Auch die Österreicher haben tapfer gekämpft
Nach und nach wurden nun der böhmische Raum durch preußische Truppen besetzt, es scheint das die Zeit der großen Schlachten vorbei ist. Allmählich wurde jedoch bekannt, das die österreichischen Truppen nicht weniger mutig und tapfer gekämpft haben, hierüber wurde auch in der Zeitung am 17.8.1866 berichtet:
„Breslau, 9.7.1866. Die Gardemannschaften, welche am 7. dieses Monats einen Zug Gefan-gener vom Schlachtfeld bei Königgrätz brachten und über Breslau nach Posen eskortierten, sprachen mit Achtung und Bravour ihrer Gegner und hoben einzelne Züge hervor, von denen sie teilweise Augenzeuge gewesen waren. So erzählten sie, daß ein österreichisches Jäger-bataillon, welches nach wiederholten Angriffen große Verluste gehabt, sicher immer wieder gesammelt und vorzugehen versucht habe. Als es endlich den Preußen gelang, dasselbe von mehreren Stellen zu umstellen, streckten plötzlich die 250 Mann die Waffen. Der Kommandeur aber stieg sofort vom Pferd, zog einen Revolver und erschoß zürst das Pferd, dann aber sich selbst. –
Nach dem Gefecht bei Skalitz suchten einige preußische Militärärzte das Schlachtfeld nach Verwundeten ab. In einem halb mit Wasser gefüllten Graben fanden sie einen österreichi-schen Fähnrich, dem sie ihre Hilfe anboten und den sie herauszuziehen bemüht waren. Derselbe bat aber inständig, ihm liegen zu lassen, indem er versicherte, daß die Kühle des Wassers ihm die erwünschteste Linderung seiner Schmerzen gewähre. Darauf gingen jene weiter und wendeten sich den zahlreich vorhandenen anderen Hilfsbedürftigen zu. Als sie aber nach einiger Zeit zu dem Fähnrich zurückkehrten und ihm aus dem Graben hervorzo-gen, war derselbe bereits eine Leiche. Wie erstaunten sie aber, als sie fanden, daß unter ihm die Fahne verborgen lag, auf welcher er jedenfalls hatte sterben wollen.“

Noch einmal: Das Bubenstück von Trautenau
Die Ereignisse nahmen damals ihren Fortgang. Am 8. Juli hatte die preußische Armee Prag besetzt, am 13. Juli hat der preußische König sein Hauptquartier in Brünn aufgeschlagen, am 16. Juli wurde die Stadt Lundenburg – Eisenbahnknotenpunkt der Strecken Brünn – Wien und Olmütz – Wien – von den Preußen besetzt. Jedoch wurde am 20.7.1866 gedruckt eine Meldung, welche sich noch einmal mit den Ereignissen in Trautenau beschäftigte:
„Das Bubenstück von Trautenau. Wie bekannt, wurden unsere Truppen beim Einzug in die böhmische Stadt Trautenau von einem Teil der Einwohnerschaft mit siedenden Öl aus den Häusern begossen. In Berliner Lazaretten liegen mehrere unserer braven Landsleute, welche total verbrüht sind. Namentlich sind manche durch dieses Bubenstück um ihr Augen-licht gekommen. Die Greültat vergrößert sich jedoch, wenn man daran erinnert, daß das Trautenau speziell der preußischen Wohltätigkeit sein Dasein verdankt. Vor einigen Jahren bis auf das letzte Haus abgebrannt und wahrscheinlich angebrannt, erscholl von Böhmen aus ein lauter Not- und Schmerzensschrei. Der Appell an die preußische Wohltätigkeit war von großem Erfolg. Große Summen waren zusammengekommen; darunter in Berlin allein 38000 Thaler. Mit diesen milden Gaben haben die Trautenaür sich aufgerichtet, um später preußischen Truppen meuchlerisch zugrunde zu richten.“
Über die in Trautenau gefangenen und in Glogau inhaftierten Bürger, berichtete die schlesi-sche Zeitung am 17.7.1866:
„Glogau, 17.7.1866. Seit einigen Tagen lassen sich verschiedene Zeitungen bald aus Posen, bald aus Breslau melden, daß die gefangenen berüchtigten Bürger aus Trautenau zum Teil ihrer Haft entlassen worden wären und dergleichen mehr. Wir können ganz zuversichtlich mitteilen, daß sämtliche 19 Trautenaür sich noch heute im hiesiegen Kriminalgefängnis befinden. –
Als die österreichischen Kriegsgefangenen gestern zur Arbeit kommandiert wurden, verwei-gerten sie den Gehorsam. Der Kommandant der Festung – Oberst Wollenhaupt – erschien sofort mit seinen Truppenkommando und ließ dieses – sowie das Wachkommando – vor den Augen der Gefangenen scharf laden. Auf seine Aufforderung, daß diejenigen, die nicht arbeiten wollten, hervortreten sollten, sollen – wie wir hören – zwei Mann hervorgetreten sein, welche erklärten, daß ihr Kaiser ihnen verboten hatte, wenn sie in Kriegsgefangensch-aft gerieten, zu schanzen und zu arbeiten. Die beiden Widerspenstigen wurden verhaftet und in den Arrest abgeführt. Der Kommandant erklärte hierauf den Gefangenen, daß, wenn sie noch ferner den Gehorsam verweigern sollten, die härteste Strafe, das heißt: Erschießung des zehnten Mannes, eintreten würde. Diese Entschiedenheit brachte die Leute wieder zur Besinnung und sie zogen ruhig zur Arbeit. Wie es scheint, hatten die Gefangenen vor den Minie‘ Gewehren des Wachkommandos nicht den nötigen Respekt. Seit gestern bezieht dasselbe die Wache jedoch mit Zündnadelgewehren, und siehe da, die Stimmung ist eine ganz andere geworden.“

