Ehrentag der preussische Armee, 28.6.1866

Die Zeitung vom 1.7.1866 erschien mit viel Jubelgeschrei:
„Tannhausen, 29.6.1866. Bei dem Treffen bei Trautenau dürfte der österreichischen Armee der Beweis geliefert sein, dass die Methode des Angriffs mit Bajonetten nicht unbedingt anwendbar ist. Die Österreicher griffen dreimal im Sturm an, doch unsere Soldaten standen wie die Maürn, und die Angreifenden fielen durch den sicheren und ruhigen Gebrauch unserer Schusswaffen in ganzen Reihen übereinander, so das die Toten förmlich eine Barrikade bildeten. Dann zogen sich die Österreicher bis hinter Josephstadt  zurück, wohin sie von unseren Truppen verfolgt wurden. Der Anblick des Schlachtfeldes und der niedergeschossenen Stadt Trautenau ist ein erschütternder. Für die preussische Armee ist jedoch der 28.6.1866 ein neür Ehrentag. Die Zahl der gefangenen Österreicher ist groß.“
Folgende Meldungen zu den gefangenen Österreicher:
„Trautenau, Freitag 29.6.1866 Nachmittags. Von hier werden 3000 gefangene Österreicher, von Nachod etwa 5000 nach Posen dirigiert. Aus Posen wird gemeldet, dass sie dort wegen Mangels an Raum nicht bleiben, sondern nach Königsberg gebracht werden.“
„Reinerz, Freitag 29.6.1866. Nach glaubwürdigen Nachrichten beträgt die Zahl der in den beiden Gefechten gefangenen Österreicher über 8000 Mann. – Seine königliche Hoheit der Kronprinz, welcher sich bis zum Ende des Gefechts auf dem Schlachtfeld befand, wurde, als derselbe den Soldaten für die bewiesene Tapferkeit dankte, von den Truppen mit endlosen Jubel begrüßt.“

Siegesfeier in Berlin
Der Ausgang des Gefechtes bei Trautenau, die Vernichtung des Korps Gablenz, war ein großer Sieg und für die Bewohner Berlins ein Tag des Siegestaumels. Als der Ministerpräsident Bismarck, der beim König zum Rapport war, den königlichen Palast verlassen wollte, „warf sich das Volk auf Wagen und Pferd und wollte das Letztere ausspannen und den Wagen des Grafen im Triumph durch die Linden ziehen. Nur mit der größten Mühe gelang es zwei Stabsoffizieren, das Pferd zu befreien unter der Versicherung die höchste Eile hatte.
An mehreren Punkten unter der Allee, an der Ecke der Behren- und Friedrichstr. und an anderen Orten waren rasch Tische aufgestellt, auf denen eine Glückwunschadresse an seine Majestät den König zu den glänzenden Erfolgen mit den Segenswünschen der Bürger für die bevorstehende Reise zur Armee ausgelegt war. Bis Mittag 1 Uhr waren die Adressen mit mehr als 20000 Unterschriften bedeckt.“
Später kam es zu einer Aushändigung dieser Unterschriften im Palast:
„Während eine Anzahl Bürger in den Palast traten um die Erlaubnis bitten ließen, die Volksmenge der versammelten Volksmenge seiner Majestät überreichen zu dürfen, stimmte das Volk unter Begleitung zweier Musikchöre den Coral: ‚Ein fester Burg, ist unser Gott‘ an, der noch fortklang, während die Eingetretenen – etwa 40 Personen – in den großen Saal des ersten Stockwerkes vor seine Majestät den König berufen wurden.
Der König in Kavallerie – Uniform empfing die schnell einen Halbkreis Bildenden sofort mit dem Worten: ‚Ich freü mich, dass sie noch kommen, mir vor meiner Abreise in solcher in solcher Weise Lebewohl zu sagen. Ich weiss, das sie mir die Gesinnung der ganzen Menge überbringen.‘
Nachdem vor König Wilhelm die Adresse verlesen wurde und nachdem man dreimal ‚Es lebe der König‘ gerufen hatte, ergriff der König noch einmal das Wort:
‚Nicht von den ersten glücklichen Erfolgen sich allzu sehr hinreissen zu lassen, schwere Opfer ständen uns noch bevor, ein vielleicht langer und blutiger Krieg, der nur durch des Allmächtigen Gnade glücklich für unsere Waffen enden möge und der von ihm erst nach langem Zögern begonnen sei, um endlich den seit fünfzig Jahren unerträglichen Zustand für Deutschland zu einem besseren zu gestalten, nicht zu einem einzigen Deutschland. Preussen habe fünfzig Jahre die Segnungen und Stärkungen des Friedens gehabt; er dürfe hoffen, dass es die allerdings schweren Opfer werde tragen können, um ein glückliches und würdiges Ziel zu erreichen. Mit Gottes Hilfe, mit der sich so tapfer bewährten Armee und mit der Treü des Volkes werde Preussen gewiss seine Feinde besiegen. Auf diese Treü baü er fest und Gott möge alles zu einem glücklichen Ende führen.‘
Der König entließ daraufhin die Deputation und trat hinaus auf den Balkon, wo eine unübersehbare Menschenmenge wartete:
Die Hüte flogen von den Köpfen – Tausende und aber Tausende entblößte Häupter richteten ihre Augen hinauf  zu den Balkon, wo der königliche Herr mit tief bewegter Stimme etwa Folgendes sprach:
‚Habt Dank, habt Dank für euren Jubelruf, den nehme ich mit zur Armee. Mit Gottes Hilfe haben wir den ersten Sieg errungen, es steht uns noch vieles bevor. Harret aus denkt an den Wahlspruch: Mit Gott für König und Vaterland ! Ein Hoch auf die Armee.‘
Die versammelte Menge zog sodann vom Palast des Königs nach dem Palast des Kron-prinzen, wo dem „Besieger des Korps Gablenz“ ein donnerndes dreifaches Hurrah gebracht wurde:
‚Unter den Klängen des Düppelmarsches, begleitet von dem Blitz und Donner eines heraufziehenden Gewitters, bewegte sich der Zug durch die Jägerstraße nach dem Palast seiner königlichen Hoheit des Prinzen Carl, höchstdessen Geburtstag heute mit dem Jahrestag des Sieges von Alsen gefeiert wurde und betrachtete im vorüber ziehen dem Prinzen und seinem ruhmreichen Sohn – Prinzen Friedrich Carl – Hurrah und Tusch, worauf die ganze Volksmenge sich vor dem Hotel des Herrn Ministerpräsidenten aufstellte.“
Zu diesem Zeitpunkt war der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck, der preussische Ministerpräsident:
„Während die Musik das Preußenlied spielte, erschien Graf von Bismarck mit seiner Gemahlin am Fenster, von einem enthusiastischen Hoch begrüßt, worauf einer der Bürger dem großen Staatsmann Preußens, dem tapferen General auf dem Feld der Diplomatie, ein dreimaliges Hoch brachte, das von der unzähligen Menge, die bis über den Wilhelmplatz stand wiederholt wurde.
Graf Bismarck redete mit seiner kräftigen Stimme hierauf die Menge an, er erinnerte sie, mit welcher Demut vor Gott seine Majestät der König so lange gezögert, den Krieg zu beginnen, dass er es nur im Vertraün auf des allmächtigen Schutz getan, das unsere Bürger und Landeskinder ihr Blut jetzt auf dem Schlachtfeld für den König und Vaterland opferten und das es vor allem Sache der Zurückgebliebenen sei, ein offenes Herz und eine offene Hand für die hinterlassenen Familien, für die Witwen und Waisen unserer Tapferen zu haben. Die Ehre, der Ruf der hier versammelten Menge gebühre nicht ihm, sondern unserm König und Herrn, der seit langem die jetzt so glänzend bewiesene Wehrtüchtigkeit unserer Armee vorbereitet habe – ein Hoch auf dem König und der Armee – in diesem Augenblick rollte ein starker Donnerschlag über die Häupter der Menge - , der Himmel schießt seinem Salut dazu !
Zum Schluss zogen die jubelnden Berliner auch noch nach dem Kriegsministerium, wo der preussische Kriegsminister Albrecht Graf von Roon seinen Amtssitz hatte, wo dem Mann, der ‚seiner Majestät dem König so treulich unsere Wehrkraft, die preussische Armee bilden half‘, gleichfalls ein dreifaches Hoch gebracht wurde.
Der Kriegsminister dankte am offenen Fenster in herzlichen Worten dem Volk und verwies alle Ehre auf dem königlichen Kriegsherrn und die Armee. Nachdem die Menge die Nationalhymne gesungen, löste sich hier der Zug auf, der – ein Moment der preußischen Geschichte – gewiss all‘ den Tausenden, die daran Teil nahmen, ihr Leben lang im Gedächtnis bleiben wird.“

