Wenn alles, was zu dichten und zu schreiben
ich je versucht auch müßte untergehn
im Strom der Zeit und ihrer Stürme Wehn -
die schlesischen Gedichte werden bleiben,
weil sie entsprossen treu aus der Natur
und heimisch sind auf heimatlicher Flur.
Carl von Holtei (1858)![]()
Mit dem Begriff ',Schlesische Mundarten" ist - räumlich gesehen - nicht die Provinz Schlesien gemeint. Die fast Sieben Millionen ostdeutscher Menschen, die schlesisch sprachen wohnten auf einem Raume, der erheblich größer war als Preußisch-Schlesien Dieses bildete nur den Mittelpunkt eines Gebiets, zu dem nach allen Seiten hin noch große Räume mit Menschen schlesischer Zunge gehörten
Im Westen erweiterte sich die schlesische Sprachlandschaft um das Gebiet der alten "Sechsstädte": Lauban, Görlitz, Löbau, Bautzen, Zittau (Kamenz sprach obersächsische Mundart), im Nordwesten und Norden bis zur niederdeutschen Sprachgrenze um die Niederlausitz (ausgenommen die wendischen Orte) und die Kreise Crossen, Züllichau und Schwiebus
Im Südwesten und Süden zählte zur schlesischen Sprachgemeinschaft Nordböhmen mit Reichenberg und Friedland das südliche Riesengebirge und Ostböhmen mit Hohenelbe, Trautenau und Braunau, im Südosten Ostschlesien und Nordmähren mit Mährisch-Schönberg, ferner das Oppa-land (das "Österreich-Schlesien") und das Kuhländchen.
Im Osten sprachen Grenzstriche der früheren Provinz Posen schlesisch: Lissa, Storchnest und Leiperode, Adelnau, Schildberg und Kempen. Die Grenze des geschlossenen schlesischen Sprachgebiets führte (von Süden nach Norden) über Piltsch, Zauditsch bei Katscher Baürwitz, Leisnjtz bei Leobschütz Zülz, Falkenberg, Oppeln, Karlsmarkt, Reichtal bei Namslau, Groß Wartenberg nach Neumittelwalde. Westlich dieser Linie waren nur geringe nichtdeutsche "Einschübe" vorhanden: Außer mährischen Dörfern des Hultschiner Ländchens einige Dörfer mit tschechisch sprechenden Bewohnern in der Lewiner Ecke der Grafschaft Glatz (im "Böhmischen Winkel"), drei Dörfer bei Strehlen (Ansiedlung tschechischer Protestanten unter Friedrich dem Großen) sowie Teile des Kreises Hoyerswerda und Rothenburg/OL, wo wendisch gesprochen wurde.
In Oberschlesien gehörten als geschlossene Stadt- und Dorfsiedelungen zur schlesischen Mundart: Kreuzburg mit Konstadt, Pitschen und Rosenberg, Oppeln mit Malapane, Groß Strehlitz, Guttentag, Himmelwitz und Peiskretscham, Oberglogau mit Krappitz, Klein Strehlitz, Proskau, Cosel, Gnadenfeld, Mechnjtz und Ratibor, Gleiwitz mit Schönwald, Reigersfeld und Kieferstädtl, Hindenburg, Beuthen, Königshütte, Kattowitz, Anhalt, Tarnowitz, Lublinitz, Loslau, Sohrau, Pleß und Rybnik. Besonders erwähnenswert als Volkstumsinseln sind Schönwald bei Gleiwitz, Anhalt und Kostenthal.
Weiterhin gehörten zur schlesischen Sprachgemeinschaft die im polnischen und tschechischen Staate liegenden Sprachinseln: z. B. Bielitz, Alt-Bielitz, Wilmesau und die Zips.
In diesen großen Raum, der sich zum schlesischen Sprachraum herausbildete strömten seit dem 13. Jahrhundert die Siedler, die Baürn- und Handwerkersöhne aus altdeutschem Land. Was sie in der neün Heimat verbindet, ist zunächst die Blutsverwandtschaft; ihr geistiger Ausdruck aber ist die in den Grundzügen gleiche Mundart. Bereits im 14. Jahrhundert ist eine schlesische Gemeinsprache entwickelt, die sich vor allem auf dem Dorfe bis in unsere Tage erhalten hat, Einzelne Landschaften, Herrschaftsbereiche oder Parochien haben für sich wieder Teilmundarten entwickelt.
