Osterbräuche in Ost und West und in Schlesien 

Der nachfolgende Artikel wurde von Heinz Kulke unter „Christus ist auferstanden!“ am 10.4.1966 im schlesischen Gebirgsboten veröffentlicht.

 Ostern ist ein altes Fest mit ursprünglicher heidnischer Bedeutung, denn man beging ja bei unseren germanischen Vorfahren das Frühlingsfest zu Ehren der heidnischen Göttin Ostera, die dem Fest ihrem Namen geliehen hat: „Ostara – Fest, Osterfest, Ostern“. Die Kirche hielt es angebracht, dieses heidnische Fest mit zu übernehmen und als das große, bedeutende Ereignis der Auferstehung Christi weiterhin begehen zu lassen. Aber Frühlingsfest und Auferstehungsgedenken  sind so nahe mitein-ander verwandt, daß die österliche Bräuche bezüglich ihrer heidnischen und christlichen Herkunft kaum voneinander zu trennen sind.

Der „Sonnen – Oster – Tanz“

In vielen Gegenden Schlesiens hegte man den Glauben, daß die Sonne in der Frühe der Ostertage drei Sprünge – die man deutlich sehen könne – mache, weil ja Christus vom Tode auferstanden und darüber aller Kreatur und alle Dinge im Himmel und auf Erden voll Freude wären.

Man kann deshalb alte Leute aus dem Kreis Görlitz, aus dem Kreis Sprottkau, aus dem Kreis Glogau – dort konnte ich den Glauben mit Sicherheit nachweislich verbreitet finden, er mochte jedoch auch in anderen Gegenden Schlesien bewahrt worden sein – erzählen hören, daß man am Ostermorgen hinaus gegangen sei, auf einen Hügel oder einen Berg, um die Sonne beim Aufgang, wenn sie sich allmählich zu sehr früher Stunde über den Horizont schob, drei Sprünge machen zu sehen.

Was mag es nun mit diesen drei Sprüngen, mit diesem Tanzen der Sonne auf sich haben ? Unsere schlesische Dichterin Ruth Hoffmann hat in einer feinsinnigen Erzählung „Die tanzende Sonne“ diesen Aberglauben literarisch verbreitet. Und wir schlagen ein altes Buch aus dem Jahre 1743 auf, indem wir aufgezeichnet finden, was ein sehr gescheiter Mann, ein Literat und Historiker zu jener Zeit über den Sonnen – Oster – Tanz zusammengetragen und niedergeschrieben hat.

„Sonnen – Oster – Tanz. Es hat das gemeine und in natürlichen Dingen ungewisse Volk schon vor langer Zeit geglaubt , daß, wenn die Sonne an dem Oster – Tage aufgehe, so tü sie in der Höhe drei Freudensprünge, welche Bewegung der sie „Sonnen – Tanz“ nennen, daher es auch geschieht, daß an einigen Orten das Volk am Ostertage vor dem Sonnenaufgang hinaus laufe und die Sonne tanzen sehen will. Ja, es nicht dabei geblieben, sondern es haben einige sogar in die Predigt- oder auch in die Gebetbücher gesetzt und damit eine große Festandacht erwecken wollen; allein es ist eine pure Einbildung und die ganze Fabel rührt daher.

Es hat die Sonne im Frühling bei ihren Aufgang wie einem Schwindel, nicht als wäre solcher in einem Körper der Sonnen selbst, sondern weil um selbige Zeit die Erde aufgeht, so ist die Luft voller Dämpfe, zumahlen auf dem Gesichtskreis, und weil diese Dämpfe immer in stetiger Bewegung sind, also wo man die aufgehende Sonne durch solche Dämpfe ansieht, so läßt es, als ob die Sonne selbst hin und wieder ginge, und daraus hat der gemeine Mann diese Sprünge ersehen, damit dieses Fest ja auch nicht ohne Aberglauben wäre. Da doch dergleichen Bewegung der Sonne nicht nur auf den Oster – Tag, sondern auch vor und nach Ostern, wenn es helle Wetter ist, und zwar nicht nur Morgens sondern auch Abends, wenn die Sonne zum Horizont kommt, bemerkt wird. Und eben durch dergleichen Bewegung hält man bei Sonnenfinsternissen davor, ob zittere die Sonne und widerstrebe gleichsam der Verfinsterung, da doch solches gleichsam von der Luft herrührt.

Es kann der Sachen Gewißheit durch folgendes Exempel bestätigt werden: Sehen wir bei hellen Mittag durch ein brennendes Feür in die Sonne, so kommt sie uns vor, wie wenn sie zitterte und sich bewegte, aus keiner anderen Ursache, als weil das Feür durch seine Wärme und die von selbigen hervorsteigenden Dünste und Luftteile, durch welche wir die Sonne ansehen, bewegend und zitternd machend, als wenn Gott ein sichtbares Zeichen des Oster – Tages im Himmel gesetzt habe.“

Vor mehr als 200 Jahren ( heute 250 ) also ist dieser Chronist der Ursache dieses volkstümlichen Glaubens nachgegangen und wir können mit Recht annehmen, daß es sich hierbei vielleicht auch einen Glauben aus vorchristlicher Zeit handelt, dem man dann chrtistliche Bedeutung beizumessen bemüht war.

 

Ostereier

Gefärbte Ostereier einander zum Osterfest zu schenken, ist wiederum ein alter Brauch, der seinen Ursprung offenbar in vorchristlicher Zeit hat, denn was sollte ein Ei als Symbol der Fruchtbarkeit und des sich erneürnden Lebens mit dem Auferstehungfest zu tün haben! Das Osterei wird man sich also ursprünglich  – ehe das Christentum bei uns Einzug erhielt, als Zeichen der Freude über die Wiederkehr des Frühlings, über das Ende des langen, dunklen Winters geschenkt haben. Dem Osterei jedoch dann einen Platz im christlichen Osterfest zu sichern, dürfte nicht schwer gewesen sein. Im Fest der Auferstehung des Heilands brauchte man das heidnische Osterei nicht zu missen, weil es ja, wie schon gesagt ein Sinnbild des Lebens war.

Hören wir mal was unser Chronist – der gleiche, den wir bereits einmal zu Wort kommen ließen – im Jahr 1740 schrieb:

„Oster – Ei nennt man dasjenige hart abgesottene und bald mit jener Farbe gefärbte Ei, so man hier bei uns annoch des Grünen Donnerstages und um diese Zeit in großer Zahl zum Verkauf aufgestellt und aus dem Pabstthum ist, da man den heiligen Oster – Abend ganze Körbe voll solcher Eier, die schön gefärbt und mit zierlichen Figuren bezeichnet waren, in der Kirche weyhen und Segen darüber sprechen ließe, solche hiernach zu Hause in den schönsten aufgeputzten Zimmern in einer Schüssel pyramidenförmig aufgetürmt, auf eine gedeckte und mit allerlei Blumen bestreute Tafel die ganze Osterwoche über aufgestellt und einen jeden, der zu der Zeit einsprach, ein Osterei zu essen nötigte, auch sollte dieses nach ihrer langen Fasten gleichsam die erste fleischige Speise sein, so ihnen erlaubt, nunmehro zu sich zu nehmen, dergleichen Manier in Italien noch gebräuchlich sein soll.“

Hier wird also dargelegt, daß der Genuß des Ostereis nach der Fastenzeit die erste „fleischliche Speise“ sein sollte, die man nach langer Enthaltsamkeit zu sich nahm. Das wird verständlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Fastenzeit vom Aschermittwoch bis zum Osterfest in früheren Zeiten streng eingehalten wurde und beachtet wurde als in unserer Zeit. Unser Chronist kommt dann noch einmal auf die Ostereier als Geschenk und vornehmlich als Patengeschenk zu sprechen; da heißt es:

„An vielen Orten ist der Gebrauch, daß man dergleichen gemalte oder sonst aufs beste gezierte Eier den Kindern oder unter vertraute Freunde aufteilet. Weil aber solches in Mißbrauch gezogen wurde und die Kinder bei ihren Taufpaten unter dem Namen Oster – Ei und Schönes – Ei Geschenke geholet, ist es hin und wieder abgeschafft und bei Strafe verboten.“

 

Das Osterei auch bei den Russen bekannt

Unser Chronist hat uns in jenem Jahre 174 auch eine recht aufschlußreiche und durchaus nicht uninteressante Schilderung über das Osterfest, wie es einst bei den gläubigen Russen begangen wurde, aufgezeichnet, die wir hiermit aus der Vergessenheit entreissen wollen:

„Bei den Russen ist es eine feierliche Weise, daß Hohe und Niedere , Alte und Junge bei dem Oster – Gruße und Oster – Kusse einander ein Ei beschenken, wovon Olearius in seiner persischen Reisebeschreibung folgender Gestalt schreibt:

Den 17.April, als am heiligen Ostertage, war unter den Russen eine große Freude, daß Christus auferstanden, teils wegen des Endes wegen des lang gewährten Fastens. Denselben – wie auch noch 14 Tage hernach – trägt sich jedermann, vornehme und gemeine Leute, jung und alt, mit gefärbten Eiern. Es sitzen auf allen Gassen unzählige viele Eier – Krämer, welche solche gekochte und von allerhand Farben gezierte Eier verkaufen.

