Achtzigjähriger Kriegsfreiwilliger
Am 7.6.1866 wird von einen alten preussischen Haudegen berichtet, dem General Wrangel, der in Großen oft nur Papa Wrangel genannt wurde und schon mehr als achtzig Jahre alt war:
„Berlin, 6.6.1866. Der allzeit frische und tapfere Veteran unserer Armee – General Feldmarschall von Wrangel – hat auch im gegenwärtigen Augenblick trotz seiner über achtzig Jahre und darüber mit der Teilnahme am aktiven Dienst für das Vaterland zurückbleiben wollen. Er hat bei seiner Majestät dringend darum nachgesucht, ihm diese Mitwirkung zu gestatten. Als der König auf seine Bewerbungen mit der freundlichen Bemerkung antwortete, der brave Feldmarschall habe sich wohl in früheren Feldzügen hinreichend Lorbeeren erworben, um sich nun auch einmal Ruhe gönnen zu dürfen, erwiderte dieser – wie man erzählt – seine Majestät würden ihm die Gnade nicht versagen, mit seinem Regiment ( Graf Wrangel ist Chef des 3. Kürassier – Regiments und des 35. Infanterie – Regiments ) ins Feld zu ziehen und demselben die Fahne voranzutragen.“
Verlegung des Hauptquartiers des General von Steinmetz nach Landeshut
Am 8.6.1866 wurde über die Verlegung des Hauptquartier von den namhaften Heerführer General von Steinmetz berichtet:
„Breslau, 6.6.1866, Militärisches. – Über die Aufstellung der schlesischen Armee glaubt die schlesische Zeitung mitteilen zu dürfen, da seine königliche Hoheit, der Kronprinz, welcher bereits vorgestern um 8 Uhr und fünfzig Minuten in Freiburg eingetroffen ist, sein Hauptquartier in Fürstenstein genommen hat. Das Hauptquartier des kommandierenden Generals des 5. Armeekorps, von Steinmetz, befindet sich zu Zeit in Landeshut, das des kommandierenden Generals des 6. Armeekorps, von Mutius, in Altwasser. Seine königliche Hoheit der Kronprinz wird heute über sämtliche in Freiburg und Salzbrunn stehenden Truppen Parade abgehalten.“
In der gleichen Zeitungsausgabe:
„Freiburg in Schlesien, 5.6.1866. Zum Empfang seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen bei seiner gestern Abend erfolgten Ankunft war auf dem Bahnhof eine große Anzahl von Offizieren aller Grade gegenwärtig. Der Fürst von Pleß stellte dem Kronprinzen die Behörden der Stadt und die Geistlichen beider Konfessionen vor. Seine königliche Hoheit sprach längere Zeit mit fast jedem der einzelnen Vorgestellten und verhehlte namentlich nicht, da schwere Zeiten bevorstünden, die aber mit Mut und Beistand Gottes getragen werden müssten.“
Hauptquartier des Kronprinzen Schloss Fürstenstein
Zum damaligen Zeitpunkt wurde sehr viel über den Adel in Deutschland berichtet, hier eine kleine Abhandlung über eine solche Berichterstattung vom 8.6.1866:
„Schloss Fürstenstein in Schlesien wo seine königliche Hoheit der Kronprinz jetzt verweilt, hat zu verschiedenen Zeiten Mitglieder der königlichen Familie zu kürzeren Aufenthalten gedient. Wegen seiner Naturschönheiten ist der Ort weit über die Grenzen Schlesiens bekannt und wird von nah und fern viel besucht. Seit der Anlage der Freiburg – Breslaür Eisenbahn ist er der Hauptstadt der Provinz sehr nahe gerückt und jetzt in kaum 3 Stunden zu erreichen, daher namentlich des Sonntags Ziel der Touristen.
Das romantisch schaurige Tal von 500 Fuß Tiefe und darüber, durch welches die Polsnitz fliesst, mit seinen Felsen und Waldungen, macht einen imponierenden Eindruck. Die künstlichen Anlagen auf der Höhe erhöhen den Reiz der Landschaft, deren Physiognomie einzig in ihrer Art in unserer Provinz dasteht.
Seit 1509 ist Fürstenstein im Besitz des Grafen Hochberg. Die Familie hat im Zeitalter der kirchlichen Reformation zum evangelischen Glauben bekannt und in der Zeit der Herrschaft der Habsburger in unserem Lande sich als Hort dasselbe ausgezeichnet. Um die Erbauung der evangelischen Friedenskirche in Schweidnitz nach dem dreissigjährigen Krieg haben sich der Graf von Hochberg wesentliche Verdienste erworben. Daher findet man in jenem Gotteshaus unmittelbar unter der Fürstensteiner Loge noch Szenen aus der älteren Geschichte dieses Geschlechtes dargestellt. Im Jahre 1841 wurde Fürstenstein zu einer freien Standesherrschaft erhoben.
