Weihnachten
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Brauchtum
Kriegs- und Nachkriegsweihnacht

Ironischer Weihnachtstext

Maxlas Weihnachtsbrief

 

 

Maxlas Weihnachtsbrief
 von Ernst Schenke

Is Maxla, doas schreibt jitz onns Christkind`n Brief
Is schreibt emoll gleich und emoll schreibt`s schief.
Is koan überhaupt noch nich schreiba, is Maxla,
Hoat aber Wünsche, a ganzes Paxla.
Doo macht`s halt jitz Pünkta und Zeecha und Strichla,
Is Christkind werd se schunt lasa, die Sprüchla.

Zwee schiefe Kreuzla macht`s glei zu errscht,
Doas heest: Liebes Christkindla, wenn de jitz kumma werscht,
Doo kumm ock und breng merr enn hübscha klenn Bär,
A Peitschla, a Fahrla, a Schießgewehr.
Jitz macht`s lauter Pünkta die Zeile drunder,
Doas heest: Kumm ock bale vom Himmel runder,
Und breng merr`n hübsche Posaune miet
Und a Mannla, woas uff´m Kuppe stieht.

Die Schwänzla die`s jitz macht , bedeuta goar viel:
A Feifla, `n Quitschmaus, a Glockaspiel,
A Durf mit viel Hühnlan, mit Beemlan und Leuta,
Doas olls und noch meh tun die Schwänzla bedeuta.

Jitz ruht errscht is Maxla, besinnt sich a bißla,
Dernoo schreibt`s ganz hurtig eahn Gänsefüßla.
Die macht`s doß is Christkind sul merka und wissa,
Is derf nich gespoart warn mit Äppeln und Nüssa.

Jitz moolt`s woas, doas sitt bale aus wie`n Sechse,
Und schunt ies is Häusla bestallt mit derr Hexe
A Häkla noch flink onn die Sechse droan
Heest: Christkindla, breng merr`n Faffermoan!

Dernoo aber kumma zwee wichtige Zeecha,
Zwee Strichla, die übersch Papier naus reecha.
O liebstes Christkind, heeßa die Strichla,
Breng a Tuschkastla miet und a Bilderbüchla,
Zuletzte tutt`s mootsche nooch Herzenslust,
O Christkindla, mootch`s breng ock olls woas de hust,
Und kumm ock recht baale und bies och nich lange,
Heeßt dar letzte Striech, a sitt aus wie`n Schlange.

Geschrieba woar Maxlas sei Weihnachtsbrief,
Schunt längst loag is Jingla eim Bette und schlief,
Doo koam is Christkind ganz leise geganga,
Noahm ei die Hände dan Zädel, den langa,
Beguckt a voo hüba, beguckt a voo drüba,
Und sproach: "Dan hoot doch is Maxla geschrieba".
Und leise droht`s uff sei Bettla zu:
"Du ungeneußiges Perschla du,
Wenn ich, woas hie druffe stieht, olls sul besurga,
Muuß iech merr ju extra`n Schlieta burga.
Nee, Maxla, doas warn merr nich macha kinna,
Mirr müssa dan andern halt oo woas ginna.
Du schreibst ju schunt siehr akkerat und siehr fein,
Is muuß aber äbenst fer olle woas sein".

 

Ein ironischer Text zum Weihnachtsfest 1940 aus "Unvergessene Weihnachten", Band 1, Herausgeber Jürgen Kleindienst, Zeitgut Verlag, Seite 52

"Betreff: Wegfall der diesjärigen Weihnachtsfeiertage.
Infolge der durch den Krieg bedingten Verhältnisse
muß dieses Jahr von Weihnachten als Feiertagen
abgesehen werden. Begründung: Der Heilige Josef ist
zur Wehrmacht eingerückt. Die Heilige Maria ist in einem
Rüstungsbetrieb dienstverpflichtet. Das Jesuskind wurde
infolge der ständigen Fliegeralarme kinderlandverschickt.
Die Weisen aus dem Morgenland erhielten keine Einreiseerlaubnis.
Der Stern von Bethlehem mußte verdunkelt werden.
Die Hirten wurden zum Sicherheitsdienst eingezogen.
Der Stall wurde zur Flakstellung ausgebaut.
Das Stroh wurde von der Truppe beschlagnahmt.
Die Windeln des Jesuskindes mußten bei der Reichsspinn-
stoffsammelung abgeliefert werden. Die Krippe wurde
der NSV zur Verfügung gestellt.
Wegen des Esels allein dürfte es sich nicht lohnen,
Weihnachten zu feiern."
 

 

Weihnachtserinnerungen eines alten Schlesiers

Es war wohl immer so: Die Alten erinnern sich zum Weihnachtsfest  gerne an ihre Kindheitstage! Was haben mir alte Menschen alles erzählt, wenn wir ihnen erst mal die Zunge gelöst hatten, wenn sie im Fahrwasser waren, dann plauderten sie in ganz reizvoller Weise fröhlich drauf los und manches, was sie beglückte, wenn sie ihrer Weihnachtsfeste in der Kinderzeit gedachten, kam da zum Vorschein.

So mag es auch im Jahre 1931 kurz vor dem Weihnachtsfest gewesen sein, denn da bringt eine schlesische Tageszeitung eine reizvolle Plauderei eines gewiß nicht mehr jungen Mannes, der sich vergangenen Zeiten erinnert. Dies Plauderei wollen wir hier wiedergeben und wir meinen, viele unserer Leser und Heimatfreunde werden ihre rechte Freude daran haben. Lassen wir also den alten Mann aus dem Jahre 1931 von seiner Kindheit in Breslau erzählen:

„Nu kumm ock näher, Kindel,
Und sieh die Sachen an;
Besiech die Zuckerkringel,
Besieh da Hampelmann!
Der Markt, is vull von Schätzen
Das flinkert ock asu!
Asu viel bunte Fetzen
Gibt’s suste nirgendwu.
Kumm her, mach uff das Täschel,
Hie is kee Nüssel huhl.
Hier kriegste für drei Gröschel
An ganze Mütze vul.

 

Mitten durch das Gewühl der Kraftwagen und Radfahrer zieht die Albrechtstr ein Pferdefuhrwerk entlang, ein Lastwagen, bedächtig und langsam, ganz beladen mit Tannen und Fichten. Auf den Bücherplatz, dem Ring, an der Elisabethkirche und auf vielen und auf vielen anderen Plätzen der Stadt wachsen kleinere und größere Nadelwälder empor. Der herbe Harzgeruch, den sie aus stillen Bergforsten mitbringen, kämpft um die Wette mit den häßlichen Gerüchen nach Schmieröl und Benzin, von denen die feuchte Luft der Großstadtstraßen erfüllt ist.