Wenn sie nun auf den Gassen einander begegnen, grüßen sie sich mit einem Kuß auf den Mund und sagen: Christos wos Chrest! Das ist: Chrristus ist auferstanden! Darauf antwortet der andere: Woistin wos Chrest – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Es wird auch niemand, er sei Manns- oder Weibsperson hohes oder niederes Standes, einem andern solchen Kuß und Gruß neben einem gefärbten Ei verweigern. Der Großfürst selbst pflegte seinen vornehmen Hofleuten und Bediensteten solche Ostereier auszuteilen, ja, er hat auch im Gebrauche gehabt, das er in der Osternacht – ehe er in die Frühmesse gegangen – für die Gefängnisse gekommen, dieselben eröffnet und jeglichen Gefangenen, derer allezeit eine große Anzahl sitzen, ein Ei neben einen Peltze von Schaffellen reichen lassen, hat ihnen auch zugerufen, das sie sich freün sollten, denn Christus, der für ihre Sünde gestorben, nunmehr wahrhaftig wieder auferstanden sei. Darauf hat er wieder die Gefängnisse schließen lassen und ist zur Kirche gegangen.“

Wie man jedoch in Rußland auch das Osterfest als eine Gelegenheit zum Branntwein trinken angesehen und benutzt hat – doch eher vor langer, langer Zeit, es könnte wohl 250 Jahre (heute 300) darüber hingegangen sein – schildert der bekannte Literat Olearius in seiner persischen Reisebeschreibung:

„Diese heilige Oster – Zeit über seynd vor diesem nicht allein gute Freunde in Häusern, sondern auch in Kabacken, Bier-, Meth- und Branntweinhäusern, sowohl von Geistlichen als auch Weltlichen, Weibs- und Manns- Personen fleißig besuchet worden, da sie sich denn so angefüllet, daß man sie hin und wieder auf den Gassen liegen gesehen und jeglicher die Seinen auf Wagen oder Schlitten werfen und so nach Hause fahren müssen, da denn bei solcher Beschaffenheit man des Morgens hin und wieder auf den Gassen viel Ermordete und Ausgezogene gefunden hat. Jetzt aber soll durch den Patriarchen die allzu große Unordnung in Besuchen von Kabacken oder Krüge etwas eingezogen sein.“

Die „Kabacken“, von denen hier die Rede ist und die auch Kabachen genannt werden, waren nichts weiter als Branntweinschenken gewöhnlichster Art, die in einer ärmlichen Hütte untergebracht waren. Dort fand also der russischen Osterfeste die große Trinkerei statt, die – wenn wir dem Schriftsteller Olearius Glauben schenken – in eine übliche Sauferei ausartete, so daß der Patriarch der russisch – orthodoxen Kirche dagegen einschreiten mußte.

 

Ostererinnerungen an Schreibendorf Kreis Landeshut

Unsere Heimatfreundin, die wir in Wolfenbüttel aufsuchten, um uns von ihr Erinnerungen an die Osterfeste in Schreibendorf berichten zu lassen, erzählt uns, daß in ihrer Kindheit noch üblich gewesen sei, Osterwasser zu schöpfen. Dabei waren die guten Schreibendorfer bedacht kein „Plapperwasser“ nach Hause zu bringen, d.h. das kein Wörtchen zu sprechen, weil dann das Wasser seine wunderbare Wirkung Schönheit und Gesundheit zu verleihen, verlor. Oftmals wurden die wasserschöpfenden Mädchen von den Burschen des Dorfes allerdings in mutwilliger Weise zum Sprechen gebracht. Also die Schreibendorfer Burschen, das war ja eine Sorte! Unsere Schreibensdorferin weiß auch zu erinnern, das die Mädchen beim Schöpfen des Osterwassers immer einen geheimen Wunsch hegten, etwa nach einem Liebsten oder daß ihnen der Geliebte treu bleiben möge. Über diesen Wunsch sprachen sie zu keinen Menschen weder zum Vater noch zur Mutter, nicht zum Pfarrer und auch nicht zur Großmutter, denn dann durfte man hoffen, daß dieser geheime Wunsch in Erfüllung gehe.

Die Mutter unser Schreibendorferin hat ihr erzählt, daß man das geschöpfte Osterwasser in den Keller stellte, wo es das ganze Jahr aufbewahrt wurde und nur immer – wenn man Bedarf dafür hatte – davon ein wenig nahm. „Guda – Freitig – Woasser“ wurde das kostbare Naß genannt und wahrscheinlich hat man es in alter Zeit am Karfreitag geschöpft und nach Hause getragen.

Und Ostereier gab es natürlich in Schreibendorf auch, sie wurden mit trockenen Zwiebelschalen gefärbt und erhielten dann eine schöne braune Farbe. Die Kinder durften das Osternest selbst herrichten, dazu verwandten sie manchmal Vaters alten Hut oder ein Puppenbett. Die Eltern haben diese Nester dann mit Hühnereiern – jene braun gefärbten – gefüllt und versteckt. In der Frühe des Ostersonntags durften dioe Kinder die Nester dann suchen und sie freuten sich besonders, wenn sie zwischen den Hühnereiern ein paar Zuckereier fanden, die bald bvernascht wurden, wogegegn die Hühnereier abends zum Abendbrot gegessen wurden.

Natürlich fehlte es zum Osterfest in Schreibendorf auch nicht am selbstgebackenen Kuchen; Streuselkuchen und Quarkkuchenstanden stets auf dem Tisch während der Osterfeiertage.

Und zur Kirche nach Landeshut – so erinnert sich unsere Schreibendorferin („doas se ja nie mein Noama in die Zeitung schreiba, sunste hau ich ihm a poar rei!“) – fuhr man in der Kutsche, vor die zwei blank gestriegelte Pferde gespannt waren. Es sah recht schön aus , ein Bild aus unserer ländlichen Heimat, wenn acht oder zehn Kutschen aus Schreibendorf zur Kirche fuhren. Am Ostersonntag pflegten die Eltern unserer Schreibendorferin zum Gottesdienst zu fahren, am Ostermontag besuchten die jungen Leute den Gottesdienst. Und unsere Schreibendorferin fehlte nie zum Ostergottesdienst in der Landeshuter Kirche. Es war so zu sagen, eine vom Vater auferlegte Pflicht, die Kirche zu besuchen, wer nämlich nicht in der Kirche war, durfte denn auch nicht zum Tanz gehen, wenn „Trempel – Hannes“ aus Liebau kam und in einen der Schreibendorfer Gasthäuser zum Tanz aufspielte. „Trempel – Hannes“ war nämlich Meister der edlen Musik, er konnte Klavier spielen und dabei – ohne daß er auf dem Klavier daneben gegriffen hätte – auch das Schlagzeug mit dem Fuß bedienen. Er war also ein großer Künstler, ohne den die „Ein Mann Kapelle“ nicht denkbar gewesen wäre.

In den Gasthäusern Schreibendorfs also fand der „Ball“ statt und das junge Volk versammelte sich zum Tanz entweder „bei Lüderitz“ oder „in der Linde“.

Wir unterhielten uns lange mit unserer Schreibendorfer Heimatfreundin, dabei wird das Bild der Heimat in seiner unwiederbriglichen Schönheit lebendig und unsere Erzählerin erinnert sich, daß manchmal noch Scnee lag, daß die Berge – Scharlach, Ochsenkopf, Hedwigsberg bei Hohenwaldau, Rote Höhe und der ganze Kamm mit der Koppe – noch weiß verschneit waren, wenn im Dorfe das Osterfest mit aller Freude über die Auferstehung Christi begangen wurde, wenn Kuchen gegessen und Osternester gesucht wurden, wenn „Trempel – Hannes“ mit seinem Schlagzeug erschien und in osternächtliche Stille des Dorfes das Jauchzen des jungen Volkes auf den Tanzboden und dazu die Musik der „Ein Mann Kapelle“ zu hören waren.

 

Vorösterliche Zeit in Rudelstadt

In Rudelstadt – so erfahren wir von zwei alten Schlesierinnen, bei denen wir des öfteren einen Besuch machen – konzentrierte sich das österliche Geschehen viel mehr um den Sonntag Lätare drei Wochen vor dem eigentlichen Osterfest. Dieser alte Brauch war in Rudelstadt beinahe fast in Vergessenheit geraten, aber durch Pastor Henke, der in Rudelstadt als Seelsorger amtierte, wurde er wieder zum Leben erweckt. In den Unterrichtsstunden, die er hielt, wie er daraufhin, wie schön und sinnvoll es sei, die alten Bräuche der Väter zu pflegen. Und so bewirkte er, das die Kinder vor dem Sommersonntag wieder ihre „Summersunntigsstecken“ schmückten, und damit durchs Dorf zogen. Für ihr singen, das sie hier und dort anstimmten, erhielten sie Brezeln oder Bonbons oder auch einmal ein Ei. Doch das bekamen sie meistens nur, wenn der Geber mit den Eltern der singenden Kinder näher befreundet war. Und zum vorösterlichen Brauchtum Rudelstadts gehörte es auch, daß die Kinder hier und dort einen „Tallsack“ bekamen. Solche „Tallsäcke“ große und kleine, backte Bäcker Heintze im benachbarten Merzdorf. Das waren aus Kuchenteig gebackene Männer, etwas unförmig und unbeholfen aussehend, die jedoch um so feiner und süßer schmeckten. Eine unserer Rudel-städterinnen erzählt uns, daß sie immer von den Großeltern einen besonders großen „Tallsack“ – „zwei Spannen lang“ – erhalten habe, den der Großvater extra bei Bäcker Heintze bestellte.

Ja, und dann geraten unsere beiden alten Schlesierinnen ins Erzählen, als sie sich jener so weit zurück liegenden Sommertage in der Kindheit erinnern, „bei einem Kaufmann bekamen sie Schiefernstifte für die Schule“ – „beim Fleischer kriegten wir ein Stück Wurst“ – „Schokoladenplätzel bekamen wir beim Kaufmann Junge“ – „in der Bäckerei wurden Brezel an die Kinder ausgeteilt“!

Übrigens – und das mag nun auch wieder eine Besonderheit des Brauchtums in Rudelstadt gewesen sein – das Sommersonntagssingen fand nicht am Sonntag Latäre , sondern bereits am Sonnabend davor statt.