Das Schloss, in welchen der Kronprinz jetzt residiert, ist in seiner ersten Anlage sehr alten Ursprungs und reicht in die Zeit hinauf, als die Fürstentümer Schweidnitz und Jaür noch ihre eigenen Herzöge hatten, deren Stamm 1368 ausstarb. Im Jahre 1847 fiel der Fürstensteiner Linie der Grafen von Hochberg das Fürstentum Pleß in Oberschlesien durch Erbschaft zu. Der jetzige Fürst hat für die Verschönerung des Schlosses durch Bauten und Anlagen viel getan. Die Gartenanlagen in der nächsten Umgebung desselben sind erweitert worden. Es wird gewöhnlich – trotz seines alten Ursprungs – das neü Schloss genannt, obwohl gerade die sogenannte alte Burg jüngeren Ursprunges und nach dem Muster alter Ritterburgen erst am Ende des vorherigen Jahrhunderts angelegt ist. Es liegt auf dem jenseitigen Ufer der Polsnitz. In seiner Nähe befindet sich der Turnierplatz, wo im Jahre 1800 bei Anwesenheit des Königs Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise ( nach deren Namen ist noch ein Platz auf der Höhe benannt, von wo man einen schönen Blick nach dem Grund und dem nahe gelegenen Kurort Salzbrunn hat.) der schlesische Adel ein Turnier in Ritterkostüm aufführte. Die äussere Umfassung mit den Plätzen, auf denen die Ritterdamen saßen, sind noch erhalten.
Unter den Erinnerungen aus der Vorzeit, welche die Zimmer der alten Burg bergen, befindet sich auch der Schreibtisch, auf welchem Friedrich der Große den Plan zur Schlacht von Hohenfriedberg – das Schlachtfeld liegt 1 ½ Meilen entfernt – entwarf. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts verweilte König Friedrich Wilhelm IV., als er damals Kronprinz – die Kur in Salzbrunn gebrauchte, mehrere Wochen auf dem neün Schlosse; ebenso im Jahre 1838 die Gemahlin des Kaisers Nikolaus von Russland. Auch der jetzige Kronprinz hat bei seinem Aufenthalt in Schlesien in den Jahren 1857 und 1859, in dem letzten Jahre mit seiner Gemahlin, auf dem Schlosse schon kürzere Zeit verweilt.“
Militärparade vor dem preussischen Kronprinz
Am 9.6.1866 wurde folgender Artikel veröffentlicht:
„Waldenburg, 6.6.1866. Revü – Heute in aller frühe marschierten die meisten der in unserem Kreise konzentrierten Regimenter von allen Seiten auf Fürstenstein zu, und am Takt des Schrittes konnte man es spüren, dass es einen besonderen Freudenmarsch galt: Zur Parade seiner königlichen Hoheit dem Kronprinzen. Auf beiden Seiten der Chaussee von Sorau an, wo die Truppen sich aufteilten, wimmelte es sich von Volksmassen, und lernen wir Schlesier das ‚Ich bin ein Preusse, will ein Preusse sein !‘ in diesen Tagen kräftiger als sonst, so leuchtete heute dieser preussische Preussenwille aus tausend Augen und stärkte sich am Anblick des geliebten Königssohnes, welchem es auf der Stirn geschrieben steht, dass er Friedrichs des Großen Wort über den königlichen Großvater: ‚Der wird sich Schlesien nicht wieder nehmen lassen‘ als Hohenzollern – Vermächtnis im Herzen trägt.
‚Der im Stern steht, der ist’s !‘ hörte man hin und wieder im Volke rufen und Mütter hielten ihre Kinder in die Höhe, dass sie ‚unsern Kronprinzen‘ sähen.
Im Schritt ritt seine königliche Hoheit – wohl dreiviertel Meilen – die Front der präsentierenden Truppen entlang, mit herzhaften ‚guten Morgen‘ grüßend und wieder begrüßt, hier und da Einzelne – Offiziere und auch etliche dekorierte Unteroffiziere – leutselig anredend. ‚So sehen wir uns alle hier wieder !‘ rief seine königliche Hoheit dem Hauptmann von Schlutterbach zu, als er an das 50. Regiment herankam und reichte dem Waffenkameraden von Schleswig huldvoll die Hand dar. Neben dem jugendlichen Helden, welchem der König seine Schlesien – Perle im ersten Treffen zu hüten befohlen hat, ritt der greise General von Mutius, welcher wieder jung geworden im Sattel saß, weil es zu reiten gilt für den König und für das Vaterland.
Es war ein Volksfest rechter Preussenart. ‚Wozu hätte der König seine Armee, wenn sie jetzt nicht vorwärts marschieren sollte ?‘ hörten wir einen Bürger sagen. Über die am Tage zuvor gehaltene Revü berichtet die Provinzzeitung für Schlesien: Seine königliche Hoheit wurde von den Truppen mit stürmischen Jubelrufen empfangen und richtete überall gültige und herzliche Worte an derselben, wobei er seine Zuversicht aussprach, dass die der alten preussischen Waffenehre auch in den bevorstehenden Krieg eingedenk sein würden.“
Durch die Truppeninspektion während der Parade durch den Kronprinzen, setzte er ein Zeichen der inneren Führung, denn hier bekundete er jeden Soldaten bzw. jeden der Wehrmännern sein Vertraün.
Besuch des Kronprinzen auf den Kreppelhof sowie Landeshut, Liebau und Grüssau
Am 9.6.1866 wurde in der Zeitung über den Besuch des Kronprinzen im Landkreis Landeshut – dem am gefährdetsten Teil der schlesisch böhmischen Grenze – berichtet:
„Landeshut, 6.6.1866. Truppenbesichtigung – Besuchs Inspektion der hier liegenden Truppen traf gestern früh seine königliche Hoheit der Kronprinz hier ein. Vor der Stadt wurde er zunächst von den kommandierenden General begrüßt. Demnächst bewillkomme der königliche Landrat von Klützow mit den Vorständen der hiesigen Behörden und mit dem Magistrat den Kronprinzen. Seine königliche Hoheit erwiderte darauf: ‚Ich bringe nicht den Krieg; noch sind nicht alle Hoffnungen auf Frieden nicht geschwunden, obgleich sie geringer geworden sind. Sollte es zum Krieg kommen, so werden harte und ernste Forderungen an sie gestellt werden.‘
Hierauf stieg seine königliche Hoheit zu Pferde und ritt in Begleitung seines Generalstabes über Kreppelhof nach der Landeshut – Liebenaür Chaussee zur Truppenbesichtigung. Von Reichhennersdorf fuhr seine königliche Hoheit nach Liebau, wo die dort liegenden Regimenter in Augenschein genommen wurden; darauf über Lindenau nach Grüssau und nach der Besichtigung der dort liegenden Truppen nach Kreppelhof, um bei dem Grafen Eberhard zu Stolberg – Wernigerode das Diner einzunehmen. Um 6 Uhr trat der Kronprinz seinen Rückweg nach Fürstenstein an.
