Der Feinschmecker
Schlesisches Bier
Wein in Schlesien

Der Feinschmecker
Im Jahre 1830 weilte die Familie des Königs von Preußen – es war jener Friedrich Wilhelm III., welcher mit Königin Luise verheiratet gewesen war – in Fischbach im Riesengebirge. Auch der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., weilte in Fischbach, und er traf jeden Morgen auf der Schloßbrücke Fischbachs einen Jungen. Auf die Frage des Kronprinzen an den Jungen, was er hier wolle, wurde ihm die Antwort gegeben: „Ich weil garne a König sahn.“

Der Kronprinz nahm den Jungen daraufhin mit ins Schloss und stellte ihm den König vor. Der König hatte seine Freude an den unbefangenen Jungen und befahl seinen Lakaien, dem Jungen feines Backwerk anzubieten. Der Junge aß einen Bissen davon, legte jedoch das angebissene Kuchenstück wieder auf seinen Teller zurück. Und als der Kronprinz darauf die Frage an ihm richtete ob ihm das Gebäck nicht schmeckte, antwortete der Junge: „Nee, doas Zeug is mer zu sisse!“




Schlesisches Bier
Veröffentlicht am 10.10.1971 von Waldemar Kabus im schlesischen Gebirgsboten.

Als wir Herrn Gschaftelhuber aus München, Südfrüchte und Wein en gros, zum ersten Male in Breslau begrüßen durften, geschah es übrigens ganz zufällig um die Zeit des Johannisfestes, und unser kleines Erlebnis mit ihm spielt sich weder auf der Achter- noch auf der Geisterbahn, noch auf dem russischen Rad ab, wo man eigentlich ähnliche Gefühle bekommen kann wie die, von denen noch zu sprechen ist.

„Is fei gmütli!“ meinte Herr Gschaftelhuber, als er sich ächzend hinsetzte und den Blick unternehmenslustig in die Runde schweifen ließ. Sein wohlgenährtes Gesicht strahlte. Wie ein rötlicher Radi tat es besonders seine Nase, die wohl schon manchem Schluck als Schlusslicht geleuchtet hatte.

Der Ober brachte das Bier. Unser Gast aus München erblasste. Sogar die Ampel seiner Nase erlosch. Dann entfuhr es ihm: „Sell is a Moaß? Dös geb i meim Kanari zu saufe. Wann er net zwoa Glaserln wie die krieg, singt er net!“

„Sie müssen wissen Herr Gschaftelhuber, bei uns in Schlesien trinkt man das Bier aus Gläsern von sechszwanzigstel Liter Inhalt. Dafür aber ist es stärker eingebraut als das übliche Lagerbier in München.“

„Stärker als in Minka? Sell is a Lugn!“

Danach tranken wir die Blume, noch einen beträchtlichen Fetzen dazu, und Herr Gschaftelhuber zog ex.

Nachdem er das mit etlichen „Glaserln“ getan hatte, hellte sich seine Stimmung wieder auf. Sein Magen spürte wohlig den Gerstensaft – wie im Hofbräu, aber sein Herz spürte ihn noch wohliger und sein Kopf wurde „danisch verrukt“.

„Teifi, Teifi is dös gmütli in Breslau!“

„Fein, wenn`s ihnen bei uns gefällt!“

„Wenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wär, tät’ mancher Mann manchem Mann mehr Ehr“, las Gschaftlerhuber den bekannten Wandspruch des Schweidnitzer Kellers vor. Es war gewiss nicht nur das ungewohnte Hochdeutsch, das seine Zunge so ungelenkt machte. Wir betrachteten die vielen Striche auf seinen Bierdeckel und hatten das Gefühl, es sei an der Zeit unseren Gast ein wenig an die frische Luft und ins abendliche erstrahlende Breslau zu führen.

Doch er zählte die Striche auf seinem Bierdeckel, von denen jeder ein Glaserl bedeutete, rechnete als guter Kaufmann sehr schnell im Kopf und meinte darauf, er habe noch nicht sein Quantum von sechs Moaß.

Uns war nicht ganz wohl bei dem Gedanken an sechs Liter Gerstensaft, und wir konnten nicht umhin, uns an das klassische Zitat zu erinnern: „Was auch immer du tust, bedenke das Ende!“

Schließlich vergaß aber unser Gast von der Isar den Rest seines Durstes und stieg mit uns unter ständigem „Teifi, Teifi gmütli!“ die wenigen Stufen hinauf in die Oberwelt aus Autogehupe, Straßenbahngeklingel und vielfarbigen Leuchtreklamen.