Studenten aus Breslau zur Krankenpflege nach Böhmen
Es gab aufgrund der Kriegshandlungen in den Lazaretten viel zu tun in Schlesien und Böhmen. Die Studenten der schlesischen Hauptstadt Breslau fühlten sich verpflichtet, den Verwundeten ihre Pflege und Hilfe angedeihen zu lassen, hierzu wurde in der Zeitung am 22.7.1866 berichtet:
„Breslau, 16.7.1866. Von den hiesigen Studenten, die zur Pflege der Verwundeten nach Böhmen abgegangen, befinden sich sechs in Trautenau, neun in Horsitz, sieben in Benatek, sechs in Wsestar, sechs in Rosnitz, zwei in Hradek, zwei in Trim und neun in Nechanitz. Sie sind also zum größten Teil auf den Dörfern tätig, die auf dem Königgrätzer Schlachtfeld liegen. Die schlesische Zeitung hat die Namen aller Studenten veröffentlicht, die zu diesen selbstlosen Dienst bereit waren.“

Im Lazarett von Liebau verstorben
Nicht jeder der Verwundeten war zu jener Zeit im Lazarett zu retten trotz jeglicher ärztlicher Hilfe und Pflege. Auch gab es noch nicht die Medizin, welche erst im 2. Weltkrieg zum überleben vieler Verwundeter führte. Hierzu eine Todesmeldung vom 24.7.1866:
„Am 29. Juni im Gefecht von Gitschin wurde der Seconde Leutnant Max von Osten vom 48. Infanterie Regiment schwer verwundet und starb am 4. dieses Monats im Lazarett zu Liebau den schönen Tod für König Tod für König und Vaterland.
Die Hinterbliebenen.“
Nach der Schlacht war eine andere Krankheit im raschen Anmarsch, welche für noch mehr Tränen bei den Hinterbliebenen sorgt, die Cholera. Hierzu am 25.7.1866 eine sehr kurze Meldung:
„Breslau, 22.7.1866. Hier ist die Cholera in der Zunahme begriffen. Bis zum 21. Juli waren 180 Erkrankungen und 124 Todesfälle gemeldet.“
Am 21.7.1866 wurde in Grünberger Kreis- und Intelligenzblatt Nr. 58 Sonnabend den 21.7.1866 Beilage, eine Verlustliste veröffentlicht, dieses verdeutlicht das Ausmaß der Tragik nach einer Schlacht:
Verlustliste im Krieg Preußen gegen Österreich

Grünberg den 18.7. ( aus der Verlustliste der königlich preußischen Armee )

