Allgemein

Bei der Ausreise und auch Wiedereinreise, keine Wartezeit; Geldumtausch ist jetzt direkt am Kontrollpunkt möglich. Es wird zu unterschiedlichen Kursen, von den einzelnen Anbietern im selben Gebäude, getauscht. Tip: Nicht gleich vorn im ersten „Kantor“ tauschen, sondern nach dem Kurs fragen. Im Inland soll der Kurs günstiger sein, man muß aber suchen und evtl. mit Parkgebühren rechnen. In Ludwigsdorf haben wir 1:3,70 und 1:3,95 getauscht (EURO zu Zloty).

Reisende: Vater und Sohn,

Pkw: Ford Fiesta, Diesel, älteres Modell;
Dieselpreis: 3,57 – 3,90 Zloty pro Liter.

Lt. Versicherungsangaben, sind in Polen besonders gefährdete Pkw-Typen:
Mercedes, BMW, VW Passat. Kaum gestohlen werden japanische und französische Autos.

Wir haben einen Landsmann aus Meißen mit zurückgenommen, da ihm in Krummhübel sein Auto (VW Passat) vom Hotelparkplatz, trotz Wegfahrsperre, in der Nacht gestohlen wurde.

Zurückgelegte Kilometer, von und bis Leipzig: 1.250.

 

20. Juni 2005
Wüstewaltersdorf, Fabrik an der Reichenbacher Straße
Wir wollen die Anreise gleich nutzen, um im nördlichen Teil des Kreises Neumarkt, Geburts- und Wirkungsstätten meiner Großeltern aufzusuchen. Übernachtung ist, wie immer, in meinem Geburtsort, Wüstewaltersdorf im Eulengebirge, vorgesehen.

Wir fahren von Görlitz über Lauban („ …. putztLöwenberg, Gef.Denkm der Welt die Nase“), nach Löwenberg. Hier bewundern wir die Stadtmaür und fotografieren das Gefallenendenkmal, von dem leider alle Namen entfernt wurden. Im Schlesien-Lexikon finden wir die Notiz, daß Reichstag und Brandenburger Tor in Berlin aus Löwenberger Sandstein erbaut wurden.

Weiter geht es über Goldberg nach Liegnitz, wo die in der Gründerzeit herausgeputzte, mittelalterliche Oberkirche Peter und Paul den Ring beherrscht. Liegnitz, HeringsbudenDen Schlesier freut`s, die Innenstadt um den Ring ist
inzwischen, wie auch in Breslau, recht ordentlich und geschmackvoll hergerichtet. Die Zeit, in der man von Schlesien nur über Verfall berichten mußte, ist wohl vorüber, wenngleich es leider noch genug davon gibt!

Über Maltsch, Nimkau erreichen wir Belkau, das am 9.1.1937 in Weißenfeld Liegnitz, Peter u. Paul Kircheumbenannt wurde und polnisch Bialków heißt. Hier wurde am 20. Oktober 1893 meine Großmutter geboren. Die gepflegte ehemalige ev. Kirche gestattet auch einen Blick ins Innere. Hier ist meine Großmutter aber nicht getauft worden, da sie bis zu ihrer Hochzeit katholischen Belkau, Ev. Kirche2Glaubens war, mußte sie ins benachbarte Gloschkau zur katholischen Kirche.

