterzüge sollen gänzlich schon in den nächsten Tagen ganz aufhören. Es heißt auch, daß die Offiziere aller Namen des Königs und die Prinzen von Preußen führenden Regimenter den Kaiser Franz Joseph haben bitten ollen, daß die Regimenter Namen ablegen dürfen, doch sei ihnen eine derartige Demonstration ernstlich untersagt worden.“

Gab es Ereignisse an der schlesisch böhmischen Grenze ?
Am 13.5.1866 wurde in der Zeitung berichtet, das der Grenzverkehr an der schlesisch – böhmischen Grenze eingeschränkt wurde:
„Tannhausen, an der böhmischen Grenze, 12.5.1866. Obwohl unsere Nachbarn aus den böhmischen Grenzbezirken bis jetzt ungefährdet unsere preußischen Orte passiert haben, so beobachteten die Bewohner Böhmens dennoch gegen die dort kommenden Preußen nicht dieselbe Humanität, was folgender Fall zu Genüge beweisen dürfte:
Ein Schuhmacher von hier arbeitet seit langen für eine in Braunau in Böhmen wohnende Frau (Preußin). Die letztere schuldete dem Handwerker noch einen Betrag für geleistete Schuhmacherarbeiten. Vor einigen Tagen beabsichtigte der Meister Schuhmacher, persönlich den Rest bei der Frau einzuziehen. Er begab sich daher zu Fuß nach Braunau, nahm jedoch zwei seiner Gesellen mit, da er fürchtete, die Grenze allein zu überschreiten.
Als diese drei Personen bei der betreffenden Frau eingetreten waren, versammelte sich vor dem Hause eine große Menschenmenge, welche durch Fluchen und Schimpfen ihren Preußenjaß Luft machte und von der armen Frau, wegen ihrer Abstammung aus Preußen, schon ohne hin zu leiden hatte, die Preußen – Hure heraus verlangte. Der Schuhmacher verkroch sich vor Angst unter ein Bett, wo er mehrere Stunden verblieb, wogegen sich die Gesellen vor die Tür begaben, um der Menge zu versichern, das sie in friedlichsten Absichten gekommen seien.
Alle ihre beruhigenden Reden waren vergeblich, da diese Worte unter dem Geschrei verhallten. Als die Gesellen endlich durch die Reden der österreichischen Spitzbuben usw. erbittert und lauter worden, legte sich die Polizei ins Mittel, aber nicht, um den Fremden Schutz angedeihen zu lassen, sondern um sie zu verhaften und vierzehn Stunden ins Gewahrsam zu halten.“
Eine andere Zeitungsnotiz vom 15.5.1866, gibt ein weiteres Bild der Kriegerischen Stimmung in Österreich wieder:
„Aus Österreich, 14.5.1866. Das die allgemeine Stimmung in Österreich gegen Preußen von Tag zu Tag erbitterter wird, ist eine Wahrnehmung, der sich der österreichisch Reisende nicht verschließen kann. Wie bekannt, schürt die dortige Presse nach Kräften das Feür, und ihr wird ein Teil der Früchte des drohenden Krieges mit Recht zur Last gelegt werden. Indessen sind auch manche Erscheinungen, die als Äußerungen des Patriotismus gepriesen werden, auf ein richtiges Maß zurückzuführen, und dahin gehört auch der allerdings zahlreiche Eintritt von Freiwilligen der Armee. Es ist wohl nur bei dem geringsten Teile der Kriegslust das Motiv des Eintritts, die meisten sind durch die hoch gestiegene Not gezwungen, bei den Fahnen ihr Brot zu suchen.
Bei Graz soll eine Reserve – Armee gebildet werden mit der Bestimmung, je nach der politischen Lage und nach taktischem Bedürfnis gegen Preußen oder Italien verwendet zu werden. Die Militär – Grenze gegen die Türkei wird von Truppen fast entblößt, in einem Grade, wie es in früheren Kriegen nicht geschehen ist, ein deutliches Zeichen, daß man einen großen Krieg in Absicht hat. Nunmehr hat auch der Transport sämtlicher in und um Wien zusammengezogenen Truppen nach Norden begonnen.“