  • 1. Westpreußisches Grenadier Regiment Nr. 6. 1. Compagnie Schlacht bei Nachod  am 27.6.1866. Grenadier Joh. Friedr. Wilh. Zachert aus Läsgen. Leicht verwundet, Lazaret Nachod. – Schlacht bei Skalitz. Grenadier Joh. Karl Herm. Schulz aus Lawaldau. Leicht verwundet, Lazaret Skalitz. – 2 te. Compagnie Schlacht bei Nachod. Grenadie Karl Heinrich Bürger aus Kessel, Kreis Grünberg. Schwer verwundet. Durch einen Granatsplitter in der Schulter. Lazaret Nachod. – Grenadier Joh. Georg Pohl aus Karschin. Schwer verwundet. Schuß in die Schulter. Lazaret Nachod. – Grenadier Ernst Albert Schulz aus Grünberg. Leicht verwundet. Schuß in die Hacke. Lazaret Nachod. – Gefecht bei Schweinschäbel am 29.6.1866. Gefreiter Joh. Heinr. Damaske aus Hammer. Schwer verwundet. Schuß in den Unterleib. Lazaret Nachod. – 3. Compagnie. Schlacht bei Nachod. Grenadier Joh. Gottl. Matschaß (tz ?) aus Mühldorf leicht verwundet. Schuß an der rechten Seite. Lazaret Nachod. – Grenadier Joh. Friedrich Barinsky aus Bonadel. Schwer verwundet. Schuß in das rechte Bein. Lazaret Nachod. – Grenadier Joh. Gottlieb Gürke aus Otterstädt. Schwer verwundet. 5 Schüsse in beide Füße. Lazaret Nachod. – Grenadier Karl Augsut Eckert aus Lättnitz. Schwer verwundet. Schuß in den Arm. Lazaret Nachod. – Schlacht bei Skalitz Grenadier Joh. Heinrich Georg Großmann aus Wihleminenthal. Leicht verwudet. Schuß in die obere Brust. Lazaret Skalitz. - 4. Compagnie Schlacht bei Nachod. Gefreiter Joh. Friedr. Wilh. Sander aus Ochelshermsdorf todt. – Gefreiter Joh. Wihl. Schulz aus Lawaldau. Leicht verwundet. Streifschuß am rechten Unterschenkel. Lazaret Nachod. – Gefecht bei Schweinschäbel. Sergeant Gust. Ag. Reinhard Senftleben aus Grünberg. Leicht verwundet. Schuß am linken Unterschenkel. Lazaret Schweinschäbel. – 5. Compagnie Schlacht bei Stalitz Grenadier Joh. Gottl. Zachert aus Läsgen. Leicht verwundet. Granatsplitter am Knie. – Gefecht bei Schweinschäbel Joh. Fr. Kupke aus Deutsch Kessel todt. – 6. Compagnie Schlacht bei Skalitz Grenadier Joh. Fr. Aug. Heinrich aus Rothenburg vermißt . – Grenadier Joh. Aug. Gärtner aus Nittritz vermißt. – Gefecht bei Schweinschädel Grenadier Joh. Aug. Hahn aus Drentkau vermißt. – 7. Compagnie Schlacht bei Nachod Grenadier Fr. Wilh. Mazanke aus Bonadel, vermißt. – Schlacht bei Skalitz Grenadier Heinr. Aug. Kuhn aus Neu – Nettlau, vermißt. – 8. Compagnie Schlacht bei Nachod Tambour Karl Ernst Knebel aus Günthersdorf, leicht verwundet. – Grenadier Joh. Gottfried Friebel aus Günthersdorf. Leicht verwundet. – Schlacht bei Skalitz Grenadier Ferd. Hender aus Plothow leicht verwundet. – Schlacht bei Skalitz Grenadier Joh. Ferd. Deckert aus Nittritz leicht verwundet. – 9. Compangie Gefecht bei Schweinschäbel. Sergeant Joh. Michael Stephan Kretschmer aus Kleinitz leicht verwundet. Schuß ins linke Bein. – Füsilier Karl Heinr. Irmler aus Grünberg. Schwer verwundet, Schuß in den Kopf. – 10. Compagnie. Füsilier Joh. August Kubelke aus Koözig. Todt, Schuß durch die Brust. – 11. Compagnie. Schlacht bei Skalitz. Füsilier Joh. Wilh. Aug. Laubstein aus Karschin. Leicht verwundet, Streifschuß am Kopf. – Gefecht bei Schweinschäbel Unteroffizier Joh. Gottfr. Noack aus Kolzig. Leicht verwundet, angeblich Schuß ins Bein. – Füsilier Heinr. Frisch aus Pirnig. Leicht verwundet, Streifschuß am Nacken. Befindet sich bei der Compagnie. – 12. Compagnie. Gefecht bei Schweinschädel. Unteroffizier Herm. Theod. Piltz aus Grünberg. Leicht verwundet, Streifschuß am Hals. – Füsilier Gust. Schulz aus Kontopp. Leicht verwundet. – Königs Grenadier Regiement ( 2. Westpreuß.) Nr. 7 7. Compagnie Schlacht bei Nachod Grenadier Wilh. Bergmann aus Klein – Hennersdorf. Todt.
  • 2. Niederschlesisches Infanterie Regiment Nr. 46, 2 Compagnie, Gefecht bei Schweinschäbel, Musketier Joh. Gottl. Heinr. Koch aus Schertendorf. Schwer verwundet, Granatsplitter in beide Beine. Feldlazaret der 10. Division. – Musketier Ernst Lindner aus Drentkau. Schwer verwundet, Granatsplitter in den rechten Fuß. Feldlazaret der 10. Division. – Musketier Karl Joh. Böhmer aus Buchelsdorf. Betäubt durch einen Granatschuß, Feldlazareth 10. Division. – 3. Compangie Schlacht bei Nachod Musketier Karl Heinr. Lange aus Bobernig. Leicht verwundet, Granatsplitter in die Hand. Feldlazaret der 10. Division. – Gefecht bei Schweinschäbel Musketier Joh. Friedr. Wilh. Stein aus Schloin. Leicht verwundet, Granatsplitter in die Hand. Feldlazaret der 1o. Division. – 4. Compagnie. Schlacht bei Nachod. Premier Leutnant von Bajanowsky. Leicht verwundet, Schuß in die Hand. – Gefecht bei Schweinschäbel. Unteroffizier Joseph Ernst Brundtke aus Nittritz. Leicht verwundet, Feldlazaret 10. Division. – Musketier Joh. Friedr. Aug. Erdmann Feind aus Lansitz. Leicht verwundet, Granatsplitter in den Fuß, Feldlazaret der 10. Division. – 6. Compagnie Schlacht bei Nachod. Gefreiter Gottlab Jäckel aus Sawade. Schwer verwundet, Lazaret Nachod. – Schlacht bei Skalitz. Gefreiter Ernst Decker aus Deutsch Wartenberg. Leicht verwundet, Schuß in die linke Wade. Lazaret Nachod. – Musketier Joh. Friedr. Wenzke aus Schoslawe . Leicht verwundet, Grantschuß vier Finger an der rechten Hand. Lazaret Skalitz. – 7. Compagnie Schlacht bei Nachod. Musketier Joh. Ferd. Muche aus Nittritz Vermißt. – Gefecht bei Schweinschäbel Musketier Joh. Heinrich Kobel aus Läsgen. Leicht verwundet, Streifschuß an den Kopf Lazaret Skalitz. – 8. Compagnie Gefecht bei Schweinschäbel Musketier Franz Joseph Weichert aus Friebersdorf. Todt, durch eine Kugel im Genick. – Musketier Joh. Gottlieb Schulz aus Woitscheke. Leicht verwundet, Flintenschuß in die linke Hand. – 9. Compagnie Gefecht bei Schweinschäbel. Gefreiter Gustav Schneider aus P. – Nettlow. Schwer verwundet. – Füsilier Johann Michael Ernst Höptner aus Friederdorf. Leicht verwundet. – 11. Compagnie Füsilier Karl Friedrich Menke aus Prittag. Todt. – 12. Compagnie. Füsilier Joh. Friedr. Gründel aus Krampe. Todt. Granate.