Grenzzwischenfall an der Grenze bei Grüssau
Am 12.6.1866 wurde über Geschehnisse an der Grenze bei Grüssau berichtet:
„Freiburg in Schlesien, 9.6.1866. Eine Patrouille in der Nähe der Grenze bei Grüssau brachte einen österreichischen Unteroffizier und vier Gemeine als Deserteure ein. Die Österreicher gaben das Ausbleiben des Tractawentes als Grund der Desertion an. Ebenso wurden am 8. Juni früh zwölf Mann Österreicher nach Gottesberg abgeliefert und dort einstweilen in Verwahrung genommen. Über die nämlichen Vorfälle berichtet dagegen der Freiburger Bote aus Freiburg: Eine preussische Patrouille traf unweit Grüssau auf einem Streifzüge eine österreichische Patrouille. Nachdem der Führer der preussischen Mannschaften den Befehl gegeben hatte, die feindlichen Mannschaften zu umzingeln, legten die Österreicher – ein Unteroffizier und vier Gemeine – die Gewehre auf den Rasen und reichten in aller Gemütlichkeit, den Preussen freundschaftlich die Hand, worauf die Abführung zur nächsten Wache in aller Ruhe erfolgte.
Am 7. Juni, Nachts 12 Uhr, wurden in Gottesberg zwölf Mann Österreicher als Gefangene eingebracht und einstweilen daselbst in sicheres Gewahrsam genommen.“
In der gleichen Zeitung erschien eine Nachricht aus Friedland in Böhmen, wo sich das Schloss des Generals Wallenstein befand, welches sich 1866 im Besitz des Grafen Clam – Gallas befand. Die Nachricht lautete:
„ Von der böhmischen Grenze schreibt man der schlesischen Zeitung: Graf Clam – Gallas, der jetzige Besitzer des Schlosses Friedland, ist österreichischer General. Er hat alle wertvollen Gegenstände aus seinem Stammschloss nach Prag schaffen lassen. Die großen Familienbilder der von Biberstein, von Roedern, von Waldstein und von Clam – Gallas sind aus ihrem Rahmen genommen, durch die nichts getünchte Wand hervor blickte. Die Rüstkammern ist ihres schönsten Schmuckes, der Waffen beraubt und auch die großen, goldenen Humpen sind nach Prag fortgeschafft.“
Die Kriegsvorbereitungen schreiten auf beiden Seiten ungehemmt fort, hierzu gab es am 12.6.1866 noch folgende Zeitungsnotiz:
„Breslau, 12.6.1866. Militärisches. Am 8. Juni traf ein Kommando vom Ersatz – Bataillon des 3. Niederschlesischen Infanterie Regiments Nr. 50 hier selbst ein, um morgen die Rekruten des Regimentes zu übernehmen. Nach erfolgter Einstellung derselben dürfte die Formation der vier Bataillone bewerkstelligt werden.“
An der Grenze in der Nähe von Neisse
Am 14.6.1866 wurde folgende Nachricht veröffentlicht:
„Berlin, 13.6.1866. Seine Majestät der König sahen heute in den Morgenstunden die beim königlichen Palast zum Abmarsch zur Armee vorbeimarschierenden Bataillone der Garde Füsilier Regiments und um halb 10 Uhr das 2. Garde Regiment zu Fuß auf dem Kasernenhof des Grenadier – Bataillon. Sodann nahmen seine Majestät im Palast militärische Meldungen, den Vortrag des Zivilkabinetts, den des Militärkabinetts und endlich den des Ministerpräsidenten entgegen.
Neisse, 10.6.1866. Von einem preussischen Offizier, der nicht weit von hier an der österreichischen , Grenze einquartiert ist, wurde uns folgende Tatsache mitgeteilt: Zwei preussische Landwehrmänner wurden auf 24 Stunden beurlaubt, um ihre unmittelbar an der Grenze wohnenden Verwandte zu besuchen, natürlich mit der strengen Weisung, sich unter keinen Umständen einer Grenzüberschreitung schuldig zu machen. Aus alten Zeiten aber mochten unseren Landwehrmännern die Qüllen des billigen österreichischen Weins bekannt sein, denn nach mehreren Stunden saßen sie vergnügt in einer Weinschenke zu Neisse. In Neisse aber liegen österreichische Husaren, die, als sie ihre preussischen Kameraden erblickten, sie herzlich willkommen hießen und als ihre Gäste betrachteten. Die Offiziere blieben hinter ihren Untergebenen nicht zurück, und es bot sich bald eine Szene, ähnlich denen im Jahr 1864, als die Österreicher Schlesien passierten und überall mit offenen Armen aufgenommen wurden.
