Wolfgang Otto
Schlesienreise 01. Mai 2004
Endlich war es soweit.
Die lange geplante Reise nach Schlesien in die Vergangenheit konnten wir am 1.Mai 2004 in Angriff nehmen. Mit meiner Frau Roswitha und den Söhnen Roman und Andreas (Frank konnte leider nicht mitkommen) ging es frühmorgens gegen 6.30 Uhr los. Am neün Grenzübergang Hagenwerder, der zwischen Zittau und Görlitz liegt, waren wir das einzige Auto und nach einem kurzen Blick in die Ausweise konnten wir schon die Grenze passieren.
Nun ging es Richtung Lauban und Hirschberg mit einem Umweg durchs wund
erschöne Riesengebirge. Es war ein toller Anblick, im Hintergrund die noch stellenweise schneebedeckten
Berge, dass frische Grün des Frühlings und die blühenden Rapsfelder.
Nach einer kurzen Kaffeepause sind wir dann an Waldenburg vorbeigefahren und haben in Freiburg Station gemacht. Die Stadt machte einen sehr sauberen Eindruck auf uns. Als erstes sind wir zur evangelischen Kirche gegangen, in der ich getauft wurde, die aber leider verschlossen war. Anschließend haben wir uns den Ring und das Rathaus angesehen.
Wieder im Auto sind wir nach Zirlau gefahren, das inzwischen nach Freiburg eingemeindet ist. Die Spannung erreichte den Höhepunkt als wir die kleine Seite herunter fuhren, an der Baumschule Berndt vorbei und plötzlich nach einer leichten Rechtskurve stand mein Geburtshaus vor uns. Ich hatte es 1967 das letzte Mal gesehen, der Anblick war leider nicht sehr erfreulich.

Es folgte ein Spaziergang durchs Dorf, an der Ruine (sollte ein Schloß werden, steht seit Mitte des 19. Jahrhundets als Rohbau, heute würde man Investmentruine dazu sagen) vorbei und zum Friedhof. Das
einzige was noch an früher erinnerte, ist die in der Mitte stehende Gedenksäule für die Gefallenen von 1870/71. Nicht ein einziges deutsches Grab ist mehr vorhanden.
Weiter ging es nach Polsnitz, wo mein Vater und meine Großmutter geboren wurden und aufwuchsen. Man konnte schon den Fürstenstein sehen, doch die Zufahrt war auf der anderen Seite in Richtung Waldenburg. Das Schloss selbst wurde renoviert und machte einen angenehmen Eindruck auf uns. Es war gerade Gartenausstellung und tausende von Leuten besuchten die Anlage.
Doch die Zeit drängte, denn wir hatten nur einen Tag und weiter ging es nach Ober Bögendorf (liegt zwischen Freiburg und Schweidnitz in einem schönen schmalen Seitental). Dort wurde mein Urgroßvater Reinhold Otto und seine vielen Geschwister
geboren.
Die Friedenskirche in Schweidnitz war auch noch Ziel unseres Programms. Endlich standen wir davor. Es war sehr beeindruckend - der größte
Fachwerkbau Europas. Im Inneren blieb uns dann der Mund offen stehen, so faszinierend war der Anblick, welche Kunst einfache Handwerker vor 350 Jahren geschaffen haben. Die Kirche gehört zwar zum Weltkulturerbe, aber da möchte noch viel Geld fließen, um diese Kostbarkeit weiterhin zu erhalten. Die evangelische Gemeinde zählt nur noch ganze 120 Mitglieder und ist damit völlig überfordert.
Langsam wurde es Abend und wir wollten ja noch nach Peterwitz. Über Königszelt kommend war es dann soweit. An der katholischen Kirche, die evangelische Kirche wurde erst 70 Jahre alt bis auf die Grundmaürn abgerissen, haben wir das Auto abgestellt. Heute steht dort eine vergammelte Kaufhalle. Das SCHRAMM- Haus
(Geburtshaus meiner Mutter und Großmutter) war bis auf die Nebengebäude gut in Schuss. Danach sind wir zum FENDE- Haus (Geburtshaus meines Großvaters) gelaufen, das sich am Ende des Dorfes etwas versteckt und ich hatte den Eindruck, dass mich eine unsichtbare Hand führt
(ich war noch nie dort und kannte es nur vom erzählen). Leider ist dieses Haus unserer Vorfahren in einem schlechten Zustand.
Nach einem kurzen Halt beim Schloss von Peterwitz, das heute mehr wie eine Ruine aussieht, sind wir auf kürzestem Wege wieder Richtung Oberoderwitz gefahren, wo wir gegen 23 Uhr ankamen.
Es war ein wunderschöner und erlebnisreicher Tag und der allgemeine Tenor war:
das machen wir wieder einmal!

Publikationsstand dieser Seite:02/04/08