Preußische Truppen vor Wien
Im Hauptquartier zu Nikolsburg wurden die Friedensverhandlungen eingeleitet, zum gleichen Zeitpunkt standen preußische Truppen vor Wien. Hierüber wurde auch in der Zeitung am 25.7.1866 berichtet:
„Berlin, 24.7.1866. Das Hauptquartier seiner Majestät des Königs befindet sich noch in Nikolsburg. Am 23. dieses Monats, nachmittags 6 Uhr, waren in Niklosburg der frühere österreichische Kriegsminister General von Degenfeld, der frühere Gesandte Österreichs am königlichen preußischen Hof Graf Karolyi, der früher bei der österreichischen Bundestags Gesellschaft beschäftigte Herr von Brenner und der österreichische Attache‘ Graf Küfstein eingetroffen und in der Stadt abgestiegen. Der Beginn einer Waffenruhe stand bevor, doch blieben die preußischen Truppen noch im Vormarsch zur Konzentration. Unsere Vortruppen stehen dicht vor den Verschanzungen von Florisdorf. Die Einwohnerschaft Wiens sieht den Horizont von preußischen Wachfeürn beleuchtet. Fast täglich finden kleinere Kavallerie – Gefechte statt, in welchem der Feind – wie bisher – den Kürzeren zieht. Die Eisenbahn – Abteilung ist unausgesetzt tätig, die zerstörten Bahnstrecken herzustellen.“
Dann wurde am 27.7.1866 folgendes in der Zeitung berichtet:
„Nikolsburg, Dienstag 24. Juli: Mit dem 22. Juli Mittag 12 Uhr ist die Waffenruhe eingetreten. Sämtliche bis dahin erreichten Positionen werden inne gehalten. Die Unterhandlungen auf dem hiesigen Schloß daürn fort. Der König hat den Grafen Karolyi bereits empfangen.“