Die gemeinsamen Spracheigenheiten, insbesondere der Vokalismus und Konsonantismus, weiterhin die Familien- und Ortsnamen lassen Rückschlüsse auf die Herkunft der Siedler zu. So zeigt z. B. Wolfgang Jungandreas in seinen "Beiträgen zur Erforschung der Besiedlung Schlesiens", daß einem Reinharz, Romers und Rückers bei Fulda ein Reinerz, Roms und Rückers in der Grafschaft Glatz entsprechen. In der Tat stammt auch ein beachtlicher Teil der deutschen Siedler aus Hessen, aus Mainfranken und Bayern. Etwa die Hälfte der urkundlich überlieferten Familiennamen weist auf thüringisch-meißnische Herkunft. Auch die schlesischen Dorfnamen auf -au, -bach, -berg, -burg, -dorf, -feld, -heide, -kirch, -hain, -stein, -walde, -wiese sind mitteldeutschen Ursprungs. Die Bildung auf -seifen (seiffen) tritt gruppenweise im Erzgebirge, Nordböhmen, im Iser- und Riesengebirge, in Mähren und in "Österreichisch Schlesien" auf und läßt auf die Einwanderung fränkischer Bergleute schließen. Der Anteil der niederdeutschen Namen ist gering; er beträgt etwa nur ein Fünftel der mitteldeutschen.
Diesen Ergebnissen der Namensforschung entspricht auch die Mundart. Ihre Grundlage ist überwiegend mitteldeutsch' thüringisch' fränkisch, hessisch. Darin sind verflochten bayerisch-österreichische und niederdeutsche Lauteigenheiten. Das Bild wechselt von Ort zu Ort, von Tal zu Tal, von Landschaft zu Landschaft. So finden sich z. B. in der Mundart von Ratsdorf und Mährisch-Altstadt vorwiegend bayrisch-österreichische Lauteigentümlichkeiten; ähnlich liegt es auch - wenn auch schwächer - in Schönwald bei Gleiwitz' in Spindelmühle im Riesengebirge, in Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und in Katscher O.S![]()
Welches sind nun die gemeinsamen lautlichen Merkmale der schlesischen Mundarten?
Wolf von Unwerth hat sie in seiner 1908 von der Breslaür Universität preisgekrönten Schrift zusammengefaßt. Die Ergebnisse seiner Forschung sind indessen besonders durch Wolfgang Jungandreas und Ernst Schwarz ergänzt' erweitert und berichtigt worden.
Danach zeigen sich über alle Teilmundarten hinweg folgende gemeinsame Züge:
1. Altes (mittelhochdeutsches mhd.) langes a und gedehntes o fallen im Schlesischen zusammen; beide werden langes o (~ oo)
mhd. schaf (Schaf) = schoof
mhd. bodem, boden (Boden) = boodn
Ebenso fällt altes (mhd.) langes o und gedehntes u zusammen; beide werden langes u ( = uu)
mhd. groz (groß) = gruus mhd. busch (Busch) = puusch
Ebenso fallen folgende vier alte (mittelhochdeutsche) Laute zu einemvLaut zusammen: mhd. langes e' oe' gedehntes i und ü. Alle werden zu langem i ( ii) ; oe und gedehntes ü werden also entrundet.
mhd. zehe (Zehe) = tsiine
rnhd. boese (böse) = biise rnhd. rnül, müle (Mühle) = miile
rnhd. wise (Wiese) = wiise
2. Alte (mhd.) kurze Selbstlaute sind nicht nur in offener Silbe gedehnt worden, sondern auch in geschlossener Silbe, wenn früher in der verlängerten Form ein Doppelmitlaut stand:
rnhd. ktoz (Klotz) = kloots rnhd. loch (Loch) = looch
rnhd. nus (Nuß) = nuus rnhd. tisch (Tisch) = tiisch
3. Die alten (mhd.) Doppellaute uo, üe, ie, die zu u, ü und i geworden sind, werden vor t und inlautendem stimmlosen Geräuschlaute gekürzt:
rnhd. huot (Hut) = hut rnhd. ruofen (rufen) = rufa
rnhd. büechel (Büchlein) = bichl rnhd. sliezen (schließen) = schlissa
4. Altes germanisches mp und pp ist erhalten:
stampan (stampfen) = stompa
top (Topf) = tup (schlesisch: aim tupe = hochdeutsch: im Topf e)
5. Altes (westgermanisches) d ist zu t verschoben
dac (Tag) = taak
dam (Damm) = toam; (schlesisch: uffm torne = hochdeutsch: auf dem Damm)
Diese Lautverschiebung weist jedoch bemerkenswerte Unterschiede auf in der Stellung nach l, n und r. Während nach 1 und n d gilt, ist das t nach r geblieben (schlesisch gortn [Garten] und schlesisch haln aus halden, hinda aus hinten).
6. Statt zu erwartendem b und d steht p und tu
Baür = paur buckel = pukl
brüllen = priln dumm = tum
Docht = toocht
7. Einige andere Lauterscheinungen kennzeichnen das Schlesische:
a) Im Auslaut (wie auch inlautend neben stimmlosem Mitlaut) wird der Stimmton aufgegeben, es tritt eine Lautverhärtung ein:
Lob = loop Tag = taak
lebt = laapt
Diese Erscheinung ist nichts anderes als das mittelhochdeutsche Auslauts-Gesetz. Es zeigt sich, daß das Schlesische (wie alle Dialekte) eine konservative Mundart ist, daß es manche Züge aus der mittelhochdeutschen Zeit bewahrt hat.