Kriegsvorbereitungen in Schlesien
Aufrüstung und Kriegsvorbereitung beiderseits der Grenze liefen auf Hochtouren, so das Kriegshandlungen kaum noch zu verhindern waren. Folgende Zeitungsberichte berichteten darüber:
„Glogau, 11.5.1866, Militärisches. Das hiesige Landwehr – Batallion wurde heute vom kommandierenden General, der 8. Division, General – Leutnant von Schmidt besichtigt. Bei dieser Gelegenheit teilte derselbe den Wehrleuten mit, daß sie einberufen wurden, um das Vaterland zu schützen. Ein mächtiger Feind bedrohe die Grenzen und beabsichtige das, was Friedrich der Große errungen hatte, wieder zu erobern. Für die Familien der Wehrmänner solle gesorgt werden; der König erwarte, daß die Landwehr wiederum ihre Schuldigkeit zum Schutze des Vaterlandes tun und sich durch Ordnung, Ruhe und Disziplin auszeichnen werde. Durch Plakate der Polizeiverwaltung, die an den Straßenecken angeschlagen werden, wird bekannt gemacht, daß das hiesige Landwehrbatallion auf 802 Mann gebracht werden soll und daß sich deshalb alle bisher eingezogenen Wehrmänner des 1. Aufgebotes, die Reclamanten und Halbinvaliden, sowie diejenigen Wehrmänner des 2. Aufgebotes, welche in den Jahren 1851,1852 und 1853 gedient, am Montag zu stellen haben.“
„Gleiwitz, 11.5.1866. Der schlesischen Zeitung wird geschrieben: In dem industriellen Bezirk hegt man da, wo kein Militär besteht, große Besorgnis wegen der Sicherheit des Eigentums. Wir haben hier nicht nur arbeitslose einheimische Bevölkerung, sondern auch räuberisches Gesindel aus Galizien, wo bekanntlich große Not herrscht, sehr zu fürchten. In Gleiwitz denkt man daran, eine Bürgerwehr zu errichten, um die Ordnung möglichst aufrecht zu erhalte.
Um übertriebenen und verdrehten Darstellungen zu begegnen, teile ich Ihnen noch folgenden Vorfall mit: Gestern wurden hier mehrere hundert Mann Reserven, zum großen Teil schon Familienväter, zur Einstellung in die Regimenter rangiert. Da Feiertag war, so hatten sich nicht nur Fraün und Kinder, sondern auch anderes Volk auf dem Roßmarkt eingefunden. Die Stimmung vieler Familienväter, das lange Stehen, der Schnaps, in dem so mancher Trost sucht, zumeist aber das unnütze Volk, machen den Menschknäül zu einer tobenden Masse, so das daß Rangieren erst gegen Abend zu ermöglichen war. Der Tulmult war so groß, daß das Kommando der ordneten Offiziere und der Soldaten gar kein Resultat hatte. Ein Unteroffizier und mehrere Zivilisten wurden zum Teil erheblich durch Stockschläge verletzt. Alle Verkaufsläden der Stadt wurden auf einige Zeit geschlossen, das Truppen aus Kosel gerufen seien, kehrte die Ordnung soweit zurück, daß die Quartierzettel und die Löhnung verabfolgt werden konnte. Um 2 Uhr in der Nacht wurden die Mannschaften zur Eisenbahn nach Kosel  befördert.“
„Breslau, 11.5.1866. Nachdem in Folge die Mobilmachung der Armee eine große Anzahl von Postbeamten eingezogen wurden, mußten die acht in der Stadt und in den Vorstädten errichteten Postexpeditionen auf weiteres geschlossen werden.“
„Breslau, 15.5.1866, Militärisches. Während der Daür des mobilen Zustandes ist den Soldaten des 6. Armeestandes durch Korpsbefehl gestattet worden, auf der Straße zu rauchen und die Bärte wachsen zu lassen, eine Erlaubnis, die den eingezogenen Wehrleuten und Reservisten natürlich doppelt lieb ist.“