Krankenpflege in Schlesien
Eine Zeitungsmeldung aus dem Raum am Qüls aus Marklissa, wurde am 27.7.1866 veröffentlicht:
„Marklissa, 21.7.1866. Der Johanniterritter, Kammerherr Freiherr von Rissing, hat in sämtlichen Gemächern des herrschaftlichen Wohnhauses zu Ober Beerberg, Lauber Kreises, ein Lazarett eingerichtet in welchen sich gegen 20 Verwundete – Krieger aus den verschiedensten Provinzen der Monarchie – befinden. Die mit den Aufwand bedeutender Mittel hergestellte Einrichtung ist vortrefflich, die von einer Diakonisse unter Beihilfe der Dienerschaft geleistete Verpflegung ausgezeichnet, das Haus selbst durch eine roman-tische Lage ein äußerst freundliches und friedliches Asyl, der eine edle Besitzer desselben für seine Opfer- und Hilfswilligkeit eines öffentlichen Dankes würdig. Jeden Sonntag hält der Opferpfarrer zu Marklissa einen evangelischen Gottesdienst in dem erwähnten Lazarett.“

Cholera in Böhmen
Der neü Feind war die Cholera, welche nach den Leben der Verwundeten und des Pflegepersonals trachtete. Aus einen Bericht aus dem böhmischen Horsitz geht hervor, wie erschütternd der Tod einer Franzikanerin aus dem Kloster Nonnenworth  im Rhein war:
„Horsitz, 20.7.1866. Eben komme ich vom Begräbnis des ersten Opfers unserer freiwilligen Krankenpflege auf dem Kriegsschauplatz. Schwester Adriane, Franziskanerin aus dem Kloster Nonnenswerth, war mit 14 Mitschwestern und der Gernal Oberin hierher geeilt, um die armen Verwundeten zu pflegen. Währen die übrigen Schwetsern anderweitig in versch-iedene Lazarette verteilt wurden, begab sich Schwester Adriane mit drei Mitschwestern und hoch würdigen Oberin Mutter nach Benatek.
Dieser Ort, an dem der Kampf mit am fürchterlichsten gewütet hatte, liegt in einem Talkessel und zählte weit über hundert Schwerverwundete, die verschieden Häuschen, Ställen, ja sogar unter freien Himmel in den Höfen untergebracht waren. Die zahlreichen Tote hatte man daselbst verscharrt.
In Folge der großen Hitze, der Nähe der Toten und der großen Anzahl Schwerverwundeter war die Luft in Benatek wie verpestet, der Krankendienst überaus anstrengend und die Wohnung der Schwestern – auf die Düngergrube hinausgehend – höchst ungesund. Die Folge war, daß alle vier Schwestern, die mit größten Eifer zu den Kranken eilten und sich der Verlassenen annahmen, krank wurden und sich doch nicht schonen konnten.
Endlich wurde das Spital geräumt, bei 60 Kranke wurden von den Referenten versehen und die Schwestern begaben sich auf seine Anordnung nach Milowitz, um hier ihr Werk fortzuse-tzten. Schwester Ardiane mußte aber bald das Bett hüten. Freudig lächelnd empfing sie nach wenigen Stunden schon die Sterbe – Sakramente, sich der Hoffnung gerüstet, bald zum lieben Heiland zu kommen. Die Mitschwestern mußten auf ihren Wunsch ungestört dem Dienst an den Verwundeten nachgehen und sie allein lassen.
Bereits auf dem schlechten Weg von Benatek nach Milowitz litt sie so furchtbar, das ihr unwillkürlich die Tränen aus den Augen rollten, und doch lächelte sie dazwischen, wie wenn die Sonne durch die Gewitterwolken scheint. Am 19. dieses Monats, am Tage des heiligen Vincenz von Paul, Abends begann der Todeskampf, und um 10 Uhr bei dem Leuchten eines schweren Gewitters hauchte die Kranke in Folge eines Cholera Anfalles ihre Seele aus, nachdem die Sterbegebete gesprochen waren.
Schon Tags darauf wurde sie still auf dem Friedhof zu Milowitz bestattet. Die Abendsonne ging zwischen Regenwolken unter und beschien den schlichten Grabeshügel, unter dem das heiß liebende Herz einer christlichen Jungfrau ausruht, die von den Ufern des grünen Rheines freudig hergeeilt war, um unter Opfern der Entbehrung, aus reinster Liebe zu Gott und dem Nächsten, die armen Kranken zu pflegen und in ihrem Dienst zu sterben. Ihr ist Gotteslohn zuteil geworden, auf den sie allein gehofft. Ein einfaches Kreuz auf dem Milo-witzer Friedhof wird der Nachwelt den stillen aber glorreichen Tod der armen Franziskanner-in vom Rhein verkünden und den kommenden Geschlechtern erzählen, wie reich an Liebe unsere kriegvolle Zeit gewesen. –
Post Scriptum: Soeben geht die Traürbotschaft ein, daß auch die Schwester Ida, die eben-falls in Benarek erkrankt war, in Milowitz gestern Abend, den 21. Juli an der Cholera gestor-ben ist.“