Wenn dieser halbwürzige Harzduft jetzt bei Gängen durch die Stadt mir die Sinne umschmeichelt. Kommt mir das alte Kinderlied vom Breslaür Kindelmarkt, das ich zu Beginn meiner Erinnerungen niedergeschrieben habe, in den Sinn und mir wird selig still und verträumt zu mute. Mit eigenem Glanz in den Augen und dem Lächeln eines Kindes im  Gesicht gehe ich meines Weges, so daß mancher erstaunt wenn er mich begegnet, mich erstaunt ansieht und fragen möchte: „Hast Du das Große Los gewonnen ? Oder was ist Dir sonst für ein Glück widerfahren ?“

Ach nein ! Das große Los hat mich noch niemals gessegnet ! Es ist nur eine süßliche Kindheitser-innerung, die in mitten des Straßengewühls jäh in mir wach wurden. Der Ring, die alten, lieben Straßen haben plötzlich ein anderes Gesicht bekommen, das mir vertrauter ist als das gegenwärtige. Die alten, spitzgibeligen Häuser, die sich in die neü Zeit hinüber gerettet haben, nicken mir lachend zu : „Weißt Du noch ?“

Neben ihnen tauchen in meinen Gedanken die anderen Häuser auf, die mit der Spitzhacke bereits zum Opfer gefallen sind und neün Bauten Platz machten. Die schönen Linien und Formen der alten Patrizierhäuser sind vom weiß schimmernden Schnee betont nachgezogen. Auf den Ecken und Türmchen liegen weiche Wattepolster. Die dunklen Fensteraugen schaün verwundert auf das Leben und Treiben herab, das zu ihren Füßen über Nacht aufgewacht ist.

Endlich auch die Zimmersche Buchhandlung an der Ecke der Schuhbrücke überwunden. Die Albrechtstraße mündete in den Ring und nun gab es kein Halten mehr. Leise sanken feine Schneeflocken, aus dem Dämmergrau des Himmels sich lösend, hernieder, legten weiße Kappen  auf unsere Kapuzen und Mützen, machten uns zu Schneemännern. Wir achteten es nicht. Es gab nun gar viel zu sehen und zu hören. An der „Goldarbeiterseite“ zogen sich zwei Leinwandbuben. Über senkrechte, ungehobelte Leisten waren große Zeltplanen gespannt. Im leichten Zugwind flackerten die offen brennenden Gasflammen und sangen ihre eintönige Melodie. Trüben Schein warfen sie über die bunten Waren, die auf rohen Holztischen auslagen. Aber in Erinnerung leuchten sie heller, als wenn sie von grellen Glanze des modernen elektrischen Lichts bestrahlt worden wären.

Was gab es da nicht alles zu sehen ! Flauschhosen baumelten von Zeltleisten herab, Schürzen, Tücher, Hemden dekorierten sie, Schuhe in allen Arten und Größen zierten die Verkaufstische. Lange grobe Baürnstiefel standen wie Kanonenrohre da. Aus den starren Schäften sah das gekringelte, weiße oder braune Lammfell heraus, mit dem sie gefüttert waren.

Fast in der Mitte der Reihe, die nach der Naschmarktseite hinüber sah, hatte ein Bekannter meiner Eltern seine Bude. Er war Sattlermeister und bot Damentäschchen, Büchertaschen, Portemonaies und ähnliche Dinge feil, die für uns Kinder kein besonderes Interesse hatten. Aber auch ein Schaukelpferd stand links vom Auslagetisch. Das stand immer da, solange ich zurück denken konnte, hatte es die Kindelmarktsaison mitgemacht. Es war zu teür, denn es kostete ganze 10 Mark, darum mochte es unverkäuflich sein. Aber es war auch ein ganz besonderes Wiegenpferd, die stille Sehnsucht unserer Kinderherzen. Es hatte richtiges Fell, eine Mähne aus Pferdehaaren, und seine Zügel waren mit kleinen Glöckchen besetzt, deren Läuten unserem Kinderohren viel schöner dünkte, als Tom, dem Reimer das Klingeln der Silberglöckchen seiner Märchenfee. Wir waren glücklich, wenn wir nur einmal scheu und zärtlich über das Fell streichen durften, und mein Schwesterlein umarmte den Gaul, als wäre es eine große Puppe, tätschelte ihn und küßte ihn mitten auf die nach Farbe riechenden Nüstern.

Die doppelte Zeltreihe, der „Goldarbeiterseite“ war aber für uns Kinder nur ein kleiner Vorgeschmack der Schaufreuden, die unserer noch harrten. Wir beachteten sie nur, weil wir dem Sattlermeister „Guten Tag“ sagen und ihm die Grüße der Eltern ausrichten mußten. Hauptsächlich aber um des Schaukelpferdes willen!

Viel, viel schöner war es in den Budenreihen der „Sieben – Kurfürsten – Seite“. Hier waren sechs oder acht hohe Holzhallen errichtet, die qür zu dieser Ringseite standen. Von einem Ende zum anderen Ende führte ein breiter Gang, und zu beiden Seiten befanden sich Verkaufskojen. In den Hallen der Textilwarenhändler ging es meist recht ruhig zu. Da gab es keine Getränke und Gelärm staunender Kinder. Nur Hausfraün und Familienväter gingen hier bedächtig und prüfend durch die Reihen, befühlten die Stoffe, die Hosen, die Röckchen und Kleider und feilschten und nörgelten, bis sie sich entschlossen, weiter zu gehen, um an anderer Stelle das Spiel vom neün zu beginnen.

Pflichtbewußt stapften auch wir durch diese Hallen. Man konnte ja nicht wissen, ob man etwas versäumte, wenn man sie ausließ. Es war aber nichts zu versäumen. Es roch nach Leinewand und Baumwolle und war recht langweilig. Wir zerrten darum tüchtig an den Rockfalten der alten Scholzen, um sie rasch als möglich vorwärts zu kommen.

Da war es doch vor dem Pfefferküchlerbuden ein anderes Ding. Die süßen Düfte, die hier verströmten, hielten uns in den Bann, daß wir gar nicht fort wollten. Mit glänzenden, begehrlichen Augen betracht-eten wir die braunglasierten, schön mit Mandeln geschmückten Pfefferkuchen, die Marzipanschwein-chen in allen Größen, die Cervelat- und Leberwürste aus Marzipan mit dem appetitlichen Anschnitt, die riesigen Pfefferkuchenherzen, mit roter Farbe, weißen Zuckerguß, sinnvollen Sprüchen und bunten Bildchen geschmückt.