An der Magdalenenkirche erzählten wir die Geschichte vom Glockenguß zu Breslau und zeigten ihm auch die Arme Sünder Brücke zwischen den beiden mächtigen Türmen, die in den lilafarbenen Neonlichthimmel der Innenstadt stachen. Herr Gschaftelhuber fasste vorsorglich unsere Arme, ehe er sich ein wenig zurücklehnte, um an den gotischen Riesen hinauf zu schaün. Sein Gesicht wurde immer erstaunter und stammelte endlich: „Teifi, Teifi, Teifi, vier Türme umanand!“

Da hielten wir weitere Besichtigungen historischer Stätten unangebracht – uns sehen Sie, so kamen wir auf das Johannisfest in Scheitnig. Dort gab`s zum Glück ein Bayernzelt. Zwei Liter fehlten unserm Herrn Gschaftelhuber aus München noch zu seinen sechs Moaß. Die bekam er nun, während die Blaskapelle in Ledernen spielte.

Am nächsten Tag behauptete er, die Jahrhunderthalle, damals der größte Kuppelbau Europas, habe „vier Kuppeln umanand.“

Wir konnten ihn bei all späteren Geschäftsreisen nach Breslau von diesen architektonischen Unsinn nicht abbringen – denn ehe wir nach Scheiting fuhren, mussten wir mit unseren Münchner immer erst den Schweidnitzer Keller besuchen von wegen Mann sehr und den „Bierglaserln und Kanarinapperln“. Und darüber verwischten sich die Konturen aller Breslaür Bauten, denn es wurde immer alle so: „Teifi, Teifi, gmütli!“





Wein in Schlesien

Etwas über den Wein aus Schlesien

Sucht man nach Literatur über schlesischen Wein, wird man nur in wenigen Fällen fündig. Sicherlich ist Schlesien mit verhältnismäßig wenig Sonne und kühlen Temperaturen kein idealer Anbauplatz; in der Geschichte jedoch findet man da einige Ausnahmen. Der wohl "bekannteste" schlesische Wein ist der "Grünberger", der auch in der so genannten Stadt Zielona Gora/Grünberg seit dem 13 Jahrhundert angebaut wird. Der Grünberger hat seinen Bekanntheitsgrad allerdings nicht durch hervorragenden Geschmack erlangt. Dezente Nachrede kam dem Wein aus dem Grunde nach, dass anfangs grüne und rote Trauben zusammengemischt wurden, wodurch ein trüber und, bedingt durch wenig Sonne, saurer Wein entstanden.

So heißt es beispielsweise in der 4 Strophe des Gedichtes "Der 1888´er Jahrgang" von Johannes Trojan:
 

"..Aber der Grüneberger
ist noch viel ärger.
Laß´ ihn nicht deine Wahl sein!
Gegen ihn ist der Saalwein
noch viel süßer als Zucker.
Er ist ein Wein für Mucker,
für die schlechtesten Dichter
und dergleichen Gelichter.
Er macht lang die Gesichter,
blass die Wangen; wie Rasen
so grün färbt er die Nasen.
Wer ihn trinkt, den durchschaürt es -
wer ihn trank, der bedaürt es.
Er hat etwas so versaürtes,
dass es sich nicht lässt mildern
und nur schwer ist zu schildern
in Worten oder Bildern.."

Betrachtet man nun verschiedene Städtewappen, wird man im Wappen von Glogówek/Oberglogau fündig: Es zeigt 3 Winzermesser, zwischen denen 3 goldene Trauben abgebildet sind. Auch viele andere Wappen zeigen Symbole, die auf Weinanbau in ihrer Geschichte schließen lassen. Wein aus Schlesien war also keine Mangelware, dies bestätigt auch eine "Chronik von Mieroszow/Friedland und Umgegend" in der ein Hochzeitsfest erwähnt wird, bei dem 170 Fass Landwein verbraucht wurden.

Auch in dem Trinklied "Der schlesische Zecher" von August Kopisch wird der Wein Schlesiens - wie sollte es anders sein - wieder mal in ein saures Licht gerückt:

Auf Schlesiens Bergen, da wächst ein Wein,
Der braucht nicht Hitze, nicht Sonnenschein.
Ob's Jahr ist schlecht, ob's Jahr ist gut,
Da trinkt man fröhlich der Trauben Blut.
Da lag ich einmal vor'm vollen Fass.
Ein andrer soll mir trinken das,
So rief ich, und sollt's der Teufel sein,
Ich trink ihn nieder mit solchem Wein!

Und wie noch das letzte Wort verhallt,
Des Satans Tritt durch den Keller schallt.
He, Freund, gewinn ich, so bist du mein;
Ich geh, so ruft er, die Wette ein!

Da wurde manch Krüglein leer gemacht;
Wir tranken beinah die halbe Nacht.
Da lallte der Teufel: He, Kamerad,
Beim Fegefeür, jetzt hab ich's satt!

Ich trank vor hundert Jahren in Prag
Mit den Studenten dort Nacht und Tag,
Doch mehr zu trinken solch sauren Wein,
Müsst ich ein geborner Schlesier sein!
 

Heute hat der Grünberger an Qualität gewonnen, Jährlich wird nun auch an den ersten Septemberwochenenden in Zielona Gora/Grünberg ein Weinfest gefeiert.

Der 1888er Jahrgang  -- von Johannes Trojan

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Publikationsstand dieser Seite:03/04/08

 

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