Die Bewohner von Neisse schienen aber nicht die Sympathien der Österreicher nicht zu teilen, denn sie versammelten sich eine nicht unbedeutende Menge von Zivilisten, um unseren Landwehrmänner auf handgreifliche Art das Geleite zu geben. Abermals waren nun die Husaren, die ihre Kameraden schützten und nach vielen heiteren Stunden ihren beiden zukünftigen Feinde bis zur Grenze das Geleit gaben.“
Nachrichten vom Hauptquartier Schloss: Fürstenstein:
Am 15.6.1866 wurden folgende Nachrichten veröffentlicht:
„Breslau, 13.6.1866. Aus dem Hauptquartier erhalten die Provinzzeitung Schlesien und die Schlesische Zeitung folgenden Bericht. Ein Dragoner vom österreichischen Regiment Windischgrätz, welches im nördlichen Böhmen steht, hat auf einer Patrouille sich nach dem preussischen Dorf Kunzendorf begeben, um daselbst seine Schnapsflasche zu füllen, während zwei seiner Kameraden jenseits der Grenze blieben. Hierbei von einer diesseitigen Patrouille – den Füsilieren Knaup und von der Heyde – überrascht suchte er zu entkommen, stürzte aber mit dem Pferd und wurde gefangen. Nach dem Hauptquartier nach Fürstenstein gebracht, wurde er von seiner königlichen Hoheit dem Kronprinzen reich beschenkt und am Abend desselben Tages seinem Regiment wieder zugeschickt. –
Seine königliche Hoheit hat bei seiner Rückkehr aus Berlin eine Division der Reserve Kavallerie besichtigt und seine volle Zufriedenheit über das Aussehen und die Haltung der Truppen ausgesprochen.“
Vom Hauptquartier des Kronprinzen wird weiter berichtet:
„Das schöne Schloss Fürstenstein, nicht mit Unrecht die Perle Schlesiens genannt, ist kaum wiederzürkennen. Gleich an den Torgebäuden steht die Wache des Kronprinzen Hauptquartiers; die vielen Offiziere sowie die eiligen Kavallerie Ordonnanzen beweisen, dass der schöne Frieden, der in diesen herrlichen Tälern herrschte, bald dem Lärm des Krieges weichen wird. Der Kronprinz bewohnt die rechte Seite des Hauptgeschosses des Schlosses, während die fürstliche Familie sich auf die Gemächer auf der linken Seite beschränkt. Der fürstliche Wirt bietet alles auf, um seinem hohen Gast den Aufenthalt auf dem Schloss so angenehm wie möglich zu machen. Die durch den Ernst der Zeit gebotenen Arbeiten füllen fast den ganzen Tag seiner königlichen Hoheit aus, nur nach dem Tische finden sich einige Stunden Erholung. Die fürstliche Familie sowie die Offiziere des Stabes versammeln sich dann um den Kronprinzen auf der Terrasse des Schlosses. Am letzten Sonntag war Gottesdienst in der Kapelle des Schlosses, wobei der Konsistorialrat Weigelt aus Breslau predigte. Nachmittags war der Musikkorps des 50. Regimentes auf der vor dem Schlosse gelegenen Blumenterrasse versammelt, um ein Ständchen zu bringen. Seine königliche Hoheit ergingen sich auf der Terrasse und unterhielten sich auf das Leutseligste mit den Umstehenden. Die Bewohner der Umgebung Freiburgs und Breslaus waren in Massen herbeigeströmt.“
Von der schlesisch – böhmischen Grenze
Über die Bewachung der schlesisch böhmischen Grenze wurde am 15.6.1866 wie folgt berichtet:
„Neurode, 12.6.1866. Die Aufstellung der Österreicher umfasst, wie es heisst, die preussische Grenze in einem Bogen, von dessen Endpunkten Prag und Krakau, der erstere durch durch die Festung Theresienstadt unterstützt, der andere aber durch das neu entstandene verschanzte Lager verstärkt wird, während die Mitte von drei Festungen verteidigt wird, während die Mitte von drei Festungen, von denen Josephstadt und Olmütz dich eines guten Rufes erfreün. Vor Oberschlesien, dem Tor für einen Angriff auf preussisch Schlesien, hat der österreichische Oberkommandant dem Anschein nach seine Hauptmacht konzentriert. Die österreichische Blätter selber haben dies wenigstens berichtet.
Die notwendigen Maßregeln zur Sicherung unserer Grenze und zur Beobachtung derselben sind getroffen. Doppelposten und Vedetten – Spähwachen oder Reiterwachen – lassen ihre aufmerksamen Blicke von den höchsten Bergen ins Böhmerland schweifen. Patrouillen reiten die Grenze ab und Fanale und Feürzeichen sind aufgestellt, um die Annäherung des Feindes aufzuzeigen.
Seitens der Österreicher ist die unmittelbare Bewachung der Grenze eine geringe. Die Grenzdörfer sind nicht mit Truppen belegt; den ersten Abteilungen begegnen wir erst einige Meilen von der Grenze entfernt. Man muss also annehmen, dass von ihnen hier – namentlich von Hirschberg und Glatz – ein Angriff erwartet wird, obgleich grade hier die Straßen Glatz – Reinerz – Josephstadt und Landeshut – Trautenau – Josephstadt nach Böhmen führen. Die böhmischen Grenzbewohner glauben, in voller Sicherheit zu sein. Zur Sicherung und Beobachtung der genannten Straßen sind übrigens von Josephstadt und Königinhof aus Truppen aufgestellt, deren Vorhut Nachod und andererseits Trautenau nicht überschreitet. Die wenigen, in den Glatzer Gebirgskessel mündenden Straßen werden nur einer geringen Beobachtung unterworfen. An der mährischen Grenze dagegen sind die Kaiserlichen Truppen Österreichs bis Zuckmantel und ferner bis Jägerdorf und Troppau vorgeschoben; sie sind die Vorposten der Hauptarmee von Olmütz.