„Baürnbissen“! – Ach, ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt keinen Pfefferkuchen der so vortrefflich schmeckt! Was sind dagegen Lebkuchen aus Nürnberg! Das Schlimmste ist, daß man heute ganz gewiß diese Leckerei – eben die Baürnbissen – nicht mehr halb so gut bekommt, wie in unseren Kindertagen. Wo ist in der Weihnachtszeit noch das weiße Schild mit der verführerischen Aufschrift: „Frische Baürbissen“ bei einem Pfefferküchler zu sehen ? Wo kann man noch mit solchen Genuß die einzelnen Teile dieses kloßartig zusammengesetztes Gebäckes voneinander lösen, um sie mit genießerischen Behagen in den Mund zu stecken ?  Man hat mir einmal verächtlich gesagt, sie schmecken nach gar nichts weiter, als nach Mehl und Zucker. Ja, wer mit der feinschmeckerischen Zunge nicht neben Honig und Gewürz aller Art auch die seligen Kindheitserinnerungen heraus fühlen kann, der ist für den wahrhaften Genuß der schlesischen Baürnbissen einfach nicht geschaffen.

Mit einer anderen süßen Begehrlichkeit ist es mir ähnlich ergangen. An der Einmündung der Elisabethstr. Stand ein Zuckerbäcker in weißer Schürze und roten Fez auf dem Kopf. Er markierte den Türken, weil er türkischen Honig verkaufte. Ich kannte ihm schon von der Eisbahn an der Liebichshöhe her, wo er am Fuße der kleinen Insel seinen Tisch aufgeschlagen hatte. Wie oft habe ich mit sehnsuchtslüsternen Augen in seiner Nähe gestanden und jeden beneidet, der sich für 5 Pfennige einige Stücke der harten Masse abhacken lassen konnte. Ich weiß heute noch nicht, wie das Zeug geschmeckt hat, weil ich mich scheute den letzten Sechzer auszugeben, den ich wie einen „Hecktaler“ hütete. Ich hatte aber immer nur den „letzten“ in der Tasche.

Von seinem hohen Pferde schaute der „Alte Fritz“ verwundert, aber nicht unfreundlich auf das bunt bewegte, laute Treiben des Christmarktes zu seinem Füßen. Immer hat uns Jungen das Fehlen der Sporen an seinem Reitstiefeln geärgert, weil wir nicht wußten, daß der große König nie welche benutzt hatte. Jetzt achteten wir seiner nicht. Es gab schließlich viel mehr interessantes zu sehen. Die langen Holzhallen waren hier zu Ende, und an ihrer Stelle traten die gleichen Zeltbuden, wie an der „Goldarbeiterstr.“ Zwischen ihren Reihen und am Stadthaus entlang entwickelte sich das eigentliche , das fröhliche Markttreiben. Lustig, lärmender Trubel wogte. Hahnenpfeiffen schrien uns grell in die Ohren. Spielmäuse quiekten. Trompeten bliesen. Trommel ratterten. Klappern quarrten. Puppen quietschten. Hökerweiber schimpften. Händler priesen laut ihre Waren an. Jungen schrien ihrem Kram aus und ließen ihre „Waldteufel“ surren und schnurren. Sie hatten sie selber in mühsamer Arbeit geklebt, diese Trommeln aus Pappe und mit bunten Glanzpapier verschönt. Durch den Deckel liefen zwei ineinander gedrehte Pferdehaare, die an den Holzstäbchen befestigt waren. Wenn dieses Marterinstrument gedreht wurde, gab es so lang anhaltende Rasseltöne, die durch Resonanz der unten offenen Trommel verstärkt wurden.

„Stück fer Stück ‚n Böhm!“ schrien die Bengel, „koofen Se, koofen Se, scheene Dame! Die scheensten Waldteufel, bloßn’n Böhm das Stück!“ Zudringliche Zappelmannverkäufer sperrten die Wege zwischen den Budenreihen. An alle Väter und Mütter drückten sie sich heran, quälten das ihnen einer der bunten, aus Papier geklebten Hampelmänner abgekauft würde.

„Koofen Se mir een’n ab, lieber Herr!“ schrien sie wirr durcheinander, „koofen Se, `s is der letzte! Mich friet! Ich möchte nach Hause gehen!“

Dabei hing außer diesen „letzten“ noch ein halbes Dutzend anderer an den obersten Jackenknopf des kleinen Schlaubergers. Den Fraün rissen sie fast die Rockfalten aus, und wenn eine Mildherzige sich verleiten ließ, einen der Hampelmänner zu kaufen, stürmte ein Dutzend anderer Verkäufer mit ohrenbetäubenden Geschrei auf sie ein.

„Koofen Se Rosen, scheene Christbaumrosen!“ schrien andere. „Christbaumlichter! Das Stück `n Pfennig!“ „Engelshaar vor`n Böhm!“ „Christbaumtillen! Christbaumtillen! Das Neuste wo man hat!“

An allen Spielwarenbuden blieben wir stehen. Was gab es da nicht alles für Herrlichkeiten! Bleisoldaten, Trommeln, Pfeifen, Gewehre, ganz wie in dem Kinderweihnachtslied. Helme aus Pappe mit vergoldeter Spitze, Steckenpferdchen, bunte Spiele, anderer Art und mancherlei Tand. Das Auge wußte nicht, wohin es zürst sehen sollte.

Mein Schwesterchen krähte natürlich nach allen Puppen. Puppenstuben, Puppenwagen. Und davor blieb unsere Kindfrau auch am liebsten und am längsten stehen. Da wurde sie nie ungeduldig, sie wurde vielmehr selber zu einem Kind. Ich erinnere mich heute noch, wie es in unseren Augen glänzte, wenn sie die Puppen sah. Ihr heimlicher, heißester Wunsch war gewesen, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Im Kind schien ihr alles Glück zu leben, das auf Erden möglich war. Sie hatte sich dann auch schon als junges Mädchen schnell verlobt. Heiraten konnten die jungen Leute doch noch nicht, weil es am nötigsten fehlte, das zu einer Ehe gehört. Sie warteten sechs, acht , zehn Jahre. Dann verunglückte ihr Bräutigam, litt lange und starb.

Wenn ich heute an das alte, liebe, runzelige Gesicht unserer Kinderfrau denke, will es mich wie Wehmut um ein verfehltes Leben überschleichen. War es aber wirklich so verfehlt, weil einer tiefen und starken Sehnsucht keine Erfüllung wurde ?

