Die Stadt Landeshut nach den Schlachten in Böhmen
Über die Lage im Landkreis Landeshut nach den Schlachten, wurde ein Artikel vom 18.8.1866 veröffentlicht:
„Wohl keine preußische Grenzstadt ist so unmittelbar Opfer des Krieges gewesen wie Landeshut, und sie hat freudig Hand und Herz angeboten, um das schreckliche Unglück zu lindern. Als die tapferen Truppen am 26. Juni hier durch nach den 3 Meilen entfernten Trautenau rückten, befand sich in der Stadt in der Stadt noch nicht die geringste Lazarett-einrichtung. Wenige Tage später begann das Zuströmen der Verwundeten in Transporten von 20, 50, 100 und mehr, welche sich ununterbrochen folgten. Das erste schwere Feld-lazarett vom 1. Armeekorps übernahm vom 28. Juni ab die ersten Schritte zur Etablierung von Lazaretten durch Räumung der Schulen und des Schützenhauses, verließ jedoch die Stadt schon am 2. Juli wieder.
Der Landrat von Klützow auf Krausendorf, der Bürgermeister Marzahn, die Ärzte und die Vertreter der Stadt, die Geistlichkeit und die Lehrer sowie Oberstabsarzt Dr. Biefel aus Salzbrunn vereinigten sich nun mehr und boten freudige Zeit, Kräfte und was sie sonst noch zu beschaffen konnten, um die Verwundeten Aufnahme zu gewähren.
Nur in dem an die Stadt grenzenden Gräflichen Stolbergschen Leppersdorf waren schon vorher zwei vollständige Krankenhäuser zu siebzig Betten eingerichtet und Schloß Kreppel-hof hatte sein hochherziger Besitzer – Graf Eberhard zu Stolberg – Wenigerode – als Offi-ziers Lazarett etabliert. Die milden Fraünhände der Bewohnerinnen und Schwestern aus Bethanien in Berlin übten schon seit den 27. Juni abends, wo der erste verwundete Offizier (Hauptmann Freiherr von Braun) dorthin gebracht wurde, mit größter Hingebung und Freud-igkeit das Pflege- und das Trösteramt.
In räumlicher Nacheiferung richteten in der Stadt Private, auf dem Lande Gutsbesitzer eiligst Wohnungen und Gartensäle zu Lazaretten ein, nahmen bis zu zwanzig Kranke auf und geben ihre besten Zimmer für verwundete Offiziere her. So war es denn möglich, daß in wenigen Tagen unglaublich viel in der Stadt geschehen konnte. Die Männer, welche sich verpflichtet hatten, durch Organisation großer Lazarette der Not entgegenzutreten, arbeiteten Tag und Nacht gemeinsam, in dem sie sich in täglichen Konferenzen in die Arbeit teilen.
An 500 Plätze für Verwundete wurden in Lazaretten der Realschule, evangelischen und katholischen Schule und das Schützenhaus hergestellt und ebenfalls gegen 500 in Privat-quartieren der Stadt und der nächsten Umgebung. Aber vom 4. Juli Abends traten Verhält-nisse ein, welche alles bis dahin geleistete als nichts erscheinen ließ. Die Straße von Königs-grätz über Trautenau nach Landeshut ist die beste und beqümste von jenem Teil Böhmens nach Schlesien. Nach dem großen Schlachten und ehe die Eisenbahn benutzt werden konnte, folgte daher der Hauptzug der Verwundeten dieser Straße. In Böhmen überall zurü-ckgewiesen, mußten die ersten Grenzstädte – vor allem Landeshut – als erste Kreisstadt – ihr Hauptziel werden.
Vom 5. bis ungefähr den 12. Juli wurde daher ganz Landeshut zu einem einzigen Kranken-haus, seine Plätze und Straßen ein großartiger Verbandplatz. Was hätte die redlichste Auf-opferung der Männer allein schaffen können? Lazarette und Standquartieren waren überfüllt. In den ersten mußten ohnedies schon alle Korridore und Treppenflure Mann an Mann auf Streu, die oft halbnackten Verwundeten nur mit dem Mantel bedeckt, belegt werden. Und doch kamen von früh bis Abend und durch die ganzen Nächte neü Zuzüge von Verwunde-ten an. Die Tanzsäle und die großen Räume der Gasthöfe wurden belegt. Aber – obgleich manchmal die Stadt und Umgebung 12 bis 1500 Verwundete beherbergte, standen doch noch die Wadenreihen vom Eingang der Stadt bis zum Ausgang.
Und in welchem Zustand befanden sich diese Transporte! Die Pferde waren erschöpft, die armen Kranken durch Entbehrung und Schmerz fast aufgerieben.