Unterstützung von hilfsbedürftigen Familien
Wie die Stimmung in den Familien, die Hilfe bedurften im Mai 1866 war, können wir heute nur sehr schlecht oder gar nicht nachempfinden. Folgende Zeitungsnotizen über Hilfsangebote berichten hierüber:
„Breslau, 16.5.1866, Patriotisches. Eine Bekanntmachung des Polizeipräsidenten zu Folge hat der hiesige Pferdehändler Stahl für einen patriotischen Zweck die Summe von 500 Talern geschenkt. Diese Summe wird zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien der eingezogenen Wehrmänner des Breslaür Landwehr – Bataillions verwendet.“
„Schreiberhau im Riesengebirge, den 14.5.1866 Zum Troste möge den zur Verteidigung des Vaterlandes einberufenen Soldaten, welche Frau und Kinder daheim gelassen haben, die Nachricht dienen, daß – wenn nach Gottes unerforschlichem Ratschluß der drohende Krieg ausbrechen und ihr Leben als Opfer für das Vaterland fordern sollte – gern und willig die Türen der hiesigen Anstalt, deren Häuser erst soeben aus der Asche wieder errichtet sind, sich wieder öffnen werden zur Aufnahme und Erziehung ihrer hinterlassenen Kinder, um dadurch einen Teil der Dankbarkeit abzutragen für die erfahrene Liebe in der Not nach dem Brande, auf das sie auch wissen, wie wir es erfahren haben: ‚Krieg und Brand segnet Gott mit milder Hand‘.
Den Landratsämtern, oder was sonst für die hinterlassenen Waisen der im Kriege Gefallenen zu sorgen hat, zeigen wir hiermit die Samariterherberge für diese Waisen, die dann das Erbe der christlichen Liebe werden.
Die Verwaltung der Schreibenhaür Anstalten.“

Maßnahmen zur Sicherung des Landkreises Landeshut
Der Landkreis Landeshut grenzte 1866 unmittelbar an Böhmen. Durch die Kriegsvorberitun-gen auf beiden Seiten der Grenze, waren die damaligen Bewohner des Landkreis tief besorgt und verunsichert. In der Zeitung vom 23.5.1866 wird aus Landeshut vom 18.5.1866 berichtet:
„Sicherheitsmaßregeln. Wie das Kreisblatt mitteilt, hat der königliche Landrat an verschied-ene Kreisinsassen ein Schreiben gesandt, in welchem es unter andern heißt:
‚Nachdem jenseits der Grenze in den Reichenberger und Friedländer Fabrik Distrikten  befindliche, zahlreich brotlos gewordene Arbeiterbevölkerung Neigung zu räuberischen Einfällen aus preußisches Staatsgebiet zu erkennen gegeben hat, mir auch mehrfach von Kreisbewohnern, die Besorgnis ausgesprochen worden ist, daß bei der fernen feindlichen Handlung des benachbarten Kaiserstaates gegen Preußen, durch die gegen die Deutschen äußerst erregte und aufgehetzte Czechische Zivilbevölkerung, unser Kreis möglicherweise von räuberischen Einfällen ausgesetzt sein könnte, veranlassen mich, im Einverständnis mit dem königlichen Regierungs – Präsidenten im hiesigen Kreise abgesetzte Sicherheitsbezirke zu bilden, deren Bewohner sich im Notfall – so gut es geht – bewaffnen und bei eintretender Gefahr auf vorher zu verabredende Alarmsignale versammeln um der gleichen Angriffe zu widerstehen.‘
Zum Zwecke der Bildung dieser Volkswehr hatte sich am vergangenen Sonntag eine große Anzahl von Vertraünsmännern im hiesigen königlichen Landratsamt versammelt und es wurden die näheren Bestimmungen festgesetzt. Danach ist der Kreis in elf ‚Wehrvereine‘ eingeteilt und so organisiert, daß wir fort an keiner plötzlichen Überrumpelung ausgesetzt sein werden:“
Zeitgleich wurde aus Breslau über Maßnahmen zur Versorgung von Verwundeten berichtet:
„Breslau, 22.5.1866, Patriotisches. Eine Anzahl hiesiger Damen aus allen Ständen hat einen schlesischen Zentralverein zur Anschaffung von Lazarettbedürfnissen gegründet. Der Aufruf zur Bildung von Zweigvereinen und zur Organisation der Privathilfe zur Pflege der Verwund-eten wird in den nächsten Tagen erscheinen.
Ebenso werden bereits Vorbereitungen zur Bildung eines Komitees zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Familien und Landwehrmännern und Reservisten getroffen.“