Ich muß an die „Schornsteinpfeger aus Backpflaumen“ und an den „türkischen Honig“ denken. Würden sie mir heute noch so süße Erinnerungen unseres Lebens Glanz und Farbe bringen, sondern die unerfüllten, die immer Sehnsucht bleiben, ob sie Schornsteinpfeger aus Backpflaumen oder lebendigen Kindern gelten .......“

Wie in einem alten Guckkasten – in einer „Laterna Magica“ – sind diese Bilder vom Breslaür Weihnachtsmarkt, verklärt vom Glanz der Vergangenheit, an uns vorübergezogen. Und jeder unserer Leser erinnert sich dabei vergangener Zeiten, als ob er den Christkindelmarkt in Landeshut, Hirschberg, Lauban oder Görlitz besuchte und diese vorweihnachtliche Welt der Heimat mit staunenden Kinderaugen betrachtete.

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Weihnachten 1931: Regen im Gebirge

Ja, auch das konnte einmal möglich werden, daß es im Riesengebirge keinen Schnee gab, daß das Observatorium Krieter bei Breslau nicht melden konnte: „Ski und Rodel sehr gut“.

Wer aber das Weihnachtsfest im Riesengebirge verleben konnte, der mußte damals schon zu der Bevorzugten, zu den Begüterten gehören. Viele Schlesier blieben zum Weihnachtsfest daheim. Wer aber ins Riesengebirge fuhr, der nahm sich die „Bretter“ mit, denn der wollte gewiß mit seinen Skiern die weiße, weihnachtliche Bergwelt durchqüren.

Lassen wir uns einmal von einem alten Zeitungsbericht erzählen, wie es zum Weihnachtsfest 1931 im Riesengebirge ausgesehen hat:

„Wie immer lockten die Berge im Glanz des Neuschnees. Diesmal mehr denn je, da das Entgegenkommen der Reichsbahn durch die erweiterte Geltungsdaür der Sonntagsfahrkarten auf den immer mehr zusammenschrumpfenden Geldbeutel Rücksicht genommen hatte. So waren die Hauptsportplätze des Riesengebirges wie auch die Hochgebirgsbauden und die böhmische Seite seit Wochen zumeist ausverkauft.

Die Berliner und Breslaür Bahnhöfe füllte vor Abfahrt der Sportzüge ein Bretterwald. Auf dem Hirschberger Bahnhof ist die Zahl der ankommenden Fremden in den Weihnachtstagen auf 25000 geschätzt worden, und es sei dankbar anerkannt, daß die Reichsbahn diesen Riesenverkehr in An- und Abtransport mit Vor- und Nachzügen klaglos bewältigte.

Mit großen Erwartungen hatte man das Wintersportgerät instand gesetzt, aber eine falsch dirigierte Warmluft ließ das Thermometer steigen und die Hoffnung auf den Nullpunkt sinken. Am 24. Und 25.12. regnete es, und die Schneedecke zog sich immer mehr in die höheren Lagen zurück. Glatteis und Pappschnee  herrschten. Am 26.12. brachte ein Sturm die Meteorologie wieder etwas in Ordnung, und am 31.12 sowie auch am 1.1.1932 strahlte die Landschaft bei völliger Windstille in Sonne und Neuschnee. Die Herrlichkeit war von kurzer Daür. Die Kostprobe des Winterwetters wurde am 3.1. durch intensiven Regen verdorben. Durch die wenigen schönen Tage, die eine herrliche Fernsicht boten, wird der erholungs suchende Großstädter doch das Bewußtsein mit heimgenommen haben, auf seine Kosten gekommen zu sein.“

Schöne Fernsichten hat es also gegeben, und das wird manchen Gebirgsfreund, der das Christfest 1931 im Riesengebirge verbracht hat, entschädigt haben.

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Silvestergottesdienst in der Schreibhaür Kirche

Das mag nun der Schluß unserer Betrachtungen, unserer Rückschau auf das schlesische Weihnachten in den 30. Jahren des 20. Jahrhunderts sein: Die Schilderung eines Silvestergottesdienstes in der Schreibhaür Kirche. Es war kein Schlesier, dem wir diese Schilderung verdanken und die wir einer schlesischen Tageszeitung vom Januar 1932 entnehmen. Sein Name ist mit Dr. Werner Strüwing angegeben, dahinter steht der Wohnort Stettin. Der Familienname Strüwing, darf auch keineswegs schlesisch gelten, eher ist er norddeutscher Herkunft. Was der Mann damals niedergeschrieben hat und was eine schlesische Tageszeitung veröffentlichte, kann uns noch heute beglücken. Deshalb wollen wir diese Schilderung – sie wurde gewiß mit einem gläubigen und gottvertraünden Herzen niedergeschrieben – mit Bedacht lesen und hinterher vielleicht noch ein wenig darüber nachdenken:

„Sylvester im Riesangebirge.

Die evangelische Kirche in Oberschreiberhau war überfüllt. Nicht nur Ortsansässige, sondern auch Sportler und Erholungssuchende waren zahlreich vertreten. Es darf wohl der Besuch eines Gotteshauses im Gebirgsort am letzten Tag des Jahres als eine der eindrucksvollsten Stunden bezeichnet werden. Hatte man vielleicht noch einige Stunden vor Beginn des Gottesdienstes die Erhabenheit der Natur, die unerbittliche Strenge des Schneesturmes gefühlt oder mit dem Rodelschlitten vom Kamm herab in kurzer Zeit das sichere Tal erreicht, so hatte man in der Kirche Gelegenheit, alle Eindrücke alles Großen und Schönen, das man letzten Endes seinem Schöpfer verdankt, vor sich vorüberziehen zu lassen.

Das Lied „Ach, bleib` mit deiner Gnade mit uns, Herr Jesu Christ“, das in dem letzten Verse um Treü bittet, erweckte Schulerinnerungen und Erinnerungen an manches persönliches Erlebnis ernsterer Art. Ernst stimmte der Gesang der Gemeinde „Bedenke, Mensch, das Ende, denke deinen Tod“. Auch für denjenigen, der das Gebirge liebt, ist das eine Mahnung, die nicht ernst genommen werden kann. Das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, gab Veranlassung, wiederum einmal dem Schöpfer zu danken für alles das, was er uns Gutes getan hat.

Die Predigt mahnte, nicht nur am Vergangenem zu kritisieren, sondern sich an dem Guten, was auch das vergangene Jahr gebracht hat, auf zu richten. Wenn der Geistliche aufgrund eines Psalms über die Stille sprach, die auch der Mensch benötigte, um wieder Kraft zu sammeln, wird wohl jeder, der das Gebirge und die Schneelandschaft liebt, an die schönen Stunden gedacht haben, die ihm das schöne Riesengebirge immer wieder bringt. Weit oben, wo die vereisten Bäume trotz Sturm und Schneelast immer noch standhalten und sogar noch weiter gedeihen, wird derjenige, der wirklich ein Freund der Natur ist, auch an sie selbst denken und ein Beispiel der ursprünglichen Kraft, die sich trotz aller Widerstände durchzusetzen versucht, finden.