b) Gegenüber den Nachbarmundarten, sowohl dem Obersächsischen und dem Nordwestböhmischen' unterscheidet sich das Schlesische durch die Bewahrung des Stimmtones bei Verschluß- und Reibelauten. Die schlesische Mundart kennt also das stimmhafte b' d, g' vielfach auch ein w für inlautendes f. Der Schlesier sagt biise -, während z. B. der Komotaür beeße spricht. Schlesisch heißt es uuwa' nordwestböhmisch aber uufm.
c)Auch die wirkliche Verdoppelung, wie wir sie heute nur noch in Südschweizer Mundarten und im Italienischen hören, wie sie aber im Mittelhochdeutschen allgemein üblich war, findet sich im Schlesischen. Es heißt in der Grafschaft Glatz folla, fallen, aim toppe, im Topfe mit einer deutlichen "Zweigipflichkeit" des inlautenden Mitlauts, also fol-la.
8. Beachtlich sind schließlich auch Gemeinsamkeiten des Wortschatzes. Es genügt, hier das schlesische ok, landschaftlich och (althochdeutsch okkeret, okkert) = nur oder bloß anzuführen, das sich deutlich vom neer des Nordwestböhmischen abhebt. Es ist aus der alten Heimat mitgebracht worden und hat sich im Schlesischen so allgemein durchgesetzt, daß es infolge seines häufigen Gebrauchs geradezu zum Kennzeichen des Schlesischen geworden ist.
Als typisch schlesisch seien nur noch zwei Wörter genannt: "Kretscham" und "Böhm."
· "Kretscham" ist aus dem polnischen karczma (tschechisch krcma) = Dorfschenke übernommen und durch Metathese zu schlesisch "kratschm" entwickelt worden. Von daher leiten sich die verschiedenen Formen des bezeichnend schlesischen Familiennamens Kretschmar, Kretschmer, Kretschmann ab.
· Mit "Böhm" (beem, biim, biima) ist bekanntlich unser Zehnpfennigstück gemeint. Die Bezeichnung soll auf die Zeit der Luxemburger in Böhmen zurückgehen, unter denen Schlesien durch den Vertrag von Trentschin 1335 endgültig ein Glied des Deutschen Reiches wurde.![]()
Daß sich im Schlesischen trotz aller Gemeinsamkeiten im Vokalismus und Konsonantismus eine große Zahl "Teilmundarten" entwickelt haben, fällt bis auf den heutigen Tag jedem aufmerksamen Beobachter auf. Die wissenschaftliche Mundartforschung trifft (nach Wolf von Unwerth) zunächst eine Zweiteilung in Stammundarten und Diphthongierungsmundarten.
Stammmundarten
Unter Stammmundarten versteht man diejenigen, die den im Schlesischen entwickelten Selbstlautstand im ganzen bewahrt haben; unter Diphthongierungsmundarten solche, die den Vokalismus besonders durch Zerdehnungen weitergebildet haben.
Die Grenze zwischen beiden verlief von Crossen über den westlichen Teil des Kreises Grünberg, Naumburg a. Bober, Sorau, Sagan, Sprottau, Primkenau, Kotzenau, Haynau, Arnsdorf, Liegnitz, Oyas, Tentschel, Groß Baudiß, Weicherau, Lorzendorf, Ober Struse, Kanth, Kattern, Postelwitz, südlich Vielguth und Bernstadt über Wabnitz, Stradam nach Neumittelwalde.
Alles, was westlich, südlich und südöstlich dieser Linie lag, gehörte zu den schlesischen Stammundarten, alles, was nördlich lag, zu den Diphthongierungsmundarten.
Die Sprachlandschaft der Stammundarten gliedert sich wiederum in eine Reihe "Untermundarten":
a) Da ist vor allen das "Gebirgsschlesische" zu nennen. Seine lautlichen Eigenheiten sind folgende:
I. Das Endungs-a, d. h. das -en des Hochdeutschen bei Substantiven und Verben (soweit bei Verben der Wortstamm nicht auf "l" oder "nn" ausging) wird zu -a
Die Menschen = menscha Die Kirschen = kerscha
laufen = loofa essen = assa
II. Die Verkleinerungssilbe -lein wird zu -la.
Bäumchen = beemla Töpfchen = tipla
III. mhd. kurzes e erscheint - soweit es nicht zu a geworden ist - als langes geschlossenes e.
reden = reeda zeln = zeela
IV. Für das -age, -oge des Mhd. (sagen, gezogen) steht uo oder oa, oder oi:
sagen = soan, suon; gezogen = gezuon, gezoin
Als Beispiel für das Gebirgsschlesische:
"Tausend Worte Schlesisch" (Von Ernst Schenke)
Jeder Mensch, woher er auch mag stammen,
Redet gern, wie ihm der Schnabel wuchs.
Doch wenn er mit "Höhern" kommt zusammen.
Wird er vornehm und besinnt sich flugs.
Denn der Dialekt paßt nicht für jeden,
sagt er sich teils ängstlich, teils mit List,
Aber wir wolln jetzt mal "Schlesisch" reden,
Wie der Schnabel uns gewachsen ist.