In Böhmen hatten sie alle Lazarett überfüllt gefunden, und so waren sie zwanzig Stunden und mehr auf denselben Wagen gefahren, indem sie ihre Hoffnung auf Landeshut, welches im Geschäftsverkehr mit Böhmen einen bekannten Klang hat, setzten.
Landeshut war der Knotenpunkt des Verwundetentransportes zwischen Böhmen und Schle-sien geworden. Die Ärzte machten bestänig ihre Tour durch die belegten Lokale sowie durch die auf den Straßen stehenden Wagenreihen. Sie bezeichneten auf den letzteren die am schwersten Verletzten, welche alle in den Lazaretten Aufnahme fanden. Die Transportablen wurden nach sechs- bis achtstündiger Ruhe weitergeschafft.
Da war denn Landeshut durch mehrere Tage eine große Ambulanz. Hier bedurfte es aber Hunderter Händen um zu helfen. Und es kamen zu hunderten die braven Fraün und Mäd-chen aus allen Ständen herbei. In den Lazaretten hatten fünf graü Schwestern und fünf Diakonissinnen je Anzahl von Zimmern in ihre bekannte liebevolle Pflege und Aufsicht genommen. Es bedurfte zu ihrer Hilfe aber eines großen Wartepersonals, während es in Landeshut an gelernten Krankenpflegern ganz fehlt. Von allen Seiten kamen deshalb Fraün und Mädchen, um sich diesem sehr schweren Dienst zu unterziehen. Sie teilten sich in einige zwanzig Krankenzimmer und Schulen sowie in drei Etagen des Schützenhauses, je zwei für Tag und Nacht, so daß an vierzig solcher Helferinnen täglich übernahmen.
Ein Komitee von Damen führte außerdem im Hauptlazarett zur Realschule die Oberaufsicht, ebenfalls Tag und Nacht vertreten. Es übernahm die nicht nur die Verteilung der Liebesgab-en, sondern auch die Bereitung des Frühstück und Vesperbrot. Obgleich nur auf Wohltätig-keit gegründet, schienen seine Mittel unerschöpflich. War vielleicht eben alles ausgeteilt, so fuhr manchmal unangemeldet eine Kolonne von 20 bis 40 Verwundetenwagen vors Lazarett, welche zum Weitertransport bestimmt waren, jedoch zuvor der leiblichen Stärkung bedurften. Da ging es dann wie der Wind in Vorratskammern und Küche, und niemand durfte hungrig von dannen.
In den Lazaretten lagen – wie erwähnt  - die Verwundeten in den ersten Tagen noch auf Streu. Während nun alle Handwerker zur Beschaffung der Einrichtungen herangezogen wurden und nach ein Zimmer nach den andern mit dem Nötigsten versehen wurde, brachte jede Pflegerin anfangs für ihre Verwundeten das Nötigste mit: Schüsseln und Löffel, aber auch Wäsche. Die hiesigen Männer werden wohl ein bedeutendes Deficit in ihrem Wäsche-vorrat notieren müssen. Die guten Fraünherzen wollten aber keinen in der blutgetränkten Wäsche weiterfahren lassen.
Nicht anders sah es in den Tanzsälen der 4 Gasthöfe aus, welche jeder mit bis zu 60 und 70 Verwundeten belegt waren.
Auch hier wirkt freiwillige Fraün- und Mädchenpflege Tag und Nacht. Aber hier wurde nicht nur Tag und Nacht gekocht und gepflegt, sondern die hilfreichen Hände übernahmen es auch, Schwerverwundeten zu reinigen, zu waschen und zu verbinden, da die Anzahl der Ärzte nicht ausreichte.
Und auch hier wurde außer Essen und Trinken, Zigarren, Zeit und gutem Willen noch alles irgend entbehrliche – besonders saubere Leibwäsche – hergegeben. Da konnte man einen athletischen Ostpreußen in einem Damenhemd, einen braunen Zigeuner in einem bunten Herrenhemd mit großen Pfäffchen liegen sehen, da hatte einer ein feines Damentaschen-tuch, der andere rote Sonntagsbusentuch eines Dienstmädchens um den Kopf gebunden und so weiter.
Nicht minder emsig wirkten die Landeshuterinnen auf den Straßen, wo die Wagen derjen-igen Verwundeten. Welche keine Aufnahme fanden, oft bis zu halben Tagen und ganze Nächte hindurch standen. Wie die Bienen liefen sie mit Kaffeekannen, Körben voll Butterbro-ten und Semmeln, mit großen Töpfen voll warmer kräftiger Brühe durch den bunten Wirrwarr. Und auch hier halfen sie die Wunden zu reinigen und zu verbinden.“

Mein Bräutigam ein Soldat
Nun ein kurzer Bericht von über eine Landeshuterin, welche heute unsere Urururgroßmutter gewesen sein konnte:
„Im Lazarett sehen wir einmal eine recht schöne Szene. Ein Mädchen aus dem Kreis Land-eshut stand auf dem Korridor, aus vollsten Kräften schluchzend und weinend. Der dirigieren-de Arzt fragte, was ihr fehle. – Ihr Bräutigam sei auch Soldat! – Ob sie denn helfen wolle? – Ja, vom ganzen Herzen gern. Das Mädchen aus dem Landkreis Landeshut blieb darauf vierzehn Tage im Lazarett ohne jeglichen Lohn zu fordern, arbeitete vielmehr unermüdlich und übernahm die Nachtwachen.