Zum Osterfest selbst wurden dann natürlich Kuchen gebacken, große Bleche voll, lauter Streuselkuchen, braun und knusprig. Und kam Besuch dann kochte die Mutter einen ordentlichen Bohnenkaffee, sonst begnügte man sich mit Gerstenkaffee.

Im Mittelpunkt der Ostertage stand wohl der Gottesdienst in der Kirche, der damals von den meisten Dorfbewohnern besucht wurde, weil man sich zu jener Zeit kein Osterfest ohne den Gottesdienst vorstellen konnte und weil die Erinnerung an die Auferstehung Christi Inhalt der Osterfeiertage bedeutete.

 

Eine 90 jährige Konradswaldaürin erinnert sich

Die Erinnerungen dieser alten Schlesierin aus Oberkonradswaldau sind nun etwas Besonderes, denn unsere Heimatfreundin Emma Seidel, die am 20.2.1876 geboren wurde und also vor kurzem 90 Jahre alt war, erinnert sich noch mit wunderbarer Klarheit ihrer Kindertage. In Konradswaldau begann das österliche Brauchtum mit dem Gründonnerstag. Da zogen die Kinder des Dorfes von einem Haus zum anderen und riefen: „Guda Morga, seid gebata im a griena Dornstig!“

Für diesen Gründonnerstag hatten die Bäcker des Dorfes schon Brezeln gebacken und an die Land-wirte verkauft, so das diese für den Besuch der Kinder am Gründonnerstag vorbereitet waren. Auch „Kuhaugen“ hatten die Bäcker gebacken, kleine runde Kuchen aus Semmelteig, etwa zwei Finger dick. Die Kinder aus Ober- und Mittelskonradswaldau wurden also meistens – nur selten öffnete sich eine Türe nicht  - mit Brezeln, „Kuhaugen“, Bonbons und Eiern beschenkt. Wo die Kinder aber keine Gaben erhielten, wo Türen und Fenster verschlossen blieben und sich keine Hand mit einen Körbchen voll Brezeln, „Kuhaugen“, Eiern herausstreckte, da riefen die Jungen und Mädchen:

„Hihndermist, Taubamist, ei dam Hause kriegt man nischt !“

Während die 90 jährige Konradswaldaürin das erzählt, sitzt ihre Nichte Flora Denzin geb. Scholz Jahrgang 1905 bei uns und sagt, daß das in ihrer Kinderzeit – also vor dem 1. Weltkrieg – auch noch so gewesen wäre.

Dem Gründonnerstag folgt der Karfreitag, da gingen die Konradswaldaür in der Frühe „an den Bach“ um Osterwasser, „Goad – Freitigs – Woasser“, zu schöpfen. Auch in der Familie Seidel – also im Elternhaus unserer Heimatfreundin – hat man solches Osterwasser aufbewahrt und dazu benutzt, in Krankheitsfällen Umschläge auf den Kopf und die Brust, auf die Knie oder Ohren – was eben von einer Krankheit befallen war – zu machen.

Man versäumte auch in Konradswaldau nicht, vor dem Osterfest Kuchen zu backen. Im Elternhaus unserer Heimatfreundin gab es einen „Bachufa“, der ordentlich eingeheizt wurde, so daß er die Streuselkuchen schön braun backte. Und zum Osterfest holte man auch Sträuße von Weidenkätzchen in die Häuser und schmückte damit die Stuben festlich. Und natürlich wurden die Hühnereier auch bunt bemalt. Manche Eier wurden auch ausgeblasen und dann die leere Schale mit Malerei versehen. Diese bemalten Eier, frische Hühnereier und ausgeblasene Eier, fanden die Kinder in den Osternestern, die sie am Ostersonntag suchten. In diesen Osternestern fanden sich auch Zuckereier, die gabs schon damals – vor 80 Jahren – auch schon!

In Konradswaldau haben die Eltern am Ostermorgen auch gesagt: „Guckt nur in die Sonne, daß ihr das Osterlämmlein seht“! Diese Mär vom Osterlämmchen gehört also zu jenem österlichen Glaubensgut von der springenden oder tanzenden Sonne, das in jeder Abwandlung vom Osterlämmchen in der Sonne also auch im Kreis Landeshut zu finden war. Frau Flora Denzin, die noch immer bei uns sitzt, nickt zu diesen Erinnerungen ihrer Tante und sagt: „Ja, in meiner Kinderzeit haben wir auch noch nach dem Osterlammla gesehen!“

Und auch in der Kinderzeit unserer 90 jährigen Schlesierin wurde den Kindern vom Osterhasen erzählt. Oft sagten die Eltern zu ihren Kindern: „Poaßt uff a Osterhoasen uff“!

Während der Osterfeiertage ging man in Konradswaldau auch zur Kirche. Am ersten Feiertag nahmen die Eltern unserer Heimatfreundin am Gottesdienst teil, am zweiten Feiertag gingen die Kinder den Weg zur Kirche, der vom Elternhaus bis zur ev. Kirche in Mittel – Konradswaldau eine halbe Stunde betrug. Dann läuteten die Glocken vom Turme der ev. Kirche; von dem Kirchturm und den Glocken kann uns unsere alte Konradswaldaürin auch etwas erzählen.

Früher hatte die ev. Kirche in Mittel – Konradswaldau nämlich keinen Turm, daher verfügte die Kirche auch keine Glocken. Die katholische Kirche hatte einen Turm und Glocken und sie läuteten auch für die ev. Bewohner. Sie riefen mit ihren Schalle zum ev. Gottesdiensten, obwohl sie auch auf dem Turm der kath. Kirche hingen. Sie wurden auch geläutet, wenn ein Protestant begraben wurde. Damals wurden Protestanten und Katholiken gemeinsam auf einen Friedhof in Mittels – Konradswaldau in die Erde gebettet.

Nun aber kam nach Mittels – Konradswaldau ein Pastor, der Tonndorf hieß. Er wollte sich mit dem Zustande, daß die ev. Kirche, die aus einer Betkirche hervor gegangen war, keinen Turm und keine Glocken hatte, nicht abfinden. Tonndorf sammelte also in seiner Gemeinde für den Bau eines Turmes und für die Anschaffung eigner Glocken. Und dann der Turmbau eines Tages tatsächlich in Angriff genommen werden, im Jahre 1893 ward er vollendet und auch mit Glocken versehen.

Damals jedoch mußte sich die Gemeinde nach eigenen ev. Friedhof umsehen, denn da die Glocken der kath. Kirchengemeinde gehörte, begraben Protestanten geläutet werden sollten, wollte der Pfarrer in Konradswaldau auch nicht, das die Protestanten weiterhin auf dem alten Friedhof, welcher der kath. Kirchengemeinde gehörte, begraben würden. Die ev. Kirchengemeinde kaufte also 1893 ein Stück Land und legte darauf einen eigenen Friedhof an und fortan wurden Katholiken und Protestanten getrennt bestattet.

Daran also erinnert sich unsere Konradswaldaür Heimatfreundin, als sie sich der Osterfeste in ihrer Kindheit erinnert, wenn die Glocken vom Turm der ev. Kirche zum Gottesdienst riefen.

Und schließlich erzählt sie uns vom Ostertanz in Konradswaldau, wenn die Konradswaldaür Musikanten zum Tanzen aufspielten und das junge Volk sich zum Walzertakt, im Polkaschritt und beim Rheinländer drehte. Die jungen Mädchen hatten damals noch lange Röcke an, die allerdings nicht auf die Erde schlappen durften, denn sonst wäre ja das Tanzen zu beschwerlich gewesen. Der „ahle Gottwald“, ein Konradswaldaür Landwirt, strich die lange Geige und dann gab es noch 4 Bläser, die zusammen mit dem alten Gottwald eine wunderschöne Tanzmusik veranstalteten. Eine Tour kostete – bei so einer großen Kapelle konnte es nicht anders sein – 10 Pfennige. Es war also ein fröhliches Treiben am Abend eines solchen Ostertages in Konradswaldau, wenn sich das junge, tanzlustige Volk ein Stelldichein gab.

So also hat unsere alte Heimatfreundin aus Ober – Konradswaldau erzählt. Über ihr Bett hing ein farbiges Bild, ihr Elternhaus in der Heimat, wo sie als Tochter des Landwirts Heinrich Seidel ihre Kinderzeit – reich an Freuden, reich an Arbeit – verlebt hat. Und als wir uns verabschieden, sagt sie mit einen schalkhaften Lachen: „Doa hoab’n mer scheen woas zusoammageloin“!

Ja, die Schlesier !!

 


Ostern in der schlesischen Heimat

Veröffentlicht im schlesischen Gebirgskurier am 20.3.1972, Autor unbekannt.

Es war doch jedes Jahr dasselbe Rätselraten um den Frühling: Kommt er doch oder kommt er nicht? Wer kann es wissen? Aber auf den Spielplätzen sprangen die ersten bunten Kreisel, und Kinderhände trieben sie unermüdlich mit kleinen Peitschen an.

Zwei kleine Mädchen hatten mit dem Absatz eine Spirale – ein „Schnecke“ – in den traurigen Erdboden gezogen und hopsten nun um die Wette durch die verschlungenen Gänge.

Solche Kinderspiele waren uns immer die untrüglichen Zeichen dafür, daß endgültig und unwiderruflich ernst wurde mit dem Frühling. Die Kinder ließen sich nicht täuschen! Sie hatten jedes Gefühl für die Natur, das dem modernen Menschen verlorengegangen ist, das vielleicht hier und dort der Landsmann, der Landwirt noch hat, das aber jeder Mensch einmal besaß, dessen Leben in inniger Verbindung mit der Natur und in Abhängigkeit vom Jahreslaufe abrollte.

Mancher Winter schenkte uns auch in der Heimat milde Tage, die jeden Frühling Ehre gemacht hätten, aber unsere schlesischen Jungen und Mädchen dachten gar nicht daran, die Kreisel hervor zu holen, genau so wenig, wie der Baür vor der richtigen Zeit den Acker bestellte.