Assa, trinka, schloofa, stiehn und sitza
Sagt bei uns der Mensch, der sich nicht ziert.
Renna, loofa, liega, friern und schwitza,
Das wird hier von jedermann kapiert.
Essen, trinken, schlafen, stehn und sitzen
Ist auch in der Schläsing täglich Brauch;
Rennen, laufen, liegen, friern und schwitzen
muß der "Usinger" wie andre auch.
Wischt er die Nase sich, so ist's die "Noase",
Läßt er sich einen Zahn ziehn, ist's "derr Zoahn",
Schießt einen Hasen er, so ist's "derr Hoase",
Die Frau, das ist "die Froo", der Mann "derr Moan".
Uba, unda, haußa oder hinne
Bringt der Schlesier sein Dasein zu;
Kommt er nicht hinaus, so steckt er drinne,
"Trübetimplich" ist er, doch auch "fruh".
"Mucksch" ist er mitunter, "mieseldrähtig",
"Eppsch" tun kann er, wenn ihn was verdrießt,
"Freindlich" kann er sein, jedoch auch "grätig",
Wenn er hustet, "kuuzt" er, dieses "Biest".
Liebt er ein "Madel", nennt er sie "is Schatzla",
"Mei Schamster" sagt zu ihm das junge "Blutt";
Umhalst er sie und gibt er ihr "a Schmatzla",
Spricht leise sie zu ihm: "Iech bien derr gutt!"
Ist die Liebe dann soweit gediehen,
Daß 'ne Heirat draus wird, macht er "Huxt",
Möglichst wenn im Mai die "Beeme bliehen",
Und da wird getanzt, "geteebst", "gejuxt".
"Kließla" gibts von frischem "weeßnem Mahle",
"Sträselkucha", Saürkraut und "Krien"
und "derr Bräutjam" spricht zur Braut: "Na, Ahle,
Is's uff inser Huxt nich wunderschien?"
Doch später, da gibts "Surga monch Gebindla",
Do wird "is Köppla" schwer "als wie a Kerbs"
Und wenn "derr Seeger" schlägt "is letzte Stündla"
Spricht er: "Ju, ju, iech gieh jitz uff a Sterbs".
Die Grenze des Gebirgsschlesischen führt von Rochlitz im deutschböhmischen Riesengebirge über die Tafelfichte, Bad Schwarzbach, an der Schwarzbach entlang bis unterhalb Friedebergs an den Qüis, von da über Greiffenberg, Löwenberg, Goldberg, Lobendau, Wildschütz, Koischwitz, Alt Beckern, Arnsdorf, Jeschkendorf, Groß Tinz, Mois, Gräbendorf, Fürstenau, Kanth, Zobten, Strehlen, Münsterberg, Ottmachau, Neisse, Zülz, Oberglogau, Leobschütz. Im Süden bildet die deutsch-tschechische Sprachgrenze den Abschluß, so daß die sudetenschlesischen Mundarten von Ostböhmen (nach Ernst Schwarz freilich infolge starker Eigenheiten als besondere Mundartgruppe aufzufassen), vom Braunaür Ländchen, vom Adlergebirge, von ehemals Österreichisch-Schlesien, und vom Oppaland noch zum Gebirgsschlesischen zu rechnen sind.
b) Eine Abart des Gebirgsschlesischen bildet das Glätzische. Seine Teilmundarten, zu denen das "Niederdörfische" (um Neurode) und das "Oberdörfische" (Habelschwerdt-Mittelwalde) ,die Mundarten von Braunau, von den deutschen Gemeinden im Adlergebirge, von Grulich und von Freiwaldau (Österreichisch-Schlesien) gehören. weisen folgende gemeinsamen Züge auf:
I. i und u werden zu e und o geheilt:
Milch = melch Junge = jonge
II. mhd. ou wird zu langem a (= aa)
boum = baam ougen = aacha
III. mhd. ei und öu und -age, oge werden zu offenen langen Lauten oder zu Zwielauten:
fleisch = flääsch, flaisch, flaasch böume = bääme, boime, baime
wagen = wään, woin gezogen = getsään, getsoin
Im Gedicht des verdienstvollen Glatzer Heimatdichters Robert Karger werden die Besonderheiten des "Gleetzischen" deutlich:
"Dodoowa been ich derhaime"
Nammt a Stecka ei de Hand,
Lott ons of de Barje steija!
Satt, wos fier a Wonderland
Onsa Aacha sich tutt zeija!
Leit's nie donda heegebrätt,
Wie a hibsch gemostert Tichla?
Oawer goar, wenn ainer hätt
Oofgebleetert's Belderbichla?
Dodoowa been ich derhaime,
Wuu zengstrem Barje stehn.