Und „Friede auf Erden und den Menschen Wohlgefallen“ sang dann der Chor. Frieden, den jeder Mensch haben muß, um wieder aufbaün zu können; Frieden, den auch in der Natur findet, wenn man sie nur verstehen will. Mit dem bekannten Liede „Nun danket alle Gott“ wurde der eindrucksvolle Gottesdienst beendet.

Die Türen der kleinen, auf dem Kapellenberge gelegenen Kirche öffneten sich. Neuschnee hatte die Landschaft in ein Festtagskleid gehüllt. Um eine wertvolle Stunde des Lebens bereichert, zog wohl jeder, der diesen Gottesdienst beigewohnt hatte, in seine Baude oder in sein vorübergehendes Heim.

Wenn auch am Silvesterabend die urwüchsige Freude, wie sie in anderen Jahren – und ins besondere im Gebirge -  üblich ist, nicht aufkommen konnte, so dürfte wohl der Silvester – Gottesdienst 1931 in der Evangelischen Kirche in Oberschreiberhau dazu beigetragen haben, die innere Stärke zu geben, die er für die Überwindung des schweren Jahres 1932 benötigt.“

Damit soll unsere Rückschau auf jene Zeiten – selige Zeiten in der Heimat – abgeschlossen werden. Sicher wird mancher von uns in diesem Jahre zum Weihnachtsfest, wenn das Geläut der Glocken über deutschen Städten und Dörfern erklingt, hinaus lauschen und sich dabei jener seligen glücklichen Jahre in der Heimat erinnern. Und sicher wird mancher von uns auch in der Silvesternacht auf horchen, wenn er das Geläut der Glocken hört. Dann sollte einen jeden Dankbarkeit erfüllen. Dankbarkeit dafür, daß uns die Schönheit des Heimaterlebens noch immer unsere Tage verklärt und daß das Bild der Heimat – auch so wie es sich in der Weihnachtszeit da bot – noch immer nicht vor unserem geistigen Auge verblaßt ist, sondern daß es stärker und aussagekräftiger denn je vor uns steht, als ein unverlierbarer Besitz, der uns Gott auf den Lebensweg gegeben wurde und der uns begleitet, wo immer uns unser Erdenweg auch hinführen wird .....                                     zurück

Schlesische Weihnachten 1933

 

Veröffentlicht am 20.12.1973 im schlesischen Gebirgsboten von Heinz Kulke,Einleitung abgeändert am 21.9.02.

 

Wenn wir um ganze 7 Jahrzehnte zurückdenken – welche Zeitspanne umfaßt das denn ? Wir erinnern uns: Das Weihnachtsfest 1933 war das erste, welches unser Volk unter der Herrschaft eines Herrn Hitler begehen mußte. Damals beseelten viele Menschen Hoffnung und Zuversicht. Sie meinten, er würde das Elend der Arbeitslosigkeit ändern und sie glaubten seinen Friedensbeteürungen. Diese Gutgläubigkeit wurde dann später sehr enttäuscht, aber davon war zum Weihnachtsfest 1933 vielleicht noch nicht zu spüren.

Wenn wir die beiden davor liegenden Weihnachtsfeste noch hinzunehmen, also die der Jahre 1931 und 1932, so müssen wir uns dabei zwangsläufig der großen Arbeitslosigkeit erinnern, der großen Not, der Hoffnungslosigkeit. Ach, und damals mußte zu den Weihnachtsfesten sehr, sehr gespart werden, das war auch daheim – in unserer Familie – so. Wir Kinder erhielten ein Buch, ein paar Taschentücher, ein paar Strümpfe vielleicht und einen Teller mit Äpfeln und Nüssen, etwas Naschwerk, wobei eine Schokolade und ein paar Marzipanstücken, nicht fehlten, und wir hatten einen Lichterbaum, der mit gläsernen Christbaumschmuck und mit Lametta und auch ein paar Zuckeringeln geschmückt war, das hatte die Mutter am Abend zuvor bis zur Ermüdung alles gemacht, um uns Kindern – zum heiligen Abend einen festlich geschmückten Baum bescherren zu können. Ja – und wenn ich mich rückschaünd erinnere, so muß ich sagen, daß dies trotz aller Bescheidenheit eine „selige, fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit“ war.

Nicht immer bruzelte eine Gans im Ofenrohr, aber ein Stück Fleisch gab es bestimmt. Und in der Regel hatte Mutter auch Pfefferkuchen gebacken, zusammen mit der großen Schwester. Sicher waren es keine „Nürnberger Lebkuchen“, es waren sehr viel schlichtere, aber nicht weniger schmackhafte schlesische Pfefferkuchen.                                         zurück

 

Von guten und billigen Pfefferkuchen

Da fällt mir ein Zeitungsaufsatz in die Hand, er entstammt ihrgend einer schlesischen Tageszeitung vom Dezember 1931. Er ist nicht uninteressant, zu lesen, was in diesem vergilbten alten Zeitungsartikel, das Papier ist schon sehr brüchig geworden, alles geschrieben steht. Wir lesen:

„Wer von den schlesischen Hausfraün bäckt nicht gerne Pfefferkuchen! Die ganze Familie wartet nun sicherlich auch in diesem Jahr darauf, wie nun der beliebte Pfefferkuchen schmecken wird. Eine schlesische Hausfrau, deren Back- und Kochkünste wir kennen, schickt uns folgende zwei Rezepte ein. Sie schreibt dazu: „Ich backe seit Jahren sogar beide Sorten, denn der gute alte Pfefferkuchen-ware immer zu schnell weg – und in diesem Jahr erst recht, denn ich muß sparen.“

Schlesischer Pfefferkuchen (billige Sorte):

Wer erinnert sich wohl an den wohlschmeckenden einfachen Pfefferkuchen, der bei der schlesischen Kirmes und am Weihnachtsfest eine Rolle spielte? Als „Pfeffermändel“ oder „Mehlweißen“ oder „Paperle“ genannt – je nach Form – bekam man ihn in den Pfefferkücherlein usw. angeboten; auch heute gibt es wohl noch Ähnliches, doch war er früher im Geschmack besser gehalten.