Wo war bei uns in Schlesien der Frühling, wenn an der Bergstraße die Bäume blühten? Das Frühlingsbrauchtum unserer Heimat, die Vogelhochzeit, das Fastnachtstreiben, das Frühlingswasserholen, das Sommersingen, das Eiersuchen, das Eierrollen, das Eierstieben, das Winteraustreiben, der Umgang oder der Ritt um die Felder, das Osterfeür – all diese Bräuche wurden einst dann geübt, wenn es die Natur befahl, am Bodensee am Rhein früher als in Pommern, in Ostpreußen oder Schlesien. Aber das Brauchtum hat sich schließlich in den einheitlichen Kalendern einfangen lassen müssen.

Das Sommersingen war solch` ein alter Brauch, der sicher bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Die Baürn auf den schlesischen Dörfern nahmen es „dan Kinderlan“ nicht krumm, wenn sie sangen:

„Ihr werd` euch wohl bedenka,

zum Summer ins woas schenka“,

denn das Sommersingen reihte sich an jene Bräuche heran, die unsere Volkskundkler als „Heischegänge“ bezeichneten. Die Sommersingekinder hatten wohl auch einen Anspruch auf eine kleine Gabe, denn sie brachten ja soviel, den Sommer !

„Den Sommer?“ fragt da der eine oder andere mißtrauisch, „bestenfalls den Frühling!“ Falsch gedacht, aber modern, mit dem Auffassungsvermögen unserer Zeit gedacht! Der Baür kannte dereinst nur zwei Jahreszeiten: Den Sommer und den Winter, das war die Zeit der Dunkelheit, der Finsternis, der Kälte, der Ruhe und schließlich des Todes. Dagegen war der Sommer die Zeit des Lichts und der Wärme, damit aber auch die Zeit des Lebens und der Arbeit. Wenn die Feldarbeit begann, dann war Sommer. Darum singen die alten Sommertagslieder von schönen grünen Linden, vom roten Gewand, von der goldenen Schnur, der Sonnenbahn, die sich ums Haus zieht.

Die rechte Gegengabe für solche guten Wünsche war der „Begel“, ein Kringel aus gelben Schaum-gebäck, das eben jede Sonnenradbahn andeuten mochte, oder die Gegengabe konnte auch in einer Schaumbrezel bestehen, in der man die Verdoppelung des Sonnenbogens erkennen könnte. Solche Gaben wurden am Sommersonntag daheim in Schlesien von den Hausfraün und den Hausmüttern für die kleinen Sänger und Glückwunschbringer bereit gehalten.

In den niederschlesischen Gebirgsgegenden gingen die Kinder am Donnerstag vor Ostern, mit geschmückten Sommerbäumchen, die mit bunten Papierstreifen, mit Papierblumen, mit Bändern geschmückt und geziert waren, und heischten mit dem Ruf:

„Seid gebata üm a Griendunsch!“

ihre Gaben. Und da der  Griendunsch, der Gründonnerstag, so nahe am Osterfeste lag und weil die Bäürinnen zu der Zeit alle viele Eier in den Gewölben der Baürnhäuser aufbewahrten, so erhielten die Kinder schon bunte Eier, „Moll – Eier“, Mal – Eier. Auch die „Honigschniete“, welche den Kindern gereicht wurde, ward nicht ungern entgegen genommen.

„damit`s Geld nicht oalle wird“,

denn Geld war auch bei uns in der schlesischen Heimat gleichbedeutend mit Glück. In Wahrheit aber mochte in älteren Zeiten Geld und Glück gleichbedeutend gewesen sein mit Fruchtbarkeit, durch die ja schließlich die Landarebeit unserer Vorfahren ihren Wert, ihre Bedeutung erhielt. Auf das die Felder reichen Segen bringen sollten, steckte der Baür in der Grafschaft Glatz einst jeden Acker  drei Palmkätzchen oder auch drei Holzkreuzchen, die in der Palmsonntagsmesse geweiht worden waren.

In der ursprünglichen Art aber mochte sich der Fruchtbarkeitszauber in Oberschlesien erhalten und bewahrt haben, im „Schmackustern“. Am sehr frühen Morgen des zweiten Osterfeiertags stürmten die Dorfburschen die Treppen zu den Schlafkammern der Mädchen hinauf; doch diese – die Mädchen – waren dann schon stets alle aus den Federn, weil sie wußten, daß eine ertappte Langschläferin schlecht ergehen würde. Die Burschen hielten nämlich den „Schmackuster“ in der Hand, eine neun- fach geflochtene Hasel- und Weidengerte, und wer hätte sich wohl mit einer solchen aus dem Bett treiben lassen? Man spürte diese Gerte, diesen Schmackoster, schon genug, wenn man sich in lustiger Jagd die Treppe hinunter treiben ließ in den Hof, an den Wasserbrunnen, wo ander Dorfburschen schon darauf laürten, um die Mädchen ganz gehörig mit Wasser zu bespritzen. Dazu sagten sie: „Jitz kumm merr zu dan lieba Ustern, lusst doas Töchterla awing schmackustern“.

Aber so schmerzhaft diese Vergnügen auch gewesen sein mochte, kein Mädel wollte von demselben ausgeschlossen sein, denn so manche hat dabei ihren Schatz und späteren Ehemann und Hausvater gefunden. Jedes Mädel lud nämlich – so wollte es der Volksbrauch – den Burschen, der bei ihr „schmackustert“ hatte, am Nachmittag zum Kaffee ein. Schon am Sonnabend vor dem Osterfeste hatte ja schon die frohe Stimmung eingesetzt und im Hause ein geschäftiges Treiben begonnen. Die Schlesier nannten den Ostersonnabend auch den Kuchensonnabend, denn nach der Fastenzeit sollte nun herzhaft gegessen werden.

Der schlesische Streuselkuchen durfte ja auch zum Osterfest nicht fehlen, aber wie zu Weihnachten „Mohstrietzel“ und „Mohkliessla“ unerläßlich waren, so war es jetzt das Osterbrot, das „Galbrutla“, das „Gelbbrötchen“, denn der einfache Hefeteig wurde durch Safran – es wird vielen schlesischen Hausfraün noch bekannt sein – gelb gefärbt. Seine Gestalt war rund wie der eines Brotlaibs, daher auch die Bezeichnung „Galbrotla“, und ehe dieses in den Ofen geschoben wurde, machte die Bäürin eine Verzierung darauf. Sie drückte eine Vertiefung in die obere Seite des „Galbrotlas“, dann zog sie von der Mitte her eine Furche, Strahlen könnte man dazu sagen, nach den Rändern hin. So hatte sie es einst von ihrer Mutter her gesehen und so fort bis in die fernsten Zeiten der Vergangenheit.

Sollte das „Galbrutla“ mit der Verzierung ein Zeichen der Sonne tragen, jenes großen Lichtes, das für die Menschen besonders für das Landvolk, Licht und Wärme, Saat und Wachstum, Reife und Ernte bedeutete? Der Gedanke liegt auf jeden Fall nahe, und wir dürften daraus ersehen, daß das Osterfest in der schlesischen Heimat ein Fest des Volkes war, dessen Anfänge weit in die vorchristliche Zeit zurück greifen dürften; ein Fest des Lebens und der Freude, der Sonne und des Lichtes, was alles für die Menschen früherer Jahrhunderte nicht weniger wichtig und bedeutsam war als für Menschen der Gegenwart.

 

 

 Uff  Ustern  zu
Jitz hoot`s om längsta bei ins geschneit:
Die Usterwuche ies nimme weit.
Die Polmakatzla warn bale blühn,
Schnieglöckla hoot`s schunt
Eim Pusche stiehn, eim junga Groase
A klenner Hoase, macht lauter Mannla,
Wischt sich die Noase.
Die Kinder, die Ranga, die wull`n a fanga,
Mit langa Stecka hopsa se über Grabla und Hecka.
Hops macht is Hasla, hops ei`s Looch!
War koan anooch?
Die Sunne plinzelt voo uba runder,
Wane roatpern eim Durfe nunder.
Wuhien ma sitt, wuhien ma fährt,
Die Strooßa sein wie ausgekehrt.
Gänsebluma uff jedem Tammla,
Drunda derr Schafer treibt seine Lammla;
Omseln pfeifa und Finka schloan,
Die eene hiert uuf, die andre fängt oan.
Ei jedem Goarta, verr jedem Toare
Nischt wie Katla und Drusseln und Stoare.
Die Sperliche quitscha, die Hummler summa,
Ma werd noch ims Gehiere kumma,
Ma werd om Ende noch toob dervoo.
Woas ies dernoo?
Singt ock, singt ock, euch giehts ju gutt
Ihr hott ju noch geferres Blutt.
Und derr Winter, dar ale toaprige Järge,
Hoot sich verkrucha eis Geberge.
A hoot sich verkrucha,
Merr warn a nich sucha.
Die Bluma hotta`s glei gewußt,
Doß und a hotte naus gemußt.
Kaum woar a aus`m Püschla naus,
Doo koama schunt die errschta raus.
Und hurtig, hurtig die Kinder ginga
Summersinga, summersinga:
Summer, Summer , Summer
Iech bien a klenner Pummer.
Der Herr ies schien, die Froo ies schien.
Lußt ins nich zu lange stiehn.
Die guldne Schnure gieht üms Haus.
Tud aus! Tud aus!
Treibt a Tud zum Durfe naus!
(von Ernst Schenke)
 

 

Schlesische Volksbräuche 

v. Prof. Dr. WALTHER STELLER

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Das Fest liegt an dem althergebrachten Termin des Vollmonds nach Frühlingsanfang. Es bestimmte in germanischer Zeit den Termin des Frühjahrsdinges. Als ein hohes Fest christlich-kirchlicher Feierzeit deutet es den Sieg der Sonne im  Jahreskreislauf mit dem Sieg des Guten über die Mächte des Bösen und der Finsternis, beides für den Menschen so wichtige feierlich verehrend im Glauben  an die Auferstehung Christi.