Neü Nachrichten aus Liebau Kreis Landeshut
Am 3.7.1866 wurde unter der Rubrik, vom Kriegsschauplatz folgende Meldung veröffentlicht:
„Berlin, 1.7.1866. Nach neüren hier eingetroffenen Berichten aus Liebau sind am heutigen Tage die Ergebnisse der dreitägigen Schlacht des 5. Korps ( von Steinmetz ) noch bedeutend erheblicher, als bisher bekannt geworden. Am 27. Juni stand bekanntlich das bezeichnete preussische Korps im Kampf gegen die 6. Österreichische Korps Ramming. Der Oberbefehlshaber des letzteren hat in einem aufgefangenen Brief, welcher nach Josephstadt gerichtet war, an den General Feldzeugmeister Benedek die Bitte gerichtet, ihm zwei frische Brigaden zu schicken, unter anderen Schutz er biwakieren könne, und das Geständnis zugefügt, am folgenden Tag nicht schlagen zu können. Die Kämpfe des 5. Korps am 28. und
29. Juni gegen die Korps 8 ( Erzherzog Leopold ) und 4 ( Festetics ) sind noch viel größerer Bedeutung. Das 10. Österreichische Korps ( Gablenz ) ist in den Waffengängen mit der preußischen Garde völlig aufgelöst worden. Neben den Verlusten an Mannschaften ( im Ganzen 20000 bis 28000 Mann ) büßte der Feind 20 Geschütze, 5 Fahnen und 2 Standarten ein.“