Friedensvertrag unterzeichnet
Am 28.7.1866 erschien in den Zeitungen unter der Rubrik vom Kriegsschauplatz folgende Meldung:
„Berlin, 27.7.1866. Am 26. Juli sind zu Nikolsburg die Friedens – Präliminarien unterzeichnet worden. Es wurde Waffenstillstand – wie es scheint ohne Termin und mit evtl. Kündigung – vereinbart. Die preußische Armee besetzt Böhmen und Mähren. Nähere Details fehlen noch.“
Präliminarien sind Vorverhandlungen; diese hat man auf der Nikolsburg geführt um das Ende des Krieges einzuläuten.
 

Begegnung zwischen verwundeten Feinden auf dem Schlachtfeld
Die Zeitung vom 28.7.1866 bringt einen Bericht aus Glauchau in Sachsen, dieser Bericht hört sich wie eine Erzählung an ist jedoch voller Tragik, und gibt ein Zeugnis von dem Verhalten der Menschen zur damaligen Zeit ab:
„Glauchau in Sachsen, 24. Juli 1866. Dem hiesigen Tageblatt ist der nachstehende Brief zur Veröffentlichung überlassen worden, dem wir als einem mehr als einer Seite hin ehrendes Zeugnis gern eine weitere Verbreitung geben:
Wertes Fräulein !
Als wir Dienstag, dem 3. Juli, die blutige Schlacht schlugen und die Sachsen zurücktrieben, lag ein Sachse auf dem Hofe eines Schlosses zum Sterben, die Kugel war ihm durch den Kopf gegangen. Da winkte er mich an sich heran und zeigte auf dem Brotbeutel. Ich faßte hinein und fand eine Brieftasche, worin ich den beiliegenden Zettel fand, und habe jetzt den Wunsch erfüllt, Ihnen seinen Tod zu melden. Er starb als tapferer Soldat für seinen König. Der Soldat welcher Hermann Haase heißt, hatte noch eine Uhr und einen Gulden Papiergeld bei sich. Obgleich ich es als rechtliche Kriegsbeute betrachten kann, so will ich es nicht behalten, kann es ihnen aber auch nicht zuschicken, weil auf der Feldpost keine Pakete an-genommen werden. Ich bin selbst verwundet und werde höchstwahrscheinlich nach Sachsen ins Lazarett transportiert werden und wenn mich das Geschick nach Glauchau hinführt, so werde ich mich nach Ihnen erkundigen und sämtliches einhändigen. Wenn nicht, so erhalten sie es nach dem Krieg, wenn ich mit dem Leben davon komme, aus meiner Heimat, welche Braunsberg in Ostpreußen ist.
Achtungsvoll
J. Korsch, Füsillier
Auf der Rückseite des Couverts stand die Bemerkung: Absender Preußischer Füsilier Korsch im Auftrag eines gefallenen Sachsen.
Der oben erwähnte, in der Brieftasche enthaltene Zettel lautet:
Wer dieses Buch findet, wenn ich nicht mehr unter den Lebenden bin, der tü mir den Gefal-len und schreibe nach Glauchau in Sachsen an Anna Salzbrenner bei Meister Uhlig, Bahnhofstr. In Glauchau.“

Pastor Trogisch aus Michelsdorf bei der kämpfenden Truppe
Am 29.7.1866 gab es eine Abhandlung über Seelsorge im Felde in der Zeitung veröffentlicht.
Aus dieser geht hervor, daß Pastor Trogisch aus Michelsdorf im Landkreis Landeshut als Feldgeistlicher des 2. Garde Infanterie Division und deren Lazarette am Feldzug gegen Österreich teilnahm. Leider ist nicht mehr hierüber bekannt.
In der gleichen Zeitung wurde noch folgendes berichtet:
„Berlin, 28.7.1866. Unmittelbar vor Schluß unserer Zeitung ging gestern die telegraphische Depesche ein, daß die Friedens – Präliminarien unterzeichet worden sind im mährischen Hauptquartier seiner Majestät des Königs, wohin die Abgesandten Österreichs gekommen waren.“