Nun eilt man am frühen Ostermorgen auf die höchste Höhe, um im Flimmern der Sonne das Osterlämmel springen, die Sonne  "huppa" zu sehen, denn nach schöner Meinung tut die Sonne an diesem Morgen drei  Sprünge vor Freude über die Auferstehung des Weltenheilands.

Dem  Ostersonntag ist der Palmsonntag vorausgegangen. An ihm werden in katholischen Kirchen die sogenannten Palmen, die zumeist aus Weidenzweigen mit  Blütenketzchen bestehen, geweiht. Sie gelten, oft auch dem Protestanten, als Schutz gegen Behexung und Gewitter, und man steckt sie hinter die Heiligenbilder, die Fenster, den Spiegel oder in den Stall oder räuchert mit ihnen, um das Böse zu verscheuchen. Oftmals steckt man sie auch mit drei kleinen Kreuzen aus Weide, Birke und Linde in die Ecken der bestellten Felder; das soll die Saat vor Hagel, Unwetter und auch vor Mäusen schützen. Gegen Halsschmerzen  wurde sie geschluckt, wobei die christliche Segensformel gesprochen  wurde.

In WARMBRUNN hatte man an diesem Tage den Tallsackmarkt, bei dem ein bestimmtes Gebäck (Gebildbrot) aus Semmelteig feilgeboten wurde; es stellte  einen Mann mit Rosinenaugen dar, der in dem sudetenschlesischen NICOLO sein  ähnlich geartetes Gegenstück hat.

Auch in die Karwoche, im Volksmund die schwarze Woche geheißen, haben sich Bräuche aus heidnischer Frühzeit eingedrängt. Die Glocken schweigen wohl - sie sind nach Rom geflogen -, aber der  jeden bösen Zauber wehrende Lärm - wir kennen ihn vorn Lärmen des Polterabends,  des Neujahrs-Anganges bis zu den Böllerschüssen zu Ehren einer Majestät - hat sich in die "Pumpermette" hineingerettet, bei der - geduldet durch die  Geistlichkeit - mit Ratschen, Klappern und Schnarren ein ohrenzerreißender Lärm vollführt wird, angeblich, um das Erdbeben beim Tode Christi zu  veranschaulichen.

Das "Judasaustreiben" gibt, wo es geübt wird, nur einen  zeitgebundenen Namen für den Vorgang des "Winter"- oder "Tod"austreibens.

Manchenorts werden die "Ostereier" bereits am  Gründonnerstag gesucht und gefunden. Der Bienenvater soll an diesem Tage die  Honigstöcke ausnehmen, und man soll Honig und neunerlei Kräuter essen um gesund zu bleiben. Schon ist das Wasser wie auch an den folgenden Tagen der österlichen  Zeit (Gutfreitagswasser, Osterwasser) heilkräftig und hilft gegen Ausschlag und Sommersprossen; aber auch dem Vie ist das Karfreitagswasser  heilsam.

Osterfeür abzubrennen war in Schlesien nur an wenigen Orten, z. B. LEOBSCHÜTZ, TROPPAU, JÄGERNDORF, GROTTKAU, NEISSE üblich; im Ring der jahreszeitlichen Feür bevorzugte Schlesien das Johannisfeür, also die Zeit der  Sommer-Sonnenwende.

Wenn der Frühlingsumgang, der an keine bestimmte Zeit  gebunden, auch an den drei Tagen vor Christi-Himmelfahrt, am Markustag (25. April), am Fronleichnamstag u. a. stattfinden konnte, am Ostersonnabend  unternommen wurde, so steckte man die drei an diesem Tage geweihten Holzkreuze  mit den Palmenkätzchen in die Ecken der Felder.

Auch das Saatenreiten ist  eine Art des Flurumganges, der an den Ostertagen, örtlich verschieden, unternommen wurde. Ein solcher Flurumritt, Osterreiten oder Kreuzreiten, gehört  zum Brauchtum des gesamten deutschen Volkstumgebietes: Westfalen, Thüringen,  Schwaben, Bayern, Ober-Österreich, Tirol, Banat, Batschka, Schweiz, auch  Schlesien einschließlich Oberschlesien und Sudetenland. Der Zusammenhang mit dem germanischen Kultbereich ist geschichtlich gesichert (nordische Sagas, Beowulf) und wird durch die Verbreitung in Schweden (Stefansritte) bestätigt. Wie der germanische Norden diesen Brauch an Finnland vermittelte, so hat die deutsche Beeinflussung des polnischen Ostraumes oder bereits die germanische  Durchdringung in der Zeit der Völkerwanderung zur Aufnahme dieses Brauches in  Polen geführt. In den letzten Jahrzehnten wurde das Vorkommen dieses Brauches in Niederschlesien, der sog. "Wendei" (WITTICHENAU und Umgebung) und in Oberschlesien zu polnischen Propagandazwecken ausgewertet. Zu Unrecht; er ist  über das ganze deutsche Volkstumsgebiet verbreitet gewesen und war auch in  Schlesien, sowohl in katholischen als auch in protestantischen Gegenden verbreitet. Bis 1540 ritten die WITTICHENAüR nach HOYERSWERDA, dann nach BALBITZ. Aus dem Jahre 1597 kennen wir ein frühes Verbot, das durch das Vorkommen von Überschreitungen, tolles Jagen, Futterstehlen, um die Pferde mutig  zu machen, Trunkenheit, veranlaßt wurde, wie es eine Verfügung vom 31. August 1786 für die Kreise GROTTKAU und NEISSE bekanntgibt. Es ist nicht angängig, diesen Brauch als slawisch zu bezeichnet und ihn zu antideutscher Propaganda zu  mißbrauchen. Die Entstehung des Brauches ist auch älter als die Kreuzzüge und die Hussitenkriege  und geht auf die kultischen Umritte heidnischer Zeit zurück.

Einer ähnlichen politischen Fehldeutung unterliegt auch häufig der harmlose Brauch des Ostereis. Warum die vom Osterhasen stammen sollen, ist noch ungeklärt;

übrigens treten in anderen Teilen Deutschlands Storch, Kuckuck, Fuchs und die Ostern aus Rom zurückkehrenden Glocken mit in eierbringende Konkurrenz. Auch sein Vorkommen im österlichen Brauch hat noch keine befriedigende Deutung gefunden. Möglich, daß seine zahlreiche  Nachkommenschaft ihn als Fruchtbarkeits-Analogen empfahl, wie auch das Ei sicherlich ein Fruchtbarkeitsfetisch gewesen ist. Später wurde es dann zum  Auferstehungssymbol umgedeutet.

Eier als Zehnten an die Kirche oder als  Zins an die Herrschaft abzugeben und zwar nach der Fastenzeit, da das Ei früher  zur verbotenen Fastenspeise gehörte, ist

der im 13. Jahrhundert bezeugte  Sinn der Ostereier als Zinseier. Unsere Kinder wissen erfreulicherweise nichts mehr davon.

Die gefärbten oder bunt mit bestimmten Mustern bemalten  Ostereier haben auch für die slawische Propaganda herhalten müssen. Gefärbte  Eier die zu magischen Zwecken dienen sollten, kannte schon die Antike; sie finden sich auch als Grabbeigaben im indogermanischen Kulturbereich und lassen  den apotropäischen Wert des Gegenstandes "Ei" in einer durch die Jahrhunderte  fortlaufenden Kette deutlich erkennen. Vom 16. Jahrhundert ab kennen wir in Deutschland den Brauch, Eier, die als Geschenk gegeben werden, zu  färben.

Wie wir oft altes, kultisches Brauchtum in unserer Zeit nur noch in spurenhaftem Nachklang im Kinderlied und Kinderspiel zu entdecken vermögen, so ist es auch mit dem Brauchtum "um das Ei". Daß das neü Leben aus dem Ei entsteht, ist ein immer wieder eindrucksvolles Geschehen, das die schöpferische  Natur dem Menschen bietet, und so wurde das Ei schon frühzeitig zum Inbegriff lebenschaffender und damit Lebenbergender Potenz. Diese sich zur Erhöhung der eigenen Lebenskraft anzüignen, ist der Sinn allen Brauchtums mit dem Ei. Manche Landschaft zeigt einzelnes, andere zeigen eine Mannigfaltigkeit der Formen. Das friesische Eierwerfen und -rollen findet sich als Eierschupfen, -schucken,  -hützeln, -kullern in den süddeutschen und österreichischen Landschaften, als das Waleien (Wal-Kampf) der Niederlausitz, oder als das Eiersmieten  Schleswig-Holsteins. Mit den mundartlichen Ausdrücken Eierticken, -picken, -stutzen, -bippeln, -dipfeln, -bücken, -spicken wird ein von Holland bis nach Piemont hin geübter Brauch bezeichnet, der im schwäbischen Bannt Eiertitschen,  in der Lausitz Eiertetschen genannt wird: man schlägt zwei Eier - Spitze gegen  Rundseite - aneinander; das zerschlagene Ei kennzeichnet den Verlierer. Das Eierlesen oder Eierlaufen kennt auch die Schweiz, und mitunter beteiligen sich die Erwachsenen noch daran, wie es - neben dem Vorkommen in Baden, Hessen. Bayern, Rheinland, Westfalen, Schleswig-Holstein und Siebenbürgen - im schlesischen Brauchtum ein besonderes Fest der BRESLAüR TUCHMACHERZUNFT gewesen  ist. Eine solche Überschau zeigt die Verbundenheit dieser Bräuche mit dem  deutschen Kulturraum so ist es sachlich falsch und damit nicht angängig, das Vorhandensein solcher Kinderspiele in der Lausitz und in Oberschlesien durch "slawischen" Einfluß erklären zu wollen. Gerade die überragende Verbreitung solcher Bräuche in allen anderen deutschen Landschaften, einschließlich Hollands  und Frieslands, des Rheinlandes und Westfalens, Siebenbürgens und  Schleswig-Holsteins beweisen die herkunftsmäßige Verbundenheit mit der deutschen  Kulturlandschaft. Besonders beweisend hierfür ist aber der Umstand, daß der  Brauch des Eierrollens in den Ostseeprovinzen nur an den baltendeutschen Edelhöfen geübt wurde.