Jetzt erscheinen einem diese bunten Bilder aus dem vorigen Monat fast wie ein Traum, ob-gleich noch 300 bis 350 Verwundete in den Lazaretten zu Landeshut liegen und obgleich noch die freiwillige Fraün- und Mädchenpflege Tag und Nacht in regelmäßigen Dujohr – Dienst weiter wirkte.
Leider sind von den graün Schwestern, Diakonissen und Pflegerinnen infolge der Strapa-zen schon mehrere erkrankt, die eine nicht unerheblich. Bei dem gänzlichen Mangel an Lazaretteinrichtungen und der plötzlichen Überhäufung mit Schwerkranken waren es – außer den Kolossalen Opfern der Stadt – besonders die Zusendungen der Breslaür, Berliner, Hamburger Komitees, welche die schnelle Durchführung so großartiger Arrangements , wie sie hier getroffen wurden, möglich machten.
Vor allem hat sich der Johanniter – Orden durch schnelles, praktisches Eingreifen ausge-zeichnet. Wir erwähnten schon, daß in Leppersdorf 70 Betten, nebst einer Anzahl von Diakonissen aus Bethanien zu Berlin und einer Anzahl geschulter Wärter, bereits seit dem 27. und 28. Juni (Lazarette Mariannenstift und Bäumchen), daß außerdem Schloß Kreppel-hof als Offiziers Lazarett von demselben Datum ab, in volle Tätigkeit getreten war. Gleich-zeitig waren Kommissaren des Ordens in der Stadt wirksam, um überall schnelle Herbei-schaffung der nötigen Gegenstände helfend einzugreifen, anfangs durch wenige Tage Herr von Luck, dann durch drei Wochen Herr von Knebel – Döberitz aus Berlin, welcher sämtliche Lazarette des Kreises als Kommissar des Ordens bereiste. Gleichzeitig übernahm – als Etappen Kommando am Ort war – Oberst Leutnant Keck von Schwarzbach als Johanniter sie militärische Polizei und die militärische Regelung der Evakuierungen, wodurch dem großen Übelstand der Überfüllung wesentlich abgeholfen werden konnte.“

Ein Militärfriedhof in Landeshut
Nach Beendigung der Kampfhandlungen mußte die Stadt Landeshut einen neün Friedhof für verstorbene Soldaten und Offiziere anlegen:
„Der Tod hat, wie sich bei den schweren Verletzungen und nach erschöpfenden Transporten voraussehen ließ, auch hier viele Opfer gefordert. Im ganzen ruhen hier schon einige fünfzig auf dem neu ausgerichteten Militärkirchhof, welcher auf einer schönen Anhöhe, mit herrlicher Aussicht auf die schlesischen Berge liegt. Unter den hier Gestorbenen befinden sich zwei preußische Offiziere – Hauptmann von Braun und Leutnant Stampe – sowie auch zwei österreichische Offiziere – Haschka und Martin, die beide am Oberschenkel amputiert werden mußten. Die ersten hier begrabenen Österreicher kamen hier sterbend an, so daß man weder Namen noch Regiment sicher erfahren kann.“
Am 22.8.1866 wurde eine Familienanzeige veröffentlicht, welche sich auf Landeshut bezieht:
„Nach Gottes Ratesschluß starb heute unser innig geliebte Freund und treür Kollege, Herr Doktor Alfred Dorsemann aus Wesel an einem schnell tödlich verlaufenden Thyphus. Beim Beginn des Krieges mit freudiger Aufopferung zur freiwilligen Krankenpflege herbeigeeilt, seit dem 2. Juli unermüdlich, Tag und Nacht, sich nur der Sorge für die Verwundeten hingebend, gab auch er als Zeuge treür Liebe zu König und Vaterland sein Leben hin. Allgemein geliebt ist er geschieden; sein Andenken bleibt gesegnet.
