Der aale Seeger

Als geborener Landshuter bin ich früher jedes Jahr zu Besuch nach Landeshut gekommen. Als ich einmal meinem Onkel, den Uhrmachermeister Springer in der Wallstraße besuchte, erlebte ich nachstehende Unterhaltung, die mit viel Vergnügen gemacht hat und die ich hier in schlesischer Mundart wiedergeben möchte.

Ei a Loadn koam anne Paürfroo mit am Kurbe rei. „Schien duda Murgn! Iech breng ock insern aala Seeger; mei Moan hoot`n rundergeschmissa, und nu gieht a nimme.“

„Nanu, wie ies denn doas possiert?“ woar die Froage.

Na, doas weil Ihn`glei derzähln. Vurigen Sunntich hotta m`r Stiftungsfest vom Militärvereine, und a poar Fraß- und Schißbuda woarn oo doo. Oabends woar mei Moan eia Kratschn geganga un ei dr Nacht turklich heemgekumma. Ei dr Nacht hott a dann ne eis Bette gefunda und hott sich ei der Stube uffs Sofa geläht. Doas woar ganz gutt. Aber mitta ei dr Nacht hier ich`n uff eemol prilln und gleich druff a Gepulter. Ich stieh uf und mache Licht und doar sah iech die Bescheerung! Do loag nämlich inser aaler Seeger unda uff die Diele, und mei Moan soaß ganz verdreht uff`n Sofa und soate: „Bies ock ne biese, Emma, mir hoat getreemt, is wullte mich enner erschissa, do hoa iech um Hilfe geprillt. Dobe muß iech mit`m Hemdsärmel oam Perpentickel hängagebliebn sein. Do ies derr Seeger zürscht uff miech und dann ei die Stube gefolln.“ Woas sullte iech nu dazu soan? Is Verrickste ies, woas `m getreemt hotte. A meente: „Weeßte, war mich erschiessa wullte? Da Schißbudamoan! Iech gucjte oabends zu, wie geschussa wurde. Do stoand a bemoalter Moan aus Blecj, da zum Uffziehn ging. Dar machte egoal sei Maul uf und zu. Jedesmol, wenn as ufmachte, froaß a  a Kließla, kee richtiges, ock ees aus Gips. Uff die ruffkummada Kließla mußte ma schissa, daaß se dam Blechmoane eim Maule zerplotzta. Da Schißbudamoan mit dam grußa Maule ies mir nu ei der Nacht eigekumma; a hoote salber a Gewehr und zielte uf miech.“ Honn de denn su anne Verricktheit schunn amol gehiert? - - -

Na, kurz und gutt, oam andern Murgn honn mir a Seeger wieder uffgehanga, aber a tickte bluuß a poarmoal, dann blieb a stiehn. Mei Moan soate: „Do wärscht a halt missa miete no Landshutt nahma, wenn de uff a Moarkt giehst“. Und nu breng iech a Invaliden.“

„Es is gutt, Froo Kretschmern“, meente derr Meester, „ich wird sehen was kaputt ist, in 14 Tagen können Sie ihm wiederholen.“

Der Kratschmern schimpfte beim Nausgiehn: „Muuß m`r der Aale die Uhre runderschmeißa! Na, laba Se ock gesund!“


Willi Schien, Düsseldorf

 

Titel der folgenden Geschichte in  Oberlausitzer Mundart von Rudolf Gärtnerist mir unbekannt?

Hier bitte ich um Hilfe.

 

"'s koam amo Ennr zu mir, woas kenner aus der Äberlausitz woar, dar wullte  uf Äberlausitzsch woas viertroin, ich sellt'sn waign derr Aussprooche iebrhiern.
Ich soite: ,Na, doo schißt ock luus!' Und a fungk oa. Ar hott aber 'n  Zungenschlaag nö richt'g wegk, ar kunnte sei Schmecklappel nä wie sichs gehurrt an Maule rimwelkern, derrmitte klong olls su troige, 's woar kee Soft  hinne.