Ratschläge eines alten Husaren
Am 22.5.1866 wurde in der Zeitung unter der Überschrift „Ratschläge für jüngere Kame-raden, die das erstemal ins Feld ziehen“ veröffentlicht. Unterzeichnet war dieser Artikel: „Ein alter Husar.“
„Man nehme an Kleidungsstücken nur das Notwendigste mit. Ein altes Sprichwort sagt schon: ‚Ein Gott, ein Rock‘. Man hüte sich aber alte Sachen mitzunehmen. Wind, Wetter, Staub und Schweiß zernagen die Sachen ärger, als die Motten. Dasselbe gilt von der Wäsche – nur neü Wäsche gewährt eine Garantie, nicht innerhalb der ersten 6 Wochen mit zerrissenen Hemden herumlaufen müssen. Hier arbeiten Schweiß – und hat man Gelegenheit, einmal bei einer Waschfrau waschen zu lassen – auch Chlor und ähnliche Mittel zersetzend an der Leinwand.“
Es folgen dann noch Ratschläge über Hämden, Strümpfe und kalbsledernde Schlafschuhe, dann folgt jenes:
„Daß man ferner zu den unmittelbar bei sich führenden Sachen noch ein Handtuch, eine Zahnbürste, ein Stück Seife und einen sogenannten Staubkamm ( auch Läusekamm genannt) zählen muß, braucht wohl nicht weiter erwähnt werden. ‚Reinlichkeit ist das halbe Leben‘, sagt das alte Sprichwort schon, und wer einmal im Biwak gelegen hat, der weiß, daß man erst dann wieder Mensch wird, wenn man sich am Morgen gewaschen und gereinigt hat. Die Läuse finden sich aber merkwürdiger Weise wie umsonst, namentlich dort, wo verschiedene Truppenkörper in den Quartieren rasch gefolgt sind. In Schleswig war ich so verlaust, daß ich die alten Hosen vollständig fortwerfen mußte.“
Das war die gute alte Zeit !

Besorgnis über die Sicherheit Schlesiens
In jenen Tagen kam es im Kreis Ratibor – Oberschlesien, Ortschaft Klingelbeutel, wo sich auch das Grenzzollamt befand, zu einer Grenzverletzung durch eine österreichische Patrouille:
„Breslau, 23.5.1866. Der schlesischen Zeitung geht folgendes zur Veröffentlichung zu: Die Verletzung der Grenze bei Klingelbeutel durch eine österreichische Patrouille legt – so unbedeutend dieser Vorfall an und für sich ist – doch viele Gemüter die Sorge nahe, ob die Sicherung der Provinz Schlesien gegen eine feindliche Invasion bereits in ausreichender Weise erfolgt ist. Wir sind in der Lage, dies durch aus zu bejahen zu können. Nicht nur haben die Konzentrationspläne für unsere Armee stets die Sicherheit der Provinz Schlesiens, welche durch die Versammlung der österreichischen Armee in Böhmen und Mähren in erster Linie bedroht erschien, ins Auge gefaßt, sonder der erneute Vorfall hat erneute Veranlassung zu Maßregeln gegeben, welche auch die Wiederholung ähnlicher Insulten abzuwehren geeignet sind.“

Ein Spaziergang nach Weckelsdorf in Böhmen
Es war zu der Zeit normal, recht häufig nach Adersbach und Wackelsdorf zu gehen um diese Felsenstädte jenseitig der Grenze zu sehen. Ein Schlesier hatte auch in jenen Tagen einen Spaziergang nach Weckelsdorf zu unternehmen, hierüber wurde am 25.5.1866 in der Zeitung berichtet:
„Tannhausen in Schlesien. 18.5.1866. Der gestrige Tag veranlaßte mich zu einem Spazier-gang  nach Weckelsdorf in Böhmen. Der Wirt hieß mich herzlich willkommen und wunderte sich zugleich, mich – einem Preußen – bei sich zu sehen. ‚Schaun’s, sagte er, ‚hob i doch glaubt, does Joahr goar kann Preußen als Gast zu bekommen.‘
Darauf klagte er seine Not, daß er einen großen Verlust durch die Unruhen habe und obendrein den Verlust von Hab und Gut befürchten müssen, denn allgemein glaube man daß beim Ausbruch des Krieges die Fabrikarbeiter aus den hiesigen Dörfern in Österreich einbrechen und plündern und rauben würden. Die Leute hätten sich aus diesen Grund schon alle bewaffnet. Ich versuchte dem guten Mann seine Furcht auszureden, was aber sehr schwer gelang. Dieselbe Furcht hegen sämtliche Grenzbewohner, die durch die in Öster-reich erscheinenden Winkelblätter zugleich zum Haß gegen Preußen aufgehetzt wurden.“
Dann wurde über den Wanderer noch etwas über die Fabrikdörfer im Kreis Waldenburg berichtet:
„In unseren großen Fabrikdörfern ist von militärischen Maßregeln noch wenig zu bemerken. Den Fabrikbesitzern Reichenheim, Kaufmann Websky usw. gereicht es zur Ehre, daß sie trotz des gänzlichen Mangels an Bestellungen auf Waren ihre Leute fortbeschäftigen und nur eine kürzere Arbeitszeit angesetzt haben, dabei aber auch sorgen suchen, daß die Arbeiter auch während der Stunden sich nützlich beschäftigen.“