In anderer Hinsicht ist die Bewachung der Grenze haarscharf. Wir meinen die österreichische Sperre für alles, was nicht im Besitz eines regulären Passes befunden wird, auffallend genug, während doch täglich kaiserliche Untertanen aus Österreich kommen und gehen durchaus unbelästigt bleiben.
Die österreichischen Grenzbewohner sind durchweg wenig für den Krieg begeistert, weil er ihre materiellen Interessen schwer beschädigt, denn die Qüllen ihres Erwerbs liegen überwiegend im Preussischen. Weiter im Innern dagegen, namentlich in Böhmen, ist der Preussenhass als künstliches Produkt zu einem unerhörten Umfange gediehen. Nicht wenig trägt dazu die Presse bei, die sich nicht entblödet, die höchststehenden Personen in Preussen in der Sprache der Gassenjungen zu lästern, und namentlich ist es ihr Steckenpferd, die tollsten Lügen über die Wahrheit doch ernstlich gefürchtete preussische Armee zu verbreiten.“
Österreichischer Spion in Glatz und in Greiffenberg ein ungarischer Husarenoffizier
Am 16.6.1866 wird über folgende Randerscheinung berichtet:
„Breslau, 14.6.1866, Österreichischer Spion. Aus guter Qülle erfahren wir folgendes: Vor einigen Tagen bemerkte in Glatz innerhalb des Festungswerks einer der diensttünden Posten einen Herrn, der sich augenscheinlich mit der Aufnahme des Festungsplanes beschäftigte. Als der Soldat zu seiner Verhaftung schreiten wollte, bot jener ihm ein Geldgeschenk von 10 Thalern, wenn er ihm freilassen wolle. Die Versuchung war jedoch erfolglos, da der Soldat das Geschenk mit aller Entschiedenheit ablehnte. Bei dem auf der Hauptwache mit dem Gefangenen angestellten Verhör ergab sich, dass derselbe ein österreichischer Offizier ist und zum Zwecke militärischer Aufnahmen nach Preussen herüber gekommen war ist vorläufig in Glatz interniert worden.“
„Greiffenberg in Schlesien, 12.6.1866. Heute wurde ein ungarischer Husaren Offizier mit Pferd und vollständiger Armatur eingebracht. Wie verlautet, soll Mangel an geregelter Verpflegung ihn zur Flucht bewogen haben. Er wurde hier reichlich bespeist.“
Tod des Prinzen Sigismund von Preussen
Der damalige Kronprinz weilte auf Schloss Fürstenstein, seine Frau und die Kinder blieben in Berlin zurück. Über seinen Sohn, dem kleinen Prinz Sigismund wurde am 17.6.1866 berichtet:
„Berlin, 16.6.1866. Der Prinz Sigismund, der jüngste Sohn ihrer königlichen Hoheit des Kronprinzen, ist schwer erkrankt.“
„Berlin, 18.6.1866. Wie wir erfahren haben, hat sich das Befinden des Prinzen Sigismund erfreulicher Weise seit heute morgen gebessert.“
„Berlin, 19.6.1866. Nachdem das Befinden des Prinzen Sigismund ( geb. am 15.9.1864 ), Sohn seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen, sich vorgestern etwas gebessert, nahmen gestern die Zeichen der Ausschwitzung im Gehirn zu. Gestern Nachmittag erhielten ihre Majestäten die Traürurkunde von dem Ableben des Prinzen. Die hier anwesenden Mitglieder der königlichen Familie besuchten sofort die traürnde Mutter, die im neün Palast bei Potsdam residiert. Seine königliche Hoheit der Kronprinz ist bekanntlich in Schlesien. Das preussische Volk wird den herben Verlust um so mehr mit dem schwer betroffenen Vater fühlen, als dieser zur Zeit im Felde steht und nicht an das Krankenbett seines Sohnes kommen konnte. Ihre Majestät die Königin ist gestern Abend nach Neisse abgefahren, um seine königliche Hoheit in seiner Trübsal zu besuchen.
Gott der Herr erfüllte nach seiner Treü die tief betrübten Eltern mit dem Trost der Gnade !“
Am 21.6.1866 wurde folgende kurze Meldung veröffentlicht:
„Berlin, 20.6.1866. Die Leiche des Prinzen Sigismund, Sohn seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen, wird dem Vernehmen nach Morgen – Donnerstag – Abend 7 Uhr in der Friedenskirche zu Potsdam einstweilen beigesetzt.“
Prinz Friedrich Carl in Görlitz
Prinz Friedrich Carl, geb. am 20.3.1828, gest. am 15.6.1885, war einer der genialen Heerführer der preussischen Armee. Dieser preussische Heerführer schlug in jenen Tagen sein Hauptquartier in Görlitz auf. Hierüber wurde am 19.6.1866 berichtet:
„Görlitz, 17.6.1866. Das Hauptquartier seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl befindet sich jetzt hier im Ständehaus. Auch seine königliche Hoheit den Prinzen Albrecht sahen wir heute hier. Die Stadt gleicht einem Heerlager; namentlich ist heute, wo die Landbevölkerung hier zusammengeströmt ist, das Leben und Wogen auf den Straßen groß. Ein Teil der Truppen ist bereits vorwärts gegangen und fortwährend folgen die Kolonnen nach. Am Freitag Morgen bereits wurden die Truppen alarmiert. Mit dem Mittagszug nach Dresden war die Kommunikation dahin gesperrt und bald traf die Nachricht ein, das sächsische Pioniere die Schienen aufgerissen hätten. In der Tat war dieses an mehreren Stellen geschehen, namentlich sind in den Bahnhöfen von Lobau und Bautzen selbst die Verbindungsstränge demoliert.“
Sachsen und das Königreich Hannover waren 1866 Bundesgenossen von Österreich.