,Halt!' soit ich, ,woart amo! doo miß merr irschtert a boar Vuriebungn machn derrzu! doas mit dan ,r' is noo nä richt'g und doas mit ,l' o nä; Soit amo: ,rrr'-
,r' machte dar. -
Nee, Ihr mißt de Zunge ubm on Gubm oalähn, su ,rrr'. Nu soit amo Rrrhabarrrberrr'.
,Rhabarber'- ,Nee, Rrrhabarrrberrr'.
,Rrhabarrber.' Nu, doas is no kenner, darde ei derr Äberlausitz gewachsn is. -  Doo hoa 'ch Euch amo woas uhfgeschriebn dohiet, ich waarsch Euch amo vierlaasn, doas laast Ihr derrnoo amo:

,Ei Ruppersdorf doo rissn de Riepl Rießler-Reinhulds Runkelriebm raus und ei Reinsch-Richards rutn Rampler-Rusn-Rankn rupptn die Rajkl o noo droarim!'
Na, ich ducht mersch ju glei - 's woar nischt nä.
Mitm ,L' gings glei goar nä. Ich goabm doo an annern Zädl: Nü laast amo:
Lucke-Lobl, Lurenz-Laberächt und Liebschersch-Lui ei Lekkerschdurf giehn ei  leisn Laderlotschn und lussn 'ch lange schunt lange Loodn wachsen!'

Nu loas darsch groade wie's enner macht, darde vermeinswägn aus Berlin is.

,Nee', soit ich doo, ,nahmt merrsch nä iebl, a Edlruller wardt Ihr eim Labn nä'."
 

 

Heimatgeschichtlicher Beitrag aus meiner Kindheit

(von Günther Böhm, Upstate New York)

 

Die wenigen noch verbliebenen deutschen Familien in Friedland (ca.1947) machten  sich nun Gedanken, wie sie ihren Kindern, welche nun das schulpflichtige Alter  erreicht hatten, das Lesen und Schreiben beibringen könnten. Schulisches Lernen war für deutsche Kinder verboten und erst später wurden sie in polnische Schulen aufgenommen.
Der alte Lehrer Rudolph war noch in der Stadt zurückgeblieben. Seine Frau war  gelähmt und bettlägerig. Aus ihrer Wohnung in den Beamtenhäusern waren sie hinausgeworfen worden. Sie hatten also nichts mehr, was noch gegen Lebensmittel "zu versetzen" wäre. Rente gabe es auch keine. Lehrer Rudolph wohnte jetzt in einer einräumigen Dachgeschosswohnung in der Schweidnitzer Strasse, schräg gegenüber der Post. Er bot sich an, uns Kindern das ABC beizubringen. Bürgelt Hans - mein Freund - (wo lebst Du heute?!) und ich waren seine ersten Schüler. Nach wenige Wochen waren wir dann um die sieben Kinder. Die Eltern unterstützten  den Lehrer mit Kartoffeln, Kohle, Holz und Brot.

Jemand muss uns angezeigt haben, denn eines Tages stürzten drei Milizmänner  und eine polnische Frau in die kleine Wohnung. Wir Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren und Lehrer Rudolph vorneweg, wurden nun mit Maschinenpistolen - die russischen mit der Trommel - über den Ring durch die Unterlauben zur  Polizeistation in der Braunaür Strasse abgeführt. Wir Kinder heulend in Zweierreihe händchenhaltend. Es muss ein erbärmliches Bild gewesen sein. Ein  etwas älterer Junge rannte weg, den Brauberg hinunter. Er hatte sicherlich seine Mutter alamiert. Eine deutsche Frau arbeitete beim polnischen Bürgermeister im Haushalt. Denn, kurz nachdem wir in der Polizeistation angekommen waren, klingelte das Telefon. Vermutlich vom Bürgermeister, der die ganze Aktion missbilligte. Der alte Lehrer Rudolph kam in eine Zelle. Wenig später kamen die  Mütter und holten uns Kinder ab. Sie mussten aber versichern, uns nicht mehr  zum Unterricht zu schicken. Lehrer Rudolph wurde abends wieder nach Hause entlassen.