Landeshut, 19.8.1866
Dr. Biefel, Oberstabsarzt a. D. und dirigir. Arzt des königlichen Militär Lazaretts, im Namen der Ärzte des Lazaretts“
Nun ein weiterer Beleg, über menschliche und materielle Verluste während eines Krieges, veröffentlicht am 23.8.1866:
„Neiße, 19.8.1866. Gestern Mittag bewegte sich ein langer Traürzug vom Mutterhaus der graün Schwestern durch die Stadt nach dem Jerusalemer Friedhof, voran eine Militärmusik-kapelle. Es war das Begräbnis einer graün Schwester, welche aus einem Lazarett des Kriegschauplatzes krank und hier an Thyphus gestorben war. Die Verstorbene, welche ihr Leben den leidenden Kriegern geopfert, wurde mit kriegerischen Ehren zur Ruhe bestattet. Ihrem Vater geleiteten der erste Kommandant General Leutnant von Lehwaldt und der zweite Kommandant von Trotha. Eine große Anzahl Offiziere und eine Kompagnie Soldaten befanden sich im Leichenzuge.“

Kriegsgefangene Österreicher feiern Kaisers Geburtstag
Der österreichische Kaiser Franz Joseph hatte am 18.8.1866 seinen 36. Geburtstag. Währ-end viele sterbend in den Lazaretten lagen, feierten Kriegsgefangene Österreicher in Glogau Kaiser Geburtstag. Hierzu wurde folgendes am 23.8.1866 in der Zeitung veröffentlicht:
„Glogau, 19.8.1866. Im Lager der österreichischen Kriegsgefangenen herrschte gestern großer Jubel und Freude, das Geburtstagsfest des Kaisers von Österreich wurde gefeiert. Bereits am Vorabend fand ein Zapfenstreich statt, welcher von den Gefangenen mit preuß-ischen Instrumenten ausgeführt wurde. Heute Vormittag fand ein Feldgottesdienst statt. An der Westseite des Lagers war ein Altar errichtet worden, über welchem eine Krone aus Blumen gebildeten Buchstaben F. J. = Franz Joseph angebracht waren. Der Platz vor dem Altar war mit frischem Grün abgegrenzt. An der Seite befand sich eine Tribüne für die gelad-enen Gäste, auf der auch die kriegsgefangenen hier befindlichen fünf Offiziere Platz genommen hatten.
Das Hochamt hielt Erzpriester Wittke ab. Nach Beendigung der kirchlichen Feier trat ein Wachtmeister in die Mitte der Gefangenen und hielt in ungarischer Sprache eine kurze Rede, welche nach dem in Glogau erschienen Niederschlesischen Anzeiger ins Deutsche übersetzt wie folgt lautet:
‚Tapfere Brüder und Kameraden! Wir Gefangenen haben durch unsere Bitte vom hiesigen, löblichen Festungskommando die Bewilligung erhalten, den 18. August als Geburtstag unseres Kaisers Franz Joseph zu feiern. Demzufolge sind hier alle erschienen, um als Gefangene in einem fremden Land nach Möglichkeit auch an diesem Tag die seiner Majestät gebührende Ehre und Achtung zu beweisen und für seine und seiner Staaten Erhaltung zu bitten. Ich fordere von Euch – Kameraden – daß ihr den Ruf einstimmig: Es lebe unser Kaiser und König hoch !‘ –
Die Gefangenen schwenkten die Mützen und ein dreimaliges stürmisches ‚Eljen‘ ertönte durch die Lüfte. Der preußische Kommandant des Lagers – Hauptmann Kellmann vom 2. Bataillon Landwehr Regiment Nr. 7 – war mit mehreren preußischen Offizieren in Paradeuni-form erschienen, eine Aufmerksamkeit, die von den Gefangenen sehr hoch aufgenommen wurde.