Feldpostbrief aus Trautenau
Am 3.7.1866 wurde in der Zeitung ein Feldpostbrief von einem Teilnehmer der Kämpfe aus Trautenau veröffentlicht:
„Ich bin gesund ohne Verwundung davongekommen. Wir rückten gestern Nacht 2 Uhr aus, kamen um 10 ½ Uhr bei Trautenau in das Gefecht und blieben bis nach 8 Uhr Abends im Gefecht. Es war ein furchtbarer harter Kampf, indem die Österreicher nacheinander drei verschiedene Korps uns gegenüberstellten, während wir immer mit denselben Truppen des 1. Armeekorps im Gefecht bleiben mussten. Wie es heißt soll zunächst Benedek selbst kommandiert haben. Unsere Verluste sind bedeutend, wie dies unter den oben geführten einer so tüchtigen Armee, wie der Österreichischen gegenüber, nicht anders möglich ist und namentlich haben das 3. und 4. Infanterie Regiment, sowie auch das Littauische Dragoner Regiment große Verluste erlitten.
In Trautenau wurde aus den Fenstern von Bürgern auf uns geschossen und siedendes Wasser und Öl gegossen. Wir haben den Bürgermeister und 15 Leute aus der Stadt eingefangen, die mit den Waffen in der Hand angetroffen wurden. In Trautenau selbst war – als ich es später durchritt – keine Fensterscheibe ganz: Alles zerschlagen und zerschossen, die Stadt war nicht wiederzürkennen, so fürchterlich hatte hier der Straßenkampf gewütet.
Das ich so unversehrt davongekommen bin, ist ein vollständiges Wunder. Der liebe Gott hat sichtlich über mir und den Leuten meines Zuges gewacht.
Abends um 6 Uhr bekam ich den Befehl, durch die Stadt zu gehen und jenseits zu recognos-cieren. Es war etwa 700 Schritt jenseits der Stadt ein hoher Bergrücken, an dessen einem Ende ein Dorf in einem Tal lag. Nach der anderen Seite zog sich der Berg, soweit man sehen konnte. Ich bekam den Auftrag, mit meinen Zug schwärmend bis auf den Berg zu gehen, hinüber zu sehen und dann noch das links liegende Dorf abzusuchen. Derjenige, der etwas gesehen, sollte sofort kehrt machen und zurück melden. Ich ging nun im scharfen Galopp über die Ebene bis an den Berg, ohne das ein Schuss fiel. Sowie ich jedoch auf den Berg kam, hagelte es uns mit Kartätschen und Granaten entgegen, und ich sah, dass unmittelbar hinter dem Berg eine Batterie und Dragoner entgegen. Ich ritt mit Sergant F. zusammen und die erste Granate krepierte auf zehn Schritt von mir, dann gleich hinterher  etwa fünf Schritt weiter wieder eine, beide ohne uns zu beschädigen.
Nun kommandierte ich ‚Links um !‘, und wie auf den Exerzierplatz im größten Feür gingen die Flankeurs nach dem Dorf hinunter. Hier – etwa fünfzig Schritt vor dem Dorf – überschlug sich mein Pferd, wahrscheinlich hat es sich vor einer dicht vor ihm einschlagenden Kugel erschreckt, und ich lag einen Moment unter dem Pferd. Sofort waren meine Leute bei der Hand und halfen mir, indem sie sagten: ‚Wo unser Leutnant bleibt, da bleiben wir auch.‘ Mein Pferd war nicht beschädigt. Nun ging es an das Dorf heran, sowie wie aber zwischen den ersten Häusern waren, bekamen wir eine Salve von einer Flanke aufgestellten Kompagnie. Meinen Auftrag hatte ich nun vollständig erfüllt und kehrte deshalb noch mal durchs Geschützfeür zurück.
Von meinen ganzen Zug ist kein Glied verletzt. Ein Mann stürzte beim Zurückgehen, lag unter dem Pferd und konnte sich – als die Dragoner uns verfolgten – nicht anders retten, als das er mit dem Säbel den Sattelgurt zerschnitt und auf dem bloßen Pferd nachkam. Ein anderer verlor die Lanze, hielt still und nahm mitten im dichtesten Kartätschenfeür die Lanze wieder auf. Eben ziehen vom 3. Infanterie Regiment wieder Leute nach vorn, Eine Kompagnie, die gestern bedeutenden Verlust erlitten, sang:
‚Für den König zu sterben ist unsere Lust, das ist uns Preussen wohl bewusst!‘
Ich gebe Dir die Versicherung: Die Tränen traten mir in die Augen. Als dieses Lied, von diesen Leuten singen hörte und dabei sah, mit welchem freudigen Ernste sie dem Feind entgegengingen.
Wir haben gestern zwanzig Stunden auf dem Pferd gesessen. Ich möchte mich gerne noch etwas mir Dir unterhalten, es tut mir so überaus wohl, aber ich bin es nicht imstande. Die uns gegebene Ruhe muss man zur Stärkung benutzen.
Lebe wohl !“
Die Kriegsfreudigkeit der Preussen war in diesen Tagen sehr groß, hierzu wurde am 3.7.1866 eine Notiz von Papa Wrangel veröffentlicht.
„Berlin, 2.7.1866. Der Feldmarschall Graf Wrangel ist vorgestern Abend als Freiwilliger zu seinem Regiment, dem ostpreußischen Kürassier Regiment Nr. 3 abgegangen.“

Tote und Verwundete in der Schlacht Trautenau
Für den Sieg mussten die Preussen einen hohen Blutzoll zahlen, hierzu war am 3.7.1866 folgende Notiz veröffentlicht:
„Aus Reinerz ging uns folgendes Telegramm zu: Täglich kommen viele hundert Verwundete hier an und werden nach einem Verbinden weiter befördert. Obwohl 520 Betten vorhanden, so mangelt es an vielem. Wir bitten um Leinwandtücher, zwei Ellen breit, fünf Ellen lang, Schokolade, Zitronen, Wein, Essig, Kompott, sowie Ärzte und Krankenpfleger.
Prinz Biron
Etappen – Kommandant bei Reinerz“
Des weiteren wurde über den Tod eines bekannten preußischen Offiziers berichtet:
„Man schreibt uns: Unter den gefallenen Offizieren im Kampf bei Trautenau am 28. Juni (die Garden gegen Gablenz ) befindet sich auch der Kommandeur des 2. Bataillons vom Kaiser Franz Regiment, Oberleutnant Friedrich von Gaudy, der sich schon 1848 in Schleswig und später bei der Verteidigung des Prümer Zeughauses ausgezeichnet hatte. Er war ein Halbbruder des bekannten Dichters Franz von Gaudy und selbst voll künstlerischer Begabung. Einige hübsche Soldatenlieder rühren von ihm her. Im gesellschaftlichen Verkehr von großer Liebenswürdigkeit und gewinnender Freiheit des Wesens, wird sein Tod in vielen Kreisen der Hauptstadt schmerzlich empfunden werden.“