„Das Einrücken der preussischen Tete in Sachsen erfolgte schon Freitag Nachts, Truppen wurden hier aus zu Wagen befördert, während die unsere einmarschierende Avantgarde begleitende Abteilung sofort die Schienen wieder instand setzte, so dass bereits Sonntag Nachmittag die Bahn für die Truppen bis Löbau wieder hergestellt war. Unsere Truppen setzten ihren Marsch bis nach Bautzen fort und standen nach neüsten Nachrichten heute – Sonntag Mittag – jenseits von Bautzen. Auch dorthin ist die Eisenbahn wieder fahrbar und morgen früh wird ein Extrazug dahin gehen. Seine königliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl hat gestern eine Proklamation an das sächsische Volk erlassen, welche überall den besten Eindruck gemacht hat. Sie erklärt, dass Preussen nicht mit dem Lande Krieg führe, sondern nur gegen die Verblendung der Regierung. Die strengste Manneszucht war zugesichert. Sächsische Einwohner bezeugen, dass die Haltung der preussischen Truppen eine mustergültige ist. Fünfzig Wagen mit Fourage die von hieraus den Truppen nachgesandt waren, kamen zurück, da die Löbaür erklärten, sie würden die preussischen Truppen selber verpflegen und mit allen Nötigen versehen.“
Weiter wurde angeführt:
„Die Nachrichten über die Österreicher sind ebenso selten als zweifelhaft. Es heisst sie wären aus Böhmen von Reichenberg her gegen Zittau in Sachsen eingerückt.“
Kronprinz in Neisse
Parallel zum Truppeneinmarsch der Truppen von Prinz Carl Friedrich in Sachsen, erstattete der Kronprinz einen Besuch in Neisse, die Zeitung schieb hierzu am 20.6.1866:
„Neisse, 17.6.1866. Seine königliche Hoheit der Kronprinz ist am 14. des Abends unter dem Jubel der Einwohner hier eingetroffen und im Gebäude der Kriegsschule abgestiegen. Alle, welche ihr Beruf in seine Nähe bringt, haben Gelegenheit seine bekannte Leutseligkeit zu erfahren. Heute besuchte seine königliche Hoheit die Stadt zu Pferde und wohnte dem Durchmarsch einzelner Truppenteile bei, der infolge einiger Umquartierungen vor sich ging. Dem Vernehmen nach wird die hiesige Garnison und diejenige der umliegenden Ortschaften binnen Kurzem eine Parade vor dem Kronprinzen haben, wie auch verlautet, dass einzelne Abteilungen demnächst Biwak beziehen werden.
Gestern führten einige Husaren eine Person in Haft, welche sich durch Aufzeichnungen an der Grenze verdächtigt hatte. Man glaubte einen österreichischen Offizier in ihm zu vermuten zu dürfen, obwohl er sich für einen Engländer ausgegeben hatte. Derselbe war zu Pferd und erwies sich wirklich als englischer Literat, der sofort wieder freigegeben wurde.“
Am 20.6.1866 kommt folgende Nachricht aus Kohlfuhrt im Kreis Görlitz:
„Der Times Korrespondent in Schlesien schreibt aus Kohlfurt vom 12.6.1866, das an der Kreuzung der Bahn liegt, die von Westen, von Löbau her über Görlitz kommt und sich an die Bahn schießt, die von Breslau (Bunzlau) nach Berlin führt:
Dieser Punkt, der sechs Eisenbahnstunden oder 140 englische Meilen von Berlin entfernt ist, gilt für eine wichtige strategische Position. Der Ort ist im Westen durch Tschirne gedeckt, die in der Nähe einige Teiche bildet, hinter welchen Artillerie wirksam postiert werden kann, falls der Feind von Sachsen her eindringen sollte. In Kohlfurt wollte man wissen, es sei Benedeks Plan, die österreichische Armee sollte in Massen in Schlesien einbrechen, die dortigen Festungen maskieren, mit Übermacht über die Preussen herfallen, sie nach preussisch Sachsen vor sich hertreiben, zugleich die Oder Linie besetzten und Berlin von den Provinzen von der Ostseite der Oder abschneiden. Dadurch würden – soll Benedek meinen – Preussens alte Provinzen mit einem kühnen Schritt mitten durch gerissen und der Regierung ihre Rekrutierungsfelder entzogen.