Diesen einfachen Pfefferkuchen kann die Hausfrau sehr gut selbst herstellen, das Rezept ist äußerst billig, und der Pfefferkuchen ist wohlschmeckend und bekömmlich. Man lasse ein Pfund Honig – es kann natürlich auch Kunsthonig sein – mit einem Pfund Zucker, einen viertel Liter Wasser aufkochen. Etwas abgekühlt schüttet man dies auf die in einer Schüssel vorbereiteten anderen Zutaten, als das sind: Etwa 2 bis 2 ½ Pfund Mehl, davon kann mindestens die Hälfte Roggenmehl sein, ein Packet Pfefferkuchengewürz, wie man es fertig gemischt erhält, und noch einige Gramm pulverisierten Fenchel. Die Triebkraft besteht aus zehn Gramm pulverisierten Hirshhornsalz und eben solchen 20 Gramm Pottasche. Dieses wird in etwas Wasser aufgelöst und dazu gegeben. Alles muß einen geschmeidigen Teig nach dem Auswirken ergeben, der sich zu allerlei Formen wie Kränze, Tabakpfeifen, Geldsäcke, Pfeffermännchen formen läßt. Der Phantasie sind dabei keine Schranken gesetzt. Die Hauptsache ist wohl, daß man durch Probe backen eines Stückes ausprobiert, ob der Teig die richtige Festigkeit hat, oder ob noch Mehl ausgewirkt werden muß. Er muß beim Backen ziemlich hochgehen. Natürlich kann man ihn auch aufrollen und in längliche Stücke schneiden, das sind dann „Mehlweißen“, oder man kann den Teig auch in Formen ausstechen, die sich für den Christbaumbehang eignen.

Schlesischer Pfefferkuchen (besonders gut):

Ein Pfund Honig, ein Pfund Zucker, zwei Pfund Weizenmehl, ein Viertelpfund in Stifte geschnittene Mandeln, ein Viertelpfund geschnittenen Zitronat, vier Eier, einen Teelöffel Zimt, einen halben Teelöffel Nelken, einen halben Teelöffel Kardamom, 25 gr Pottasche, einen halben Teelöffel Backpulver. Mehl, Mandeln, Zitronat und Gewürze werden in einer Schüssel miteinander vermischt, dann gibt man die verquirlten Eier hinzu und den im Honig aufgelösten Zucker und das Backpulver, zum Schluß die im lauwarmen Wasser aufgelöste Pottasche. Der Teig muß sehr gut durchgearbeitet werden. Man bäckt ihm am zweiten Tag. Der Geschmack wird noch verfeinert, wenn man 1 ½ Weinglas Rum hinzufügt.

Also frisch ans Werk! Bei alt und jung ist dieser Pfefferkuchen sehr beliebt. Aufzubewahren in geschlossenen Behältern bei gleichmäßiger Temperatur.“

So also war es einmal daheim: In den Wochen vor den Festen wurden Pfefferkuchen, „Fassernissla“, Honigkuchen, Lebkuchen gebacken. Die „Floastersteene“ allerdings backten die Hausfraün nicht selbst, das blieb den Pfefferküchlereien vorbehalten. Auch die „Baürnbissen“ waren ein Erzeugnis der Pfefferküchlereien.                            zurück

 

„Neisser Konfekt“, „Liegnitzer Bomben“, „Landskron Bomben“

Natürlich gab es in unserer schlesischen Heimat auch Besonderheiten, die nur für das Weihnachtsfest hergestellt wurden „Neisser Konfekt“ war eine solche Spezialität. Ein altes Zeitungsblatt vom Dezember 1933 bringt eine kurze Zeitungsnotiz, welche die Überschrift trägt: „Weihnachtshochbetrieb bei Neisser Konfekt, und es heißt:

„Jetzt vor Weihnachten sind in dem berschlesischen Neisse die Konfektfabrike bis zum letzten Mann beschäftigt. Aus allen Teilen des Reiches und auch des Auslandes laufen die Bestellungen auf Neisser Konfekt, diese kleinen, so würzig schmeckenden, pfefferkuchenartigen Plätzchen, die nun seit Jahrzehnten überall berühmt sind. Obwohl die bewährten Herstellungsrezepte schon seit drei hundert Jahren angewandt werden, wo alles in modernsten Öfen und Maschinen hergestellt, oft so das keine menschliche Hand damit in Berührung kommt. Der Inhaber einer solchen Fabrik äußerte zu unserer Berichterstattung: „Schade, warum essen alle nur vor Weihnachten Neisser Konfekt. Es schmeckt doch auch im Frühjahr gut. Wir würden gern das ganze Jahr voll arbeiten.“

Und wenn wir uns des Neisser Konfekts erinnern, dann wollen wir die Liegnitzer Bomben nicht vergessen! Wir müssen sehr ehrlich zugeben: Erst während des Krieges haben wir Liegnitzer Bomben kennengelernt. Da wurden wir Weihnachten 1944 an der Oder reichlich mit köstlichen Gebäck beschenkt, und weil ich Nichtraucher war und daher im Tausch Zigaretten abzugeben hatte, so habe ich mir für meine gesammelten Glimmstengel reichlich Liegnitzer Bomben eingehandelt, die kostbaren Schokoladenguß aufweisen, deren Teig mit Rosinen und kandierten Früchten versetzt war. Was war eine solche Liegnitzer Bombe damals zum letzten Kriegsweihnachten für eine Kostbarkeit! Und als ich über die Jahreswende nach Hause fahren durfte, da hatte ich im Gepäck eine Vielzahl Liegnitzer Bomben, mit denen wir uns Abende im Elternhaus versüßten.

In meiner Heimatstadt Görlitz gab es eine ähnliche Spezialität, hergestellt bei Pfefferkuchen – Exner auf der Biesnitzer Straße: Die Landskron – Bombe. Ob sie sich in der Zusammensetzung von der Liegnitzer Bombe unterschied, kann ich nicht sagen. Mit Sicherheit aber weiß ich, das diese Landskron – Bomben in einem eigens dafür hergestellten Karton verkauft wurden die auf der oberen Seite in bescheidenen Druck unsere Görlitzer Landeskrone zeigten. Ach, als wir dann schon wieder im Frieden lebten, einen zweifelshaften Frieden allerdings, denn wer durfte sich damals schon des Lebens sicher fühlen, die Russen beherrschten das Land, da ging ich manchmal zu der Verkaufsstelle der Firma „Pfefferkuchen – Exner“ und holte mir dort gegen Brot- und Zuckermarken und ein paar Pfennig Geld eine Landskrone – Bombe, die mir in dem genannten Karton verkauft wurde und ich meinte, damit ein Stück vom Saume des Gewandes der entschwunden Vergangenheit ergriffen und gerettet zu haben......