Sieg bei Königgrätz
Auch die Schlacht bei Königsgrätz ging siegreich für Preußen aus, hierüber wurde am 5.7.1866 berichtet:
„Berlin, 4.7.1866. In der achtstündigen heißen Schlacht vor Königsgrätz haben die beiden vereinten preußischen Armeen unter den Augen seiner Majestät den König gestern einen glänzenden Sieg über die vereinigten österreichischen Armeekorps erfochten. Die gesamte österreichische Nordarmee ist zurückgeworfen und befindet sich zur Sicherung der Rückzug-linie auf dem Rückzug. Die Verfolgung wird energisch betrieben. Die Trophäen sind noch nicht gezählt. Verluste auf beiden Seiten groß.
Seine Majestät der König hat ihrer Majestät der Königin die frohe Siegeskunde in folgenden Telegramm aus Horwitz (zwischen Gitschin und Königgrätz) von gestern Nacht 11 Uhr zu-gehen lassen, welches heute durch Anschlag den Bewohnern Berlins mitgeteilt wurde:
An die Königin Augusta ! Einen vollständigen Sieg über die österreichische Armee, nahe an Königgrätz, zwischen der Elbe und der Bistritz, haben wir heute einer achtstündigen Schlacht erfochten. Verlust des Feindes und Trophäen noch nicht gezählt, aber bedeutend. Einige 20 Kanonen. Alle 8 Korps haben gefochten, aber große, schmerzliche Verluste. Ich preise Gott für seine Gnade. Wir sind alle wohl. Der Gouverneur soll Victoria heißen.
Wilhelm.“
Dazu folgende Meldung aus Berlin:
„Berlin, 4.7.1866. Ihre Majestät die Königin besuchte gestern die ersten hier eingetroffenen Verwundeten. Zur Tafel war der Gouverneur, der Kommandant von Berlin sowie einige andere Personen geladen. Heute früh gegen 9 Uhr traf die Depesche seiner Majestät des Königs mit der Siegesnachricht im königlichen Palast ein, wo sie sofort der Bevölkerung mitgeteilt wurde.“