Wir gehen in den riesigen Hof des Rittergutes. An den Hof- und Wohngebäuden wurde schon fleißig saniert, viel bleibt noch zu tun. Wir haben großes Glück, wir treffen dort auf einen deutschen Landsmann, der uns freundlich alle Fragen beantwortet. So erfahren wir, daß 1.500 ha des Rittergutes von einer polnisch-deutschen Firma bewirtschaftet wird. Zunächst wird nur Ackerbau betrieben, aber die Anschaffung von Vieh ist schon geplant. Zum Abschluß fährt uns unser neür Bekannter mit seinem Auto zu allen Plätzen, dieBelkau, Rittergut, Herrenhaus, Parkseite dort Stationen im Leben meiner Großeltern waren. So sehen wir Brandschütz, wo sich das zum Hotel umgebaute Schloß schneeweiß von der Umgebung abhebt. Tennisanlagen fehlen auch nicht, ja, Breslau ist nicht weit. Wir sehen Tschirnau, wo sich auf dem Gut die Großeltern kennengelernt haben. Das Brandschütz, HerrenhausHerrenhaus gibt es allerdings nicht mehr. In Wolfsdorf tritt beim ehemaligen „Gasthof zur Wasserburg“ der überpinselte deutsche Name wieder deutlich lesbar hervor. An der Oder sehen wir am gegenüberliegenden Ufer Auras und in der Ferne die Türme von Breslau.

Über Neumarkt und Kanth treten wir die Weiterreise an. Hinter Kanth besuchen wir Blüchers Grab. Als einziges Positivum wäre festzustellen, daß es das Grabmal noch gibt. Wie überall sind alle Schriften und sonstigen Hinweise auf die Zugehörigkeit zu Deutschland radikal, z. T. stümperhaft unter Zerstörung anderer Elemente, entfernt worden. Blüchers Grabmal

Weiter fahren wir über Schweidnitz, entlang dem Tal der Weistritz, an der inzwischen stillgelegten Weistritztalbahn entlang und biegen in Hausdorf nach Wüstewaltersdorf ab. Unsere Wirtsleute warten schon, da wir beim Grillabend dabei sein sollen.

Brandschütz-AurasEine Woche vorher hatte Wüstewaltersdorf gefeiert. Es war 1305 als Villa Walteri von deutschen Siedlern gegründet worden. Die Beteiligung von ehemaligen Wüstewaltersdorfern war sehr spärlich. Die polnischen Behörden taten sich schwer mit der Tatsache, daß der Ort 640 Jahre einen deutschen Namen trug und erst 1945 der polnische Name „Walim“ erfunden wurde, der  keinerlei historischen Bezug hat. Wir haben das ja auch mit Königsberg / Kaliningrad erlebt. Frei nach Wilhelm Busch, „….weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

 

21. Juni 2005

Patschkau, St. JohannesÜber Glatz fahren wir nach Reichenstein, der Name deutet auf den \Reichenstein, Salvator KircheGoldbergbau, der hier im Mittelalter umfangreich betrieben wurde. Interessant die Salvatorkirche, an der noch die Jahreszahl 1545 zu lesen ist. Weiter geht es nach Patschkau, wo uns vor allem die mächtige St. Johannes Kirche, mit dem aufgesetzten Wehrgeschoß beeindruckt. Den vertriebenen Schlesiern wird durch die neün Besitzer des Landes mit einer Inschrift an dieser Kirche gedacht:

„Dem Gedenken der Toten derer, die bis 1945 in Patschkau Wohnung und Heimat
hatten.“

Das ist noch sehr selten in Schlesien, trägt aber sehr zur Versöhnung zwischen den Völkern Neißebei. In Niederschlesien, wo 1945, wie beispielsweise in Sachsen oder Bayern, alles deutsch geprägt war, hatten die Grottkauneün Besitzer nicht eiligeres zu tun, als alles Deutsche, seien es Straßenschilder, Namen an Gasthöfen, Geschäften, Gefallenendenkmälern usw. zu entfernen. Meist mußten es die deutschen Bewohner selbst tun. Auch Kirchen und Friedhöfe wurden teilweise nicht verschont. Bis in die 1980er Jahre wurde peinlich alles Deutsche vermieden. Auch heute noch findet man z. B. in Liegnitz (Peter und Paul) Erklärungen in Polnisch, Russisch, Englisch und Französisch – Deutsch fehlt.

