Der Mai:
Hier wieder mal etwas, der Jahreszeit angepasstes, aus Schlesien.
(von Hugo Eichhof, aus "Wie`s früher war in Schlesien.)
Wonnezeit daheim.
Für den ersten Mai holten die Burschen aus fremdem Walde eine hohe Fichte als Dorfmaien, deren Äste bis in die Spitze heran abgehackt wurden. Bunte Bänder schmückten die Spitze und den unterhalb aufgehängten Kranz. Der Maien wurde auf dem Dorfplatz aufgestellt. In der Nacht musste er bewacht werden, damit er nicht gestohlen wurde. In manchen Dörfern stellten die Burschen ihren Liebsten einen kleinen Maien vor das Kammerfenster oder oben in den Schornstein. Übel
verleumdete Mädchen erhielten einen Strohmann, mit altem Blechgeschirr behangen, vor das Fenster gepflanzt. Jugendvereine tanzten unter dem Maien den Maitanz. Der 4. Mai mit St. Florian darf nicht vergessen werde. Er war der Festtag
der Leobschützer Feürwehr seit Altersher. Hatte der Heilige doch jenes schreckliche Feür, das am Rossmarkt durch Dörren von Flachs in einem Backofen entstanden war, auf bitten der Menschen mit einem prasselnden Regen gelöscht. Von diesem Ereignis zeugte ein altes Ölbild , das in der Robener und in gleicher Ausführung in der Roßwalder Kirche gehangen hat. Unsere wackeren Floriansjünger führten nach einem feierlichen Hochamt eine zünftige Feürwehrübung vor. Nachmittags gingen oder fuhren sie mit Kind und Kegel in den Stadtforst, wo mit Weberbaürbier tüchtig der Durst gelöscht wurde. Oft goss St. Florian aus seinem Krug einen prasselnden Platzregen über die feurigen Herzen aus. Pfingsten mit seinem duftenden Birkengrün, den grünen Röcken und Hüten der Schützengilde und dem leierkastenlauten Pfingsttrusch war da. Man führte als "Pfingstochse" Seine neün Kleider aus. Mit Musik wurde der alte Schützenkönig abgeholt, und in Reih und Glied, die Büchse geschultert, ging es zum Schießstand hinaus. Voran sprang der Zieler in seinem roten Frack und mit der Zielscheibe am Stab Alt und jung begleiteten den stattlichen Zug. Dann knallten die Büchsen, Schützenkönig und Marschälle wurden eine Woche lang ausgeschossen, wobei manches Glas Zielwasser hinter die Binde gegossen wurde. Nicht billig war das Königsessen mit Königs- und Marschallwürde. Zum Schluss war bei manchem Schützen die Kasse leer und der Kopf voll und schwer. Die übrige Bürgerschaft füllte sich beim Pfingsttrusch den Magen mit Süßigkeiten, Würsten und Getränken. Die Jugend belagerte die Buden und paschte an den verschiedenen Glücksständen. Beim Glücksrad drängten sich Glücksritter und Gaffer. Karussell, Luftschaukel, Berg- und Talbahn und Riesenrad lockte. In den Schießbuden wurden allerlei Gewinne ausgeschossen. Nebenan schrie einer: " Haut den Lukas" Der Pfingstochse wurde geschlagen, dass er brummte und der Sieger ging stolz mit seinen goldenen Medaillen zum Biertisch. Es war schaurig schön, dabei zu sein. Nur das Geld reichte nicht, um alle Genüsse auszukosten. Pfingsttrusch in unseren Kinderjahren - wenn am Abend die Maikäfer schwirrten und von ferne die Drehorgeln in unsern Schlaf klangen! O du Zeit ohne Sorgen und Ängste, wie bist du so weit! - Johannisfeür flammen in unserm Erinnerungstraum von den Höhen und Bergen auf. Am schönsten war es auf dem Huhlberge. Am Tage zogen die Burschen einen mit bunten Papierschleifen geschmückten Wagen unter lautem Hü und Hott durch das Dorf. Alte Besen, alte Körbe, die das ganze Jahr hindurch gesammelt worden waren, und auch so manches Bündel Holz fanden sich auf dem Wagen zusammen, der unter Jubel auf den Huhlberg gefahren wurde. Zwischen einzelnen Gehöften oder auch vom Baürn - zum Auszugshaus waren Schnüre gezogen, die mit bunten Papierbändern und den leuchtend gelben "Knillperlen" (Maürpfefferblüten) geputzt waren - vielleicht eine Erinnerung an Gott Donar, dem Hauswurz und Maürpfeffer geweiht waren. In Hohndorf hängte man Kränze über Einfahrt und Stalltüren. Nach der abendlichen Herz-Jesu-Andacht zog ganz Bratsch auf den Huhlberg. Sobald es dunkel wurde, flammte der hoch aufgeschichtete Holzstoß auf. Burschen hielten geteerte Besen in die Flammen und schwangen sich als Sonnenrad im Kreise. Sie sprangen mit ihren Mädeln über das niederbrennende Feür. Je höher sie sprangen, desto höher würde der Flachs emporschießen. Der Rauch, den der Wind über die Felder blies, machte diese nach altem Glauben fruchtbar. . Vieles vom Sinn des Johannisfeür war aber schon vergessen. Nur die Freude am auflodernden Feür, das den Johannissegen über die Felder bringen sollte, war geblieben.
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