Ein Zusammentreffen mit König Wilhelm nach der Schlacht bei Königsgrätz
Dieser Aufsatz wurde von dem Jornalisten L. Schneider geschrieben, welcher in späteren preußischen Schullesebüchern unter preußischer Geschichte veröffentlicht wurde, er ist daher in einen anderen Stil als ein Zeitungsartikel veröffentlicht worden:
Schon auf der Fahrt von Gitschin nach Horitz hatte ich gehört, daß ich ganz richtig das Oberkommando des Königs vorausgesetzt; dennoch trat ich mit Besorgnis in das Zimmer des Königs, den ich schreibend fand. Außer einem großen Tisch und einigen Stühlen befand sich kein anderes Möbel in dem Zimmer des Königs, nur in der Ecke an der Tür standen einige österreichische Fahnen und Standarten, Trophäen des gestrigen Sieges. Als ich mich glückwünschend näherte, tief ergriffen, daß der vortreffliche Herr diesen Tag der Genugtu-ung nach jahrelangen Kummer erlebt, reichte er mir die Hand und gestattete auch – ein seltener Fall und eine besonders ehrende Gunstbezeugung – daß ich sie küßte.
Der König war sichtlich angegriffen, übermüdet und sprach heiser; es erschien mir, als würde ihm das Sprechen schwer. Rasch mußte ich erzählen, wie es mir ergangen, wo ich gewesen, was ich gehört, und ich flocht nun mein Bekenntnis wegen eigenmächtiger Änderung des Telegramms (über die Schlacht bei Königsgrätz ) ein.
„Allerdings habe ich kommandiert, aber selbst den Degen gezogen habe ich nicht. Wie konnten Sie nur glauben, daß ich bei der Armee sein könne, ohne sie zu kommandieren ?“
„Eben, weil ich es nicht geglaubt, habe ich mir erlaubt, das Telegramm zu ändern ( das Tele-gramm erhielt ursprünglich kein Wort davon, daß der König die Schlacht selbst geleitet hatte); aber wissen konnte ich die Intentionen Eurer Majestät nicht; daher habe ich den Ausweg gesucht.“
„Ich war von früh 8 bis abends 8 zu Pferde und habe nur nachts bei Fritz Karl eine Tasse Tee zu mir genommen. Es war eigentlich eine Artillerie – Schlacht. Das 1. Garde Regiment hatte so gelitten, das aus zwei Bataillonen eins formiert werden mußte. Es war ergreifend. Die Truppen vorgehen zu sehen. Gegen 1 Uhr stand es zweifelhaft. Ich fragte Fritz Karl, wie lange er es noch halten würde ? Da zeigte er mir die ganze 5. und 6. Division noch in Reserve und ebenso eine genügende Zahl von Reserve Batterien. – Lassen sie sich das alles von den Flügel – Adjutanten erzählen und berichten sie nur Tatsachen, keine Bemerk-ungen, namentlich nichts, was den Feind erniedrigen könnte. Auch was sie von unseren Verlusten erfahren, geben sie nur in Zahlen, keine Namen. Die Namen können später kommen doch immer noch zu früh. Wie peinlich muß die Lage der Königin  Witwe sein. Mit Bayern, mit Sachsen, mit Österreich verwandt, und nun“
„Darf ich mir noch eine Notiz erbitten ? Eure Majestät sind mehrmals im Granatfeür gewe-sen. Wo war das ? Das muß die Armee am Main wissen. Was ich darüber gehört, stimmt nach der Örtlichkeit nicht zusammen, in dieser Angabe darf aber nicht ungenau sein.“
„Im Granatfeür ? Daß ich nicht wüßte ! In einer so ausgedehnten Schlacht fallen überall Granaten. Wie ich auf dem dominierenden Hügel von Sadowa über die Chaussee ritt, sah ich wohl einige fallen und sagte zu den Herren von der Seite: „Das danke ich Ihnen meine Herren!“ aber besonders erwähnt braucht das nicht zu werden. Nachmittags bei dem Rei-tergefecht (bei Streselitz) fielen auch einige Granaten um uns herum; und wir konnten nicht einmal die Batterie entdecken, woher sie kamen. Das versteht sich ja aber ganz von selbst und braucht nicht besonders beschrieben zu werden.“
Nachdem ich mich zurückgezogen hatte, fragte ich überall umher und sammelte den Stoff für den vollständigen Bericht, wie sie im Staatsanzeiger und in der Preußischen Neün Zeitung erschienen; sah wie nach und nach immer mehr Fahnen und Standarten gebracht wurden, hörte wie die Zahl der eroberten Geschütze und der Gefangenen mit jeder Stunde wuchs und hatte begreiflich alle Hände voll zu tun, um das überreichte Material – glücklicher weise in voller Herzentreude – zu überwältigen.
Nach Hause gekommen hörte ich, daß ein königlicher Leibjäger schon mehrmals dagewesen sei und etwas an mich abgeben wollte. Es sei ein kleiner Zettel gewesen. Nun war es an mir den Leibjäger aufzusuchen, und als ich ihm gefunden, händigte mir derselbe ein abgeschr-iebenes Briefcouvert ein, auf dessen Rückseite folgendes geschrieben war:
„Noch abends 8 Uhr begegnete der König dem Kronprinzen, dem, nach herzlich ergreifenden Wiedersehen, der königliche Vater den Orden por le Me’rite um hing. Ein ergr- eifender Moment für alle Anwesenden!“
Der König ließ mir dabei bestellen. Es solle dies jedenfalls noch mit in den Bericht für den Staatsanzeiger kommen; er habe nur vergessen, es mir heute morgen zu sagen. Leider war der erste Bericht mit der Feldpost schon fort, es mußte als in einem zweiten nachgetragenen werden.
Wenn ich unter den vielen eigenhändigen Schriftstücken, die ich vom König Wilhelm aufbe-wahre, eins hoch und wert halte, so ist es dieses unscheinbare Zettelchen, weil es mehr als irgendein anderes neben den Fürsten auch den Menschen charakterisiert. Ich hatte selbst gesehen, wie erschöpft der König nach den außerordentlichen Anstrengungen des Schlacht-tages gewesen war, und wie das Gewirr von Rapporten, Meldungen, verlangten Befehlen und Depeschen auf ihm einstürmte. Trotzdem war es seinem Herzen Bedürfnis, dem Sohn eine Freude zu machen, denn auf dem vorgeschriebenen amtlichen Weg, wäre die Verleih-ung des Ordens erst sehr viel später öffentlich bekannt geworden, und wer da weiß, wie hohen Wert die Prinzen des königlichen Hauses gerade auf diesen Orden legen, kann erst ganz verstehen, was dem König zu diesem nachträglichen Auftrag für mich veranlaßte. Natürlich wurde die halbe Nacht hindurch geschrieben, um dies und anderes, was ich während des Abends noch an Nachrichten sammelte, nach Berlin zu melden; um eben die Vollständigkeit dieser Berichte hat ihnen nach Beendigung des Feldzuges die Ehre versch-afft, von der Redaktion des Staatsanzeigers gesammelt und in einem besonderen Heft abge-druckt zu werden.