Oftmals verbinden sich mehrere Brauchtumsbedeutungen zu neür Übung: für den Schlag mit der Lebensrute oder für das Bespritzen mit dem segenspendenden Wasser durch die Burschen lösen sich die  Mädchen, indem sie Eier geben: wir nennen die Eifel, Westböhmen, Oberschlesien und das Banat als Vorkommen dieses kombinierten Brauches, also Horstgebiete der  gesamten volkskundlichdeutschen Brauchtumslandschaft.

Damit sind zwei  weitere Gepflogenheiten genannt, die sich volkstümlich im österlichen Brauchtum  finden. Das Schlagen mit der Rute und das Begießen mit Wasser, beides verbindet sich oft miteinander. Angeblich, um die Langschläfer zur heiligen Osterzeit zu  strafen, gehen die Jungen am Ostermontag, die Mädchen am Osterdienstag  "Schmickostern". Man dringt am frühen Morgen in die Häuser und Familien und sucht Mädchen und Fraün mit einer mit bunten Schleifen geschmückten Weidenrute zu schlagen. Damit verband sich der anderwärts allein geübte Brauch, Fraün und Mädchen mit Wasser zu begießen. Da beides in Übertreibung ausartete, besonders  da die zugrunde liegende Deutung Veranlassung zu "tüchtigem" Schlagen und  Begießen gab, erfolgten vielerorts Verbote. Das heutige Vorkommen betrifft also ebenfalls nur Restgebiete. Beide Vorgänge meinen einen Fruchtbarkeitszauber, der zunächst dem weiblichen Geschlecht zugedacht ist; die "Revanche" der Mädchen,  ausgeübt am Osterdienstag gegenüber den Burschen, ist sekundär. Es ist der "Schlag mit der Lebensrute", wie ihn der altrömische Brauch der Luperkalien  kennt - auch Shakespeare erwähnt ihn im "Julius Cäsar" -, ein alter physiologisch bedingter Zug, der in magisches Geschehen gefaßt verblaßt nachwirkt in dem Pritschenschlag der Fastnachtsmaske. So steht auch dieser  schlesische Brauch in einem weltweiten und Jahrhunderte überdaürnden Zusammenhang. Im Worte "schmickostern", so deuten die Philologen, hält sich ein  slawisches Wort smigac, smagac verborgen, das "schlagen" bedeutet. Das  schlesische Volk verstand es nicht und machte daraus "Schmückostern" wegen der  bändergezierten Rute, die am Lätare-Sonntag zur blumen und bandgeschmückten Maie  wurde, oder deutete es als "Schmeckostern" im Hinblick auf die Gaben, die man für das Schlagen und das Begießen entrichtete, Maleier, Apfelsinen, Gebäck oder  Geld. Denn es sollte damit ein Segen zuteil werden und es heißt ausdrücklich,  daß man übel beleumdete Personen nicht damit bedachte.
Diese Segensbedeutung  läßt noch ein alter, aus LIEBAU stammender Spruch erkennen:
Schmeckuster im  de Fisse, meine Schmeckuster die schmeckt sisse,
Schmeckuster im de Beene,  bleib's ganze Johr derheme.
Schmeckuster im de Kniee, hot' ganze Johr keene  Sliehe (Flöhe).
Schmeckustern im a Oarsch, wenns wieh tut, do  soa's.
Schmeckuster im a Bauch, dos ist der ale Brauch.
     Schmeckuster  im a Ricke, husts ganze Johr viel Glicke.
Schmeckuster im de Ärme, doas sich  Gott derborme.
Schmeckuster im a Kop, zerschläst's ganze Johr keen  Top.
Schmeckuster über de Noase, do drüber left a Hoase.
Schmeckuster um  de Wanga, wir wem a Hoase fange.
Im Munde der Jugend lautet er  derber:
Madla, Madla, loß dich peitscha,
doaß dich ne de Flehlan  beißa!
und dann folgt der Heischevers:
gim mer a E,
oder zwe
und a  Stickla Usterkucha,
ich war dich hinger draußa sucha.
(von Maxivick)

 

"Gründonnerstag! Die Osterbrote, schön goldgelb von vielen Eiern,  waren gebacken;
auf dem Honigmarkt drängten sich die Käufer, denn Honig musste man um Ostern
geniessen, es bringt Glück und macht stark gegen Krankheit. Vor allem aber musste
man neunerlei Kräuter zur Grünen Suppe suchen: Nicht hat so feinen Zauber wie  das
Grüne! Und ist das nicht höchste Weisheit?

    Zur Frühlingssuppe wurden allerhand Wiesenkräuter wie  Saürampfer,Veilchengrün,
Brennessel, Schafgarbe, Maiblumen, Kerbel usw. in Buter gedünstet und dann
weichgekocht. Die kräftige Suppe gießt man durch, macht sie sämig und quirlt zuletzt
Eigelb hinein.

Solche zarten Kräuter lassen dem Körper die gleiche Reinigung wiederfahren,  die die
Hausfrau um diese Frühlingszeit überall dem Haushalt angedeihen lässt. Wer aber die
Kräutersuppe verschmähte, der liess sich raten und aß am Grünen Donnerstag wenigsten
Rapünzchen, Spinat und Grünkohl! Und wollte er gefeit sein gegen die Dämonen,  die
bis Walpurgis wieder ihre dunklen Kräfte gegen all das Werden und Wachsen  ausspielen
möchten, dann ließ er sich Grütze oder noch besser Hirse munden in der Osterwoche!
Sie vertrieben zusammen mit dem Fisch der Fastentage die bösen Geister sicherlich.
Den bösen kleinen Geist, der im großen Zeh pickt nach einem Winter voll  schwerer
Fleischnahrung und wenig Bewegung, nun einmal ganz gewiß!

Den Kindern ging es am Gründonnerstag natürlich wieder besonders gut. In manchen
Gegenden Schlesiens brachten ihnen die Paten Geschenke ins Haus: geflochtene
Milchsemmeln, ein Osterlämmchen aus Kuchenteig, einen Pfefferkuchenmann, hübsch rot
bemalt, Zuckerfischel oder Teller aus gegossenem Zucker. Die Paten wurden mit  Kaffee
und frischem Osterkuchen bewirtet, gingen durch die Ställe, um das Vieh zu
besichtigen, besahen auch die Saat und gingen, nachdem sie für alles Wachsende:
Kinder, Tiere, Saaten, Glück gewünscht hatten, davon.

Am Karfreitag wurde wohl überall in Schlesien gefastet. In Oberschlesien gab es  den
auch sonst beliebten Zur.

    Zur: Von dem zum Brot bestimmten Saürteig wird etwas  abgenommen. Man verquirlt
es mit Wasser, tut Roggenmehl daran und lässt die Masse auf einer warmen Stelle  des
Herdes stehen. Ist sie im rechten Maß gesäürt, wird sie in kochendes Wasser
eingerührt; man würzt sie mit in Fett gebräunten Zwiebeln. Gern werden
Stampfkartoffeln dazu gegessen, manchmal, beim "Verheirateten Zur" auch gleich in
der Suppe mitgekocht. Auch fette, sogenannte polnische Wurst ist als Beigabe
beliebt.

In Breslau gab es früher im Ostermonat ein ganz eigenartiges Volksvergnügen: das
"Eyerlesen" der Tuchmacherzunft. Eine als Kränzeljungfer erwählte  Jungfrau ließ aus
ihrem Fenster an langer Stange einen Kranz heraushängen, an welchem ein kleines
Kränzel mit einer Zitrone befestigt war. Feierlich waren schon die Meister der
Tuchmacherinnung erschienen in roten, silberbordierten Wämsen, mit dem
Schulterkrägelchen, dessen Samt mit Hermelin verbrämt war, und mit der goldenen
Halskette. Paarweise erschienen jetzt die Zunftgesellen, mit Posaunenschall
empfangen, vor dem Haus der Kränzeljungfer. Der Zum "Laufer" ausersehene trat vor,
zielte mit seinem Degen nach dem Kränzel mit der Zitrone, das man neckisch immer auf
und nieder zog, bis der Junggesell zu allgemeinem Jubel das Ziel traf und  auffing.
Dreissig hart gesottene Eier waren inzwischen in unregelmäßigen Abständen
niedergelegt worden, der Wettkampf konnte beginnen. Würde der Läufer erst am Ziel
sein, der Kirchentür von St. Elisabeth zum Beispiel, oder würde der Aufleser zürst
die dreissig Eier in sein Sieb gesammelt haben? Es wurde fleissig gewettet, und  der
Gewinner des Laufes durfte obendrein mit der Kränzeljungfer tanzen.

Man vermutet einen vorzeitlichen Brauch. Die dreissig Eier stehen für die  dreissig
Tage des Monats. Die alte Sinngebung war vergessen; nur ein erheiterndes Spiel blieb
übrig: ohne sportlichen Ehrgeiz, ohne große Aufmachung, aber freundliche Kunde
gebend von der unschuldigen Fröhlichkeit des schlesischen Menschen!"