Die Eltern machten sich nun Sorgen, wie es mit dem Lernen weitergehen sollte,  denn eines Tages würden wir doch Schlesien verlassen müssen, und dass wir dann gegenüber den anderen Schülern nicht zu weit zurückliegen sollten. Lehrer  Rudolph kam dann zu uns in die Wohnung und manchmal zu Bürgelts, um Hans und mir Unterricht zu geben. Einmal kam ein Mann vom Magistrat in unser Haus und Lehrer Rudolph konnte sich noch rechtzeitg in unserer Schlafkammer hinter einem  Schrank verstecken.

Wir wurden im Sommer 1948 ausgewiesen. Dank dieser vorschulischen Unterrichtung  wurde ich dann in Sachsen als Neunjähriger gleich in die zweite Klasse eingestuft und nach ein paar Wochen kam ich in die dritte Klasse.


Die Fabel vom schlesischen Streuselkuchen

Veröffentlicht vom M. Furian im schlesischen Gebirgskurier am 1.12.1972


Streuselkuchen, Streuselkuchen – Lieblingskuchen aller Ober-, Mittel- und Niederschlesier! Was sind schon Feiertage und Festtage ohne Streuselkuchen – halbe Feiertage und halbe Feiertage sind ein fast Nichts. Die schönsten Kuchen und Torten können sein, Streuselkuchen aber muß sein. Das umso mehr, als des Streuselkuchens Wiege in Schlesien, genaür gesagt in Oberschlesien und ganz genau: im Kreis Gottkau gestanden hat. Freilich, freilich – es waren keine Menschenkinder die ihn erfanden – o nein, wie sollten sündige Menschen einen solchen wunderbaren Kuchen erfinden. Das waren vielmehr die Fenismännlein, kleine zwergenähnliche Gestalten, die in den Hügeln in Feld und Wald ihr Wesen trieben und gute Küchenmeister waren. Bei ihnen erlernte ein Mädchen, das arm wie eine Kirchenmaus war – doch nein, ich will nicht vorgreifen, sondern die Geschichte vom Streuselkuchen der Reihe nach erzählen:

Da wohnten vor langer, langer Zeit, als noch das ganze Land ein großer Wald bedeckte, in der Grottkaür Gegend die kleine Fenismännlein. Sie waren als Küchenmeister bekannt. Manches gute schlesische Gericht sollen sie zürst zubereitet haben. Menschen die ihnen Gutes erwiesen hatten, durften ihnen zum Lohne es ihnen absehen und nachmachen.

Am liebsten von allen Menschen aber waren ihnen schöne Jungfraün. Denen zeigte sie beim Pilze sammeln die prächtigsten und Pilze und warnten sie vor den giftigen. Auch Beeren wiesen sie ihnen und teilten mit wie aus den Pilzen eine schmackhafte Speise, wie man aus den Beeren ein würziges Mus kochen könne. Auch heilsame Kräuter suchten sie zusammen und lehrten ihre Lieblinge manchen duftenden Tee und manch heilkräftiges Tränklein zu bereiten.

Als dann an vielen Stellen der Wald gerodet wurde und an seiner Statt goldene Weizenfelder wogten, zogen die Fenismännlein daraus auch ihren Nutzen und buken so herrliche Kuchen, daß wer sie einmal gekostet hatte, das nie vergessen durfte.

Eine junge Magd, die eines Tages auf dem Acker das Unkraut jäten sollte, hörte auf einen Hügel ganz deutlich das Klappern von aufeinander geworfene Kuchenblechen. Halt dachte sie, das werden die kleinen Fenismännlein sein. Wenn man doch von ihnen lernen könnte, so gut wie sie kochen und backen.

Das schöne, aber arme Mädchen liebte einen jungen, schmucken Burschen und wurde von ihm herzlich und treu wieder geliebt. Weil sie aber eine arme Waise war, die nichts hatte, als was sie sich mit ihrer Hände Arbeit verdiente, wollten die Eltern des Burschen nichts von ihr wissen. Denn sein Vater war der reichste Baür im Dorfe. So durften sich der Bursche und das Mädel nur selten sehen. Sie sannen daher Tag und Nacht, wie sie die Herzen der Eltern erweichen konnten.