Mai Groofschoft, mei ainzije, klaine,
Du Ländla, wunderscheen!
c) Westlich grenzt innerhalb der Stammesmundarten an das Gebirgsschlesische die "Oberlausitzer Mundart" mit dem Gebiet der alten "Sechsstädte" (nur Kamenz i. Sa. ausgenommen, das obersächsische Mundart spricht), und dem Nordböhmischen um Reichenberg und Friedland i. B., östlich des Gebirgsschlesischen trifft man auf die Mundarten des Brieg- Grottkaür Landes. Im Lautstand sind sie ziemlich gleich.
I. Anstelle des Gebirgsschlesischen Endungs-a erscheint hier ein silbisches n oder m. Es heißt also:
essen = assn schlafen schloofn. schoofm
II. Ebenso tritt für das -la in der Verkleinerungsform ein silbisches "l"
Bäumchen = beeml Töppchen = tipl
III. Für das lange geschlossene e des Gebirgsschlesischen steht ein langes offenes ä (= ää):
reeda = räädn zeela = tsääln
IV. Das -nt und -nd erscheint hier als -ng:
gefunden = gefung hinten = hing
mhd. ze endes = zengst
V. mhd. langes i wird im Brieg-Grottkaür Gebiet zu langem ä mhd. swin = swään
VI. mhd. kurzes e in knecht, recht u. ä. wird zu ai (ein deutlicher Zwielaut): also knaicht, raicht, wobei das i nur kurz an das lange a angehängt wird.
VII. die Lautverbindungen .age, oge erscheinen als oi:
sagen = soin gezogen = getsoin
VIII. R und l werden sehr guttural (gaumig) gesprochen. Diese Sprechweise (die sich auch in den Diphthongierungsmundarten findet) wird gern als Einfluß des Polnischen ausgegeben, da die Polen ebenfalls ein gutturales l kennen. Aber es läßt sich nachweisen, daß ein solches l schon im Spätmittelalter im Schlesischen zu finden ist, nicht bloß im Nordschlesischen und im Oberlausitzischen, sondern auch im Nordböhmischen, wo ein slawischer Einfluß um diese Zeit ausgeschlossen ist. Das sind Aussprachen des l, die von daheim aus dem altdeutschen Land mitgebracht worden sind. Wir haben ja die ähnliche gutturale Bildung des 1 auch im Holländischen und Englischen.
Das Beispiel von Rudolf Gärtner mag für die Oberlausitzer Mundart die lautlichen Eigentümlichkeiten zeigen.
"'s koam amo Ennr zu mir, woas kenner aus der Äberlausitz woar, dar wullte uf Äberlausitzsch woas viertroin, ich sellt'sn waign derr Aussprooche iebrhiern.
Ich soite: ,Na, doo schißt ock luus!' Und a fungk oa. Ar hott aber 'n Zungenschlaag nö richt'g wegk, ar kunnte sei Schmecklappel nä wie sichs gehurrt an Maule rimwelkern, derrmitte klong olls su troige, 's woar kee Soft hinne.
,Halt!' soit ich, ,woart amo! doo miß merr irschtert a boar Vuriebungn machn derrzu! doas mit dan ,r' is noo nä richt'g und doas mit ,l' o nä; Soit amo: ,rrr'-
,r' machte dar. -
Nee, Ihr mißt de Zunge ubm on Gubm oalähn, su ,rrr'. Nu soit amo Rrrhabarrrberrr'.
,Rhabarber'- ,Nee, Rrrhabarrrberrr'.
,Rrhabarrber.' Nu, doas is no kenner, darde ei derr Äberlausitz gewachsn is. - Doo hoa 'ch Euch amo woas uhfgeschriebn dohiet, ich waarsch Euch amo vierlaasn, doas laast Ihr derrnoo amo:
,Ei Ruppersdorf doo rissn de Riepl Rießler-Reinhulds Runkelriebm raus und ei Reinsch-Richards rutn Rampler-Rusn-Rankn rupptn die Rajkl o noo droarim!'
Na, ich ducht mersch ju glei - 's woar nischt nä.
Mitm ,L' gings glei goar nä. Ich goabm doo an annern Zädl: Nü laast amo:
Lucke-Lobl, Lurenz-Laberächt und Liebschersch-Lui ei Lekkerschdurf giehn ei leisn Laderlotschn und lussn 'ch lange schunt lange Loodn wachsen!'
Nu loas darsch groade wie's enner macht, darde vermeinswägn aus Berlin is.
,Nee', soit ich doo, ,nahmt merrsch nä iebl, a Edlruller wardt Ihr eim Labn nä'."![]()
Das Gebiet der Diphthongierungsmundarten umfaßt die Kreise Grünberg, Glogau, Fraustadt, die nördlichen Teile der Kreise Freystadt, Sagan. Sprottau, Steinau, die Kreise Wohlau, Lüben, Trebnitz, Trachenberg und Militsch sowie Teile der Kreise Breslau und Oels.
Diese Sprachlandschaft wird volkstümlich als das "Neiderländische" bezeichnet. Es weicht in seinen Lautverhältnissen auffallend von den Stammmundarten ab.