(von Karin Kuschel)

 

Haus und Hof sollen zu Ostern frühlingfrisch und sauber dastehen.
Deshalb weißte der Hauswirt Küche, Flur, Hauswände und auch die
Stallungen. Die in den Hof gestellten Möbel wurden tüchtig gescheürt;
man säuberte die Gärten von dürren Blättern, Zweigen und fegte die Straßen.
Alles mußte blitzeblank sein
"Kirmes und kein Kucha - is doas ni zum Flucha!" Das galt auch für die
Feiertage. Die Hausfrau buk allerlei Osterkuchen und sorgte für die
Ostereier,
die in grünem Gras oder braunen Zwiebelschalen gekocht wurden. Sprüche
und Blumen zeichnete man vor der Färbung mit Wachs oder kratzte sie
hinterher ein.
Am Karfreitag vor Sonnenaufgang gingen die Mädchen zum Dorfbach,
schweigend, um "Osterwasser" zu schöpfen, mit dem sie sich zu Hause  wuschen,
um Sommersprossen zu beseitigen und noch schöner zu werden. Man goß von
dem Wasser auch dem Vieh in die Tränke, damit es vor Krankheit bewahrt
bliebe.
Das Wasser verlor seine Wirkung, wenn man unterwegs sprach. Burschen
laürten
den Mädchen auf dem Rückwege auf, um sie zum Sprechen und damit um die
Wirkung des "Osterwassers" zu bringen.
"Am Gründonnerstag und Karfreitag wandern die Glocken nach Rom ",  pflegte
man zu sagen.
Die Ministranten vollführtenes mittels Holzklappern, die Hämmer hatten, oder
mit drehbaren Schnarren. In Baürwitz Hatte man früher eine Klappermaschine,
eine Karre, die beim Fahren Klappern in Bewegung setzte. Unsere Ministranten
übten schon tagelang vorher unter der Leitung des "Klappermeisters"  das
Klappern
im Takt. Dann klappte es aber auch, wenn sie in zwei oder drei Reihen die
Dorfsraße entlangzogen. Bei jedem Straßenkreuz hielten sie an und beteten.
Am Samstag sammelte sie ihren Zins ein, der meist in Ostereiern bestand.
Es ist schon lange her, Daß Burschen am Karfreitag eine geteerte Strohpuppe
in eine Sandgrube trugen und unter Gejohle der Zuschaür verbrannten. Das
war das Judasfeür; man verbrannte den Judas, ein Brauch, der an das
altgermanische
Frühlingsfeür erinnert, bei dem man den Winter verbrannte.
Am Ostersonnabend fertigte man als Vorbereitung für das Fest aus dem
geweihten
Holz kleine flache Kreuze. Burschen und Knaben flochten aus mehreren
Weidenruten-
meist waren es sieben- die "Schmackoster" oder "Schmaguster" die mit einem
eingflochtenen roten Band geziert und an der Spitze zu einer Schleife
gebunden
waren. - Nach der Auferstehungsfeier am Samstagnachmittag war das Fasten
beendet, nun sprach man tüchtig dem Osterschinken zu.
Am Ostersonntag vor Sonnenaufgang ging der Baür allein oder zusammen
mit seinen Söhnen, Kreuzel und "Palmen" im Arm,, auf seine Felder und
steckte unter Gebet an den Rand jedes Ackers drei Kreuze in die Erde,
dazwischen je einen Palmzweig. Die Mutter ging zur Frühmesse, um rechtzeitig
zum Kochen zurück zu sein. Der Vater und die Kinder besuchten das Hochamt.
Nach der Kirche mußte das Mittagessen auf dem Tisch stehen. Familie und
Gesinde aßen zusammen in der Küche an ein und demselben Tische.
Währen der Vater nun gemächlich seinen Tabak rauchte, gehen die Kinder
in den Hof, um mit Kugeln oder "Bomseln" (Kieselsteinen) zu spielen.
Knaben und Burschen probierten ihre Schmaguster bereits am ersten Feiertag
auf den Rücken der Mädchen. Aber erst am Ostermontag sah man sie in den
Häusern und auf der Straße die Mädel und Fraün jagen und peitschen.
Beim Eintritt in ein Haus sprachen sie:"Guten Morgen, s`ist Ostern, wir
kommen
schmackostern". Oder:" Madla, Madla, laß dich peitschen, doas dich ni  die
Flieglan
(Flöhe) beißen!" Oder:" Schmackoster,Schmackoster em aMolei, em a  zwei,
em a Stickla Kuch, wenn bir sie nich finden, wern bir sie eim Bettla
suchen."
Taschen und Zeeker füllten sich mit Ostereiern und Apfelsinen, besonders
beim
Besuch der Paten.
Die Männer gingen nach dem Segen gen "Emmaus", d.h. ins Wirtshaus im
Nachbarort. Am Abend drehte sich Jung und Alt im Tanz. Vergessen waren
Winter und Faste.

Abschrift aus "Wie`s früher war in Schlesien" von Hugo Eichhof

 

Wie in vielen anderen Gegenden Deutschlands,
so gehen auch noch im Isergebirge an diesem Tage
die Kinder, mit einem großen Beutel ausgerüstet, von
Haus zu Haus Gaben sammeln. Gewöhnlich vereinigen sie
sich dabei zu kleineren Gruppen. Sind sie bei jemand eingetreten,
so begrüßen sie ihn im Chore mit den Worten:" Guda Murja
im a Gründunscht`g ". Wollen sie besondere Gunst der Hausfrau
gewinnen, so schmeichel sie ihr wohl auch mit dem Verse:
"Guda Murja im an Gründunscht`g!
Die Frau - giht im Hause rüm,
sie hoat an weiße Schürze üm
mit an ruta Bande,
Sie ist die schienst` im Lande,
sie wird es nun doch denka
an wird uns nun woas schenka."
Als Geschenk erhalten die herumziehenden Kinder Brezeln
und "Dollsäcke". Das sind aus Semmelteig gebackene Männer,
Tabakspfeifen, Tiere und anderes. Auch Hühner- und Gänseeier
werden zuweilen verabreicht. Von dem am Nordabhange des
Kemnitzkammes gelegenen Dorfe Qürbach erzählt man, daß
dort früher wohlhabende Leute zuweilen Äpfel mit eingelegtem
Geldstück gaben.
In einigen Dörfern erscheinen die Kinder am Tage des Sommer-
anfangs mit ihrem Sammelbeutel in den Häusern. Sie singen dann
meist: Guda Murja im a Summer!
Bin a kleener Bummer,
bin a kleener König;
gabt mir ne zu wenig,
lußt mich ne z`r lange stihn
will a Häusle wätter gihn!"
Allgemein Sitte ist es hier auch, daß die Paten die Semmel, die
sie ihrem Patenkinde bis zu dessen vierzehnten Lebensjahre
schuldig sind, am Gründonnerstag überreichen. Die Patensemmel
hat die Form eines länglichen Brotes. Allerlei aus dem gleichen
Teige hergestellte Figuren sind ihr aufgebacken. Soll sie als
"eine gude" gelten, muß sie mit Rosinen verziert sein.
Nicht vergessen sei der auf den Gründonnerstag bezügliche
Aberglaube der Isergebirgler. Man meint, die Eier, die man den
Hennen oder Gänsen an dem Tage unterlegt, würden alle ausgebrütet.
Von Blumensamenkörnern, die man am Gründonnerstag sät, oder
Kartoffeln, die man während desselben steckt, erhofft man eine
besonders reiche Entwicklung.
Ein großes Kapitel des in unserer Gebirgsbevölkerung wirkenden
Aberglaubens bezieht sich auf den Karfreitag. Auch im Isergebirge
holt man einer weitverbreiteten Sitte gemäß das Karfreitagwasser.
Man soll es schweigend, mit dem Strome, einschöpfen und zwar
unterhalb einer Brücke, über die im Laufe des betreffenden Jahres
eine Leiche getragen wurde. Auf dem Rückwege darf man sich nach
dem Gebote des Aberglaubens weder umsehen, noch darf man jemand
das im Gefäß enthaltene Heilwasser zeigen. Es wird sorgsam aufbewahrt
und zm Waschen bei Verwundungen, Krankheiten und allerelei
Gebrechen benutzt. Auch gießt man verschiedentlich dem Vieh, da
man annimmt, es werde dann im Laufe des Jahres nicht krank, am
Karfreitagmorgen etwas davon in den Inhalt des Sauftrogs. Speisen,
die man einem Kranken auf einem mit Karfreitagwasser besprengten
Tische aufträgt, hält man für besonders heilkräftig. Dem, der häufig
von Zahnschmerzen gequält wird, gibt man den Rat, in der Karfrei-
tagfrühe Saat zu weiden, d.h. die Spitzen einiger junger Getreidepflanzen
abzubeißen und zu kaün.
Als wichtigste Heilmittel neben dem Karfreitagswasser betrachtet der
abergläubische Isergebirgler die während der wunderwirkenden
Tageszeit gekochten und schweigen verspeisten Gänse- und Hühner-
eier. Erstere sollen vor Kreuzschmerzen, letztere vor Leibschmerzen
bewahren. Vielfach erhält jedes Familienmitglied sowie jede zur
Hausgenossenschaft zählende Person ein Gänseei und zwei Hühnereier,
während man dem Wirtschaftsvater, der Hauptperson, oft außer dem
Gänseei drei Hühnereier vorsetzt. Nicht selten werden die Eier schon vor
dem Hineinlegen in das kochende Wasser jedem einzelnen zugeteilt und
dabei gezeichnet. Dem Ledigen, dessen Ei im Kochtopf noch einmal
hochkommt und dann mit einem anderen der im Wasser liegenden Eier
zusammenstößt, prophezeit man baldige Heirat.
Wer sein Haus vor Ameisen bewahren will, soll am Karfreitag vor
Sonnenaufgang um dasselbe herumfegen. In dem Glauben, daß die
Mäuse dann nicht in das Korn hineingehen, macht man in der Karfreitag-
frühe für jede vorhandene Getreideart einige von den Strohseilen, die bei
der Ernte gebraucht werden. Von den Kühen, die an dem betreffenden
Tage vor Sonnenaufgang gefüttert werden, sagt man, sie gäben fette Milch
und gute Butter. Regen am Karfreitag deutet man vielfach als Anzeichen
eines fruchtreichen Jahres.
Aus "Wie`s früher war in Schlesien".