Die Magd dachte nun, es könnte nun von großen Nutzen sein, den Fenismännlein ihre Künste abzugucken. In der Zeit der heiligen zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Neujahr ging sie in den Bereich der kleinen Wichte. Alsbald erschien eine große Anzahl der Männlein und lud sie in den Berg hinein.

Froh folgte sie den Zwergen, denn nun sollte ja ihr Wunsch erfüllt werden. Sie ließ sich von ihnen alles erklären und zeigen; besonders aber wie sie Kuchen buken, wollte sie lernen. Da sie sehr anstellig war und gut aufpaßte, hatte sie es rasch begriffen.

Nun hielt sie es nicht mehr länger in den Bergen. Heimlich stahl sie sich davon und kehrte zu ihrem Baürn zurück.

Als die lustige Faschingzeit gekommen war und in allen Häusern sich die Tische und Wandbretter unter den schönen Kuchen bogen, da hatte die Magd auch einen herrlichen Kuchen gebacken. Wer davon aß, erzählte es seinen Nachbarn. Der lief nun gleich zu dem Baürn, wo die Magd diente, und wollte auch von dem köstlichen Gebäck haben. So hörte auch der reiche Großbaür davon. Er kam mit seiner Frau und bat um ein Stück von dem Kuchen.

Als er von den ersten Bissen gegessen hatte, schnalzte er mit der Zunge und schlug vor Vergnügen klatschend mit der Hand auf seine Lederhose. Das war allemal der höchste Ausdruck seiner Zufriedenheit. Auch seine Frau mundete der Kuchen über die Maßen. Sie stieß ihren Mann an und sagte: „Du, wenn das Mädchen solchen Kuchen backen kann, dann, mag sie auch arm sein, können wir sie schon als Schwiegertochter brauchen.“ Der Mann war einverstanden. Sie ließen schnell ihren Sohn kommen und verlobten ihm noch in der selben Stunde mit dem braven geschickten Mädchen. Die wurde nun eine glückliche und reiche Baürsfrau. Sie brauchte nicht mehr so zu plagen, sondern herrschte selbst über Mägde und Knechte.

Eins aber ließ sie sich von niemanden mehr aus der Hand nehmen, das Kuchen backen. Das konnte auch keine so gut wie sie.

Mit der Zeit kam das Rezept zu den Kuchen unter die Leute. Man nannte ihm Streuselkuchen. Die Fenismännlein haben ihre Sache gut gemacht, denn wo in aller Welt liebte man nicht so ganz besonders – den schlesischen Streuselkuchen.

 

 

Rotwein aus dem kleinen Teich

Veröffentlicht am 20.8.1972 im schlesichen Gebirgkurier


Geheimnis um Riesengebirgsschatz gelüftet
Polnische Taucher haben nach monatelanger Arbeit das Geheimnis um den vermeintlichen Schatz in 1183 m hoch gelegenen „Kleinen Teich“ im Riesengebirge gelüftet, schreibt das Oppeler Parteiorgan

„Trybuna Opolska“. Angeblich, so war gerüchteweise zu vernehmen, soll der letzte deutsche Besitzer der Teichbaude vor seiner Flucht 1945 im Kleinen Teich den Schatz versenkt haben, über der jedoch niemand genaüre Angaben machen konnte. Überdies habe man in letzter Zeit des öfteren entdeckt, daß sich das Wasser des kleinen Teiches rötlich verfärbt habe. Sporttaucher wurden beauftragt, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Sie entdeckten jetzt, daß auf den Grund des Gebirgssees unzählige Eichenfässer mit Rotwein lagerten. Eine Weinprobe aus einen geborgenen Faß ergab, daß der Wein köstlich schmeckte und sehr bekömmlich war.


 

 

Zur RSS-Feed Seite
Unser Online Shop

Publikationsstand dieser Seite:02/04/08

 

DSL Banner Nr. 15 

Geschichten