I. Für das i des Stammgebietes tritt ai oder (im NW und 0) langes e:
Tisch = taisch oder teesch Schnitte = schnaite oder schneete
II. Für uu der Stammundarten tritt au oder (im NW und 0) langes o:
Stube = schtaube oder schtoobe gruß = graus oder groos
III. Für oo des Stammgebiets steht im NW und 0 au:
Toop = taup Kohle = kaule
Im mittleren Teile steht dafür ein langes offenes o, das lautlich dem a in engl. water entspricht und gewöhnlich oa geschrieben wird.
Toop = toap koole = koale
IV. mhd. langes i erscheint zwischen Oels und Glogau als langes fast geschlossenes e:
Swin = schween
Im gleichen Raum ist mhd. langes u zu langem fast geschlossenem o geworden.
hus = hoos
Im gesamten Gebiet wird ein gutturales (gaumiges) L gesprochen, das im Grünberger Kreise (ausgenommen der westliche Teil) nach dunklen Selbstlauten oft verloren geht, oder nach hellem Selbstlaut, oder wenn es silbe-bildend auftritt, als kurzes o erscheint:
Teil = taio Vogel = foago
viel = vaio
Derr Graußknaicht (von Arthur Schoke)
Eich bei a Graußknaicht vau alem Schlaag,
Eich schoff und schuffte a ganze Taag.
Eich huo kenn Sunntich is ganze Jauhr
Froet ock meen Poer, 's wirklich wauhr.
Zwee Sackvell truo eich uff eimuol weg,
A stärksten Kerle, eich schmeeß'n ei a Dreck.
Maukleißol aß eich dree Schissoln uff,
En Rinken Klaublichwurscht noch aubendruff,
Und Laderhausen, die huo eich au,
Und Taubak schnupp eich, 's ie halt asau.
Mei Vuoter seelig kunnts au nie laun,
Und eich bei ebens see eenz'ger Sauhn.
Zwischen den Stammundarten und den Diphthongierungsmundarten liegt in den Kreisen Breslau, Neumarkt, Liegnitz, Lüben, Haynau, Goldberg die![]()
Sie führt ihren Namen von den "Kräutern", den Krautbaürn, die um Breslau wohnten und wöchentlich zweimal mit ihrem "Kraut" zum Markt nach Breslau kamen.
Im südlichen Teil des oben bezeichneten Gebiets gilt noch das -a und -la des Gebirgsschlesischen; der weitaus größere Teil hat aber schon das silbische -n, -m und -l. Man spricht hier schon schneete, schtoobe wie im Neiderländischen" aber noch schwain und haus wie im Gebirge.![]()
gibt es so gut wie keine wissenschaftlichen Arbeiten, wenn man von den hervorragenden Beiträgen Gusindes, Maks, Friedrich Graebischs und einiger kleiner Mundartsammler absieht, die sich nur mit Schönwald, Kostenthal, Anhalt, Bielitz u. ä. befassen, also mit den mittel- und oberdeutschen Sprachinseln von Oberschlesien. Wie die Volkstumsverhältnisse in diesem Teile Schlesiens lagen, das hat die oberschlesische Abstimmung am 20. März 1921 klar bewiesen, obwohl sie unter den denkbar ungünstigsten Umständen für uns Deutsche durchgeführt wurde.
Sprachlich wurde in den am Anfang dieses Aufsatzes als geschlossene Stadt- und Dorfsiedelungen genannten Orten (die 1921 mit 85-95 % für Deutschland stimmten) meist ein volkstümliches Hochdeutsch gesprochen. das sich im Tonfall unverkennbar als oberschlesisch erwies. Die Arbeiter auf Hütten und in Gruben sprachen vielfach eine Mischung von Deutsch und Wasserpolnisch. Hier traf man den Kumpel, der in Beuthen, Gleiwitz, Königshütte, Kattowitz, in Rudahammer und Bobrek unter Tage schwitzte den Sefflik, den Karlik, den Antek und den Franzek - oft genug schon von den Schlesiern verkannt, nicht zu reden von denen, die in Hamburg. München oder Konstanz wohnten. Wer hat gewußt, was für ein gesundes und urtümliches Volksleben sich hier entfaltet hatte! Wem war bekannt. wie treu deutsch die Oberschlesier in ihrem Denken und Tun sich immer gezeigt hatten! Kann man es ihnen übelnehmen, wenn sie "sähr beese" werden, wenn da einer kommt und sie wegen ihres Dialektes zu Polen stempeln will? Dann wird der Antek nicht bloß "beese", da wird er "schlächt" und - da "hast du nicht ginstigk". Aber sonst ist der Oberschlesier, ganz gleich ob es der Antek (Toonla sagen sie im Gebirge) oder der Franzek (Franzla) oder der Josek (Joosla) ist, sonst ist er ein sehr "gemietlicher" Mensch, der einen gesunden Humor hat, freilich nicht immer für zarte Nerven berechnet.