Auf dem Sterbebett: Ein Hoch auf dem preußischen König
Folgender kurzer Bericht, welcher in keinen Geschichtswerk veröffentlicht wurde:
„Sagan, 27.7.1866. Wie treu ergeben unsere Truppen seiner Majestät dem König sind und mit welcher Liebe dieselben an ihm hängen, das konnten wir gestern am Sterbebett des Gefreiten Johann Tschirner von der 10. Kompagnie des 47. Regimentes sehen. Johann Tschirner aus Oberschreiberhau, Kreis Lauban gebürtig, wurde bei Skalitz durch einen Granatsplitter am linken Fuß verwundet und befand sich im hiesigen Reserve Lazarett. Kurz vor seinem Verscheiden verlangte derselbe von seinen Vater, welcher nebst Mutter und Braut hierher gekommen war, daß man ein Hoch auf seine Majestät den König ausbringen möchte. Nachdem sein Wunsch willfahrt war, brach sein Auge.“
Da finden wir noch etwas von dem alten Begriff der preußischen Treü, die seit den Zeiten von Friedrich dem Großen im Volk wieder einmal – sonderlich in Zeiten der Not – lebendig wurde und die sich auch im Krieg 1866 erwiesen hat.

Eine österreichische Todesanzeige: Fünf Söhne im Krieg verloren
Der Krieg 1866 geht seinen sicheren Ende zu. Der König von Preußen, der Kronprinz und Ministerpräsident von Bismarck beabsichtigen aus Böhmen nach Berlin zurückzukehren. Mit der Normalisierung der Verhältnisse, wurde es auch möglich, das wieder Post aus Österreich nach Preußen gelangte. In der Zeitung vom 4.8.1866 wurde eine Todesnachricht veröffent-licht, welche das unermeßliche Leid einer österreichischen Familie wieder spiegelte, die 5 Söhne im Krieg verlor:
„Tief gebeugt benachrichtige ich hiermit alle Freunde und Verwandte, daß mein heiß geliebt-er Mann gestern früh schnell und sanft entschlief, in Folge der gewaltigen Erschütterung, die der Tod unserer Kinder hervor rief. Unsere fünf hoffnungsvollen Söhne Franz Joseph, Ernst, Georg, Leopold und Heinrich von Stwolinski gaben alle ihr Herzblut für ihren geliebten Kaiser und Herrn. Mit ihr traürn die vier jungen Witwen und die einzige Schwester.
Um stilles Beileid bitten
Frau von Stwolinska, geb. von Radezki
Josephine von Stwolinska
Giesela von Stwolinska, geb. von Techa – Schec
Josephine von Stwolinska, geb. Gaffaroli
Helene von Stwolinsky, geb. von Hessen – Hessen
Josephine von Stwolinska, geb. von Stwolinska
Prag, den 31.7.1866.“

Rückkehr des Königs nach Berlin
Am 7.8.1866 berichtete die Neü Preußische Zeitung unter allgemeinen Nachrichten:
„Berlin, 6. August 1866. Seine Majestät der König undund ihre königlichen Hoheiten der Kronprinz, die Prinzen Karl und Adalbert, der Ministerpräsident Graf Bismarck, der Kriegsminister von Roon, die Generale von Moltke, von Alvensleben, von Boyen, das Zivil- und das Militärkabinett sind Sonnabend Abend vom Kriegsschauplatz nach Berlin zurück-gekehrt.
Schon am Nachmittag bedeckte sich die ganze Stadt mit Fahnen und Flaggen, nachdem sich das Wetter, das am Morgen regnerisch war, aufgeklärt hatte. Schon um 9 Uhr Abends war das Gedränge unter den prächtig erleuchteten Linden, so groß, das vor dem königlichen Palast kein Wagen mehr über den weiten Platz passieren konnte. Um das Gedränge auf dem Perron des Bahnhofes zu verhindern, waren diesem besondere Eintrittskarten aus-gegeben. Zu beiden Seiten mit Teppich bedeckten Ausgangstreppe standen zwölf junge Damen in weißem Kleid, Kornblumenschmuck im Haar und mit Körben voll Blumen, um dem geliebten Herrn den ersten Schritt in seine Königsstadt mit frischen Blüthen zu bestreün.
Gleich nach 10 Uhr erschien ihre Majestät die Königin und ihre königlichen Hoheiten die Prinzessinnen mit ihren Damenund nahmen bis zur Ankunft des Zuges in dem königlichen Zimmer Platz.
Um 10 ½ Uhr verkündete das Signal von der letzten Station her das Nahen des königlichen Zuges und bald darauf derselbe – von einer mit Laubgewinden – geschmückten Lokomotive geführt – unter den Klängen der von dem Musikchor gespielten Nationalhymne und vom tausendfachen Hurrah begrüßt, in den Bahnhof. Ein wahrer Sturm von Jubel, unter dem Tusch der Musik, begrüßte den aussteigenden König. Beim Hinaustreten auf den Perron umringten ihm zürst die Minister, sich ehrfurchtsvoll verbeugend. Der König reichte ihnen sämtlich freundlichst die Hand, auf die vielen Glückwünsche erwidernd:
‚Wenn der Himmel uns so beisteht, können wir schon zurückkommen !‘
Seine Majestät schritten langsam den Perron entlang, jeder Gruppe freundlich zulächelnd und vielen die Hand reichend, bis ihm ihre Majestät die Königin entgegen trat. Das Wiedersehen der königlichen Gatten erfüllte alle, die davon Zeuge waren, mit tiefer Rühr-ung.“
Über die anschließende Fahrt zu Palast seiner Majestät:
„Die Anfahrt seiner Majestät am Palast durch die zahllose Volksmenge wurde von einem in der Nähe aufgestellten Musikkorps mit der Nationalhymne und den Preußenlied begrüßt und der Jubel, der begeisterte Ruf nach dem geliebten Fürsten war so stürmisch, daß seine Majestät und dem Kronprinzen wiederholt – fünf mal – auf dem Balkon erscheinen mußte, um dem Volk ihren Anblick zu gönnen.“