Am Nachmittag wurde musiziert, getanzt und Kegel geschoben, Diejenigen Kompagnien, welche es wünschten, erhielten Gulasch ( klein geschnittenes  Rindfleisch stark mit Zwiebeln und Pfeffer gekocht, ein ungarisches Nationalessen ), auch wurde bayrisches Bier und Branntwein verteilt. Während des Tages ist nicht die geringste Störung vorgefallen.“

Besuch der Prinzessin Carl in den Lazaretten Schlesiens
Dieser Artikel vom 24.8.1866 wurde in einer sehr hoch aufgeschraubten Form geschrieben, jedoch sprach allgemein die Bevölkerung 1866 nicht mehr so. Aber für uns heute, spiegelt dieses das Verhältnis zur Monarchie wieder, denn es gibt kaum noch einen der sich an die Zeit vor 1914 zurück erinnern kann und hier uns Auskunft geben kann:
„Nachdem ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin Carl am 14. August Erdmannsdorf verlassen, die Lazarette in Landeshut und Grüssau mit höchster Gegenwart beehrt, beglückt und überall die Trost- und segensreiche – fast an jeden einzelnen der verwundete tapfere Krieger gerichtet – ihre Herzen erquickten, ward die Tour unter anhaltend kalten Wetter und Wind, in offenen Wagen auf einem der unbebahnsteten, fast unbefahrbaren Wege nur langsam stattfindend, über Konradswaldau, Lässig und Gottesberg direkt nach Waldenburg fortgesetzt und die Ankunft daselbst endlich gegen 5 Uhr nachmittags ermöglichst.“
In den Hofnachrichten vom 11.8.1866 gab es eine weitere Notiz über diese Reise:
„Berlin, 10.8.1866. Ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin Carl ist am Mittwoch Abend nach Landeck abgereist, unterwegs die Lazarette in Görlitz und Hirschberg besucht, verweilt heute in Schloß Erdmannsdorf und wird morgen Warbrunn besuchen, wo Höchstdieselbe das Diner bei dem Besitzer Graf Schaffgotsch angenommen hat.“
Am 14.8.1866 wurde über den Besuch der Prinzessin in Hirschberg berichtet:
„Hirschberg, 10.8.1866. Ihre königliche Hoheit die Prinzessin Carl traf gestern hier ein und besuchte das hiesige Kriegslazarett. Von den Mitgliedern der Behörden empfangen und geleitet, nahm die Prinzessin alle Räumlichkeiten in Augenschein und war sichtlich erfreut über die gute Einrichtung und Pflege. Mit den Patienten unterhielt sich dieselbe in teilnehm-ender und leutseliger Weise; die Schwerkranken erfreute sie durch Blumensträußchen. Noch am demselben Abend setzte die königliche Hoheit die Reise bis Erdmannsdorf fort, wo sie einige Tage zu verweilen gedenkt.“
Über die Fortsetzung des Schlesienbesuches wurde am 15.8.1899 weiter berichtet:
„Ihre königliche Hoheit die Prinzessin Carl beehrte gestern von Erdmannsdorf aus auch das hiesige Kriegslazarett (Militär – Kurhaus) mit einem Besuch. Ihre königliche Hoheit wurde an den passend geschmückten Eingang von der Verwaltung des Hauses und im Salon von den dort zur Heilung gegenwärtig anwesenden Offizieren empfangen und ließ sich alsdann von dem Arzt der Anstalt – Dr. Schönfeld – und zwei Mitgliedern des Komitees durch alle Krank-enzimmer und Ökonomie Lokaltitäten führen, die Kranken auf das Freundlichste ansprech-end, befragend und tröstend. Einer derselben – ein Italiener – war hoch erfreut, als die erlauchte Frau ihm in Muttersprache anredete.
Ihre königliche Hoheit verweilte über anderthalb Stunden in dem Lazarett und sprach sich wiederholt sehr anerkennend über die Stiftung und die ganze Einrichtung und derselben aus.
In dem Lazarett werden gegenwärtig neunzehn Offiziere und wechselnd bis einhundert Kranke und Verwundete verpflegt. Der General Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege im Felde – Excellenz Graf Eberhad zu Stolberg – Wernigerode – hat in diesen Tagen sich gleichfalls sehr anerkennend über die allein patriotischen Gaben unterhaltene Stiftung durch folgendes Schreiben an den Vorstand ausgesprochen: ‚Ich habe am 30. Juli mit wahrer Ge-nugtuung das Krankenhaus in Warmbrunn besichtigt; Einrichtung und Haltung derselben scheinen mir vortrefflich und kann ich Ihnen nur vom Herzen gratulieren, so Tüchtiges und Heilbringendes für die Armee gestiftet zu habe‘.
Ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin nahm dem Besuch des Lazaretts bei dem Grund-herren Graf Schaffgotsch das Diner ein und kehrte hierauf nach Erdmannsdorf zurück. Trotz des ungünstigen Wetters war die ganze Bewohnerschaft des Ortes versammelt und hatte den Eingang festlich geschmückt.