Der Times Korrespondent meint aber auch, dass den Österreichern die Wege schon arg verlegt worden seien, so dass der Benedeksche Plan auf große Schwierigkeiten stoßen dürfte.“
Die verlassenen Felsen von Weckelsdorf und Adersbach
Eine Nachricht, welche die Situation der beliebten Ausflugsziele beschrieb:
„Tannhausen, 17.6.1866. Die Weckelsdorfer und Aderbacher Felsen, die sonst von Touristen und Kurgästen häufig besucht werden, sind jetzt still und einsam. Fast niemand geht mehr ohne dringenden Grund in die böhmischen Lande, weil der Hass der Österreicher gegen uns so groß ist. Aus diesem Grund werden auch die Nachrichten von jenseits der Grenze immer unsicherer, um so mehr, da die österreichischen Truppen hier und dort Baürnhöfen untergebracht sind, dass sie der Reisende nicht bemerkt. Von allen Seiten versicherte man uns, hier in der nächsten Nähe sind keine österreichische Soldaten zu sehen. Wir opferten daher einmal eine Nacht und begleiteten eine Patrouille bis an die Grenze. Da überzeugten wir uns jedoch eines anderen. Erst tauchte ein Mann auf, dann zweie und so fort bis gegen acht Mann, - wir waren darauf überzeugt, dass diese Leute nicht ganz vereinsamt sein würden und erfuhren auch heute, dass in der Nähe ungarische Husaren stehen, und eventüll von Josephstadt und Trautenau Verstärkung erhalten können. In Weckelsdorf liegt ausserdem ein Detachment Kaiser Ulanen.“
Über den Einmarsch der Preussen unter dem Kommando des Prinzen Friedrich Carl nach Sachsen sagt der Artikel noch folgendes:
„Gestern Nachmittag langte die Nachricht von dem Einmarsch der Preussen in Sachsen hierher. Wir hatten bis dahin mit den Ostpreussen, welche augenscheinlich hier stehen, wenig verkehrt. Im Vergleich zu unseren mittelsarmeren Schlesiern erscheint uns ihr Wesen still und etwas rauh. Die braven Ostpreussen mussten sich aber wohl nur anderwärts schon etwas ausgeplaudert haben und warteten mit Sehnsucht ganz still der endlichen Entscheidung. Mit einem donnernden ‚Hurrah !‘ begrüßten sie daher obige Nachricht.“
Aufrufs des Königs „An mein Volk“
Am 21.6.1866 erschien auf dem Titelblatt der Aufrufs des Königs Wilhelm von Preussen
„An mein Volk:
In diesem Augenblick, wo Preussens Heer zu einem entscheidenden Kampf auszieht, drängt es mich, zu meinem Volke, zu den Söhnen und Enkeln der tapferen Väter, zu reden, zu denen vor einem halben Jahrhundert, mein in Gott ruhender Vater unvergessene Worte sprach.
‚Das Vaterland ist in Gefahr !‘
Österreich und ein großer Teil Deutschlands steht gegen dasselbe in Waffen.
Österreich will nicht vergessen, dass seine Fürsten einst Deutschland beherrschten; in dem jüngeren aber sich kräftig entwickelnden Preussen will es keinen natürlichen Bundesgenossen, sondern nur einen feindlichen Nebenbuhler erkennen. Preussen – so meint es – muss mit allen seinen Bestrebungen bekämpft werden, weil, was Preussen frommt, Österreich schade. Die alte unselige Eifersucht ist in hellen Flammen wieder aufgelodert: Preussen soll entehrt und geschwächt werden.
Ich habe alles getan, um Preussen die Lasten und Opfer eines Krieges zu ersparen, das weiss mein Volk, der die Herzen prüft. Bis zum letzten Augenblick habe ich – in Gemeinschaft mit Frankreich, England und Russland – die Wege für eine endgültige Ausgleichung gesucht und offen gehalten. Österreich hat nicht gewollt und andere deutsche Staaten haben sich offen auf seine Seite gestellt. So sei es denn !“
Die letzten Sätze dieses Aufrufes lauten:
„Flehen wir den Allmächtigen, den Lenker der Geschichte der Völker, den Lenker der Schlachten an, dass Er unsere Waffen segne ! Verleihe uns Gott den Sieg, dann werden wir auch stark sein, das lose Band, welches die deutschen Lande mehr dem Namen als der Tat nach zusammen hielt und welches jetzt durch diejenigen zerrissen ist, die das Recht und die Macht des nationalen Geistes fürchten, in anderer Gestalt fester und heilvoller zu erneün.
Gott mit uns !
Berlin, 18.6.1866
Wilhelm König von Preußen“
In derselben Zeitung eine weitere Meldung:
„Berlin 20.6.1866. Österreich hat den Krieg gegen Preussen am 18. Juni tatsächlich eröffnet. Österreichische Truppen haben bei Gurau in Oberschlesien die Grenze überschritten und auf eine preussische Patrouille Feür gegeben.
Auch bei Klingelbeutel wurde ein zur Rencognoscierung vorgeschickter Ulanen Offizier auf preussischen Gebiete durch österreichische Husaren umzingelt und mit Karabinerschüssen begrüßt. Durch seine herbei eilende Mannschaften wurde er rasch befreit.
So haben die Österreicher auch mit dem Beginn der Feindseligkeiten gegen Preussen auf preussischen Gebiet den Anfang gemacht. Vom ersten Beginn der Rüstungen bis zum tatsächlichen Ausbruch des Krieges hat sich Österreich durchweg in jeder Beziehung als der angreifende Teil gezeigt.“
Die Königin in Schlesien
Die Königin Preussens reiste nach Schlesien um ihren Sohn, nach dem plötzlichen Tod seines Sohn und ihres Enkels, einige tröstende Worte zu sagen. Die Zeitung berichtete am 21.6.1866 darüber:
„Breslau, 19.6.1866. Ihre Majestät die Königin langte heute früh um 6 Uhr 30 Minuten aus Berlin hier an. Zum Empfang hatte sich Oberpräsident Freiherr von Schleinitz sowie verschiedenen hohen Militärs eingefunden. Ihre Majestät unterhielt sich aufs huldvollste während der kurzen Daür des Aufenthaltes mit den Anwesenden. Die Rückkehr ihrer Majestät, welche nur zu einer Zusammenkunft mit seiner königlichen Hoheit dem Kronprinzen eilt, der durch den Tod seines jüngsten Sohnes in so schwere Traür versetzt ist, erfolgt heute mit dem Schnellzuge. Ihre Majestät wird hier selbst übernachten.“
Des weiteren wurde mitgeteilt, das der Kronprinz in Glatz weilte, wo eine der sichersten Festungen das Land vor österreichischen Einbrüchen schützen sollte.