 

(von Wilma Schön)

Aus dem Buch : "Schönwald - Beiträge zur Volksunde und Geschichte  eines
deutschen Dorfes im polnischen Oberschlesien" von Konrad Gusinde (Breslau
1912)

  Zu Ostern werden Eier bemalt. Oben und unten sind gewöhnlich Kronen, in
der Mitte Sprüche. Hauptsächlich schenken sich Liebesleute solche Eier.
    Ostersonnabends wurden früher Eier, Brot und Schinken  geweiht.  Heute
geschieht es am Tage der hl. Agatha (5.  Febr.). Am Ostersonnabende wird das
Feür in der Kirche geweiht. Dann geht man mit den brennenden Laternen, die
in der Kirche bei der Zeremonie verwandt wurden, um Haus und Gehöft herum
Dadurch sichert man sich vor Feürsgefahr.
    Am 1. Osterfeiertage werden kleine Holzkreuze und ein paar geweihte
"Palmzweige" [Weidenkätzchen] in die Feldecken gesteckt.   Gleichzeitig wird,
ebenso wie zu Pfingsten, Weihwasser auf die Felder gesprengt.
    Noch in der Dunkelheit geht man am 1. Ostertage früh aufs  Feld und singt
Osterlieder, meist mehrere Familien zusammen.  Auf einem Wege geht man bis
zur Grenze hinauf, auf dem andern zurück.  Vor Morgengraün ist man wieder
zu Hause.  Dieser Umgang heißt ems kün senga = ums Korn singen.
    Die uralte sinnige Art des Feldumganges hielt sich bescheiden, aber zähe
bis in unsere Zeit, obwohl daneben die prunkvolle kirchliche Prozession
stand.  Diese war, ebenso wie bei den benachbarten Polen, ein Fest der
ganzen Gemeinde, und für ihre Reiterprozession opferten die Schönwälder
gerne. Im Anfange des 18.  Jahrhunderts ging, es dabei so zu: In der Regel
am 2. Ostertage versammelte man sich um ein Uhr auf dem Kirchhofe.  Auf
Befehl des Abtes wurden hier die Teilnehmer ermahnt, hübsch in Ordnung und
im Schritt zu reiten und nicht wild darauf los zu galoppieren.  Dann ging  es
mit Kreuz, Osterherze und Auferstehungsfigur unter Glockengeläute um die
Felder.  Durch Lieder und Litaneien suchte man Hagel und Unwetter  abzuwenden
und Gedeihen für die Saat zu erflehen.  Die Burschen und jüngeren Männer
waren zu Pferde. Ging der Pfarrer mit, so konnte er sich aus der Gemeinde
ein beliebiges Pferd aussuchen und bekam 16 Silbergroschen.  Der Rest des
gesammelten Geldes floß in die Kirchkasse.  Blieb der Pfarrer aber weg,
vielleicht weil ihm die Schönwälder Pferde zu mutig waren, so bekam er
nichts.  Trotz der guten Ermahnungen hörte jedoch der Unfug nicht auf, so
daß die Reiterprozessionen 1817 aufgehoben und in eine Nachmittagsandacht
umgewandelt wurden.
    Am Ostermontage bespritzen die Jungen die Mädchen mit Wasser und
bekommen dafür bemalte Ostereier. Am Osterdienstage bespritzen umgekehrt die
Mädchen die Burschen, ohne jedoch vor ihnen sicher zu sein, da mancher
allzüifrige Bursche auch am Dienstage noch sein Recht ausübt.  Die sonst  in
Schlesien bekannten "Schmackostern" gibt es nicht.
(von Vogeling)

 

Osterbräuche.
Der Kinderglaube an den Osterhasen und die Verwendung der Ostereier als
Fruchtbarkeitssymbole reichen in die vorchristliche Zeit zurück.
Vorchristlicher Brauch ist auch der Schlag mit der „Schmackoster“. Ein
Verbot aus dem 15. Jahrhundert richtet sich gegen den Brauch der Kinder, die
mit geflochtenen Weidenruten die Langschläfer, die Mägde, aus den Betten
peitschten. „Smiggost" wird dieser Brauch genannt. Smiga heißt die "schlanke
Gerte". Gegen die Ostermontagsitte, am Morgen Bekannte im Bett mit Wasser  zu
begießen, wenden sich die Statuten des Posener Bischofs Andreas "Vom
Dyngusch". Das slawische Wort ist aus dem deutschen "dingen",  Vertrag
schließen, übernommen.

Qülle:
Schlesische Volkskunde
von Joseph Klapper

 

 Schmeckostern.
Am Ostermontage früh beginnt das Schmeckostern (Schmickostern), wobei die
maennliche Bevoelkerung die weibliche mit Gerten, aus Riemen oder aus
Süssholzwurzeln und Weidenruthen geflochten, mehr oder weniger schlaegt. Am
anderen Tage geschieht dasselbe den Knaben von Seite der Maedchen. Die
"geschmeckosterte" Person muss sich durch ein gemaltes Ei, durch einen
Kuchen und so weiter loskaufen. Dabei werden verschiedene Sprüche
recitiert.

Qülle:
Heimatkunde für das Herzogthum Schlesien
von Anton Peter


Ostern gehoerte schon zu den heiligen Zeiten, lange bevor das Christentum
aufkam. Osterwasser galt als heilig. In der Karwoche war das Waeschewaschen
verboten. Man holte Karfreitagswasser aus einem fliessenden Bach, dabei
durfte jedoch nicht gesprochen werden. Diesem Wasser, das nicht verderben
konnte, wurden heilende Eigenschaften zugesprochen. Ein Bad im Bach vor
Sonnenaufgang galt als besonders heilkraeftig. In vielen Teilen Schlesiens
bespritzten die jungen Maedchen am Osterfeiertag die Burschen, mitunter auch
umgekehrt. Traditionelles Gebaeck zu Ostern waren Brezeln, in Oberschlesien
gab es Gaalbrutl, gelbe Brotel, in Warmbrunn wurden zum Tallsackmarkt am
Palmsonntag Tallsaecke gebacken.

Qülle:
Schlesien-Lexikon
von Klaus Ullmann
 

 

"Am Gründonnerstag muß man grünes Gemüse und Honig essen.
'Am Morgen geht man vor Sonnenaufgang zum Dorfbach zum Waschen', sagt einen
Spruch und schützt sich so vor Natternbiß und Sommersprossen.
Die Kinder ziehen an diesem Tag mit Klapper und Schnarre durch den Ort und
heischen (erbitten) Gaben. Das ist ein lärmender Umzug durch die Straßen.
...
Mit der Sitte des Ostereiersuchens hängt der Brauch zusammen, Eiervögel
herzustellen. Zur Freude der Kinder werden bemalte Hühnereier aus buntem
Papier gefaltete Flügel, Kopf und Schwanz angesetzt. Diese österlich bunten
Eiervögel, die man bei Verwendung von Puten- und Gänseeier sogar in
stattlicher Größe ausstaffieren kann, hängt man in den Feiertagsstuben der
Ostertage auf, damit sie Freude und Glück ins Haus bringen.
Am Osterabend werden Osterfeür angezündet und brennende Räder vom Berge ins
Tal gerollt."
("Schlesien", Kamen 1964)

 

"In der Karwoche war das Wäsche waschen verboten. Man holte
Karfreitagswasser aus einem fließenden Bach, dabei durfte jedoch nicht
gesprochen werden. Diesem Wasser, das nicht verderben konnte, wurden
heilende Eigenschaften zugesprochen. Ein Bad im Bach vor Sonnenaufgang galt
als besonders heilkräftig.
In vielen Teilen Schlesiens bespritzten die Jungen Mädchen am zweiten
Osterfeiertag die Burschen, mitunter auch umgekehrt.
Traditionelles Gebück zu Ostern waren Brezeln, in Oberschlesien gab es
Gaalbrutl, gelbe Brote, in Warmbrunn wurden zum Tallsackmarkt am Palmsonntag
Tallsäcke gebacken.
"Schlesien-Lexikon" von Klaus Ullmann

 

Es ist schon ziemlich interessant mit dem Verbot, zumal ich in meiner Jugend
und sogar noch in den Achtziger, Mägde aus den Betten zwar nicht peitschte
aber dafür ergiebig spritzte. Auch wir Jungs bzw. Männer wurden am nächsten
Tage von Ihnen begossen, dafür bekamen die Jungs wie auch Mädchen vor allem
die buntbemahlten Eier aber auch Apfelsinnen und Süßigkeiten. Was das Wort
Smiga angeht, so kann ich nur sagen, daß man dieses Wort gegenwärtig mit
einer schnellen Bewegung assoziiert, wie z. B. einem Peitschenschlag,
außerdem aber auch mit einer relativ schnellen von einem Ort zum anderem zu
erfolgenden Bewegung der zum Ziel das schnelle erledigen einer
Angelegenheit, welcher Art auch immer liegt. Ebenfalls sehr interessant,
finde ich die Erwähnung des Posener Bischofs Andreas "Vom Dyngusch", denn
aktüll wird der Ostermontag in Schlesien "SMINGUS DYNGUS" genant. Mir
persönlich wurde die Bedeutung des Wortes DYNGUS bewußt, erst als ich in
deiner Email von Bischofs Andreas "Vom Dyngusch" gelesen habe. Nun ja  es ist
nicht mehr und nicht weniger, als ein Indiz dafür, dass unsere Liste
tatsächlich etwas leistet und auch sinnvoll ist.

 

 

Osterbräuche in Ost und West und in Schlesien 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Publikationsstand dieser Seite:02/04/08

 

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Ostern