Ungeachtet dieser höchst anstrengenden Reise geruhte ihre königliche Hoheit – ohne alle vorherige Ruhe und ohne Erfrischungen einzunehmen – sofort bei den hiesigen Lazaretten vorfahren zu lassen und unter der Geleitung deren Vorstände und des königlichen Landrates Freiherrn von Saurma mit der den höchsten Prinzessinnen unseres Könighauses innewohn-enden, allbekannten und freundlichsten Herzensgüte, jetzt aber auch mit wehmutsvoller Teilnahme gepaarten hohen Würde, auch hier fast alle verwundeten, tapferen Krieger der verschiedensten Regimenter und Waffengattungen unseres herrlich Preußen Heeres nach ihrem Befinden, Geburtsorten, beigewohnten Gefechten usw. bis ins Speziellste zu befragen, Trost und Beruhigung in ihre Herzen und lindernden Balsam in ihre schmerzenden Wunden zu träufeln. –
Sechs Uhr war bereits herangekommen und somit die höchste Zeit da, da ihre königliche Hoheit von dem vorgestreckten Ziele bis Glatz zu reisen, nicht abzuweichen geruhen zu wollen, eine kleine Ruhe und Erfrischung vor der Weltreise anzunehmen. Es ward also unmöglich, noch zwei Lazarette zu besuchen, was ihre königliche Hoheit um so schmerzlich-er bedaürte, je größer höchst dero Verlangen gewesen war, gegen die Vorstände auch dieser Lazarette, von deren nicht minder vortrefflicher Einrichtung unterrichtet, höchst ihre Anerkennung auszusprechen und namentlich den verehrten Fraün und deren geschätzten Vereinen sowie den fungierenden Herren Ärzten. Höchst ihren Dank für ihre aufopfernde und treü Pflege der Verwundeten bezeugen können, welches in ihrem Namen zu tün der königliche Landrat beauftragt ward.
Gegen 7 Uhr Abends geruhten ihre königliche Hoheit zu befehlen, nachdem Höchst dieselbe in dem Hause des Kommerzienrates Alberti hierselbst abgestiegen war, einige Erfrischungen einzunehmen.
Auch bei dieser Gelegenheit thronte die hohe Einfachheit und allergnädigste freundlichste Herablassung in Anerkennung der Empfangsarrangements in so huldvoller Weise, daß die Familie des Hauses davon über aus beglückt diesen Tag als einen hohen Fest- und Freud-entag bis in die fernste Zukunft treu im Gedächtnis bewahren wird. –
Erst gegen 8 Uhr bestiegen ihre königliche Hoheit den Wagen zur Weiterreise nach Glatz, von wo aus die hohe Frau den andern Tag die Lazarette in Reinerz und Cudowa zu besicht-igen geruhen wollten, um noch vor Beginn der in Landeck zu gebrauchenden Brunnen- und Badekur die Erfüllung höchst- und Herzenswunsches zu erzeilen, ‚überall Kenntnis von der Lage der Tapferen, auf dem Felde zu Ehre und des Ruhmes unseres Hoch erhabenen Königs und Herrn und des dankbaren Vaterlandes gebluteten Landeskinder Höchst dieselbe
zu gewinnen und Trost und Linderung zu bringen‘.
Gott der Herr segne die Kur ihrer königlichen Hoheit und lasse höchst dieselbe noch lange, lange Jahre als ein Vorbild hoher Fraünwürde und Herzensmildtätigkeit den Töchtern des Landes vorleuchten.
Waldenburg, 18.8.1866
H. W. A., Veteran a. d. Befreiungskriegen.“

Schicksal des Reichenberger Postschimmels
Da ab Ende August 1866 die Nachrichten aus Böhmen und Österreich wieder besser liefen, wurde in der Neün Preußischen Zeitung, am 11.9.1866 ein Bericht aus der böhmischen Stadt Reichenberg abgedruckt:
„Der Reichenberger Postschimmel. Aus der in diesem Krieg viel genannten böhmischen Grenzstadt Reichenberg, berichtete man der Boehmia unterm 24.8.1866 folgende tierische Geschichte:
Der Handel lebt sich wieder, wenn auch langsam, die Leute kehren zurück und sogar unser Postschimmel fand gestern nach einem sechswöchigen unfreiwilligen Ausflug die altgewohn-te Stätte wieder, er, der seit Jahren die Briefcarriole aus dem Postgebäude auf den Bahnhof befördert. Die Bevölkerung hatte sich daran gewöhnt, diesen Schimmel täglich nach des Tages Last und Mühen allein ohne Führer aus dem Postamt mitten durch die Stadt in das ziemlich entfernte Poststallgebäude wandeln zu sehen, wo er sich selbst die Tür öffnete, um sich darauf beqüm zu machen. Hierbei schritte er immer so bedächtig dahin, daß man gar nicht nötig hatte, ans Ausweichen zu denken, da er dies – namentlich Kindern gegenüber – mit viel Verstand selbst besorgte. Ob dieser erprobten Gutmütigkeit ward es allgemein bedaürt, als ihm auch das Schicksal traf requiriert zu werden und gar, - als sein Führer