Lazarette im Landkreis Landeshut
Der preußische König Wilhelm hat sein Hauptquartier nach Gitschin:
„Gitschin, 3. Juli 1866, Gestern Mittag ist das Hauptquartier des Königs von Preußen hierher verlegt worden. Auf dem Markt, wo neben dem ehemaligen Trautmannsdorfsschen Palast. Zugleich Kriegsgericht und Lazarett, das Gasthaus liegt, wo der König wohnt steht eine Ehrenwache von Pommerschen Grenadieren, deren Helme viele abgeschossene Spitzen und auch Kugellöcher zeigten, und empfing den König mit Musik und Hurrahruf. Voraus kamen die enge Straße vom Eingang der Stadt bergauf, Preußische Ulanen, dann Dragoner und dem Wagen des Königs folgten Husaren und Kürassiere aller Farben, wie man sagt die Stabswache des Hauptquartiers. Im Wagen des Königs saß auch Prinz Friedrich Carl, welcher schon früher von der Armee nach Gitschin hereingekommen und dann noch von hieraus dem König entgegen gefahren war. Der König ging an der Front der Ehrenwache entlang und gab den Kommandeur derselben, welcher sich bei dem letzten Gefecht sehr ausgezeichnet haben soll die Hand.“
Wie sah es damals jedoch hinter der Grenze Schlesiens in Böhmen aus? Der königliche Landrat von Klützlow veröffentlichte hierzu folgendes, am 7.7.1866 in der Neü Preußische Zeitung:
„In Beantwortung der vielen an mich eingehenden Anfragen teile ich hierdurch mit, daß die in den Lazaretten und Privathäusern des Landeshuter Landkreises untergebrachten Verwunde-ten unserer heldenmütigen Armee, sowie der Österreichischen von den in der Nähe liegend-en Schlachtfeldern von Trautenau, Nachod, Skalitz, nach Dislocierung der kaiserlichen Feld-lazarette in Feindesland, lediglich auf die Hilfe von Zivilärzten und Privatwohltätigkeiten an-gewiesen sind.
Wenngleich auch die hiesigen Kreisbewohner, unterstützt durch die hiesigen Kreisbewohner, unterstützt durch die benachbarten Kreise, in hingebendster Weise sich der Pflege der großen Anzahl von Verwundeten unterziehen, so reichen unsere durch die starken Truppen-durchmärsche und Gefangenentransporte sehr stark in Anspruch genommenen Mittel nicht mehr aus.
Ich richte – zumal im Kloster Grüssau sofort ein Reservelazarett von dreihundert Betten ein-gerichtet werden muß – an alle an den Kriegsschauplatz ferner wohnenden Patrioten und wohltätigen Vereine die dringende Bitte, zur Abhilfe der unmittelbarsten Bedürfnisse an mich unter der Adresse des königlichen Landratamtes zu Landeshut in Schlesien, sobald wie irgend möglich das Geld, Hemden, wollene Decken und Charpie senden zu wollen.
Landeshut, den 4.7.1866
Der königliche Landrat von Klütow.“
Ein Hilferuf, der wieder spiegelt das der Landkreis Landeshut mit der Lage der vielen Verletz-ten selbst nicht klar kam. Aber wir müssen uns auch bewußt machen, das es in jenen Tagen keinen organisierten Katastrophenschutz mit potenten Hilfsorganisationen wie in unseren Tagen gab.

Verwundete und Gefangene auch in Waldenburg
Nun ein Bericht aus dem Nachbarkreis Waldenburg vom 7.7.1866:´
„Waldenburg, 4. Juli 1866 Abends. Durchzüge. Die Siegesnachricht verbreitete sich heute wie ein Lauffeür über unseren ganzen Kreis und Mittags wehten schon die Fahnen aus den Fenstern und von den Dächern. Gestern gingen hier 240 Gefangene durch, die von einem Detachement des Kaiser Alexander Grenadier Regiments überbracht wurden. Heute kamen hier zwei österreichische Ärzte hier an. Die gefangenen Offiziere gehen ohne jede Bedeck-ung in den Straßen umher. Auch Kranke und Verwundete passieren fortwährend unsere Stadt. Wir besuchten die Lazarette und fanden, daß die Kranken durchweg eine gute Pflege genießen. Ein österreichischer Unteroffizier, dem am 28. Juni am Gelenk durchschossen wurde, erzählte uns, es seien von dem Bataillon, dem er angehörte habe, nur sehr wenige davongekommen. Die Preußen hatten in einem Gehölz bei Trautenau Posto gefaßt, was den Österreichern unbekannt war. Die Letzteren sandten eine Patroille voraus, um das Gebüsch zu revidieren, wobei sich der Unteroffizier befand, der jedoch mit der Meldung zurückkam, sie habe nur einen vereinzelten preußischen Soldaten, der sich verlaufen haben müsse, ge-sehen.
Das Bataillon marschierte vor, wurde aber auf einmal von einer Salve empfangen, so daß fast nicht ein einziger Mann stehen blieb, da die Wirkung des Zündnadelgewehres eine fürchtbare war. Dem betreffenden Unteroffizier ging eine Kugel durch das Armgelenk durch und durch.
Ein österreichischer Offizier erzählte uns, daß er mit seinen Leuten ins Handgemenge mit Kolben mit unseren Ostpreußen geraten sei, versicherte aber, daß er geglaubt habe, mit Riesen zu kämpfen, da jeder Schlag einen Mann von seinen Leuten zu Boden geschmettert habe.
Unsere Verwundeten hatten die Wunden zum großen Teil in den Beinen und machten sich trotz ihrer Schmerzen lustig darüber, daß die Österreicher so schlecht schießen. Einer von ihnen, vom Kaiser Alexander Regiment hatte zwei leichte Wunden, die eine am Unterschen-kel, die andere am Fußballen. Derselbe sang und meinte, es sei ihm nur unlieb, daß ihm sein Hauptmann gewehrt habe, barfuß mitzugehen und weiter am Krieg teilzunehmen. Alle sind auf dem Krankenbett frohen Mutes.“

Trautenaür Gefangene in Glogau
In der Breslaür Zeitung wurde am 7.7.1866 eine Notiz veröffentlicht, welches sich mit den Gefangenen aus Trautenau beschäftigte:
„Glogau, 2.7.1866. Die hier befindlichen Trautenaür Bürger sind heute nachmittag in das Kriminalgefängnis abgeliefert worden. Sie sind in Einzelhaftzellen untergebracht. Die Namen der Verhafteten sind:

  • · Anton Baudisch, Schuhmacher, 36 Jahre
  • · Rudolf Smert, Kellner, 25 Jahre
  • · Franz Müller, Fabrikarbeiter, 46 Jahre
  • · Karl Schlunz, Tagesarbeiter, 44 Jahre
  • · Karl Cerny, Apotheker, 25 Jahre
  • · Anton Stark, Gasthofsbesitzer, 35 Jahre
  • · Wenzel Hönig, Weber, 48 Jahre
  • · Johann Damm, Tagesarbeiter, 65 Jahre
  • · Ignaz Kutsch, Stadtpolizeidiener, 52 Jahre
  • · Emanül Fidler, Ökonom, 53 Jahre
  • · Franz Reh, Tagesarbeiter, 42 Jahre
  • · Wenzel Tauchmann, Grehorgelspieler, 41 Jahre
  • · Sebastian Adolph, Postexpedient, 22 Jahre
  • · Joseph Zapuchech, Postexpedient, 22 Jahre
  • · Joseph Kneitschel, Schlosser, 35 Jahre
  • · Wilhelm Kershaw, Maschinenbaür (Engländer), 59 Jahre
  • · Joseph Lesk, Schlosser, 23 Jahre
  • · Johann Schips, Bezirks - Adjunkt ( vermeintliche Landrat ), 63 Jahre
  • · Hieronimus Roth, Bürgermeister und Dr. jur., 40 Jahre.“
  • Des weiteren wurde in dieser Zeitung eine Anzeige eines gefallenen Glogaürs veröffent-licht:
  • „Mein heißgeliebter Sohn Paul von Schkopp, Premier – Leutnant im 1. Posenschen Infanter-ie Regiment Nr. 18, wurde am 29. Juni beim Sturm Gitschin durch einen Schuß in die Brust getötet. Diesen schmerzlichen Verlust zeigt Verwandten und Freunden statt jeder besonder-en Meldung tiefgebeugt an
    die verwitwete Majorin von Schkopp, geb. Frank
    Glogau, 4.7.1866.“

    Kreis Löwenberg, die Patrioten von Lähn
    In der Neün Preußischen Zeitung vom 7.7.1866 berichtete über die Opferbereitschaft der Lähner im Kreis Löwenberg:
    „Lähn, 3.7.1866. Mehrere Leser ihrer Zeitung haben heute in unserem Ort und Umgebung eine Sammlung solcher Naturalien vorgenommen, womit dem Soldaten im Feld eine Stärk-ung und den Verwundeten eine Erquickung gereicht werden kann. Die Sammlung, welche nur zwölf Stunden gedaürt, umfaßt einige hundert Flaschen Wein, Fruchtsäfte, Essenzen, einige neunzig Brote, etwa 2000 Zigarren, 6 große Töpfe mit Butter, an 100 Pfund Speck und Wurst, Zucker, Tabak usw. und 116 Thaler bares Geld, wofür nach Angabe der Herren Ärzte bei den Truppen Lebensmittel angekauft werden soll. Es ist ein über alles Erwarten gegeb-ener Beweis von Opferwilligkeit, wenn man weiß, unter welcher Klasse unserer hiesigen Bewohner diese Sammlung stattgefunden hat. Die gesammelten Lebensmittel werden noch heute mittels Fuhre ach Böhmen an die in Trautenau errichteten Lazarette abgeführt.“

    Todesnachrichten erschüttern das Volk
    Hier einige Nachrichten, wie sie damals den tragischen Verlust eines Familienmitglieds im Krieg veröffentlicht (10.7.1877) wurden:
    „Am 29. Juni traf bei dem Treffen von Niscolas unser unvergeßlicher Bruder, der königliche Seconde Leutnant  im 1. Niederschlesischen Infanterie Regiment Nr. 46. Herr Paul Gud-erian, den Heldentod für König und Vaterland. Eine Kugel traf ihm an der rechten Schläfe. Möge ihn Gott in Gnaden aufnehmen.
    Groß Glogau, 8.7.1866
    Hans Guderian, Leutnant im 3. Posenischen Infanterie Regiment Nr. 58
    Im Auftrag der Geschwister.“
    Eine andere Meldung vom 10.7.1866:
    „Von dem Kampffeld bei Podol schreibt man dem Berliner Fremdenblatt: Unter zwei Hügeln, dicht an der Straße, ruhen die Gefangenen; zwei einsame Holzkreuze, roh in der Eile gefer-tigt, die Inschriften mit Tinte geschrieben, schmücken die Gräber. Auf dem ersten steht: Hier ruhen in Frieden 23 Preußische, 110 Österreichische Helden, gefallen am 26.6.1866 zu Podol. – Auf dem Zweiten steht: Hier ruht in Gott Herr Eugen von Drigalski, Oberstleutnant in königlich preußischen 1. Thüringischen Infanterie Regiment Nr. 31. Er starb den Heldentod. Seine ihm in die Ewigkeit ergebenen Offiziere und Soldaten.“
    Das gemeine Volk erhielt ein anonymes Massengrab, die Obrigkeit wurde im Einzelgrab mit höheren Ehrerbietung bestattet, dieses sagt viel aus über die Distanz zwischen den einzel-nen Klassen zur damaligen Zeit !