Daß es in Schömberg im östlichen Riesengebirge eine „Zwölf – Apostel – Bombe“ gab, die in der Konditorei Schubert hergestellt wurde, darf nicht vergessen werden. Und erinnern wollen wir bei dieser Rückschau auch daran, daß es in Schlesien auch eine Anzahl Pfefferkuchenfabriken gab. Wir haben mit Hilfe eines Adreßbuches aus dem Jahre 1907 festgestellt, daß es in Jaür eine solche Fabrik gab, die dem Pfefferküchler H. Lauterbach gehörte. In Landeshut gab es eine Pfefferkücherlei von R. Drässler. In Friedeberg lebte seit mehreren Generationen die Pfefferküchlerfamilie Menz, ein Zweig derselben pflanzte sich dann in Görlitz fortund hat dort bis in unser Jahrhundert geblüht. In der Stadt Hirschberg im Riesengebirge werden in jenem Adreßbuch von 1907 nicht weniger als 10 Pfefferküchler genannt. In Beuthen war die Pfefferkuchenfabrik von Otto Orgel, Inhaberin Else Orgel, zu finden, wo auch Schokoladen, Pralinees, Marzipan und Fondants hergestellt wurden. Vergessen sei nicht die Pfefferkuchenfabriken in Kattowitz und Ober – Glogau, der Katowitzer Pfefferküchler hieß A. Gnieling. Und in Bad Warmbrunn gab es eine Bisquitfabrik, die einem Herrn Eduard Arnold gehörte, außer ihm waren noch drei Pfefferküchler in den Kurort zu finden.
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Schlesische Weihnachtsgänse

Unsere Familie erhielt die Weihnachtsgänse meist von unserer Großmutter, Vater’s Mutter, die auf dem Dorfe wohnte und neben einen großen  Garten mit vielen Obstbäumen auch ein kleines Haus besaß. Andere kauften ihre Gans beim Kaufmann, beim Händler auf dem Wochenmärkten, wo sie von den Bäürinnen feil geboten wurden.

Freilich so bekannt und berühmt wie die pommerschen Gänse waren die schlesischen nicht. Ob sie deshalb weniger wertvoll oder schmackhaft waren, möchte ich sehr bezweifeln. Wir haben gewiß alle gern schlesisches Gänsefleisch gegessen.

Ein alter Zeitungsartikel, er entstammt wieder einer schlesischen Zeitung vom Dezember 1931 – berichtet uns von schlesischen Weihnachtsgänsen mancherlei. Wollen wir es erst mal durchlesen ?

„Es ist eigenartig, im Reich hört man viel von den pommerschen Gänsen, aber nicht von den schlesischen. Wenn man z.B. in einer großen Berliner Markthalle die Gänse einmal auf ihre Herkunft untersuchen würde, dann würde man feststellen, das die meisten Gänse aus Schlesien und nicht aus Pommer kommen. Namentlich gehen jetzt viele Hunderttausende in vielen Wagenladungen der Eisenbahn aus Schlesien heraus, ihrem Schicksal ein Weihnachtsbraten zu werden, entgegen.

In Schlesien ist nämlich die Gänsezüchterei viel mehr zu Hause als in Pommern. Das bestätigte die letzte Geflügelzählung. Danach wurden in Schlesien nicht weniger als 865000 Gänse gezählt, davon 500000 in Niederschlesien, der Rest in Oberschlesien, während in ganz Pommern nur 182000 gibt. Schlesien liefert dann fast ein sechstel der gesamten deutschen Gänseproduktion.

Von den Händlern aus Berlin und dem Reich, auch aus Breslau, werden sie in den einzelnen Orten überall aufgekauft, auf den Bahnhöfen zusammengetrieben und dann lebend in besondere Güterwaggon aus Schlesien heraus in alle Teile des Reiches versandt. Auf diese Weise gehen 750000 Stück alljährlich aus Schlesien heraus. Die Reichsbahn befördert diese Tiere mit allergrößter Beschleunigung in besonderen Zügen und meist Nachts auf besonderen Strecken, denn das Geschrei der Gänse während der Fahrt würde es sonst viel Unannehmlichkeiten geben und die Tätigkeit der Wagenbegleiter, die oft mit langen Stangen die unter den Tieren ausgebrochenen Streitigkeiten schlichten müssen, wird manchen Reisenden schon aufgefallen sein, der nachts einen solchen Zug begegnet ist.

Warum aber hört man so wenig von den schlesischen Gänsen und nur immer von den pommerschen ?

Das ist nicht schwer zu erklären, da auf den schlesischen Gänsen, da sie lebend verschickt werden, keine besondere Ursprungsmarke den Käufer das Tier als schlesische Gans erkennen läßt, während in Pommern die Gänse geschlachtet und verarbeitet werden. Der Verkauf erfolgt dann als Gänsebrüste, Gänseleberpastete, Gänsesülze und ähnliche Artikel, die dann mit der Reklame „Pommersche Erzeugnis“ versehen werden. Der Bedarf an solchen geschlachteten Produkten ist jedoch im Großen auch im Reich kleiner, während die sogenannte „Familien – Festtagsganz“ in den Großstädten erst frisch geschlachtet zu werden pflegt. Zweifellos ist aber auch die schlesische Gänseschlachterei im Aufstieg begriffen, und bald wird man im Reich auch wissen, wie eine schlesische Gänsebrust aussieht und wie schön das Fleisch der jungen Gänse aus Schlesien ist.“

Wie schön eine schlesische Gänsebrust aussieht, haben wir daheim alle gewußt, sicherlich, ob es die Menschen im Reich auch erfahren haben, das mag gut möglich sein, aber genau wissen wir es nicht zu sagen.                                              zurück

 

Brauchtum in den Rauhnächten

 Veröffentlicht von Otto Zimmermann in schlesischen Gebirgsboten am20.1.1966

 „Die zwölf geheimnisvollen Nächte“; datumsmäßig die Zeit vom 25.12. bis 6.1., sind in vielen Gegenden mit Brauchtum verbunden. Es ist erstaunlich, das diese Tatsache noch festgestellt werden kann, denn die moderne Zeit steht alten Sitten und Bräuchen nicht gerade förderlich gegenüber.

In einem viel genannten Ferienparadies im Gasteiner Tal, pflegt man in den zwölf Nächten das Perchtenlaufen. Es geschieht zu Ehren von Frau Perchta. Hinter ihr verbirgt sich die Frau Berchta, auch Frau Hulda oder Frau Holle genannt. In der germanischen Mythologie und im Märchen verbinden sich diese Namen mit der Vorstellung von der nordischen Fruchtbarkeits- und Hausgöttin. Die Göttin soll in den letzten zwölf Rauhnächten über Land ziehen, um für das neü Jahr Segen zu spenden.