Ein Aufruf an Schlesiens Fraün
Am 25.5.1866 wurde ein Aufruf, welcher von zwanzig Damen der ersten Gesellschaft Breslaus unterzeichnet war, veröffentlicht:
„Auf des Königs Ruf sind unsere Männer, Brüder und Söhne zu den Fahnen geeilt, treu ihrer Pflicht, einer Pflicht, die blutige Opfer fordern kann. Wenn aber der Krieg schon entbrannt, dann erst Vorbereitungen zur Pflege der Verwundeten zu treffen, wäre zu spät, deshalb haben sich Unterzeichnete verbunden, dafür zu sorgen, daß alles bereit ist, wenn unsere Truppen der Hilfe bedürfen. Unser Plan ist, ein Zentraldepot zur Beschaffung der versch-iedensten Lazarettbedürfnisse zu gründen und zu seiner Zeit mit allen Lazaretten der Armee in Verbindung zu treten, so daß dieselben das ihnen etwa Mangelnde in möglichster Schnelle und Güte von uns erhalten können. Zur Ausführung dieses Plans gehört aber eine ausgebreitete Teilnahme, deshalb bitten wir die Fraün und Jungfraün Schlesiens, in den einzelnen Ortschaften oder Kreisen Zweigvereine zu gründen, die unser Zentraldepot mit allen Bedürfnissen möglichst versorgen helfen. Für die Stadt Breslau selbst sind eine größere Anzahl Zweigvereine errichtet worden. Findet unsere Absicht die gebührende Teilnahme, so sind wir überzeugt, unserer Armee einen großen Dienst zu leisten, nämlich die Zentralisierung aller Gaben zu bewerkstelligen, so daß die mit der Pflege der Verwundeten beschäftigten und betrauten Personen schnell und sicher zu erlangen wissen, was ihre Pflegebefohlenen Not tut. Bei Zersplitterung der Kräfte kann leicht der Fall eintreten, daß ein Lazarett Mangel leidet, während ein anderes Überfluß an freiwilligen Spenden hat. Möchte unsere Bitte recht offene Herzen und Hände finden.
Zunächst bitten wir daher, Zweigvereine sofort zu errichten und möglichst viele Gaben bereit zu halten, damit – sobald die Kriegserklärung erfolgt ist – unser Hauptdepot mit allem Nötigen versehen werden kann. Von jeder Konstituierung eines Zweigvereines und dessen Anschluß an unserem Zentralverein bitten wir schleunigst in Kenntnis zu setzen. Wer jetzt schon Gaben einzusenden beabsichtigt, möge die Güte haben, dies unter die Adresse einer der unterschriebenen Damen zu tun. Das Hauptdepot befindet sich vorläufig im königlichen Regierungsgebäude, Albrechtstr. 32.“
Unter anderen wurde dieser Aufruf unterzeichnet von Marie Eichborn aus Breslau, Freifrau von Schleinitz, geb. von Hippel, die Gattin des Oberpräsidenten von Schleinitz, die Frau des Oberbürgermeisters Hobrecht und anderen Damen mit wohlklingenden Namen.