Es ist hier nicht möglich, dies näher auszuführen. Wenn nirgends auf der Welt, so hat sich hier das Gesetz der Muttersprache ausgewirkt: Menschen mit slawischen Namen haben sich als die treüsten Deutschen erwiesen und umgekehrt: Menschen mit schönen deutschen Familiennamen als Feinde alles Deutschen. Sie waren freilich in Oberschlesien in der Minderheit. Auch Gewalt und Verlockung konnten daran nichts ändern. Schließlich zeugen für das deutschsprachige Oberschlesien seine bedeutenden Dichter und Schriftsteller: Eichendorff, Freytag, Ulitz, Wiessalla. Scholtis, Hayduk, Niekrawietz u. a.![]()
Wenn für jeden Menschen seine Mundart ein lebendiges Stück der Heimat bedeutet, dann trifft das heute ganz besonders für die Schlesier zu. Die Mundart ist mehr als ein interessantes Stück der Dialektforschung, sie ist auch mehr als ein Stück gemütlicher Unterhaltung bei Heimatabenden, sie ist lebendes Erbe von Vater und Mutter und lebendiges Zeugnis für urwüchsiges Deutschtum im deutschen Osten. Dieses Zeugnis aus Herzensgrund zu leben und zu geben ist heilignüchterne Aufgabe und Verpflichtung der Schlesier.
(von MaxiVick)
Veröffentlicht von E. Kunick am 1.7.1968 im schlesischen Gebirgsboten
Die 16 geschlossenen Transporte, die im Mai 1946 den Hauptteil der Kreisbevölkerung herausbrachten, gingen nach Niedersachsen.
Der Niedersachse, besonders auf dem flachen Lande, spricht sein Platt fast in allen Lebenslagen. Platt ist ihm die Hauptsache, die Muttersprache, die er beherrscht. Hochdeutsch ist ihm mühsam angelernt, in dem er sich nicht sicher fühlt, in dem er daürnd den dritten und vierten Fall falsch gebraucht. Er spricht auch in der Stadt, wenn es irgend geht, sein Platt und ist sicher, das ihm der Städter die Anwort gibt, ohne die Nase zu rümpfen. Ähnlich liegen die Verhältnisse in Bayern und Schleswig Holstein, wo auch viele Schlesier leben.
Anders war es in Schlesien. Die schlesische Mundart weicht vom Hochdeutschen viel weniger ab als das Platt. Deshalb sah der Städter in Schlesien in der Dorfmundart irrtümlicherweise ein verdorbenes mißbrauchtes Hochdeutsch und lehnte sie ab, obwohl sein Stadtdeutsch auch von der Mundart her beeinflußt war. Aber auch der Dörfler, der die Mundart im Gespräch Seinesgleichen gern gebrauchte, schämte sich ihrer häufig, wenn er mit Städtern redete.
Jetzt in der Fremde weiß der Schlesier erst, wie er an seiner Mundart hängt. Mit den Mitreisenden in der Bahn z.B. fühlt er sich gleich freundschaftlich verbunden, wenn er ihn an seiner Sprache als erkennt, Auch der Schlesier aus der Stadt hört oder liest heute gern Gedicht oder eine Erzählung in schlesischer Mundart. „Erst in der Fremde hab ich dich gefunden, mein Schlesierland.“
Und doch ist die Lage der Erhaltung des Schlesischen hier im Westen nicht günstig. Der Niedersachse wird sich der zugewanderten Minderheit zuliebe nicht ändern. Zudem sprechen die zahlreich Vertriebenen, die aus den Provinzen an der Ostsee hierher kamen, auch Platt. So ist der Schlesier überall in der Minderheit, sei bei der Arbeit, sei es im Verkehr oder sei es in der Schule. In den acht Dörfern der Winsener Elbmarsch sind von 480 Schülern nur 60 Schlesier, von denen etwa die Hälfte noch im Kindesalter die Heimat verlassen mußte. Im Unterricht sprechen unsere Kinder hochdeutsch, in der Pause und auf der Straße mit ihren Kameraden Platt. Das Schlesisch hält sich am besten in den bäürlichen Schlesierfamilien, in denen noch mehrere Kinder zu Hause sind. Das genügt nicht um den Rückgang der schlesischen Mundart aufzuhalten. Was für ein schlesisch wird sich wohl entwickeln, wenn die bayrischen, die schwäbischen, ober- und niedersächischen usw. Schlesierdirndel und –buben in der schlesischen Heimat wieder zusammen kommen.