Beim Perchtenlaufen versuchen von Alters her die Perchten, die Frau Holle darzustellen. Die nacharmungsfreudigen Wesen sind phantastisch gekleidete Personen. Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch das Erscheinungsform der Perchten. Man stellte sich vor, daß Frau Holle auf ihrem  Umgang ja Geistern begegnet, gute und böse. Die einen versuchen die huldreiche Frau zu behindern, die anderen gesellen sich zu ihr, um sie zu unterstützen. Aus dieser Vorstellung heraus ergab sich, daß die Perchten nun auch beide Geistergruppen verkörpern.

War vom Perchtenlaufen im Garsteiner Tal die Rede, so muß auch das im Salburgerischen übliche Perchtenspiel erwähnt werden. Bei diesen Spiel handelt es sich um ein brauchtümliches Volksspiel, ebenfalls zu Ehren von Frau Holle in Szene gesetzt. Es wird am 6.1. durch Umzüge gefeiert. Dabei treiben die Perchten ihr närrisches Wesen.

Im Allgäu herrscht die Sitte, daß zwischen Weihnachten un dem Fest der Heiligen drei Könige die ganze Familie warm badet. Dadurch soll das kommende Jahr Gesundheit erbeten werden. Diese Sitte mag heute kaum erwähnenswert erscheinen. Das moderne Badezimmer schließt von selbst aus, daß ein Wochenende vorüber geht, ohne daß man ein Wasserbad nimmt. Man sollte jedoch nicht übersehen, wie sich diese Sitte noch vor hundert Jahren ausnahm.

Damals und früher war das Rauhnachtbaden eine sehr beschwerliche Handlung. Man mußte das warme Wasser in Kübeln herbeitragen, und Tenne und Zuber ersetzten das Badezimmer bzw. die Badewanne. Unter diesen Umständen badete auch noch der große Volksgesundheitslehrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897). Selber aus den Allgäu stammend und bekannt durch sein Eintreten für Kaltwasser-kuren, übte der Gesundheitsapostel diese Rauhnachtsitte, eben, weil sie Volksbrauchtum darstellte.

Vielerorts ist es üblich, daß in den zwölf geheimnisvollen Nächten nicht gewaschen werden darf. Darüber wird beispielsweise in Verbindung mit dem Land Hessen und der ostdeutschen Provinz Schlesien berichtet.

Auch hier mag es früher sicher nicht immer leicht gewesen sein, die Sitte einzuhalten. Bei dem Kinderreichtum, der einst in fast jeder Familie anzutreffen war, dürften sich innerhalb von zwölf Tagen nur zu leicht Berge von Wäsche angesammelt haben. Und diese Berge werden alsdann nur mit Mühe zu beseitigen gewesen sein. Heute kann man sich dem alten Brauch leichter verschreiben. Die Waschmaschine beseitigt mühelos den großen Wäscheberg.

In Schlesien war in alten Tagen ein weiterer Brauch mit den zwölf Nächten verbunden.

Am Heiligen Abend hielt der Baür unter dem Holzkreuz die Familienandacht ab. Das Kreuz stand gewöhnlich am Hoftor zwischen zwei Kastanien. Während der Andacht begaben sich die Knechte des Hofes zu den Obstbäumen. Die Hofleute führten Strohseile mit sich. Mit den Seilen umbanden sie jeden Baum. Das sollte die Obst- bäume vor Schaden bewahren, der ihnen in den zwölf Rauhnächten zustoßen konnte. Um den Zauber garantiert wirksam zu gestalten, entblößten die Knechte während des Umbindens ihre Häupter. Gleichzeitig hütete man sich, bei der Handlung auch nur ein Wort zu sprechen.

Eine noch weitverbreitete Rauhnachtsitte ist das Schiffchenspiel. Bei einer Durchführung läßt man in einer Schüssel Nußschalen schwimmen. Jeder Schale vertraut man einen brennenden Wachsfaden an, bei dem Spiel geht es um ein Glück verheißendes Zeichen. Derjenige soll im neün Jahr auf Glück rechnen dürfen, dessen Schiffchen im Wettstreit mit anderen zürst den rettenden Hafen erreicht. Als solches wird der  Schüsselrand angesehen.

Hinter allem in der Rauhnächten geübten Brauchtum verbirgt sich eigentlich der Wunsch, den man zum Jahreswechsel üblicherweise mit der Redewendung: „Viel Glück und viel Gutes!“ ausdrückt. Möge man deshalb eines nicht vergessen: Selten widerfährt einem das erhoffte Glück, ohne daß man ihm mit Tatkraft entgegengeht.

zur Verfügung gestellt von Reiner Tannhäuser                                                     zurück

 

Erinnerungen an Weihnachten 1946

Beitrag von Günter Boehm (Jahrgang 1939)


 

Es war Weihnachten 1946, ich war sieben Jahre alt. Nur noch ein paar deutsche Familien waren in Friedland zurückgeblieben. Die anderen waren gleich nach dem Krieg geflüchtet oder vertrieben worden, sogar mein 16jähriger Bruder  wurde mit unserer Tante nach dem Westen ausgewiesen. Mein Vater war in seiner  Arbeit im Bergbau noch unersetzlich und durfte nicht gehen. Deswegen wurden wir erst 1948 "umgesiedelt".

Zum Heiligen Abend waren wir zu einer anderen  deutschen Familie (Max und Hedwig Schurm) eingeladen worden. Sie wohnten auf der anderen Seite des Städtchens. Viel Schnee lag auf der Strasse und es war schon dunkel. Als wir am Rathaus vorbeigehen wollten, kam uns plötzlich polnische  Miliz entgegen. Sie schrieen uns an, wir sollten uns auf die Erde legen. Da lag ich im Schnee, zwischen meinen Eltern, mit meinem schönen Holzpferd, das ich  kurz vorher vom Christkind bekommen hatte. Nachdem sie meinem Vater einige Fragen gestellt hatten, durften meine Mutter und ich aufstehen und wir sollten zurück nach Hause gehen. Als mein Vater, noch im Schnee liegend, mühsam aus  seiner Manteltasche uns den großen Haustürschlüssel geben wollte, hätte einer  der Milizleute ihn beinahe noch erschossen, da sie dachten, mein Vater hätte  vielleicht eine Pistole in der Tasche. Dann wurde mein Vater abgeführt. Diese  Nacht konnten wir nicht schlafen. Ich lag nun da, mit meinem Holzpferd, von dem  ich immer noch dachte, es sei mein schönsten Weihnachtsgeschenk. Die ganze Nacht  war ich in Angst und Bange um meinen Vater und als ich ihn am nächsten Morgen zurückkommen sah, wußte ich, dass mein Holzpferd doch nicht mein bestes  Weihnachtsgeschenk war.

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