mit der Anzeige, daß der Schimmel für immer für seinen Besitzer verloren sein dürfte, zurück-gekehrt war. Da – gestern – ereignete es sich, daß ihm ein preußischer Marketender als erbeutetes Handpferd durch die Stadt bringt. Auf dem Weg zum Poststall vorüber kommend, verweigert der Schimmel plötzlich seinen Gehorsam: er ist nicht mehr fortzubringen. Mittler-weile hatte sich zahlreiches Publikum jubelnd um den alten Bekannten versammelt und lärmend dessen Herausgabe verlangt, die auch – jedoch nur durch einen Machtspruch des Herrn Etappen – Kommandanten – erlangt wurde, worauf unser Schimmel, geleitet von einer jauchzenden Jugend, wieder ganz allein und ohne jede Leitung standhaft verschmähend dem gewiß lang ersehnten Stall zu trottend.“

Besuch des Kronprinzenpaares in Kreppelhof und Kloster Grüssau
Der preußische Kronprinz dem späteren Kaiser Friedrich, dem 99 Tage Kaiser, welcher mit einer Tochter der englischen Qüen Victoria vermählt war, besuchte mit seiner Gattin zu-sammen von Berlin aus das Schloß in Erdmannsdorf, welches der königlichen Familie ge-hörte. Dann unternahm das Kronprinzenpaar eine Reise in den benachbarten Landkreis Landeshut, um den Grafen zu Stolberg – Wernigerode, dem Schloßherrn von Kreppelhof zu besuchen. Mit diesem Grafen wurden im Anschluß die Lazarette in Landeshut und Grüssau besucht, wo noch viele Verwundete ihrer Genesung ausharrten. In der neün preußischen Zeitung vom 16.9.1866 wurde hierüber berichtet:
„Landeshut, 12.9.1866. Besuch der kronprinzlichen Herrschaften. Der Breslaür Zeitung entnehmen wir folgendes:
Heute Nachmittag trafen ihre königliche Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Erdmannsdorf auf Schloß Kreppelhof ein, besuchten in Begleitung des Grafen und der Frau Gräfin zu Stolberg – Wernigerode gegen 4 Uhr die hiesigen Lazarette, woselbst die höchst dieselben sich teilnehmend bei jeden einzelnen Verwundeten nach seinen Zustand erkundig-ten und trostvolle Worte an dieselben richteten. Seine königliche Hoheit der Kronprinz fuhr hierauf nach dem Kloster Grüssau, um auch den dortigen verwundeten Kriegern Aufmerksamkeit zu widmen. Morgen wird höchst derselbe nach Erdmannsdorf zurück-kehren.“
Der Besitzer von Kreppelhof, welchem damals der kronprinzliche Besuch galt, war Eberhard Graf zu Stolberg – Wernigerode, geb. 11.3.1810 in Peterswaldau in Schlesien, gest. am 8.8.1872 in Johannisbad in Böhmen, preußischer wirklich geheimer Rat, Präsident des preußischen Herrenhauses, später Oberpräsident, verheiratet seit dem 26.5.1842 mit Marie Prinzessin Reuss j. Linie, Tochter des Prinzen Heinrich Reuss.

Freudenfeür auf den Bergen der Oberlausitz
Auf dem Berg in Dubrau Kreis Rothenburg an der Grenze zu Schlesien und Sachsen, wurden im September 1866 Freudenfeür angezündet, hierüber berichtete die neü preußische Zeitung am 26.9.1866:
„Aus der Oberlausitz, 21.9.1866. Patriotisches. Ein Aufruf, Freudenfeür am Abend des 20. Septembers auf den Höhen des Preußenlandes auflodern zu lassen, hat die regste Beteilig-ung bei den Bergbewohnern unserer Provinz Schlesien gefunden. Von der höchsten Fels-kuppe der Dubrau aus, welcher die Gemeinden, Ober- und Nieder – Oelsa ein hoch lodern-des Feür unterhielten, hatten die zahlreich Versammelten eine herrliche Rundsicht auf die überall im Feürschein glühenden oder glimmenden Höhen der preußischen Oberlausitz. Weithin durch die Nacht schallten die begeisterten Lebehochs auf König Wilhelm und Klänge des Preußenliedes, welche der gehobenen Stimmung Ausdruck verliehen.
Die Dubrau bildet den letzten Ausläufer der Lausitzer Gebirges. Was der Rigi in der Schweiz, ist die Dubrau für die Lausitzer, Schlesischen und Böhmischen Berge. Die Rundsicht von der steil abfallenden Felskuppe ist außerordentlich schön und weit. Der herrliche, mondhelle Abend ließ die Konturen der Bergformen deutlich hervor treten. Überall hatte man die Bedeu-tung des Freudentages gewürdigt; wie die Leuchttürme glühten die Feür auf den entfernten Spitzen durch die Nacht. Selbst in Sachsen bemerkte man einzelne Feür.“

Opferbereitschaft des Landkreis Landeshutes
Am 21.9.1866 erschien noch mal ein Artikel in der neün preußischen Zeitung, indem wieder die hohe Opferbereitschaft der Bewohner des Landkreises Landeshut gewürdigt wurde:
„Von Lazaretten.