Wir wollen nun nicht lange sprachliche Erörterungen über unsere Mundart bringen, sondern einige Proben der schlesichen Gebirgsmundart geben. Den älteren Heimatfreunden sind die sicher eine Freude. Beim Klang schlesischer Laute wacht die Erinnerung an die Kindheit und das Heimatdörfchen auf, da stehen Jugendfreunde und spätere Bekannte wieder lebendig und unserer Seele. Schlesisches Lachen und schlesischer Humor, schlesische Sitte und schlesischer Brauch umgeben uns, aber auch schlesische Gemütstiefe und schlesischer Ernst. In den schlesischen Landsmannschaften, die das Verbundenheitsgefühl der schlesischen Menschen untereinander und mit der Heimat pflegen, nehmen die schlesische Mundart und das schlesische Lied einen hervorragenden Platz ein. Es gilt, was unser Landsmann Max Hermann Neiße gesungen hat:
„Was man liebt, kann man nie vergeben; heimatlich vertraute Töne überall uns treu umwehen; denn die Heimat bleibt bestehen in dem Lied verstoßener Söhne.“
Schlesier, erfreü dich an einem schlesischen Buch, lies aber auch deinen Kundern daraus vor! Führe deine Kinder zu unseren Landsmannschaften zu! Rege sie ab, ein schlesisches Buch zu lesen! Wenn ihnen dies anfangs auch nicht ganz leicht fallen wird, sie werden sich einrichten und Freude daran finden, etwas von Ernst Schenke oder einen anderen schlesischen Dichter zu lesen, vorzulesen oder im frohen Kreise vorzutragen. Unsere Heimatzeitungen, wie der "Schlesische Gebirgsbote“, können auch hierbei helfen. Unsere schlesischen Landsmannschaften sollten kleine Leihbüchereien für ihre Heimatfreunde anlegen. In diesen sollen aber auch unsere hochdeutschen Dichter aus Schlesien mit ihren Erzählungen, Romanen und Abhandlungen nicht fehlen.
Die schlesische Mundart ist nun einmal unsere heimische, uns Schlesiern eigne Sprache. Sie unser Vätererbe. Vor 100 und mehr Jahren, als in Schlesien die Landbevölkerung noch überwog, war sie fast die alleinige Sprache unser Ahnen. Wir wollen sie als Vätererbe nicht vergessen und unseren Kindern und Enkeln soweit es möglich ist, weitergeben.
Als geborener Landshuter bin ich früher jedes Jahr zu Besuch nach Landeshut gekommen. Als ich einmal meinem Onkel, den Uhrmachermeister Springer in der Wallstraße besuchte, erlebte ich nachstehende Unterhaltung, die mit viel Vergnügen gemacht hat und die ich hier in schlesischer Mundart wiedergeben möchte.
Ei a Loadn koam anne Paürfroo mit am Kurbe rei. „Schien duda Murgn! Iech breng ock insern aala Seeger; mei Moan hoot`n rundergeschmissa, und nu gieht a nimme.“
„Nanu, wie ies denn doas possiert?“ woar die Froage.
Na, doas weil Ihn`glei derzähln. Vurigen Sunntich hotta m`r Stiftungsfest vom Militärvereine, und a poar Fraß- und Schißbuda woarn oo doo. Oabends woar mei Moan eia Kratschn geganga un ei dr Nacht turklich heemgekumma. Ei dr Nacht hott a dann ne eis Bette gefunda und hott sich ei der Stube uffs Sofa geläht. Doas woar ganz gutt. Aber mitta ei dr Nacht hier ich`n uff eemol prilln und gleich druff a Gepulter. Ich stieh uf und mache Licht und doar sah iech die Bescheerung! Do loag nämlich inser aaler Seeger unda uff die Diele, und mei Moan soaß ganz verdreht uff`n Sofa und soate: „Bies ock ne biese, Emma, mir hoat getreemt, is wullte mich enner erschissa, do hoa iech um Hilfe geprillt. Dobe muß iech mit`m Hemdsärmel oam Perpentickel hängagebliebn sein. Do ies derr Seeger zürscht uff miech und dann ei die Stube gefolln.“ Woas sullte iech nu dazu soan? Is Verrickste ies, woas `m getreemt hotte. A meente: „Weeßte, war mich erschiessa wullte? Da Schißbudamoan! Iech gucjte oabends zu, wie geschussa wurde. Do stoand a bemoalter Moan aus Blecj, da zum Uffziehn ging. Dar machte egoal sei Maul uf und zu. Jedesmol, wenn as ufmachte, froaß a a Kließla, kee richtiges, ock ees aus Gips. Uff die ruffkummada Kließla mußte ma schissa, daaß se dam Blechmoane eim Maule zerplotzta. Da Schißbudamoan mit dam grußa Maule ies mir nu ei der Nacht eigekumma; a hoote salber a Gewehr und zielte uf miech.“ Honn de denn su anne Verricktheit schunn amol gehiert? - - -
Na, kurz und gutt, oam andern Murgn honn mir a Seeger wieder uffgehanga, aber a tickte bluuß a poarmoal, dann blieb a stiehn. Mei Moan soate: „Do wärscht a halt missa miete no Landshutt nahma, wenn de uff a Moarkt giehst“. Und nu breng iech a Invaliden.“
„Es is gutt, Froo Kretschmern“, meente derr Meester, „ich wird sehen was kaputt ist, in 14 Tagen können Sie ihm wiederholen.“
Der Kratschmern schimpfte beim Nausgiehn: „Muuß m`r der Aale die Uhre runderschmeißa! Na, laba Se ock gesund!“
Willi Schien, Düsseldorf
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