    Tausende Österreicher in Waldenburg
    Ein Krieg bringt auch sehr große Unruhe ins Hinterland und nicht nur an der Front, vor allem in der Zivilbevölkerung, auch hierüber wurde aus Waldenburg berichtet:
    „Waldenburg, 7.7.1866. Durchzug. Heute kamen die ersten Gefangenen von Königgrätz hier an, es waren mehrere tausend Österreicher von allen Waffengattungen und viele Offiziere. Auch mehrere erbeutete Geschütze passierten unsere Stadt. Unter den Gefangenen war auch der Rest des Regiments ‚König von Preußen‘, von welchem nur wenige Leute Deutsch verstanden. Ein großer Teil wurde Mittags mit einem Zug weiterbefördert, über 1000 Mann blieben jedoch zurück und lagerten Nachmittags am Bahnhof. Es befanden sich unter den Leuten Infanterie, Jäger, Artillerie und auch einige hundert Husaren. Die Bedeckung war nicht stark und meinte, es sei auf dem langen Marsch, der teils in der Nacht durch dichte böhmische Dörfer stattgefunden habe, nicht möglich gewesen, die Gefangenen so genau zu bewachen, daß nicht eine Menge davon hätten in den Wald flüchten können. Doch haben nur wenige diese Gelegenheit wahrgenommen, weil sie sich unsicher fühlten. Vor dem Einmarsch in unsere Stadt und selbst noch in derselben verkauften manche Gefangenen verschiedene Sachen, darunter auch silberne Löffel, ein Beweis, daß sie dieselben im eig-enen Land erbeutet haben müssen.“

    Feldgottesdienst in Böhmen
    Am 11.7.1866 wurde in der Neün Preußischen Zeitung ein Feldpost veröffentlicht, dieser gibt die Stimmung wichtig um zu verstehen, was alles das preußische Volk von Begeister-ung bis zur Not und Traür 1866 ertragen mußte:
    „Treü Eltern! Mit tiefster Herzensbewegung schreibe ich heute aus fernen Lande. Ich habe heute mit tausend und aber tausend Kriegern nach einer trefflichen Predigt des Divisions-predigers Bollert über den Text ‚Sei getreu bis in den Tod‘ das heilige Abendmahl genom-men. Meine Seele freut sich, daß sie Absolution erhalten hat. Sie weiß, daß auch für sie das Blut des Lammes geflossen ist und daß auch mich der Arm des Allmächtigen annehmen will.
    In einer solchen Kirche habe ich noch nie eine Predigt gehört, nie das Abendmahl gefeiert. Ein Wald erstreckt sich meilenweit ins Land hinein, hohe Fichten- und Tannenstämme, Buchen selbst Eichen stehen in ihm. Die Zweige der Bäume waren unser schönes Dach, durch welches das blaü Himmelsgewölbe herabsah und uns den Frieden von oben verhieß. Zwei Bataillone bildeten die Wände und zugleich die Hörer dieser unvergleichlichen Kirche. Die Musikchöre beider Bataillone begleiteten den Gesang von 2000 Mann, eine wunderbare schöne Orgel. –
    Heute um 2 Uhr rückten wir weiter, vielleicht schon ins Feür. Betet das der Arm de Allmäch-tigen mich beschütze. Herzlichen Dank für Eure Verzeihung, sie hat meinen Herzen gut getan und mich beim heutigen Gang so froh – wenn auch mit Zittern – gemacht. Dank auch für Euren lieben Brief !
    So lebt denn wohl, ihr treün Eltern! Grüßt die Geschwister und alle, die mich lieb haben. Wenn ich falle. Sagt ihnen von mir ein herzliches Lebewohl. Betet für Euren heut‘ so glücklichen Sohn!“

    Neü Gefangene in Waldenburg – ein Lazarett in Breslau
    Am 12.7.1866, wurde neüs aus Waldenburg berichtet:
    „Waldenburg, 8.7.1866. Durchzug. Kaum habe ich ihnen einen Bericht abgesandt, daß gestern mehrere tausend Gefangene durch unsere Stadt passiert haben, so kommen schon wieder gegen 5000 entwaffnete Österreicher hier an. Dieselben warfen sich matt zu Boden und überließen sich – obwohl es regnete – teilweise dem Schlaf. Sie sagten aus – soweit wir uns mit ihnen überhaupt verständigen konnten, denn die wenigsten sprechen deutsch – daß es ihnen eine halbe Wohltat sei, in Gefangenschaft geraten zu sein, da die Entbehrungen, die sie in den letzten Tagen hätten ertragen müssen, und der Hunger zu groß gewesen. Sie freuten sich daher nicht wenig, als ihnen in großen Kesseln Reis mit Rindfleisch gekocht und nebst Brot zugeteilt wurde. –
    Auch eine menge Geschütze und Munitionswagen kamen wieder hier an; wir zählten im ganzen 120 Wagen und Geschütze.“
    Nun eine Nachricht aus Breslau:
    „Breslau, 10.7.1866. Hier haben die Kommunal – Behörden ein Lazarett – zunächst für 600 Betten – errichtet. Die drei Abteilungen für Schwerverwundete werden geleitet von dem Kreisphysikus Dr. Friedberg, der früher Assistent der Langenbeckschen Klinik war und später einen chirurgischen und augenärztlichen Klinikum in Berlin vorstand. Die übrigen Abteilungen werden geleitet von Sanitätsrat Kroker, Kalkstein, Professer Lebert usw.; acht Assistenzärzte wohnen im Lazarett, welchem das Publikum die größte Anteilnahme zuwen-det:“
    Und um dem Lazarett der Stadt Breslau, die notwendigen Geldmittel in die Hände zu legen, laufen Spenden ein. Hierüber wurde am 13.7.1866 berichtet:

    „Ihre Majestät die Königin hat dem Oberbürgermeister von Breslau – Hobrecht – die Summe von dreihundert Thaler zur Verwendung für die in Breslau befindlichen Verwundeten zu überweisen geruht.“

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    Publikationsstand dieser Seite:02/04/08

     

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    Teil 4