Treü über den Tod hinaus
Wieder Nachrufe, diesmal vom 9.8.1866:
„In der glorreichen Wilhelms Schlacht leistete ein Fähnrich, selbst verwundet, seinem Ritt-meister, als dieser blutend auf dem Schlachtfeld lag, im heftigsten Feür treu und helden-mütig helfende Hand.
Heute – am 6.8.1866 – stand der Rittmeister tief erschüttert am Grab seines Retters, des nach Gottes Ratschluß am 4. des Monats an seinen Wunden verstorbenen Leutnants im Märkischen Dragoner Regiment Nr. 3
Herrn Hans von Normann
Das fern stehende Offizierskorps des Regiments wird die Traürbotschaft mit gerechten Schmerz vernehmen.“
Des weiteren wird über einen Prinzen aus dem Hause Hohenzollern berichtet, welcher an seinen Wunden aufgrund von Kriegseinwirkungen verstarb:
„Berlin, 9.8.1866. Der Staatsanzeiger meldet amtlich den Tod des Prinzen Anton von Hohen-zollern mit folgenden Worten:
Des Königs Majestät und wie das gesamte königliche Haus sind durch den, Sonntag Abend, 11 Uhr, in Königinhof erfolgten Tod des tapferen Prinzen Anton von Hohenzollern in tiefste Betrübnis versetzt. Mit heldenmütiger Ruhe und Ergebung ertrug der Verewigte in Folge der Schlacht von Koniggrätz erhaltenen schweren Wunden bis an seines Lebens Ende die größ-ten Schmerzen. Die letzten Worte des Prinzen waren: ‚Es gereicht mir zur großen Beruhig-ung, unter den Hohenzollern derjenige zu sein, welcher durch seinen Tod Zeugnis ablegt, von der Tapferkeit unserer Armee‘.
Des Königs Majestät hatten den Prinzen schon Niklosburg aus, für sein ausgezeichnetes Benehmen den Orden pour le merite verleihen, sein Name gehört für alle Zukunft der preuß-ischen Geschichte an.“
In den Lazaretten des Landkreis Landeshut gibt es aber auch Tote. In Schloß Kreppelhof hat der Besitzer – Graf Eberhard Graf zu Stollberg – Wenigerode – ein Lazarett einrichten lassen und dorthin hat man einen Verwundeten gebracht, welcher Kunde über sein Leben gab:
„ Nachruf!
Nach vierwöchigen Leiden erlag am 1. August zu Kreppelhof bei Landeshut der Hauptmann und Kompagnie Chef im 6. Ostpreußischen Regiment Nr. 43 – Freiherr von Braun – dem im Gefecht bei Trautenau am 27. Juni erhaltenen Blessuren. Das Offizierkorp, schwer betroff-en durch den Verlust, dessen Vorzüge eines begabten, erfahrenen, tapferen Offiziers und treün Kameraden ihn unserem Kreise so schwer wert machen, bewahrt ihm ein so unver-gängliches Andenken.
8.8.1866 Das Offizierskorps der königlichen 6. Ostpreußischen Infanterie Regiments Nr. 13 von Treskow, Oberst und Regiment Kommandeur.“

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Teil 5