Über Ottmachau fahren wir ins „Schlesische Rom“, nach Neisse und sind damit weiter nach Oberschlesien vorgedrungen, was aber hier noch sehr niederschlesisch geprägt ist. Neisse wurde bei den Kämpfen 1945 nahezu völlig zerstört. St. Jakobi mit dem gewaltigen Glockenturm dominiert die Stadt. An der Kirche eine große Tafel mit den deutschen Spendern für den Wiederaufbau.

Über Grottkau fahren wir nach Strehlen, dessen Zerstörungen von 1945 noch heute sichtbar Heidersdorfsind. Auf der gesamten Strecke begleitet uns Zobten von Westender Anblick „des” schlesischen Berges, des Zobten. Weiter geht es über Reichenbach, Peterswaldau, Steinkunzendorf zunächst nach Rudolfswaldau, wo wir den evangelischen Friedhof, bzw. die Reste davon suchen. Mit tatkräftiger Hilfe von drei Mädchen aus dem Ort finden wir ihn auch. Er liegt gegenüber der bekannten Holzkirche, auf der anderen Straßenseite. Allerdings sind die zertrümmerten Grabsteine meterhoch zugewachsen. Mit Hilfe der polnischen
Mädchen finden wir noch einige Grabsteine und fotografieren sie:


Hermann WITTWER * 29.7.1841  + 24.2.1919
Maurerpolier Ernst HARTWIG * 13.3.1840 + 17.8.1919
Ernst Gottfried POHL * 24.3.1811 + 1.11.1879
                                         Willi TSCHIRNER * 7.10.1906  + 6.9.1918 (aus einer Seitenlinie meiner Seidel-Vorfahren                                             auRudolfswaldau, ev. Friedhofs Rudolfswaldau).

Über Schlesisch-Falkenberg, wo wir wieder vergeblich Rudolfswaldau, ev. Friedhofversuchen, in das Bergkirchlein zu kommen, fahren wir nach Wüstewaltersdorf zurück.

 

 


 

 

 

 


 

 

 

22. Juni 2005

Erste Station auf der Rückfahrt ist das evang. Pfarramt in Waldenburg. Anschließend wollen wir gern das Ehrenmal Waldenburg sehen. Wir finden es auch, mit Hilfe der ausgezeichneten Beschreibung unseres Waldenb. m. HochwaldListenmitgliedes Andreas Richter, auf Anhieb. Der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge ließ dieses, auch jetzt noch beeindruckende Bauwerk, 1936-38 für die 170.000 Menschen, die an der Ostfront des 1. Weltkrieges und bei der Arbeit ums Leben kamen, errichten. Leider durfte sich an dem Bauwerk, im Bestreben, deutsche Spuren zu beseitigen, ein behördlich angeordneter Vandalismus austoben.  Denkmal, Gesamtansicht

Wer das Denkmal aufsuchen möchte, in Oberwaldenburg von der Chausseestraße, poln. Niepoldleglósci in die Straße J. Kasprowicza einbiegen. Immer bergauf, bis die Straße zu Ende ist, dann den Fußweg weiter. Im Wald links halten. Man kann auch nach dem „Mausoleum“ fragen, die meisten kennen es.

Die Rückreise führt uns, schon fast traditionsgemäß, über Gottesberg, Landeshut, Hirschberg. Von dieser Route hat man den schönsten Blick auf das Riesengebirge und der Anblick der Schneekoppe begleitet einen bis fast nach Görlitz, je nach Sichtverhältnissen.

Auch in diesem Jahr konnten wir feststellen, daß in Polen die Segnungen der Globalisierung, zumindest äußerlich, noch nicht Einzug gehalten haben. Die Polen sind noch unter sich und wir hatten den Eindruck, daß sie dabei auch nichts vermissen. Wir werden es sicher nicht mehr erleben, daß man in Schlesien, mitten in Europa, den Anblick einer Mosche ertragen muß.

Wolfgang Leistritz
Reise nach Schlesien, 20. -22. Juni 2005

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Publikationsstand dieser Seite:02/04/08

 

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Wolfgang Leistritz