Landeshut in Schlesien, 17.9.1866. Der Landkreis Lanndeshut hat wohl zu den Kriegsleis-tungen verhältnismäßig am meisten beigetragen. Schon im Mai fanden die ersten mit starken Vorspannleistungen verbundenen Truppenkonzentrationen im Kreis statt. Seit den Schlacht-en von Trautenau und Königgrätz aber haben an 7000 Verwundete beider Armeen entweder gänzliche Aufnahme oder durch vorübergehende Verpflegung und ärztliche Behandlung im Kreis Landeshut gefunden. Es gehörte die ganze Anspannung der Kräfte der dazu berufenen Kreis- und Gemeindebeamten und so eine lebendige Teilnahme der Bevölkerung, wie des Landeshuter Kreises dazu, um zunächst nur die unmittelbarsten Bedürfnisse des Unterkom-mens und der Verpflegung so vieler Verwundeter aus Privatmitteln notdürftig Sorge zu tragen zu können. Stadt und Land wetteiferten in der Hergabe der Utensilien und den Ver-pflegungsmitteln zu den überall eingerichteten Lazaretten, deren Zahl sich auf sechzehn steigerte und ein großer Teil der Verwundeten fand überdies in den Wohnungen von Privat-personen liebevoll Aufnahme und Pflege.
Noch jetzt – nach fast drei Monaten – befinden sich in den Schlössern der beiden Kreise ansässigen Johanniter – Ritter, deren Tätigkeit auch hier angenehmste Anerkennung erwor-ben, und in der Privatwohnung des Kreisrichters Theremin zu Landeshut Verwundete beider Armeen, die daselbst glücklich geheilt worden sind.
Wenn gesagt worden ist, daß in diesem Krieg Humanismus in Preußen dieselben Triumphe wie die preußischen Waffen gefeiert hat, so trifft dies hervorragend im Landeshuter Kreis zu. Seine königliche Hoheit der Kronprinz nebst seiner Frau Prinzessin Gemahlin, welche vor einigen Tagen vom den dem Grafen Eberhard zu Stolberg gehörigen Schloß Kreppelhof aus – woselbst die hohen Herrschaften übernachteten – die Lazarette besuchten, ebenso wie schon früher die Frau Prinzessin Carl, haben zur großen Freude der Bevölkerung sich auch hier anerkennend über die Aufnahme der Verwundeten im Kreis Landeshut geäußert, und auch seine Exzellenz der Herr Ober Präsident von Schlesien, der Freiherr von Schleinitz, hat schon vor einiger Zeit überall an Ort und Stelle mit Befriedigung von den meist aus Privat-mitteln entstandenen Lazaretteinrichtungen Kenntnis genommen. Mögen auch alle die Geber und Gaben von außerhalb sich überzeugt haben. Den aus den Kreise in die Heimat zurückkehrenden Ärzten, den Herren Dr. Biefelt und Hoffmann, gebührt aber vornehmlich für ihre aufopfernde Tätigkeit und organisatorischen Talente bei ihrem Scheiden Names der von ihnen behandelten Verwundeten der öffentliche Dank.“

Freudenfeür auch auf den Höhen des Qüistales
In der neün preußischen Zeitung wurde am 27.9.1866 berichtet, das auch in einer der reizvollsten Landstriche Schlesien, auf den Höhen des Qüistales im Kreis Löwenberg Freudenfeür entzündet wurden:
„Aus dem oberen Qüistale, 24.9.1866. Wie allgemein die Freude der Bevölkerung ist unter Gottes sichtbarem Schutz vollbrachten Taten unseres Heeres, wie dankbar alle Schichten des Preußenvolkes gegen ihren geliebten König und Landesvater und sein Heer sein wollen, das haben die letzten Wochen und Monate genügend bewiesen. Ein erneutes Zeichen des Dankes und der innigen Freude gab sich auch hier an dem Tag kund, an dem seine Majestät der König an der Spitze seiner Krieger in Berlin seinen Siegeseinzug hielt. Am Abend dieses Tages sah man auf allen Bergen zu beiden Seiten des Qüistales unzählige mächtige Sieges- und Freudenfeür leuchten, die weithin – selbst über die Grenzen unseres Landes nach den angrenzenden Böhmen hin – ein strahlendes Zeichen davon gaben, wie die hiesige Bevölkerung von patriotischer Liebe erfüllt und mit ihrem König und seinem Heer die Freude teilen wollen, die ihnen Gott der Heer an diesem Tag verliehen. Unter lauten Jubel, begleitet von ununterbrochenen Freudenschüssen, wurden auf den Straßen und allen erleuchteten Bergen die preußischen Vaterlandslieder aus dankerfüllten Herzen angestimmt und gesungen. Diese kundgebende Freude lebt in aller Herzen fort.“

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Teil 6