„Glatz, 15.6.1866. Besuch des Kronprinzen. – Seine königliche Hoheit der Kronprinz traf gestern Mittag hier ein. Der Kronprinz ließ sich die Chefs der Zivilbehörden vorstellen, an welche derselbe ernste aber zugleich erhebende und beruhigende Worte richtete. Er wies auf den vortrefflichen Zustand unserer Festungswerke und darauf hin, dass die Verteidigung dieser Werke in den umsichtigen und zuverlässigen Händen des Kommandanten Oberst Leutnant Kritter, jede ernste Besorgnis ausschliesst. Der Kronprinz hat die sämtlichen Werke einer genaün Besichtigung unterworfen und seine vollste Zufriedenheit ausgesprochen.“
Auch Neisse war eine Festung, und da der Krieg kurz vor der Tür stand und die Kampfhandlungen zum Teil schon ausgebrochen waren, hatte sich der Kronprinz auch nach Neisse begeben, um dort die Festung zu besichtigen:
„Neisse, 16.6.1866. Besuch. – Zu einem Diner, welches seine königliche Hoheit der Kronprinz heute einigen hervorragenden Persönlichkeiten vom Militär und aus dem Zivil gab, war auch Oberbürgermeister Kutzen eingeladen. Der Kronprinz hat sich über den vorzüglichen Verteidigungszustand der Festung mit vollster Befriedigung geäussert und in der Tat wird jeder, der die ausgedehnten vortrefflichen Werke und die zahlreiche tapfere Besatzung steht, mit vollster Zuversicht erfüllt. Seine königliche Hoheit äusserte sich wiederholt in ermunterndem und beruhigendem Sinne. Viele Gemeine vom 2. Schlesischen Grenadier Regiment Nr. 11, welches der Kronprinz früher kommandierte, sprach er huldvollst an und fragte sie nach ihren Verhältnissen, oder etwaigen Anliegen.“
Kein Johannisfeür in Schlesien
Am 22.6.1866 wurde eine Meldung aus Schweidnitz veröffentlicht, die sich aber auf den ganzen schlesischen Raum – auch das Riesengebirge – beziehen:
„Schweidnitz, 20.6.1866. Seit alten Zeiten besteht in der schlesisch böhmischen Gebirgsgegend der Gebrauch, dass am Vorabend des Johannistages sogenannte Johannisfeür abgebrannt werden. Man zündet auf den Höhen Holzstöße an, deren Flammen weithin ins Land sichtbar werden. In den letzten Jahren hat sich dieser Sitte mancher Unfug beigesellt, in dem Feürwerkskörper in Brand gesetzt und herum geworfen wurden, wobei selbst zuweilen Körperverletzungen vorkamen. Angesichts der kriegerischen Verhältnisse ist in diesem Jahr das Abbrennen von Johannisfeür untersagt worden, damit dem Irrtum vorgebeugt werde, diese Feür für Fanale und Alarmzeichen zu halten.“
In dieser Zeitung war auch eine Notiz über die Schlesienreise der preussischen Königin:
„Berlin, 21.6.1866. Ihre Majestät die Königin. Allerhöchst welche nach dem Tode des Prinzen Sigismund am 18. dieses Monats in das Hauptquartier seiner königlichen Hoheit des Kron-prinzen reiste und von demselben in Grottkau empfangen wurde, begegnet überall Beweisen inniger Anteilnahme für die königliche Familie und der allgemeinen patriotischen Stimmung Schlesiens.
Ihre Majestät wurde auf der Reise von der Fürstin Anton Radziwill, der Palastdame Gräfin Orlola und dem Kammerherrn Grafen Hompesch begleitet. Unterwegs wurde ihre Majestät von den Chefs mehrerer Truppenkörper begrüßt und in Breslau von den Spitzen der Behörden empfangen. In Neisse besuchte ihre Majestät die Wohltätigkeitsanstalten und erteilten in Breslau, woselbst Allerhöchst dieselben im Schloss übernachteten, dem Fürstbischof eine längere Audienz."
Über den Besuch der Königin in Neisse wurde berichtet:
„Neisse, 20.6.1866. Besuch ihrer Majestät der Königin. – Ihre Majestät der Königin hat uns nach kurzen Aufenthalt gestern Abend 5 Uhr wieder verlassen. Ihre Majestät widmete einen Teil ihrer Zeit den Besuch unserer Kranken – Anstalten. Sie führte dieselben am Arme seiner Hoheit des Erbprinzen von Hohenzollern aus.
Seine königliche Hoheit dem Kronprinzen ist der schmerzliche Verlust seines jüngsten Sohnes recht nahe getreten, um so mehr, als er den betrübten Vater nicht vergönnt wurde, seinem Kinde einen Abschiedskuss zu geben, Wir werden des großen, dem Vaterland gebrachten Opfers unseres dereinstigen Herrschers gedenken. Heute besichtigte der Kronprinz unsere Truppenstellungen.“
Publikationsstand dieser Seite:02/04/08