Neugigkeiten aus Tannhausen
Eine Zeitungsmeldung die am 26.5.1866 erschein:
„Tannhausen in Schlesien, 22.5.1866. Der Grenzverkehr nimmt noch immer ungehindert seinen Fortgang, doch herrscht auf beiden Seiten ein großes Mißtraün. Namentlich muß man sich in Österreich hüten, über die Situation zu sprechen, da die niederen Leute infolge der Winkelblätter fanatisiert sind und leicht zu Tätlichkeiten übergehen.
Ich sprach vor einigen Wochen mit einem alten österreichischen Soldaten und rühmte unsere preußischen Zündnadelgewehre, da sagte derselbe zu mir: ‚Ei schaun`s, glauben`s jo nit, doaß wir oabwoarten wird`s, bis die Preußen hobn`s Pulver verschossen; wir geh`n gleich mit dem Kolben drauf.‘ Ich erwiderte natürlich, daß sich die Preußen darauf auch verstehen.“
In derselben Zeitung eine weitere Meldung aus Hirschberg.
„Hirschberg, den 21.5.1866. Der schlesischen Zeitung wird mitgeteilt, daß nicht nur in der Erdmannsdorfer Fabrik, sondern auch in allen königlichen Etablissments von Arbeitseinst-ellung auch im Krieg keine Rede sein wird, imdem man in bestimmten Kreisen entschlossen ist, gerade in schlimmen Zeiten möglichst viele Arbeiter zu beschäftigen. Dieses Beispiel wird gewiß einen guten Eindruck machen, fehlt es doch schon jetzt hier an Privaten, welche die begonnenen Bauten ohne Rücksicht auf die Kriegsbefürchtungen fortsetzten.“

Kronprinzenbesuch in Breslau
Der Kronprinz, der Sohn des preußischen Königs, welcher 1888 als Neunundneunzig Tage Kaiser regieren und sterben sollte, besuchte in jenen Tagen Breslau. Er war im Volk sehr beliebt und die Soldaten zeugten ihm großen Respekt, in den Zeitungen wurde darüber wie folgt berichtet:
„Breslau, 29.5.1866. Zur Anwesenheit seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen. – Nachdem seine königliche Hoheit der Kronprinz im Laufe des gestrigen Vormittags das Offizierkorps, die Vorstände der hiesigen Behörden und mehrere Standesherren aus der Provinz empfangen hatte, nahm derselbe den Vortrag des kommandierenden Generals des 6. Armee – Korps entgegen. Zu einem Diner, welches um 3 Uhr stattfand, waren befohlen Oberpräsident von Schleinitz, der Fürstbischof Dr. Heinrich Förster, der Polizeipräsident Freiherr von Ende, der Oberbürgermeister Hobrecht, Rektor magn. Prof. Dr. Reinkens sowie die Generalität und andere hochgestellte Personen.
Gegen 8 Uhr machte seine königliche Hoheit in Begleitung zweier Adjutanten einen Spazier-gang auf der Promenade.
Wie die schlesische Zeitung meldet, hat seine königliche Hoheit sich heute früh zunächst nach Oppeln begeben. Über dem Empfang des Oberbürgermeisters und des Stadtverord-neten Vorstehers Kaufmann Stetter berichtet die Breslaür Zeitung: Dem Vernehmen nach sprach der Kronprinz in einer längeren Unterhaltung den Vertretern der hiesigen Bürgersch-aft seine Freude darüber aus, daß ihm das gegenwärtige Kommando des 11. Regimentes so gern geweilt habe. Damit waren die vertraünsvolle und beruhigende Versicherungen hin-sichtlich etwaiger kriegerischen Eventualitäten verbunden.“
Die Gedanken über den bevorstehenden Krieg, beeinflußten in jenen Tagen das normale Leben in Tun und Handeln. Unter dem Kronprinzenbericht war noch folgende Notiz:
„Militärisches – Von zuverlässiger Seite geht uns soeben die Nachicht zu, daß, nachdem nunmehr das 1. und 2. Armee Korps (Preußen und Pommern) den schlesischen Boden betreten haben, wir der Ankunft eines großen Teiles derselben in der Höhe von Breslau auf beiden Oder Ufern nächstens entgegen sehen können. Man nennt als den Punkt, auf welchem ihre Formierung erfolgen soll, Oppeln und Umgebung.“

Kronpinzenbesuch in Oberschlesisen
Damals reiste der Kronprin von Breslau weiter nach Oberschlesien, hierüber wurde am 2.6.1866 in der Zeitung folgendes berichtet:
„Gleiwitz, 30.5.1866. Zur Anwesenheit des Kronprinzen – Gestern Vormittag hat seine könig-liche Hoheit der Kronprinz in Begleitung des Generals von Blumenthal und des Oberpräsi-denten von Schleinitz unserer Stadt einen Besuch abgestattet. Der Kronprinz sprach sich – nachdem auf dem Bahnhof die Vorstellung durch den Landrat Graf Strachwitz erfolgt war – während der Unterhaltung wiederholt dahin aus, daß die Hoffnung auf den Frieden noch nicht aufgegeben sei, teilte mit, daß nach einer erst kürzlich von seiner Majestät dem König erhaltenen Nachricht die Lösung der strittigen Fragen im Wege des Kongresses noch mög-lich scheine und legte es dringlich ans Herz, die Mutlosigkeit, die hier und dort Platz greife, entgegen zu treten. Auch wenn militärische Rücksichten es notwendig machten, einen kleinen Teil der Provinz von Truppen unbesetzt zu lassen und diesen anscheinend dem Feind preiszugeben, so liege hierin kein Grund zu ernstlichen Befürchtungen, da dies eben nur vorübergehend die Calamität überwinde.“
Anbei einige weitere Zeitungsnotizen:
„Aus Oberschlesien, 26.5.1866. Zur Stimmung. – Die Bevölkerung sowie das Herr warten mit Ruhe und Resignation auf die Dinge, die da kommen sollen. Die große Mehrheit zieht den Frieden vor, jedoch nur einen ehrenvollen Frieden. Kommt es jedoch zum Krieg, so wird das Herr mit frischem Mut schlagen und auch die Landwehr wird hinter der Linie nicht zurückblei-ben. Die oberschlesische Bevölkerung wird aber treu und mannhaft zu Preußen stehen und mit Fassung das Elend des Krieges über sich ergehen lassen.“
„Aus Oberschlesien, 29.5.1866. Wie man in der Silesa liest, hat eine erneute Grenzübersch-reitung von Seiten der österreichischen Truppen stattgefunden. Einige Husaren, welche in dem an der Oppa liegenden Grenzdorf Wawrowitz einquartiert sind, haben den Fluß durchwatet und – ohne zu wissen, daß jenseits preußisches Gebiet ist – das Wirtschaftshaus der gegenüberliegenden Dorfes Wehowitz Kreis Leobschütz besucht. Nach erteilter Belehrung über die Grenzverhältnisse kehrten die Österreicher sofort über ihre Grenze zurück.“
„Von der österreichisch – schlesischen Grenze, 1.6.1866. In der Gegend von Loslau und Rybnik sollen mehrfach österreichische Soldaten die Grenze überschritten und – wie wir aus guter Qülle vernehmen – infolge Geldmangels Patronen verkauft haben. Sechs derartige Stücke befinden sich im Besitz unseres Gewährmannes.“
Mit Sicherheit wurden auch so kleine Nachrichten von den Schlesiern mit großer Besorgnis aufgenommen, denn man wußte nicht was die Zukunft bringen würde. Mit großer Anteil-nahme nahmen die Bewohner des Landkreises Landeshut eine Nachricht von einem bekannten Mitbürger am 6.6.1866 auf:„Durch Kabinettsordre ist Graf Eberhard zu Stollberg – Wernigerode auf Kreppelhof zu Landeshut, Kanzler des St. Johanniter – Ordens, zum königlichen Kommissar und Inspektor sämtlicher Krankenanstalten der ganzen Armee ernannt worden.“
Am 7.6.1866 erschien hierzu eine ergänzende Notiz:
„Der wirkliche geheime Rat, Kanzler des Johanniter Ordens, Graf Eberhard zu Stollberg – Wenigerode auf Kreppelhof Landeshut, ist von seiner Majestät dem König zum Kommissar und Militärinspektor der freiwilligen Krankenpflege bei der Armee im Felde ernannt worden und hat dieses Amt bereits angetreten. Das Büro desselben befindet sich für jetzt im Herrenhause, Leipziger Str. 3, hierselbst.“

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Publikationsstand dieser Seite:02/04/08

 

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Teil 1